L214 (auch bekannt als L214 éthique & animaux) ist eine Tierschutzorganisation in Frankreich. Sie wurde 2008 von Sébastien Arsac und Brigitte Gothière gegründet.
Der Verein befasst sich mit dem Schutz von Nutztieren, die für den menschlichen Verzehr verwendet werden (Fleisch, Milch, Eier, Fisch). Die Mission ist es: "die Realität dessen, was in den Schlachthöfen vor sich geht, zu zeigen".
Geschichte Der Name der Organisation stammt von dem Artikel „L214“ des französischen Gesetzes „Code Rural“, indem Tiere zum ersten Mal im französischen Recht als "empfindliche Wesen" bezeichnet werden:"Jedes Tier ist ein (schmerz-) empfindliches Wesen, das von seinem Besitzer unter Bedingungen gehalten werden muss, die mit den biologischen Anforderungen seiner Art vereinbar sind."
Allerdings wird dieser Artikel in Frankreich weder in der derzeitigen Praxis noch in der Rechtsprechung ernsthaft mit berücksichtigt.
Schwerpunkt Der Verein will die gewöhnlichen Bedingungen der Tierzucht-, der Fischerei-, des Transports- und der Schlachtung von Tieren dokumentieren, um die öffentliche Debatte über das Wohlergehen der Tiere zu fördern. Der Verband führt regelmäßig Informationskampagnen durch, um die Tierschutzgesetze sowie das Konsumverhalten der Verbraucher zu überdenken und ändern zu wollen. Die Ergebnisse und Erfahrungen des Vereins sowie die veröffentlichten Bilder und Videos werden häufig im Fernsehen ausgestrahlt sowie von Websites, Blogs und Printmedien übernommen.L214: Éthique & Animaux : Presentation. auf: l214.com, abgerufen am 31. Oktober 2017 (englisch) 2016 hatte der Verein 15 festangestellte Mitarbeiter, mehr als 15.000 Mitglieder, 230.000 Abonnenten des Newsletters, eine halbe Million Abonnenten bei Facebook und ein Budget von rund eine Million Euro im Jahr.L214, der Verein, der die Hölle der Schlachthäuser enthüllte. auf: liberation.fr, abgerufen am 31. Oktober 2017 (französisch).
Kampagnen Töten von Küken Im November 2014 veröffentlichte der Verein ein Video auf seiner Website, das in der Brüterei Saint-François in Saint-Hernin im Westen Frankreichs gedreht wurde.Kükenschreddern in einer Brüterei in Frankreich. auf: l214.com, abgerufen am 16. November 2017 (französisch). In dem Video ist zu sehen, wie Küken lebend in Müllsäcken verpackt und erstickt werden. Sie werden lebend in einen Müllcontainer geworfen oder lebendig geschreddert. Nach Angaben des Vereins wurden 2014 auf diese Weise 100.000 Küken getötet. Der Geschäftsführer der Brüterei wurde am 8. März 2016 wegen Tiermisshandlungen vom Strafgericht in Brest zu einer Geldstrafe von 19.000 Euro verurteilt. Vom zweiten Anklagepunkt, der "vorsätzlichen und unnötigen Vernichtung von Haustieren" wurde er freigesprochen, da das Gericht der Ansicht war, dass die Taten nicht von ihm selbst, sondern von den Angestellten begangen wurden. Einen Monat zuvor erklärte der Geschäftsführer in der mündlichen Verhandlung am 2. Februar 2016 noch vor Gericht, dass er von der Praxis, lebende Küken direkt in den Schredder zu werfen, nichts gewusst hätte und er versicherte, dass er die Mitarbeiter angewiesen hätte, die Küken zunächst an die Euthanasiemaschine weiterzugeben". Allerdings wurden von der Brüterei auch tote Küken verkauft, dafür hatte man Rechnungen ausgestellt, auf denen auch die Tötungsmethoden zu entnehmen waren.Tierquälerei: Brüterei wegen des Tötens von Küken verurteilt. auf: lemonde.fr, 8. März 2016, abgerufen am 16. November 2017 (französisch). Rund ein Jahr nach der Verurteilung wurde die Brüterei am 2. März 2017 vom Handelsgericht in Brest für insolvent erklärt.Brüterei Saint-François: Liquidationsverfahren. auf: letelegramme.fr, 2. März 2017, abgerufen am 17. November 2017 (französisch).
Stopfleber Frankreich ist der größte Produzent von Stopfleberprodukte. Während der Import und der Verkauf in der EU zulässig ist, ist die Produktion in vielen Ländern verboten. Europaweit wird sie nur in fünf Ländern produziert: In Frankreich, Belgien, Spanien, Bulgarien und Ungarn. Im November 2013 hatte eine Recherche von L214 aufgedeckt, was sich hinter den Fassaden des größten Stopfleberproduzenten in Frankreich, der Firma „Ernest Soulard“ abspielt.Bericht über die Recherche der Stopfleberproduktion bei Ernest Soulard. auf: l214.com, abgerufen am 19. November 2017 (französisch). Die Recherchen wurden im August 2013 in sechs der Mastanlagen des Produzenten durchgeführt. Das dabei entstandene Filmmaterial zeigt die grausame Wahrheit, die sich hinter Stopfleber verbirgt: Die Enten sind in winzige Metallkäfige eingepfercht, völlig verängstigt, viele von ihnen sind verletzt oder ringen mit dem Tod. Mehrmals täglich werden sie wie am Fließband zwangsernährt, indem ihnen das Futter durch ein Metallrohr direkt in den Magen gepumpt wird.Weitere Recherchen zu Foie Gras von 2015: In der Hölle einer Brüterei. auf: l214.com, abgerufen am 19. November 2017 (französisch). Das Bildmaterial zeigt die durch die schmerzvolle Fütterung kranken Tiere, die kaum fähig sind, zu atmen und mit dem Tod kämpfen – oder schon verloren haben und leblos in ihren Käfigen liegen. Zu den weiteren Aufgaben der Mäster zählt auch das Verabreichen von Antibiotika, obwohl Antibiotika in der Stopfmast verboten sind, um die Gesundheit der Konsumenten zu schützen.
Pelzindustrie In Deutschland gibt es mittlerweile nur noch eine Pelztierfarm und obwohl sich über 84 % der französischen Bürger gegen Pelz aussprechen, existieren in Frankreich noch etwa zehn Pelztierfarmen mit über 100.000 Tieren.Nerzfarm enthüllt: Pelzhorror in Frankreich. auf: veganblog.de, abgerufen am 25. Februar 2018. Das die Zustände auf europäischen Pelztierfarmen keineswegs besser sind als in China, zeigen die Rechercheaufnahmen, die der Verein im Februar 2018 veröffentlicht hat.Stoppen Sie die Zucht von Pelztieren. auf: l214.com, abgerufen am 25. Februar 2018 (französisch). Die Aufnahmen wurden im November 2017 auf einer der Pelztierfarmen in der Region Vendée aufgenommen. Das Filmmaterial zeigt Nerze, die ihr ganzes Leben in winzigen Drahtkäfigen eingesperrt sind und die ein stereotypes Verhalten zeigen wie ein ständiges Im-Kreis-Drehen oder ein Auf-und-Ab-Wippen. Sie beißen auf die Gitterstäbe und versuchen ihrer Lage zu entkommen. Neben der Veröffentlichung wurde eine Online-Petition gestartet, in der man ein Zuchtverbot für Pelztiere fordert.Petition für ein Zuchtverbot für Pelztiere. auf: l214.com, abgerufen am 25. Februar 2018 (französisch). Zudem wurde ein fast 30 Seiten langer Bericht veröffentlicht, der an die Europäische Kommission und an die Behörden in Frankreich weitergegeben wurde.
Kupieren von Schwänzen Im April 2022 hat ein Strafgericht in Moulins einen Schweinehalter zu einer Geldstrafe von 50.000 Euro (die Hälfte davon auf Bewährung) wegen Tierquälerei verurteilt, da er routinemäßig Schweineschwänze kupiert hat. L214 hat im Vorfeld entsprechendes Videomaterial veröffentlicht.
Schlachthöfe Der Verein L214 ist vor allem dafür bekannt, Fälle von Tiermisshandlungen und Tierquälerei in Schlachthöfen aufzudecken:
Schlachthof von Metz Im September 2008 recherchiere der Verein im Schlachthof Charal in der Stadt Metz im Nordosten Frankreichs. Die versteckten Aufnahmen wurden von einem Aktivisten des Vereins gemacht, der zuvor von der Firma Charal als Mitarbeiter im Schlachthof eingestellt worden war. Zwei vorangegangene Anfragen des Vereins auf Besichtigung des Schlachthofs, wurden mit einem Brief von der Firma Charal abgelehnt, indem die Firma erklärt hatte: "den Tierschutz zu einem zentralen und spezifischen Teil ihrer Qualitätspolitik gemacht zu haben". Die heimlich gefilmten Rechercheaufnahmen aus dem Schlachthof zeigen Mitarbeiter beim Schlachten von Rindern, die entgegen den geltenden Vorschriften geschlachtet werden und bei den Tieren zu einem unerträglichen Tod führen. Der französische Landwirtschaftsminister, Bruno Le Maire sagte, er sei schockiert von den Bildern, von Tieren, die vor- und während sie am Ausbluten waren, das Bewusstsein wiedererlangt haben. Infolge der Veröffentlichung kündigte er eine allgemeine Prüfung der französischen Schlachthöfe an.Tierschützer klagen Schlachthof in Metz an. auf: wort.lu, 15. März 2012, abgerufen am 31. Oktober 2017 Am 1. September 2009 reichte L214 eine Klage gegen die Firma Charal wegen "Tierquälerei" beim Gericht in Metz ein. Die Firma Charal bestreitet die Vorwürfe der Tierquälerei: "L214 wirft uns Dinge vor, die wir nicht tadeln können", sagte ein Sprecher. Zudem hatten die Anwälte von Charal den Verein L214 aufgefordert, alle Videodokumente aus dem Schlachthof in Metz aus dem Internet zu entfernen.Charal verklagt wegen Tierquälerei. auf: nouvelobs.com, 3. September 2009, abgerufen am 5. Februar 2018 (französisch) Als daraufhin im März 2012 die einstündige Dokumentation und Reportage auf Arte „Nie wieder Fleisch“ zum ersten Mal ausgestrahlt wurde, in der auch Szenen aus dem Video von L214 aus dem Schlachthof in Metz zu sehen waren, reichte die Firma Charal eine Klage sowohl gegen den Verein L214, als auch gegen ihren Sprecher Sébastien Arsac und gegen den Fernsehsender Arte ein, wegen eines Verstoßes gegen die Unschuldsvermutung und wegen Rufschädigung.Erfolge vor Gericht für L214. auf: blogs.mediapart.fr, 2. Januar 2014, abgerufen am 5. Februar 2018 (französisch) 2013 erklärte das Tribunal de Grande Instance in Paris die Ansprüche von Charal für unzulässig und wies die Klage ab. Gleichzeitig wurde Charal verurteilt, die Kosten der Gegenseite von allen vier Parteien zu übernehmen, was einen Gesamtbetrag von ungefähr 6.000 Euro ausmacht.Charal: zurückgewiesen und verurteilt. auf: l214.com, 2. Januar 2014, abgerufen am 5. Februar 2018 (französisch)
Schlachthof von Alès Am 14. Oktober 2015 veröffentlichte der Verein mehrere Videos aus heimlich gefilmten Aufnahmen aus dem städtischen Schlachthof in Alès im Département Gard in Südfrankreich. Es zeigt die Tötung von Pferden, Schweinen und Rindern unter schlechten hygienischen Bedingungen. Lebende Pferde werden mit Seilwinden an einem Bein in die Schlachtbox gehievt.Frankreich diskutiert über Kameras in Schlachthöfen. auf: derStandard.at, abgerufen am 16. Dezember 2017 Pferden und Kühen, die noch bei Bewusstsein sind, wird bei lebendigem Leib die Kehle durchgeschnitten. Schweine schreien sich die Seele aus dem Leib, während sie mit Kohlenstoffdioxid betäubt und schließlich getötet werden. Die Bilder, die von vielen Medien aufgenommen wurden, zwangen die Behörden und den Bürgermeister der Kommune, Max Roustan dazu, den Schlachthof vorübergehend zu schließen.Schlachthaus muss schließen: So grausam quälen Schlachter Pferde und Kühe. auf: stern.de, abgerufen am 31. Oktober 2017 Knapp drei Jahre später veröffentlichte die bekannte Tierschutzaktivistin Brigitte Bardot aus Frankreich zusammen mit Rémi Gaillard am 20. Mai 2018 neues Videomaterial aus dem Schlachthof von Alès, das im Februar 2018 heimlich aufgenommen wurde. Die Aufnahmen machen deutlich, das sich in der Zwischenzeit nichts an den Missständen seit der letzten Veröffentlichung aus dem Jahr 2015 geändert hat. In dem Video ist zu sehen, wie Schafe und Rinder ohne vorherige Betäubung rituell geschlachtet werden. Ein Schwein versucht aus der CO2-Grube zu fliehen und ein Kalb, das zum Zeitpunkt der Tötung die Milch von seiner Mutter erbricht. Im April 2016 erklärte der Bürgermeister der Kommune Max Roustan bei einer Anhörung noch, das jedes Jahr 60 000 Tiere im Schlachthof von Alès geschlachtet werden und mehr als 50 % davon, also ein bedeutender Anteil in Halal. auf: fondationbrigittebardot.fr, abgerufen am 23. Mai 2018 (französisch)
Schlachthof von Vannes