Sandau (Elbe) ist eine Stadt im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt und gehört der Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land an. Sandau ist die kleinste Stadt in Sachsen-Anhalt und eine der kleinsten Städte in Deutschland. mini|hochkant=1.2|Blick auf Sandau mit Elbfähre mini|Karte von Sandau (Mitte des 18. Jahrhunderts)
Geografie Die Kleinstadt Sandau (Elbe) liegt am östlichen Ufer der Elbe, fünf Kilometer südwestlich von Havelberg. Westlich der Stadt liegt das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet „Elbaue zwischen Sandau und Schönhausen“.
Geschichte In einer spätestens 1192 ausgestellten Urkunde wird ein Dorf Sandau als Villa Sandowe erstmals erwähnt. Im Jahre 1272 wurde der Stadt Sandow eine freie Fähre verliehen. In diesem Jahr wurde Sandau zum ersten Mal als „Stadt“ erwähnt.https://sandau.de/geschichtliches/ Weitere Nennungen sind 1282 Sandow, 1284 Zandow, 1308 consules civitatis Sandow (Rat der Stadt Sandau).
Mit dem Vertrag von 1354 traten Ludwig der Römer und Otto, Markgrafen von Brandenburg, Stadt und Land Sandau an das Erzstift Magdeburg ab, bei dem es verblieb.
Im April 1945 wurde die Stadt zu 80 % zerstört, nachdem eine in der Nähe stationierte Einheit der Waffen-SS die Übergabe unterbunden und einen US-amerikanischen Parlamentär erschossen hatte.https://sandau.de/geschichtliches/ Nach zwölftägigem Artilleriebeschuss durch linkselbisch stationierte US-Truppen besetzten diese die kleine rechtselbisch gelegene Stadt am 25. April 1945.
Eingemeindungen Ab 1680 war Sandau als Immediatstadt direkt dem brandenburg-preußischen Herzogtum Magdeburg unterstellt und lag bis 1807 im zweiten Distrikt des Jerichowschen Kreises. Sie war die nördlichste Stadt des Herzogtums. 1816 kam sie zum Kreis Jerichow II, dem späteren Landkreis Jerichow II in der preußischen Provinz Sachsen, der ab dem 15. Juni 1950 Landkreis Genthin hieß.
Am 20. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Wulkau nach Sandau eingemeindet.
Am 1. Januar 1957 wurde der Ortsteil Wulkau wieder aus der Stadt Sandau (Elbe) ausgegliedert und entstand als politisch selbstständige Gemeinde neu.
Am 25. Juli 1952 wurde die Stadt dem Kreis Havelberg zugeordnet. Am 1. Juli 1994 kam Sandau schließlich zum heutigen Landkreis Stendal.
Bevölkerung Jahr Einwohner 1779 1274 1782 1381 1818 1449 1840 1882 1864 2187 1871 2143 1905 1834 Jahr Einwohner 1910 1811 1925 1724 1933 1794 1939 1927 1946 1632 1964 1296 1971 1282 Jahr Einwohner 1990 1069 2005 1030 2010 948 2015 881 2020 828 2021 829 2022 808 Jahr Einwohner 2023 809 2024 796 2025 806
Quellen: 1871 bis 1971 Ergebnis der Volkszählung, ab 1990: Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Religion Die Volkszählung in der Europäischen Union 2011 ergab, dass von den 945 Einwohnern der Stadt Sandau (Elbe) rund 22 % der evangelischen und rund 3 % der katholischen Kirche angehörten.Datenbank Zensus 2011, Sandau (Elbe), Stadt, Religion
Die evangelische Kirchengemeinde Sandau wird betreut vom Pfarrbereich Sandau im Kirchenkreis Stendal im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.
Eine evangelische Landeskirchliche Gemeinschaft hat ihren Sitz an der Triftstraße.
Die katholischen Christen gehören zur Pfarrei St. Elisabeth in Tangermünde im Dekanat Stendal im Bistum Magdeburg.
Politik Stadtrat Der Stadtrat von Sandau besteht aus 10 Mitgliedern und der Bürgermeisterin. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 62,4 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Allgemeine Bürgerbewegung Sandau 47,2 % 5 85,7 % 9 Einzelbewerber Ruud Engelse – – 14,3 % 1 CDU 27,5 % 3 – – Sandauer Kultur- und Carnevalsverein 17,1 % 1 – – Die Linke 8,2 % 1 – – Insgesamt 100 % 10 100 % 10
Bürgermeister 2002–2021: Henry Wagner seit 2021: Claudia Lange
Wagner wurde bei der Bürgermeisterwahl am 20. April 2015 ohne Gegenkandidat mit 100 % der gültigen Stimmen erneut in seinem Amt bestätigt. Er trat 2021 von seinem Amt zurück.
Lange wurde bei der Bürgermeisterwahl am 6. Juni 2021 mit 71,3 % der gültigen Stimmen zu seiner Nachfolgerin gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 6. Juni 2021 Ihre Amtszeit beträgt sieben Jahre.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61
Wappen mini|hochkant=0.7|Altes Sandauer Wappen von 1979
Blasonierung: „In Gold eine schwarz gefugte, rote Burg, bestehend aus einer gezinnten Mauer und zwei Türmen mit beknauften Spitzdächern und je einer Fensteröffnung; die Türme verbunden durch ein abgeflachtes Dach mit aufgesetztem beknauften Kegel; darunter ein blau gekleideter heiliger Mauritius mit Brustharnisch und gegürtetem silbernen Schwert, in der Linken einen von Rot und Silber geteilten Schild, in der Rechten eine blaue Lanze mit silbernem, rot bekreuzten Fähnlein haltend.“
Das Wappen in seiner jetzt gültigen Form wurde 1996 im Zuge des Genehmigungsverfahrens vom Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch gestaltet und dokumentiert.
Flagge Die Stadt Sandau (Elbe) hat eine rot-goldene (gelbe) Streifenflagge mit aufgelegtem Wappen.
Sehenswürdigkeiten und Kultur mini|Kirche St. Laurentius und St. Nikolaus
Kirche St. Laurentius und St. Nikolaus
Die evangelische Kirche St. Nikolaus und St. Laurentius befindet sich auf dem höchsten Punkt der Stadt. Sie wurde um 1200 als wehrhafte dreischiffige Pfeilerbasilika in Backsteinbauweise errichtet. Der Breitturm hatte ein Walmdach. Die Kirche wurde 1695 bei einem großen Stadtbrand bis auf die Umfassungsmauern zerstört. 1858/59 wurden bei einer Restaurierung die barocken Innenumbauten wieder beseitigt. Im April 1945 wurde bei den Kampfhandlungen auch die Kirche St. Laurentius und St. Nikolaus fast zerstört, der Westturm stürzte ein. Das Kirchenschiff hat man in den 1950er und 1970er Jahren wiederhergestellt, der wuchtige Turm blieb Ruine. 2002 wurde sein Wiederaufbau begonnen: 2008 war er bis zum dritten Stockwerk wiederhergestellt, darüber war er noch Ruine; 2013 wurde er schließlich mit einem Dachreiter fertiggestellt.Website zum Kirchturmbau, abgerufen am 15. Mai 2014.
Schloss Sandau
mini|Schloss Sandau In das auf das 14. Jahrhundert zurückgehende Schloss, einstmals Sommerresidenz der Bischöfe von Magdeburg, wurden 1945 drei Schwestern des Ordens „Von der Göttlichen Vorsehung“ mit Waisenkindern aus einem zerstörten Kinderheim aus Dülken im Rheinland evakuiert. Die Besitzerin, die Künstlerin Anna Rhomberg, versprach während eines Bombenangriffs, das Schloss der katholischen Kirche zu überlassen, falls sie diesen überleben sollte. 1947 wurde das Schloss der katholischen Kirche als Kinderheim übergeben, 1957 musste es auf Druck der DDR-Organe geschlossen werden. Danach wurde 1959 in dem Gebäude ein Altenpflegeheim eingerichtet, das noch heute als Caritas Altenpflegeheim St. Marien besteht und in Trägerschaft einer Caritas-Gesellschaft 58 Wohnplätze bietet. 1999 erfolgte die Grundsteinlegung für einen Erweiterungsbau, 2000 wurde er bezogen. 2001 folgte eine Sanierung des Altbaus. Im Schloss befindet sich eine katholische Kapelle, in der seitens der Pfarrei St. Elisabeth (Tangermünde) Gottesdienst gehalten wird.
Denkmale mini|hochkant=0.75|Denkmal für die 1. Polnische Armee Nördlich der Kirche steht ein Denkmal für die 1. Polnische Armee, deren Soldaten vor Sandau gekämpft hatten. Sie erreichten am 4. Mai 1945 die Elbe südlich von Sandau. Auf dem Friedhof gibt es eine Gräberstätte für die Opfer des Zweiten Weltkrieges.
Verkehr Sandau liegt an der Straße der Romanik, die hier über die Bundesstraße 107 verläuft. Die Fähre Sandau führt im Zuge der Landesstraße 9 über die Elbe.
Der öffentliche Personennahverkehr wird unter anderem durch den PlusBus des Bahn-Bus-Landesnetz Sachsen-Anhalt erbracht. Folgende Verbindung, betrieben von der Stendalbus, führt durch Sandau: Linie 900: Stendal/Tangermünde ↔ Fischbeck ↔ Schönhausen ↔ Sandau ↔ Havelberg ↔ Glöwen
Die Bahnstrecke Schönhausen–Sandau mit dem Bahnhof Sandau (Elbe) wurde 1997 eingestellt. Die Trasse Richtung Süden ist heute Teil des Elberadweges.
Söhne und Töchter der Stadt Johannes Knipstro (1497–1556), lutherischer Theologe Samuel Carsted (1716–1796), Pfarrer und Militärgeistlicher Karl Wilhelm Friedrich von Schmettau (1734–1798), preußischer Generalleutnant Ludwig Franz Philipp Christian von Kleist (1748–1809), preußischer Oberst Samuel Christoph Wagener (1763–1845), lutherischer Theologe Karl von Winning (1784–1849), preußischer Generalmajor Adolph von Koerber (1817–1895), Generallandschaftsdirektor und Politiker Hermann Jordan (1878–1922), Theologe und Hochschullehrer Edmund Rhomberg (1875–1944), Diplomat Peter Hauptmann (* 1944), Physiker und Hochschullehrer Chris Schulenburg (* 1980), Politiker (CDU), Mitglied des Landtages von Sachsen-Anhalt
Literatur Rat der Stadt Sandau (Hrsg.): 800 Jahre Sandau. 1190–1990. Ortsgruppe Kulturbund Sandau, Sandau 1990 (ohne ISBN).
(Nachdruck: SelbstVerlag Eugen & Constanze Gliege)
Weblinks
Offizielle Website der Stadt Sandau (Elbe)
Einzelnachweise (Reprint 2018, Verlag Rockstuhl)
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