+ Die Pläne von 1875 bis 1914 Bezeichnung InkrafttretenPlan I 1875Plan II 1877Plan III 1878Plan IV 5. Mai 1883Plan VII 15. März 1887Plan VIII 15. April 1888Plan IX 10. Mai 1889Plan X April 1891Plan XI 15. Februar 1893Plan XII 15. Februar 1895Plan XIII April 1898Plan XIV März 1903Plan XV 22. Mai 1907Plan XVI Mai 1909Plan XVII 15. April 1914 Die Pläne zur französischen Mobilmachung von 1875 bis 1914 wurden vom französischen Generalstab in der Zeit zwischen dem Ende des Deutsch-Französischen Krieges und dem Beginn des Ersten Weltkrieges erstellt.

Es handelte sich um eine ständige Modifizierung des ersten Mobilisierungsplans unter Berücksichtigung der massiven Verstärkungen, die nach der Einberufung der Reservisten zur Verfügung standen, sowie um den Bahntransport zu den Aufmarschgebieten unter dem Schutz und der Abschirmung gegen feindliche Aufklärung durch eigene Grenzeinheiten. Alle diese Pläne sahen eine Konzentration der Kampftruppen entlang der deutsch-französischen Grenze vor. Der bekannteste dieser Pläne war der „Plan XVII“, der im August 1914 im Zuge der Generalmobilmachung umgesetzt wurde.

Reformen ab 1870 mini|Der Vertrag von Frankfurt von 1871 galt bis 1919. Elsass und Teile Lothringens kamen als Reichsland Elsaß-Lothringen an das Deutsche Reich. Im Zweiten Kaiserreich wurden die französischen Streitkräfte erstmals massiv mit der Eisenbahn transportiert – so im Sardinischen Krieg 1859 und im Deutsch-Französischen Krieg 1870. Nach der Niederlage von 1870 befand sich das französische Militär in einer unterlegenen Situation gegenüber Deutschland. Es hatte durch die Abtretung von Elsaß-Lothringen einen Teil seiner personellen Ressourcen und seiner befestigen Plätze verloren. Metz und Straßburg waren jetzt deutsch, und Teile des Landes waren bis September 1873 militärisch besetzt, als die letzten Deutschen aus Verdun abzogen. Es brauchte also Zeit, um eine Armee ähnlich der Deutschen aufzubauen. Dazu wurde mit einem Gesetz (loi Cissey) im Jahre 1872 das Konskriptionssystem aufgegeben.Gesetz vom 27. Juli 1872 über die Wehrpflicht, veröffentlicht im Bulletin des lois de la République française, Nr. 101 vom 17. August 1872, S. 97 (). Es folgte die Einrichtung der Régions militaires (eine Art Wehrbereiche), von denen jede im Frieden für ein Armeekorps zuständig war.Das Gesetz vom 24. Juli 1873 bezog sich auf die Organisation der Armee, veröffentlicht im Bulletin des lois de la République française, Nr. 147 vom 7. August 1873, S. 113 (). Im Jahre 1874 trat eine Regelung in Kraft, betreffend die strategischen Truppentransporte und die Finanzierung neuer Festungsanlagen (Programme Séré de Rivières). Weiterhin wurde noch im gleichen Jahr eine Vermehrung der Infanterieregimenter auf 152 angekündigt.Gemäß den drei Anordnungen vom 29. September 1873 wurden die 144 Infanterieregimente zu je vier Bataillonen um vier Regimenter Zuaven, drei Regimenter Tirailleurs, ein Regiment der Fremdenlegion, drei Bataillone leichte afrikanische Infanterie und 30 Jägerbataillone verstärkt. Dazu kamen weitere Linieninfanterieregimenter, 14 Kavallerieregimenter und acht Artillerieregimenter. Veröffentlicht im Bulletin des lois de la République française, Nr. 158 vom 29. und 30. September 1873, S. 567–572 (). Vervollständigt wurden die Anordnungen durch das Gesetz vom 13. März 1875, welches die Stärke des gekaderten und des präsenten Personals der aktiven Armee und der Territorialarmee festlegte.Veröffentlicht im Bulletin des lois de la République française, Nr. 257 vom 28. März 1875, S. 605 ().

Die ersten vorausschauenden Studien über die Organisation eines Aufmarsches der französischen Truppen gegen Deutschland erschienen 1872 und wurden 1875 mit dem „Plan I“ umgesetzt.

Jede Stadt erhielt von nun an mindestens einen Truppenteil als Garnison zugewiesen. Im Jahre 1913 waren dies 221 Städte, in denen sich mindestens eine Kaserne befand.Dominique Lejeune: La France de la Belle Époque 1896–1914. Armand Colin, Paris 2007 (Erstauflage 1991), ISBN 978-2-200-35198-4, S. 88.

1875 bis 1886, erste Defensivpläne Plan I von 1875 basierte auf der Annahme, dass Deutschland (ebenso wie Frankreich) die Neutralität von Belgien, Luxemburg und der Schweiz respektieren würde. Es war vorgesehen, vier Armeen auf der Linie Vesoul, Langres, Bar-sur-Aube und Reims aufzustellen und so die Grenze zu decken. Als erste Operationen war geplant, im Falle einer deutschen Invasion drei Armeen an der Front bei Épinal, Neufchâteau und Donjeux (Haute-Marne) zu konzentrieren und so in die Flanke der aus Lothringen angreifenden Deutschen zu stoßen. Eine hypothetische fünfte Armee, bestehend aus dem 14. und 15. Armeekorps in den Alpen, dazu ein 19. Korps aus Nordafrika sollten bei Nuits-sous-Ravières und Châtillon-sur-Seine zusammengezogen werden.

Plan II von 1877 berücksichtigte etwas mehr die deutschen Verstärkungen in Elsaß-Lothringen und konzentrierte die 1. und 2. Armee bei Dole und an der Ource.

Plan III von 1878 stützte sich auf die neuen Befestigungen des Systems Séré de Rivières und den Ausbau des Schienennetzes (Plan Freycinet), der es erlaubte, innerhalb von 13 Tagen vier Armeen (zu je vier Korps) in die Linie Épinal, Neufchâteau, Bar-le-Duc und Sainte-Menehould zu schieben und eine fünfte zwischen Langres und Chaumont zu platzieren. Zwei kleine Reservearmeen (insgesamt mit zwei aktiven und sechs Territorial-Infanteriedivisionen) sollten später im Bereich von Vernon und von Bourges gebildet werden. Die Deckung dieser Truppen, ebenso des 6. und des 7. Korps, war von der Kavallerie durchzuführen. Der „Plan III“ wurde im Juni 1882 modifiziert, nachdem Italien dem Dreibund beigetreten war. Es wurden zwei Korps an den Alpen disloziert und eine Division zum Schutz vor Nancy eingeteilt.

Plan IV und Plan V Sie wurden gegenüber dem Plan von 1878 kaum verändert, berücksichtigt wurde jedoch jetzt eine Überquerung belgischen Territoriums (ohne Genehmigung der Belgier)Die Hypothese eines deutschen Angriffs durch Belgien wurde in 300 Veröffentlichungen behandelt. Nachzulesen in: Maxime Lecomte, Camille Lévi: Neutralité belge et invasion allemande – Histoire, stratégie. Henri Charles-Lavauzelle, Paris 1914.. Eine französische Armee war zwischen Reims und Châlons vorgesehen.

+ Plan II von 1882 1re armée 2e armée 3e armée 4e armée 5e armée 1re armée de réserve 2e armée de réserve Armée des Alpes Aufmarschgebiet Bereich Épinal von Neufchâteau bis Gondrecourt von Ligny bis Revigny von Nettancourt bis Mourmelon von Chaumont bis Langres Bereich Vernon von Bourges bis Nevers nach Italien führende Täler Zusammensetzung 7e, 8e, 16e und 17e Corps d’armée 5e, 9e, 12e und 13e Corps d’armée 4e, 6e, 10e und 11e Corps d’armée 1er, 2e, 3e und 18e Corps d’armée 14e, 15e und 19e Corps d’armée 4 Divisionen 4 Divisionen 14e und 15e Corps d’armée

Plan VI von 1883 bezog sich auf den Aufmarsch von vier Armeen (jede mit vier Korps) innerhalb von 13 Tagen. Sie sollten zum Schutz der befestigten Plätze Belfort, Épinal, Toul und Verdun eingesetzt werden. Dazu kam eine Reservearmee bei Langres. Neu war in den ersten Tagen der geplante Aufmarsch von fünf Kavalleriedivisionen, unterstützt von drei Infanteriedivisionen und drei Infanteriebrigaden zum Schutz von Montmédy, der Höhen der Maas, von Nancy, Lunéville, der südlichen Vogesen, von Belfort und Montbéliard.

+ Plan VI von 1883 1re armée 2e armée 3e armée 4e armée 5e armée Aufmarschgebiet Bereich Charmes Bereich Colombey Bereich Bar-le-Duc Bereich Sainte-Menehould von Jussey bis Langres Zusammensetzung 7e, 8e, 16e und 17e Corps d’armée 5e, 9e, 12e und 13e Corps d’armée 4e, 6e, 11e und 18e Corps d’armée 1er, 2e, 3e und 10e Corps d’armée 14e, 15e und 19e Corps d’armée

Plan VII von 1884 verstärkte noch einmal den Abwehrschirm durch 10 Kavalleriedivisionen (fünf würden im Mobilmachungsfall neu aufgestellt). Dieser würde durch vier Armeen der ersten Linie gebildet, die ab dem 13. Tag nach Mobilmachung aufmarschieren und am 15. Tag komplett sein würden. Unterstützt würden sie von drei Reservearmeen in der zweiten Linie hinter dem rechten Flügel der 5. Armee, hinter dem Zentrum der 6. Armee und hinter dem Flügel der 7. Armee. Die Reservearmeen würden aus Reservisten und Territorialkräften bestehen und am 19. Tag einsatzbereit sein.

+ Plan VII von 1884 1re armée 2e armée 3e armée 4e armée 5e armée 6e armée 7e armée Armée des Alpes Aufmarschgebiet von Charmes bis Épinal von Mirecourt bis Colombey von Commercy bis Bar-le-Duc in den Argonnen Bereich Luxeuil im Nordosten von Chaumont im Osten von Châlons nach Italien führende Täler Zusammensetzung 7e, 8e, 16e und 17e Corps d’armée 5e, 9e, 12e und 13e Corps d’armée 4e, 6e, 11e und 18e Corps d’armée 1er, 2e, 3e und 10e Corps d’armée 5e, 8e, 13e und 17e Division de reserve 4e, 9e, 11e und 12e Division de reserve 1re, 2e, 3e und 10e Division de reserve 14e und 15e Corps d’armée

1887 bis 1897, Pläne mit mehr Offensivgeist mini|Präsentation der Standarte vor den Rekruten des 6e régiment de cuirassiers an der École militaire (Louis Auguste Loustaunau, 1887): die Jahre nach 1880 waren geprägt durch Militarismus und Patriotismus Der Bau von zwei neuen Eisenbahnlinien ermöglichte den Franzosen einen schnelleren Aufmarsch, hoffend, dass sich durch die Verschlechterung der deutsch-russischen Beziehungen nach dem Abschluss des Zweibundvertrages mit Österreich-Ungarn und nach dem Berliner Kongress das deutsche Augenmerk (und die militärischen Schwerpunkte) mehr nach dem Osten verschieben würden, um so selbst eine leichte zahlenmäßige Überlegenheit zu haben. Unter diesen Umständen zog der französische Generalstab einen Angriff auf Elsaß-Lothringen mit Überwindung der Festung Metz in Erwägung.

Plan VIII von 1887 verstärkte noch die vier Armeen der ersten Linie, die am 11. Tag einsatzbereit sein sollten, ohne jedoch volle Stärke erreicht zu haben. Dazu waren nach 15 Tagen drei Reservearmeen in der zweiten Linie vorgesehen. Allerdings wurde jetzt die erste Front weiter nach Osten, in die Linie Charmes, Pont-Saint-Vincent, Saint-Mihiel und Verdun, verlegt. Sollte Italien neutral bleiben, würden sich das 14. und 15. Korps hinter Belfort versammeln, um das Elsass anzugreifen. Die kleinen Belagerungsparks der Artillerie wurden mit je 16 Kanonen (Canon court de 155 mm modèle 1882) und acht Mörsern vom Modell Mortier de 220 mm modèle 1880 ausgestattet. Durch die zwischenzeitliche Erfindung der Brisanzgranaten verloren die gemauerten Festungswerke schlagartig das meiste ihrer Schutzwirkung, woraufhin die Truppen des Abwehrriegels hastig verstärkt und vier Kavalleriedivisionen bei Verdun und Stenay konzentriert werden sollten. Eine defensivere Variante sah vor, Kräfte am östlichen Rand der Haute-Saône und der Haute-Marne zu stationieren.

+ Plan VIII von 1887 1re armée 2e armée 3e armée 4e armée 5e armée 6e armée 7e armée Armée des Pyrénées Armée des Alpes Aufmarschgebiete von Épinal bis Charmes von Charmes bis Pont-Saint-Vincent von Toul bis Saint-Mihiel von Verdun bis Sainte-Menehould nördlich von Luxeuil von Neufchâteau bis Gondrecourt im Bereich Châlons im Bereich Laon und La Fère nach Italien führende Täler Zusammensetzung 7e, 13e, 16e und 17e Corps d’armée 5e, 9e, 12e und 8e Corps d’armée 4e, 6e, 11e und 18e Corps d’armée 1er, 2e, 3e und 10e Corps d’armée 5e, 8e, 13e, 17e Division de réserve, 14e und 15e Corps d’armée 4e, 9e, 11e, 12e Division de réserve und 19e Corps d’armée 1re, 2e, 3e und 10e Division de réserve 16e, 17ebis, 18e Division de réserve 14e und 15e Corps d’armée

Plan IX von 1888 platzierte vier Armeen zwischen Épinal und den Argonnen, mit einer fünften Armee zwischen