Die Trottellumme (Uria aalge) ist eine von zwei Vogelarten in der Gattung der Lummen (Uria) innerhalb der Familie der Alkenvögel (Alcidae). Sie hält sich nur zur Fortpflanzungszeit an Land auf. Die Art ist zirkumpolar vertreten und brütet in der borealen und subarktischen Region. Unter den rezenten Alkenvögeln ist sie die größte Art.Alderfer: Complete Birds of Northamerica. 2006, S. 282. Ihren Namen hat die Trottellumme aufgrund ihres „trottelmäßig“ anmutenden Ganges, da sie im Gegensatz zum Tordalk nicht auf den Zehen, sondern auf ihren Fußwurzeln läuft.Trottellumme auf Digitalefolien.de Eine etymologische Erklärung leitet den Namen von der französischen Bezeichnung „Guillemot de Troïl“ ab, was zunächst mit Troïl-Lumme übersetzt wurde, woraus sich der Name Trottellumme entwickelte.Gerald Jatzek: Lied eines traurigen Vogels. In: Hans-Joachim Gelberg (Hg.): Wo kommen die Worte her? Beltz&Gelberg, Weinheim 2011, S. 66.

Große Kolonien finden sich vor allem da, wo kalte und warme Meeresströmungen zusammentreffen. Ihre Brutplätze sind steile Felsklippen mit schmalen Felsbändern oder kleinen Vorsprüngen. Die Anzahl der Unterarten ist strittig. Es werden mindestens fünf, von einigen Autoren aber auch sieben Unterarten unterschieden. Der einzige mitteleuropäische Brutstandort befindet sich auf Helgoland, wo zu Beginn des 21. Jahrhunderts 2600 Brutpaare brüteten.Bauer u. a.: Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Band 1, 2005, S. 566.

Die globale Erwärmung hat zu einem massiven Einbruch der Trottellummen-Populationen geführt. Zwischen Mitte 2015 und Anfang 2016 wurden zehntausende toter Trottellummen an der amerikanischen Westküste und in Alaska angeschwemmt. Aussagen von Forschern zufolge lag der Grund für das Massensterben im Nahrungsmangel infolge hoher Meerestemperaturen. Anfang Februar 2019 gab es ein Massensterben mit mehreren Zehntausenden toten Vögeln, dabei wurden mehrere Tausend Trottellummen an der Nordseeküste der Niederlande angeschwemmt.

Aussehen mini|Trottellumme im Winterkleid mini|Flugbild einer Trottellumme mini|Trottellummen, Spitzbergen, darunter drei sogenannte Brillen- oder Ringellummen mit weißen Augenringen Mit einer Größe von 38 bis 46 Zentimeter ist die Trottellumme mit einer Stockente zu vergleichen, hat aber einen dünneren und spitzeren Schnabel. Die Flügelspannweite beträgt bei erwachsenen Vögeln 61 bis 73 Zentimeter und das Gewicht liegt bei einem Kilogramm. Sie gehören damit mit der Dickschnabellumme zu den schwersten derzeit noch lebenden Alkenarten.Kostrzewa: Die Alken des Nordatlantiks. 1998, S. 54. Der Geschlechtsdimorphismus ist nur sehr gering ausgeprägt. Männchen haben im Durchschnitt einen etwas größeren Schnabel als die Weibchen.Gaston u. a.: The Auks. 1998, S. 135.

Im Sommer ist das Gefieder auf dem Kopf, am Rücken, am Schwanz, auf der Flügeloberseite und an den Flügelspitzen bei beiden Geschlechtern braunschwarz. Der Bauch und größere Bereiche der Flügelunterseite sind weiß. Im Winter sind auch das Kinn und ein Bereich hinter dem Auge weiß. Beim Flug zeichnen sich der Schnabel und die grauschwarzen Füße deutlich vom übrigen Körper ab. Als besonderes äußeres Merkmal ist manchmal auch ein weißer Augenring zu sehen, von dem aus sich ein weißer Strich bis etwa zur Mitte des Kopfes nach hinten zieht. Tiere, die dieses Merkmal zeigen, werden auch als Brillen- oder Ringellummen bezeichnet. Allerdings ist der Augenring kein Kennzeichen einer eigenen Art oder Unterart, sondern lediglich eine Farbvariante. Die Farbvariante kommt in einem Nord-Süd-Gefälle von 50 Prozent in den arktischen Populationen bis Null Prozent in Portugal vor.

Auf dem Wasser schwimmt die Trottellumme mit alternierenden Paddelbewegungen der Füße und ist deshalb verhältnismäßig langsam. Flüchtende Trottellummen tauchen daher oder fliegen auf. Trottellummen durchlaufen die Mauser, nachdem die Jungvögel die Brutkolonie verlassen haben. Da sie die Handschwingen gleichzeitig vermausern, sind sie dann für einen Zeitraum von 45 bis 50 Tagen flugunfähig. Beim Männchen fällt die Flugunfähigkeit in den Zeitraum, in der es seinen Jungvogel auf dem Meer begleitet.Kostrzewa: Die Alken des Nordatlantiks. 1998, S. 59. Trottellummen sind relativ schlechte Flieger, die sich mit raschen Flügelschlägen fortbewegen. Die Vögel heben zum Flug erst nach längerem Anlaufen über Wasser ab.

Frisch geschlüpfte Nestlinge haben dicke Daunen mit feinen Spitzen. Die Daunen sind auf der Unterseite kurz und am Kopf und Hals länger und rauer. Kopf und Hals sind schwarz, allerdings ergeben die in weißen Scheiden zusammengefassten Dunenspitzen eine feine helle Streifung. Der Oberkörper ist rußig dunkelbraun mit grauen Sprenkeln. Dagegen ist die Körperunterseite bräunlich weiß, der Bauch ist meist rein weiß. Die ersten Federn erscheinen, wenn die Nestlinge wenige Lebenstage alt sind.

In den Kolonien sind Trottellummen sehr lautstark. Hauptsächlich stoßen sie ein nasales Wha wha wha aus, das in einen brüllenden Ton übergeht. mini|Geographische Verbreitung; orange: Brutgebiete; lila: ganzjährig anzutreffen; blau: Wander- und Überwinterungsbereiche Verbreitung und Lebensraum Das Brutgebiet der tag- und dämmerungsaktiven Trottellumme erstreckt sich über die Küsten des Nordatlantik und Nordpazifik sowie über die angrenzenden Eismeerküsten. Im Atlantik befinden sich die Brutkolonien im Westen zwischen dem 43. und 56. nördlichen Breitengrad und im Osten zwischen dem 40. und 75. nördlichen Breitengrad. Im Pazifik brüten sie an den asiatischen Küsten zwischen dem 40. und 70. nördlichen Breitengrad, an der nordamerikanischen Pazifikküste reicht ihr Brutareal von dem 36. nördlichen Breitengrad bis zum 68. nördlichen Breitengrad in Alaska. Innerhalb Deutschlands brütet sie nur auf Helgoland, wo sie auf dem Lummenfelsen lebt. Nur fünfzehn Prozent der nordatlantischen Trottellummen-Population brüten an der kanadischen Küste, allerdings befindet sich auf Funk Island mit geschätzten 400.000 Paaren eine der weltweit größten Brutkolonie dieser Art. Auf den britischen Inseln zählen Trottellummen zu den häufigsten Seevögeln. Die größten Koloniestandorte finden sich auf der kleinen schottischen Insel Handa, wo in den 1990er Jahren knapp 100.000 Trottellummen brüteten und an den Klippen von Fowlsheugh in der Nähe von Aberdeen, wo circa 52.000 Brutvögel gezählt werden.

Außerhalb der Brutzeit halten sich einige der Populationen der Trottellumme in der Nähe ihrer Brutkolonien auf. Andere Populationen vollziehen dagegen zum Teil weite Wanderungen. Sie bewegen sich dabei in südlicher Richtung, um dem Meereis auszuweichen. Brutvögel der Küsten Oregons und Washingtons fliegen jedoch auch nach Norden und halten sich beispielsweise im Spätsommer in den Gewässern vor British Columbia auf.Gaston u. a.: The Auks. 1998, S. 136. Eine große Anzahl Trottellummen versammelt sich im Juli in der Nähe der Doggerbank in der Nordsee. Eine weitere große Zahl an Trottellummen, die entlang der britische Küste brüten, versammeln sich nach der Brutzeit im Osten der Nordsee, wo sie sich mit Brutvögeln des nördlichen Norwegens vermischen. Jungvögel halten sich während ihrer ersten beiden Lebensjahre in der Schelfregion auf. Bis zu ihrem Flüggewerden werden sie mindestens von einem, wegen der Mauser vorübergehend ebenfalls flugunfähigen adulten Vogel begleitet. Die Jungvögel kehren frühestens in ihrem dritten Lebensjahr zu ihrer ursprünglichen Brutkolonie zurück.

Auswirkungen der globalen Erwärmung Die Populationen der Trottellummen sind besonders stark von der vom Menschen verursachten Überhitzung des Klimasystems der Erde betroffen. Zwischen 2014 und 2016 verursachte eine ungewöhnlich hohe Meerestemperatur in Alaska den massiven Verlust von rund vier Millionen Trottellummen, was etwa 52 bis 78 % der Population an 13 Kolonien entsprach. Die betroffenen Vögel ernährten sich hauptsächlich von kleineren Fischen wie Heringen und Sandaalen, deren Bestände durch die Hitzewelle stark zurückgingen. Die drastische Verringerung der Beute führte vermutlich zu vielen verhungerten Trottellummen. Seit dem Hitzewellenereignis haben derzeitige Populationsschätzungen keine Hinweise auf eine Erholung gezeigt. Diese anhaltenden Verluste deuten darauf hin, dass das betroffene marine Ökosystem sich nachhaltig verändert hat und möglicherweise nicht mehr die historischen Bedingungen für die Unterstützung der Vogelpopulation bietet.

Nahrung mini|Trottellummen, Spitzbergen beim Fischfang Die Trottellumme ernährt sich überwiegend von Schwarmfischen wie Hering, Sandaal, Sprotten und Dorsch, die nahe der Wasseroberfläche leben. In arktischen Gebieten machen während der Sommermonate Krustentiere einen hohen Anteil der Nahrung aus. In Gefangenschaft gehaltene ausgewachsene Trottellummen benötigen täglich zwischen 280 und 320 Gramm Nahrung. Dies entspricht etwa 28 bis 34 Prozent ihres Körpergewichtes.Kostrzewa: Die Alken des Nordatlantiks. 1998, S. 60. Oft sieht man die Tiere mit Fischen im Schnabel, wobei die Enden des Fischs herausragen. In der Nordsee liegen die Nahrungsgebiete zur Brutzeit durchschnittlich bis zu dreißig Kilometer vom Koloniestandort entfernt. Auf Neufundland dagegen suchen die Vögel im Verlauf der Brutzeit unterschiedliche Nahrungsgründe auf. In dem Zeitraum, in dem das Ei bebrütet wird, legen sie im Mittel 38 Kilometer pro Flug zurück. In der Zeit, in der der Nestling aufgezogen wird, dagegen nur noch 5,4 Kilometer.

Während der Tauchgänge bewegt sich die Trottellumme unter Wasser mit drehenden und schlagenden Bewegungen der Flügel fort. Die maximale Tauchtiefe beträgt 180 Meter, in der Regel tauchen die Vögel aber in deutlich geringeren Tiefen. Sie sind damit gemeinsam mit der Dickschnabellumme die Art unter den Alkenvögeln, die am tiefsten tauchen kann. Dies ist auf ihre Körpermasse zurückzuführen. Typisch für das Jagdverhalten der Trottellumme ist, dass sie zunächst den Kopf nur bis über die Augen ins Wasser steckt und den Fisch so beobachtet. Die Tauchzeit beträgt durchschnittlich eine Minute pro Tauchgang. Es sind aber auch schon Tauchgänge von 2 bis 3 Minuten für diese Art nachgewiesen worden.

Während der Jungenaufzucht passen sich Trottellummen an Änderungen im Nahrungsangebot an, indem sie ihr Suchverhalten und ihre Tagesration anpassen. Untersuchungen an Brutkolonien auf den Shetland-Inseln haben gezeigt, dass Trottellummen in nahrungsarmen Jahren mit 178 Minuten Zeitaufwand je Nahrungsflug mehr als doppelt so viel Zeit aufwenden wie in nahrungsreichen Jahren. In diesen dauern Nahrungsflüge durchschnittlich 76 Minuten. Sie entfernen sich in nahrungsarmen Jahren außerdem sechs Mal so weit vom Brutkoloniestandort wie in nahrungsreichen Jahren und verfünffachen dann ihre Tauchzeit je Nahrungsflug auf 6 bis 8 Minuten.Kostrzewa: Die Alken des Nordatlantiks. 1998, S. 61. Trotzdem ist die Trottellumme nicht in der Lage, einen signifikanten Rückgang an verfügbarer Nahrung vollständig zu kompensieren. In nahrungsarmen Jahren sinkt daher die Reproduktionsrate.Kostrzewa: Die Alken des Nordatlantiks. 1998, S. 62.

Fortpflanzung mini|Typischer Lummenfelsen auf den Orkneyinseln Trottellummen erreichen ihre Geschlechtsreife frühestens als vierjährige Vögel, meist aber sind sie erst im fünften Jahr fortpflanzungsbereit. Je nach geographischer Breite kehren sie zwischen Februar und Mai in ihre Brutkolonien zurück.Kostrzewa: Die Alken des Nordatlantiks. 1998, S. 57. Brutkolonien, in denen eine große intraspezifische Konkurrenz um die Nistplätze herrscht, werden von Trottellummen auch im Herbst und Winter alle paar Tage für einige Stunden aufgesucht. Sie demonstrieren damit ihren Besitzanspruch für das nächste Frühjahr und festigen so ihren Brutzusammenhalt. Ein solches Verhalten ist beispielsweise auf der Isle of May beobachtet worden.