Gui Minhai ( aka ; * 5. Mai 1964 in Ningbo, Provinz Zhejiang in der Volksrepublik China), auch bekannt als Michael Gui, ist ein in China geborener schwedischer Publizist und Buchverleger. Gui ist ein erfolgreicher Autor von Büchern über die aktuelle chinesische Politik und politische Persönlichkeiten. Gui verfasste während seiner zehnjährigen Autorenlaufbahn rund 200 Bücher unter dem Pseudonym Ah Hai (). und ist einer von drei Aktionären des Buchladens Causeway Bay Books in Hongkong.

Ende 2015 wurde Gui in Thailand vermisst. Gui war einer von fünf Männern, die bei einer Reihe Zwischenfällen verschwanden, was als das „Verschwinden der Causeway-Bay-Books-Buchhändler“ bekannt ist. Der Fall führte vor allem in Hongkong und in Großbritannien zu Befürchtungen, dass die Volksrepublik China ihre bisherige Politik des „Ein Land, zwei Systeme“ in Hongkong beenden würde. Beobachter sahen insbesondere die Unabhängigkeit des Rechtssystems Hongkongs durch den Eingriff chinesischer Strafverfolgungsbehörden bedroht. Die chinesische Regierung äußerte sich zunächst nicht zum Verbleib Guis. Später war ein Video-Geständnis Guis in den Medien Festlandchinas zu sehen. Darin soll Gui geäußert haben, dass er nach China zurückgekehrt sei und sich freiwillig den Behörden gestellt habe. Gui verzichtete damit auf den konsularischen Schutz, auf den er als schwedischer Staatsbürger Anspruch hatte. Der Fall Gui hat die Beziehungen zwischen Schweden und China stark belastet.

Viele Beobachter äußerten Zweifel an der Freiwilligkeit von Guis Geständnis. Die Washington Post beschrieb seinen Bericht als „chaotisch und inkohärent, indem er mögliche Fakten mit dem vermischte, was wie reine Fiktion erscheint“. Ende Februar 2016 erklärten chinesische Staatsmedien, dass Gui wegen „illegalem Geschäftsverkehr“ festgehalten wurde. Gui soll seit Oktober 2014 wissentlich Bücher verteilt haben, die nicht von Chinas Presse- und Publikationsbehörde genehmigt wurden. Obwohl Gui im Oktober 2017 aus der Haft entlassen wurde, wurde er im Januar 2018 erneut von Staatssicherheitsbeamten – einer Gruppe von Männern in Zivil – entführt, als er auf dem Weg nach Peking zu einem Arztbesuch war. Kurz darauf gestand er erneut, während er wegen Verstoßes gegen nicht näher bezeichnete Gesetze inhaftiert war, und prangerte schwedische Politiker an, die ihn zum Verlassen des Landes angestiftet und „mich als Schachfigur benutzt“ hätten. Gui Minhai befand sich im Dezember 2019 noch immer in China in Haft und wurde im Februar 2020 wegen „illegaler Bereitstellung von Informationen im Ausland“ zu 10 Jahren Haft verurteilt.

Lee Bo, Guis in Hongkong ansässiger Geschäftspartner, bestritt, dass Gui auf einer „politischen Mission gegen die kommunistische Partei“ sei. Stattdessen bezeichnete er ihn als Geschäftsmann, für den die Veröffentlichung von Büchern eher ein Mittel zum Geldverdienen als eine Ideologie sei. „In seinen Büchern wird auch viel über politischen Klatsch und Tratsch gemutmaßt und nicht über Tatsachen.“

Biografie Leben Gui Minhai wurde 1964 in Ningbo geboren. Im Jahr 1985 schloss er an der Universität Peking sein Studium mit einem Bachelor-Abschluss in Geschichte ab. Gui war bis 1988 als Redakteur der People’s Education Press tätig, als er nach Schweden reiste und sich an der Universität Göteborg für ein Ph.D. Studium einschrieb. Nach den Protesten auf dem Platz des Himmlischen Friedens im Jahr 1989 (als Tian’anmen-Massaker bekannt), erhielt er eine schwedische Residenz und wurde später Schwedischer Staatsbürger, woraufhin er seine chinesische Staatsbürgerschaft aufgab. Seiner Tochter zufolge fühlte er sich von der Schönheit seiner Wahlheimat und der Freiheit, die er dort spürte, angezogen. Gui promovierte 1996. Guis Frau ist auch schwedische Staatsbürgerin; ihre Tochter wurde 1994 geboren.

Gui kehrte 1999 nach China zurück und gründete in Ningbo eine Tochtergesellschaft für ein schwedisches Unternehmen namens Tangyou (), das Luftreinigungsprodukte anbietet. Gui war im Dezember 2003 in Ningbo in einen Unfall mit Alkohol am Steuer verwickelt, bei dem eine 23-jährige junge Frau beim Überqueren einer Straße getötet wurde. Die Mutter des Opfers war nicht mit dem polizeilichen Ermittlungsbericht einverstanden, in dem stand, dass ihre Tochter sekundär für die Nichtbeachtung des Verkehrs verantwortlich sei. Die Mutter hatte von Zeugen gehört, dass das Auto zu schnell gefahren sei. Sie riskierte also ihr Leben und mit Hilfe ihres Sohnes und eines Fahrers experimentierte sie selbst 10 Tage lang, um herauszufinden ob ihre Tochter mit verantwortlich gewesen war. Sie demonstrierte, dass die Fahrgeschwindigkeit des Unfallautos 110 Kilometer pro Stunde hätte überschreiten müssen, damit der Unfall hätte geschehen können. Sie appellierte an das Amt für öffentliche Sicherheit der Provinz Zhejiang, das nach erneuter Überprüfung zur Schlussfolgerung kam, dass Gui die volle Verantwortung für den Vorfall im Mai 2004 tragen sollte. In den chinesischen Medien wurde ausführlich über das Experiment der Mutter berichtet. Die Eltern des Opfers reichten später gegen Gui eine Zivilklage für Schadenersatz ein. Das kommunale Mittlere Volksgericht in Ningbo entschied im darauffolgenden August, dass Gui ein Verbrechen begangen hatte, wofür er zwei Jahre Bewährung erhielt. Gui reiste danach nach Deutschland und verstieß damit gegen seine Bewährungsauflagen. Gui verließ 2004 China und arbeitete für eine deutsche Tochtergesellschaft der Nordpool Unternehmensberatung.

Verlagslaufbahn mini|Buchladen Causeway Bay Books in Causeway Bay, Hongkong 2016 Ab 2006 gründete Gui Minhai mehrere Verlage, die sich auf die chinesische Politik konzentrierten. Gui trat dem chinesischen Verband von P.E.N. International bei, durch den er mit Fachleuten des Hongkonger PEN International vertraut wurde. Im Jahr 2013 gründeten Gui Minhai, Lee Bo und Lui Bo die Mighty Current Media (auch als Sage Communications bezeichnet), ein Hongkonger Unternehmen, das sich auf die Veröffentlichung und Verteilung von Büchern politischer Klatschgeschichten über führende Politiker in China spezialisierte. Gui und Lee Bo besitzen jeweils 34 Prozent der Gesellschaftsanteile (Lee Bos Aktien lauten auf den Namen seiner Frau, Sophie Choi) und Lui Bo besitzt die restlichen 32 Prozent. Im Jahr 2014 erwarb das Unternehmen Causeway Bay Books, eine Buchhandlung im oberen Stockwerk im geschäftigen Teil Hongkongs.

Gui verfasste während seiner zehnjährigen Karriere unter dem Namen „Ah Hai“ rund 200 Bücher. Zu den Themen dieser Bücher zählten Bo Xilai und Zhou Yongkang, ehemalige Mitglieder des Politbüros, sowie Generalsekretär Xi Jinping. Die Bücher wurden in den westlichen Medien als „politisch orientierte Bücher im Boulevardblattstil, die in China verboten sind“ beschrieben. Guis Kollege Lee Bo räumte ein, dass Guis Bücher viel Vermutungen und Klatsch statt Tatsachen enthielten, und beschrieb Gui als einen Geschäftsmann, dessen Veröffentlichung eher von Profit als von Ideologie motiviert sei.

Da Arbeiten, die der Führung des chinesischen Regimes kritisch gegenüberstehen, als sensibel gelten, hat Gui seine Arbeitsprojekte stets geheim gehalten. Gui behielt seine Handlungen für sich und seine Telefonate wurden durch fremde Länder umgeleitet. Gui reiste lange Zeit nicht nach China; er besuchte seinen Vater nicht, als dieser krank war, und kehrte nicht zur Beerdigung seines Vaters nach China zurück. Medien berichteten, dass Gui etwa die Hälfte der populären Bücher über Bo Xilai veröffentlicht habe. Als Bo im Jahr 2013 von den politischen Folgen des Wang Lijun Vorfalls im Jahr 2013 überrascht wurde, soll Gui einen finanziellen Gewinn von HK$10 Millionen aus dem Anstieg der Buchverkäufe bekommen haben. Guis Verlag soll seine Grundstücksakquisitionen in Hongkong und Deutschland, einschließlich eines Rückzugsortes am Meer in Pattaya, Thailand finanziert haben.

Die Internationale Verleger-Union gab im Februar 2018 bekannt, dass Gui der Gewinner der Auszeichnung Publishing Freedom Award (Verlagsfreiheit) für furchtloses Publizieren im Angesicht von Widrigkeiten ist.

Bei Ling hörte ein Gerücht, dass der Hauptgrund für das Verschwinden von Gui Minhai ein Buch gewesen sein soll. Lee Bo hätte das ebenso geglaubt. Der Titel des Buches sei Xi Jinping und seine Mätressen.偽造習情人書反覆騙錢. 內幕. 2016-02-22. Erhältlich bei Google Books, es ist ein E-Book, kein physisches Buch. Das Buch hat zwei Versionen. Die erste Version hat 135 Seiten und die zweite Version 155 Seiten. Sie wurden Ende Januar 2016 und Anfang Februar 2016 veröffentlicht. 习近平与他的情人们 习近平与他的情人们 In einem Interview sagte der Autor: Das Buch habe tatsächlich für Gui Minhai ein Problem verursacht.自由亚洲电台. 作者谈内容和出版波折. YouTube. 2016-04-02

Verschwinden Gui Minhais Kollegen hörten zuletzt im Oktober 2015, dass am 17. Oktober von einer Überwachungskamera festgehalten wurde, wie Gui seine Wohnung in Pattaya, Thailand, verließ und augenscheinlich von einem unbekannten Mann fortgebracht wurde. Gui war der zweite Buchhändler, der mit Causeway Bay Books in Verbindung gebracht wurde und offensichtlich spurlos verschwand. Lui Bo war zuletzt am 14. Oktober 2015 in der Nähe seines Hauses in Shenzhen gesehen worden. In den darauffolgenden Wochen verschwanden drei weitere Personen. Die drei wurden im November als vermisst gemeldet. Lee Bo hatte die Medien über das Verschwinden seiner vier Kollegen informiert, er selbst verschwand am 30. Dezember aus Hongkong. Es wurde berichtet, dass Lee nach Shenzhen gegangen sein soll, doch schien dies unwahrscheinlich, da seine Reisegenehmigung auf dem Festland zu Hause liegen geblieben war. Lees Verschwinden löste bei anderen Beteiligten Angst davor aus, zu verschwinden oder ausgeliefert zu werden. Das Verschwinden von Lee Bo veranlasste den Regierungschef Leung Chun-ying, am 4. Januar 2016 eine Pressekonferenz zu geben, bei der er erklärte, dass es „inakzeptabel“ und ein Verstoß gegen das Grundgesetz sei, wenn chinesische Vertreter des chinesischen Festlandsrechts in Hongkong tätig wären.

Zwei Wochen nach Guis Verschwinden kamen vier Männer, um in seiner Wohnung angeblich seinen Computer zu suchen, gingen aber ohne ihn fort. Eine Geschäftsleiterin des Anwesens, in dem Gui wohnte, versuchte Gui über die Nummer der Person zu kontaktieren, die sie zuletzt wegen Gui angerufen hatte. Ein Taxifahrer antwortete und sagte, dass vier Männer das Telefon im Taxi liegen gelassen hätten. Diese Männer hätten nach Poipet, einer Grenzstadt in Kambodscha, gehen wollen. Gui rief am 6. November seine Frau an, um ihr zu sagen, dass er in Sicherheit sei, doch wollte er seinen Aufenthaltsort nicht preisgeben. Das war das letzte Mal, dass man von Gui hörte. Die thailändischen Behörden hatten keine Aufzeichnungen darüber, dass Gui das Land verlassen hatte. Guis Familie kontaktierte die schwedische Botschaft, und die schwedische Polizei erstattete einen Bericht durch Interpol. In der Zeitschrift The Guardian stand, dass die thailändische Regierung wenig getan habe, um den Fall voranzubringen, und dass die Militärjunta zunehmend den chinesischen Forderungen entgegenkomme.

Bestätigung der Inhaftierung