mini|Die Mauer der Trauer auf dem Sacharow-Prospekt mini|Mauer am Abend der Eröffnung Die Mauer der Trauer () ist ein Denkmal in Moskau, das an die Opfer des Sowjetsystems erinnert.
Es besteht aus monumentalen Bronzefiguren, befindet sich an der Kreuzung von Sacharow-Prospekt und Gartenring, wurde vom russischen Bildhauer Georgi Franguljan (, geboren 1945) gestaltet und am 30. Oktober 2017 von Präsident Wladimir Putin und Patriarch Kyrill I. der Öffentlichkeit übergeben.
Genese miniatur|hochkant=0.8|Putins Dekret zur Errichtung der Mauer der Trauer Der 30. Oktober ist in Russland seit 1991 Gedenktag für die Opfer politischer Gewalt, insbesondere für die Opfer des stalinistischen Terrors und des Lagersystems. Im Jahr 2017 jährte sich der Tag der Oktoberrevolution zum 100. Male. Zwar bestand bereits zuvor eine Reihe von Denkmälern in verschiedenen Städten Russlands. Doch die Mauer der Trauer wurde vom russischen Staatspräsidenten in Auftrag gegeben und fungiert als erster offizieller Erinnerungsort mit transnationaler Bedeutung, sprich für das gesamte Gebiet der früheren UdSSR. Die Kosten für das Denkmal (umgerechnet 4,4 Millionen Euro) wurden zum Teil aus Steuergeldern, zum Teil mittels Crowdfunding bestritten. Der Entwurf von Georgi Franguljan hatte sich im Rahmen eines Wettbewerbs mit 336 Einreichungen durchgesetzt.Jutta Sommerbauer: Putin eröffnet monumentale "Mauer der Trauer" in Moskau, Die Presse (Wien), 29. Oktober 2017
Die Errichtung des Mahnmals wurde unter anderem von der Menschenrechtsorganisation Memorial und von der Solschenizyn-Stiftung unterstützt.Die Welt (Berlin): Putin weiht "Mauer der Trauer" für Opfer politischer Repression ein, 30. Oktober 2017
Bei der Eröffnung des Denkmals war Natalja Solschenizyna, Witwe des Autors des Archipel Gulag, anwesend. In seiner Ansprache sagte Präsident Putin: „Für diese Verbrechen gibt es keine Rechtfertigung.“Thielko Grieß: , ARD: Fazit, 30. Oktober 2017
Gestaltung Die Mauer ist dreißig Meter lang und rund sechs Meter hoch. Sie hat Lücken, damit die Besucher hineintreten und das Gewicht der Geschichte spüren können. Die monumentalen Bronzefiguren, in mehreren Reihen übereinander angeordnet, haben keine Gesichter – damit sich in der symbolisierten Darstellung möglichst viele Opfer repräsentiert fühlen können. „Mund, Nase, Augen, alles Persönliche fehlt.“
Das Kunstwerk trägt den Titel „Niemals wieder“.The Urban Imagination: Wall of Grief, Promise for the Future, abgerufen am 30. Oktober 2017
Reaktionen Die russische Zivilgesellschaft reagierte gespalten auf das monumentale Denkmal und die staatliche Erinnerungspolitik. Einerseits werden Denkmäler und Museen zum Thema Stalinismus begrüßt. Andererseits befürchten Aktivisten, dass die Form des Gedenkens monopolisiert und quasi „verstaatlicht“ werden könnte. In der Vergangenheit hatten viele lokale Initiativen, die Gedenkstätten errichten wollten, mit bürokratischen Hindernissen zu kämpfen.
Eine Gruppe von vierzig früheren politischen Häftlingen kritisierte die Errichtung des Denkmals als „Scheinheiligkeit“ und gezielte Historisierung in einer Zeit, in der die politische Repression in Russland zunehme. Das Schreiben wurde unter anderem von Wladimir Bukowski und Alexander Podrabinek unterzeichnet, zwei Dissidenten der Sowjetzeit.
Weblinks Solschenizyn-Stiftung Webseite zum Wettbewerb für das Denkmal mit Vorstellung der einzelnen Entwürfe
Literatur Carola Tischler: Mauer der Trauer. Ein Moskauer Mahnmal für die Opfer der Stalin-Zeit, in: Berliner Debatte Initial 34. Jg. (2023), Heft 1, S. 14–22.
Einzelnachweise
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