mini|Kirche von Südosten mini|Innenraum mit Blick auf die Altäre Die katholische Kirche Mariä Verkündigung in Heldenbergen, einem Stadtteil von Nidderau im Main-Kinzig-Kreis in Hessen, ist eine denkmalgeschützte Saalkirche aus dem Barock. Das in den Jahren 1751–1754 errichtete Gebäude mit Haubendachreiter und eingezogenem Fünfachtelschluss hat eine reiche Kirchenausstattung.

Geschichte Eine Vorgängerkirche wird für das Jahr 839 oder um 1100 vermutet, ist urkundlich aber nicht bezeugt.Bastian: 250 Jahre Katholische Kirche Maria Verkündigung. 2005, S. 6. Im Jahr 1192 ist ein Pleban und 1231 ein Pastor nachgewiesen, als das Kloster Limburg die Kirche dem Mainzer Domkapitel übertrug.Nordhofen: Die Steine reden. 1989, S. 134. Zum Kirchspiel Heldenbergen gehörte 1380 Eichen. Möglicherweise war auch Klein-Karben als Filiale nach Heldenbergen eingepfarrt.Gerhard Kleinfeldt, Hans Weirich: Die mittelalterliche Kirchenorganisation im oberhessisch-nassauischen Raum (= Schriften des Instituts für geschichtliche Landeskunde von Hessen und Nassau 16). Elwert, Marburg 1937, Nachdruck 1984, S. 39. In der mittelalterlichen Kirche waren die beiden Altäre dem heiligen Alban und den Zehntausend Märtyrern geweiht.Adamy: Kunstdenkmäler im Großherzogtum Hessen. 1895, S. 132 (online, abgerufen am 30. Oktober 2017). Das Patrozinium der Maria ist für 1468 bezeugt.

In spätmittelalterlicher Zeit unterstand Heldenbergen dem Dekanat Roßdorf im Archidiakonat von St. Maria ad Gradus in Mainz. Im Zuge der Reformation, als die Kirche zur reichsunmittelbaren Burggrafschaft Friedberg gehörte, sind ab etwa 1520 evangelische Strömungen nachweisbar, die aber nicht zu einem Bekenntniswechsel führten. Die Kirche gehörte zum Mainzer Domkapitel und Kurmainz widersetzte sich der Einführung der Reformation. Die Stellung Heldenbergens zwischen dem evangelischen Friedberg und dem katholischen Mainz führte ständig zu Konflikten, aber für einen Zeitraum von 65 Jahren auch zu einer Mischform des Gottesdienstes. Im Jahr 1587 wurde eine lutherische Schule am Ort eröffnet. Die Kinder lernten den lutherischen Katechismus. Der lutherische Kantor ließ Lutherlieder singen und der katholische Pfarrer taufte, traute und beerdigte lutherische Christen.Homepage der Kirchengemeinde, abgerufen am 30. Oktober 2017. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Gemeinde vorübergehend lutherisch, um 1636 wieder katholisch zu werden.

Die mittelalterliche Kirche wurde in der Mitte des 18. Jahrhunderts ersetzt. Baumeister aus Tirol begannen 1751 den Kirchenbau, der im März 1754 durch den Mainzer Weihbischof Christoph Nebel geweiht wurde. Aus Gernsheim, wo zeitgleich eine neue Kirche gebaut wurde, wurden der Hauptaltar und die Seitenaltäre sowie die Kanzel übernommen. Die Orgel, um die die Heldenberger sich ebenfalls bemüht hatten, blieb in Gernsheim.Duchhardt-Bösken: Zur Ausstattung der Pfarrkirche in Heldenbergen. 1982, S. 134.

Die Gemeinde führte 1862/1863 eine Sanierung der Kirche durch und schaffte eine neue Orgel an.Nordhofen: Die Steine reden. 1989, S. 144. Im Jahr 1890 kamen die Kreuzwegstationen zur Ausstattung hinzu, im Jahr 1900 stiftete Pfarrer Thoebes die beiden Buntglasfenster im Chor; Thoebes wurde in der Nacht vom 11. auf den 12. November 1904 im Pfarrhaus ermordet.Nordhofen: Die Steine reden. 1989, S. 145–148. Im Jahr 1902 wurde an der östlichen Südseite eine Sakristei angebaut. Infolgedessen wurden die hölzernen Trennwände mit Türen hinter dem Altar, die einen Sakristeibereich abtrennten, entfernt. Die Gemeinde schaffte 1909 eine neue Orgel an. Eugen Brentano stiftete 1914 das Fenster in der Nordseite. Eine Glocke von Johann Peter Bach und Sohn aus Windecken von 1778 und eine von Johann Georg und Jakob Bach von 1812 sowie eine kleine von Johann Georg Barthels aus Frankfurt von 1707 wurden 1917 für Rüstungszwecke abgeliefert. Die 1923 von Störmer aus Erfurt neu gegossenen Glocken wurden 1941 bis auf eine wieder abgeliefert und 1950 durch die Gießerei Grüninger aus Neu-Ulm (drei Stück) ersetzt.Bastian: 250 Jahre Katholische Kirche Maria Verkündigung. 2005, S. 40. Das Geläut hat die Tonfolge g1 b1 c2 es2 (Idealquartett).

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Westempore vorgezogen und der Mittelgang mit neuen Platten belegt.Bastian: 250 Jahre Katholische Kirche Maria Verkündigung. 2005, S. 26. 1957 folgten die Sanierung der Außenmauern und Trockenlegungsmaßnahmen. Die vom Zweiten Vatikanischen Konzil beschlossene Liturgiereform führte zur Beseitigung der Kommunionbank zwischen Chor und Schiff, an deren Stelle ein Voraltar aufgestellt wurde. 1988 schloss sich eine Außensanierung an. Der Wetterhahn wurde überholt und neu vergoldet und die Außentreppe, die zur Orgelempore führte, entfernt. Die Kreuzigungsgruppe, die an der Nordwand des Friedhofs angebracht war, erhielt zum Schutz vor der Witterung einen neuen Platz im Kircheninneren. 1991/1992 wurden die Barockaltäre restauriert.Bastian: 250 Jahre Katholische Kirche Maria Verkündigung. 2005, S. 28.

Architektur mini|hochkant|links|Das Nordfenster von 1914 zeigt die Begegnung von Maria und Elisabeth. mini|hochkant|Blick von Westen Der nicht exakt geostete, sondern leicht nach Nord-Nordost ausgerichtete, gelb verputzte Saalbau ist in exponiert erhöhter Lage auf einem Kirchberg im alten Ortszentrum errichtet.Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Hessen I. 2008, S. 431. Nur die Eckquaderung des Bruchsteinmauerwerks, die Umrahmungen der Fenster und Portale sowie die umlaufenden Sockelsteine aus rotem Sandstein sind vom Verputz ausgespart. Der eingezogene Fünfachtelchor wird durch zwei schräge Mauern mit dem Langhaus verbunden. Je vier große Rundbogenfenster an beiden Langseiten versorgen den Innenraum mit Licht. Die Westseite ist fensterlos, abgesehen von einem sehr kleinen Rundfenster unterhalb des Schopfwalmdachs. Die Kirche wird außer der Sakristeitür durch hochrechteckige Portale mit profilierter Sandstein-Umrahmung im Westen und Süden erschlossen. Das Westportal wird durch einen dreieckigen gesprengten Giebel mit einer Nische verziert, in der die Figur der Gottesmutter mit dem Jesuskind auf dem Arm aufgestellt ist.Bastian: 250 Jahre Katholische Kirche Maria Verkündigung. 2005, S. 14. Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das umgebende Gelände als Friedhof genutzt.

Das Satteldach ist an jeder Seite mit kleinen Gauben bestückt, über dem Chor ist es abgewalmt. Im Westen ist ein achtseitiger, vollständig verschieferter Dachreiter aufgesetzt. Er entwickelt sich aus einem kubusförmigen Schaft, dessen beide Obergeschosse sich jeweils verjüngen. An vier Seiten sind jeweils rundbogige Schallöffnungen für das Geläut eingelassen. Im ersten Obergeschoss sind über den Schallöffnungen in jede Himmelsrichtung die vier weißen Zifferblätter der Turmuhr angebracht. Ein Turmknauf, ein schmiedeeisernes Kreuz und ein vergoldeter Wetterhahn bekrönen die Welsche Haube.

Der giebelständige, zweigeschossige Sakristeianbau wird von einem geschieferten Satteldach bedeckt, dessen Dachfirst an die Traufe des Kirchendachs reicht. Dem Kaminabschluss ist ein Sandsteinkreuz aufgesetzt. Die Sakristei wird an der Südseite unten durch zwei ellipsenförmige Fenster und oben durch zwei Rundbogenfenster belichtet. Im Giebeldreieck ist ein kleines rundes Blindfenster eingelassen. Westlich springt das Treppenhaus mit einer hochrechteckigen Tür unter einem Vordach etwas zurück.Bastian: 250 Jahre Katholische Kirche Maria Verkündigung. 2005, S. 12.

mini|Doppelgrabstein für Johann von Stockheim zu Helbringen und Gertrud von Bellersheim Das ehemalige Friedhofsgelände („Kirchplatz“) ist von einer steinernen Stützmauer umfriedet, die um 1820 errichtet wurde. Der Kirchhof verfügt über plastischen Figurenschmuck und zahlreiche alte Grabsteine des 16.–18. Jahrhunderts. An der Nordwand des Friedhofs ist der Doppelgrabstein eines Ritters in voller Rüstung und seiner Frau in einem Faltengewand aufgestellt. Es zeigt ein Ehepaar in Lebensgröße, flankiert von zwei Pilastern mit je vier Wappenschilden, die trotz fehlender Inschrift eine Identifizierung ermöglichen: Es handelt sich um den Friedberger Burgmeister Johann von Stockheim zu Helbringen (Heldenbergen) († 1541) und seine Frau Gertrud von Bellersheim († 1533).Nordhofen: Die Steine reden. 1989, S. 130. Die beiden oberen Wappen bezeichnen jeweils die Großväter und die beiden unteren die Großmütter.Siehe Braun: Die Kreuzigungsgruppe und der Doppelgrabstein. 1972, S. 40–43, zu den einzelnen Wappen. Der Kirchenaufgang, der mit der Jahreszahl 1753 bezeichnet ist, wird von den Apostelfiguren des Petrus und Paulus aus gelbem Sandstein bekrönt. Es sind Abgüsse der Originale, die im Windecker Heimatmuseum ausgestellt sind. Die reich verzierten schmiedeeisernen Friedhofstüren stammen ebenfalls aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Auf der südlichen Mauer ist die Sandsteinfigur des Gottfried von Cappenberg aufgestellt. Aus rotem Mainsandstein ist eine große Pietà aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in der Mitte des Kirchhofs gefertigt. In der nordöstlichen Friedhofsmauer ist eine Frauenfigur unbekannter Identität und Herkunft als Halbrelief eingearbeitet.Bastian: 250 Jahre Katholische Kirche Maria Verkündigung. 2005, S. 8. Eine kleine Pietà in einer Nische links vom Treppenaufgang in der südöstlichen Friedhofsmauer stammt vermutlich aus dem 13. Jahrhundert. In der südwestlichen Mauerecke findet sich in einer Nische der betende Christus am Ölberg, der auf eine Engelsfigur blickt. Es handelt sich um Spolien, deren ursprünglicher Aufstellungsort unbekannt ist.Nordhofen: Die Steine reden. 1989, S. 131.

Innenausstattung mini|links|hochkant|Gotische Kreuzigungsgruppe mini|Westempore mini|hochkant|Hauptaltar von 1719/1754 Der Innenraum wird von einer Spiegeldecke abgeschlossen, die mit Stuckornamenten (Kreisen, Halbkreisen und Vierpässen) verziert ist. Der Mittelgang ist mit ornamentierten Platten belegt, die farblich der Kirchenausstattung entsprechen. Die bunt bemalten Glasfenster im Stil des Historismus, die der Heidelberger Glasmaler Beiler gestaltete, zeigen im Chor die Verkündigungsszene und die Weihnachtskrippe (1900). Auf dem Buntglasfenster von 1914 an der nördlichen Langseite des Schiffs werden Maria und Elisabeth dargestellt.

Das älteste Inventarstück, das aus der Vorgängerkirche übernommen wurde, ist ein gotisches Gabelkreuz aus Sandstein, das als Lebensbaum gestaltet ist, in einer Nische in der nördlichen Langwand, wo früher ein Beichtstuhl aufgestellt war. Die dreiteilige Kreuzigungsgruppe des 14. Jahrhunderts zeigt einen nahezu sitzenden Christus mit langem Haupthaar und ohne Bart, dessen Rippen stark hervortreten.Bastian: 250 Jahre Katholische Kirche Maria Verkündigung. 2005, S. 38. Die astförmigen Querarme des Kreuzes sind wie zwei Arkaden gewölbt.Braun: Die Kreuzigungsgruppe und der Doppelgrabstein. 1972, S. 39. Ein spätgotisches Taufbecken ist vor dem Pfarrhaus aufgestellt. Die zwei Grisaille-Scheiben im Oberlicht des Haupteingangs sind Kopien des spätgotischen Originals, die im Mainzer Diözesanmuseum ausgestellt werden. Sie zeigen Maria als Kirchpatronin und den heiligen Nikolaus mit drei goldenen Äpfeln.