mini|Christkönigsskulptur von Jan Eloy und Leo Brom an der St.-Martins-Kirche in Groningen (1936)

Christus König, verbreitet Christkönig (lateinisch Dominus Noster Iesus Christus Universorum Rex „Unser Herr Jesus Christus, König des Universums“), ist ein Titel, unter dem Jesus Christus verehrt wird. In der römisch-katholischen Theologie und Liturgie wurde der Begriff im 20. Jahrhundert bedeutsam, unter anderem durch die Einführung des Christkönigsfestes durch Papst Pius XI. im Jahr 1925.

Biblische Herleitung mini|Christkönigsstatue, 1944, Kanjiracode, Kollam (Distrikt), Kerala, Indien; dargestellt ist die Verbindung zur Herz-Jesu-Verehrung In der hebräischen Bibel wird der Gott JHWH, der Schöpfer der Welt, an mehreren Stellen als König gesehen (, ). Er ist als „großer König über allen Göttern“ auch der Hirte, dem sich „das Volk seiner Weide, die Herde, von seiner Hand geführt“, anvertrauen kann . Die Juden erwarten den Messias als priesterlichen und königlichen Heilsmittler , der in der Endzeit ein weltweites Reich des Friedens errichten wird (, ).

Die Christen bezogen diese Verheißungen auf Jesus Christus (, ), der kam, um die Menschen zu versöhnen, und „Frieden gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut“ ; als „Herrscher über die Könige der Erde“ und „König der Könige und Herr der Herren“ (βασιλεύς βασιλέων καὶ κύριος κυρίων basileús basiléōn kai kýrios kyríōn, ) werde er die endzeitliche Königsherrschaft Gottes (βασιλεία τοῦ Θεοῦ basileía tou theoú) im Reich Gottes heraufführen. Er galt als direkter Nachkomme des israelitischen Königs David ; bei der Verkündigung des Herrn sagt der Engel über Jesus: „Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben.“ . Die Sterndeuter aus dem Osten suchten den neugeborenen König der Juden in der Hauptstadt Jerusalem und fanden ein Kind und seine Mutter in Bethlehem, der Herkunftsstadt Davids . Das neutestamentliche Bekenntnis, Jesus sei der Christus ( Christos „Gesalbter“, ), greift in griechischer Übersetzung die hebräische Messiaserwartung von einem königlichen endzeitlichen Heilsbringer auf ( Maschiach, „Gesalbter“). Jesus Christus ist der gesalbte König der Juden, aber dieses Bekenntnis ist verbunden mit der Erinnerung an sein Leiden und den Tod am Kreuz , und es wird auf seine Wiederkunft bezogen.Ferdinand Hahn: Christologische Hoheitstitel. Ihre Geschichte im frühen Christentum. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1966, S. 189.

Jesus selbst bezeichnete sich nach dem Zeugnis des Neuen Testaments als König . Vor Pilatus sagte er: „Ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege“, allerdings nicht triumphierend und ohne irdischen Herrschaftsanspruch: „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt“ (); die Versuchung des Teufels, der ihm das Weltkönigtum anbietet, weist Jesus zurück . In der Darstellung von Jesu Einzug in Jerusalem in den Evangelien ritt er auf einem Esel . Darin klingt die Heilsverheißung aus dem alttestamentlichen Sacharjabuch an: „Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir. Gerecht ist er und Rettung wurde ihm zuteil, demütig ist er und reitet auf einem Esel, ja, auf einem Esel, dem Jungen einer Eselin. Ausmerzen werde ich die Streitwagen aus Efraim und die Rosse aus Jerusalem, ausgemerzt wird der Kriegsbogen. Er wird den Nationen Frieden verkünden; und seine Herrschaft reicht von Meer zu Meer und vom Strom bis an die Enden der Erde.“ Joseph Ratzinger deutete den Einzug Jesu auf dem Reittier der Armen als Gegenbild zu den Kriegswagen, die er abschafft: Jesus ist „ein armer König, einer, der nicht durch politische und militärische Macht herrscht. Sein innerstes Wesen ist Demut, Sanftmut Gott und den Menschen gegenüber“. Als „Friedenskönig“ steht er im Gegensatz zu den Königen der Welt. Auch das neutestamentliche Bild von Jesus als gutem Hirten kann als Königsprädikat gedeutet werden: Im Orient wurden Könige häufig verstanden als „der von Gott eingesetzte Hirte; ‚weiden‘ ist ein Bild für seine Aufgabe des Regierens.“Joseph Ratzinger, Benedikt XVI.: Jesus von Nazareth. Erster Teil: Von der Taufe im Jordan bis zur Verklärung. 3. Auflage, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2008, S. 317, zur Versuchungsgeschichte S. 67, zum Einzug in Jerusalem S. 111. mini|Christkönigsmosaik (Karl Sterrer, 1936) in der Christkönigskirche in Wien-Neufünfhaus: Jesus als König am Kreuz, von Seraphim gekrönt Bedeutsam ist das Motiv des leidenden Königs. „Pilatus fragte ihn: Bist du der König der Juden? Er antwortete ihm: Du sagst es.“ . Jesus beansprucht die Königsherrschaft vor Pilatus, ist aber bereit, eine Dornenkrone statt einer Herrscherkrone aufzusetzen und sich dafür verhöhnen zu lassen:

Pontius Pilatus lässt am Kreuz voller Hohn die Aufschrift „Jesus von Nazaret, der König der Juden“ anbringen .

Der Christustitel κύριος kyrios „Herr, Herrscher“, den vor allem Paulus häufig benutzt („Jesus Christus ist der Herr“, z. B. ) bringt zum Ausdruck, dass dem präexistenten und erniedrigten Jesus Christus „in feierlicher Inthronisation durch Gott selbst seine Machtstellung vor aller Welt manifestiert wird“Ferdinand Hahn: Christologische Hoheitstitel. Ihre Geschichte im frühen Christentum. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1966, S. 120f, unter Verweis auf Günther Bornkamm und Ernst Käsemann.. Die christliche Gemeinde geriet allerdings dadurch in Widerspruch zur profanen Titulierung der Götter und Könige als „Kyrios“.

Theologie Die Christkönigsverehrung steht, so der Liturgiker Christoph Joosten, ähnlich wie die Herz-Jesu-Verehrung im Spannungsfeld zwischen Frömmigkeit und PolitikChristoph Joosten: Das Christkönigsfest. Liturgie im Spannungsfeld zwischen Frömmigkeit und Politik. Francke, Tübingen 2002, ISBN 3-7720-3271-0 (Dissertation, Bochum 2000; 444, XXXIX S.), „zwischen einer inneren Frömmigkeit und der christlichen Restauration der Gesellschaft“.Daniele Menozzi: Sacro Cuore, un culto tra devozione interiore e restaurazione cristiana della società. Rom 2001, zitiert bei Florian Michel: Das Christkönigsfest: Liturgie im Spannungsfeld zwischen Frömmigkeit und Politik. In: Communio. Internationale katholische Zeitschrift 36 (2007) S. 66–80, hier S. 67. Der Königstitel Jesu soll die Königsherrschaft Gottes betonen, ohne dabei in eine exaltierte Beanspruchung weltlicher Macht zu gelangen. Daher ist der Titel einerseits mit dem Königtum Jesu Christi über das Volk Gottes (Israel) verknüpft, andererseits mit der Passion Christi und dem Motiv des leidenden Königs. Das Christentum brachte einen neuen Typ des Gottkönigtums: „Christus der König ist klein; er liegt in der Krippe, als armes Kind wird er angebetet; er leidet, er stirbt am Kreuze, und bei alledem bleibt er König; ja gerade dadurch wird er König“; das Königtum Christi „zeigt der Welt ein neues Königsbild; es streicht die Macht als Grundhaltung Gottes und des Königs und zeigt, dass auch der ein König ist, der klein ist und arm – wenn er nur geistige Güter seinen Untertanen vermittelt.“Heinrich von Meurers: Das Königtum Christi. In: Pastor Bonus Bd. 37 (1926), S. 10–38, hier S. 30. Nach menschlichen Maßstäben ist die Königsherrschaft Jesu Christi eine Persiflage irdischer Machtansprüche: ein „König, dem zu dienen König sein bedeutet“, wie es das Zweite Vatikanische Konzil ausdrückte.Zweites Vatikanisches Konzil, Konstitution Lumen gentium Nr. 36: „Christus, gehorsam geworden bis zum Tod und deswegen vom Vater erhöht (vgl. ), trat in die Herrlichkeit seines Reiches ein. Ihm wird alles unterworfen, bis er selbst sich und alles Geschaffene dem Vater unterwirft, damit Gott alles in allem sei (vgl. ). Diese Vollmacht teilte er seinen Jüngern mit, damit auch jene in königliche Freiheit gestellt werden und durch Selbstverleugnung und ein heiliges Leben das Reich der Sünde in sich selbst völlig besiegen (vgl. ), ja, damit sie, indem sie Christus auch in den anderen dienen, ihre Brüder zu dem König, dem zu dienen herrschen/König sein (regnare) bedeutet, in Demut und Geduld hinführen.“

Theologie- und Frömmigkeitsgeschichte mini|Jesus Christus als Pantokrator in der Apsis der Kathedrale von Monreale (Sizilien), darunter Maria auf einem Herrscherthron mit dem Jesuskind in Herrscherpose (Mosaik, 12. Jahrhundert)

Das Christentum übernahm aus dem Judentum die Gottesbezeichnung als Pantokrator (griech. „Herrscher über das All“, „Herrscher über die ganze Schöpfung“), mit der in der Septuaginta mehrfach der Gottesname JHWH übersetzt wurde, Offb , , , , , , ., jedoch zunächst immer auf Gott, den Vater bezogen. Im Verlauf des 4. Jahrhunderts wurde der Titel auf Jesus Christus, den Sohn, übertragen; dies war sachlich bereits unter anderem in vollzogen, geschah ausdrücklich aber jetzt auf dem Hintergrund christologischer Kontroversen. Durch die Verehrung Jesu Christi als Pantokrator sollte dessen vollkommene göttliche Natur betont werden.

Der Kirchenlehrer Augustinus († 430) schrieb in seinem Werk Der Gottesstaat über die Kirche, sie sei „sowohl das Königreich Christi als auch das Königreich der Himmel.“

Die Erfahrung der Auferstehung Christi und seine Erhöhung als Thronfolger zur Rechten Gottes des Vaters in der Himmelfahrt werden von der Kirche als königlicher Sieg über den Tod gedeutet. Der frühchristliche Ostergesang Exsultet ruft zum Lobpreis des siegreichen Königs auf: „Pro tanti Regis victoria tuba insonet salutaris“, „Lasset die Posaune erschallen, preiset den Sieger, den erhabenen König“, und „Gaudeat et tellus tantis irradiata fulgoribus, aeterni Regis splendore illustrata“, „Lobsinge, du Erde, überstrahlt vom Glanz aus der Höhe! Licht des großen Königs umleuchtet dich.“Übertragung ins Deutsche in der in der Liturgie der Osternacht verwendeten Fassung.

Im Hymnus Vexilla regis aus dem 6. Jahrhundert wird der Königsgedanke mit der Kreuzesverehrung verbunden. Zwei der mindestens seit dem 7. Jahrhundert in der Liturgie gesungenen O-Antiphonen rufen Jesus Christus als den Völkerkönig, Gesetzgeber und Lehrer an: O Rex gentium et desideratus earum, „O König aller Völker, ihre Erwartung und Sehnsucht“, und „O Immanuel, Rex et legifer noster, exspectatio gentium, et Salvator earum“, „O Immanuel, unser König und Lehrer, du Hoffnung und Heiland der Völker“. Die frühmittelalterliche Ostersequenz Victimae paschali laudes endet in dem Ruf: „Tu nobis victor Rex miserere“ – „Du Sieger und König, erbarme dich unser.“ Der Prozessionshymnus Gloria, laus et honor tibi sit, Rex Christe, Redemptor („Ruhm und Preis und Ehre sei dir, Erlöser und König!“) wurde schon im 9. Jahrhundert zur Palmprozession gesungen. Zum Requiem gehört die Sequenz Dies irae; Christus als eschatologischer Weltenrichter wird hier als Rex tremendae maiestatis („König schrecklicher Gewalten“) gesehen und um Milde angefleht.

Thomas von Aquin († 1274) sah die Eucharistie als „Königsmahl, das der Völkerkönig seinem Volk bereitet“Heinrich von Meurers: Das Königtum Christi. In: Pastor Bonus Bd. 37 (1926), S. 10–38, hier S. 28f., und dichtete im Hymnus Pange lingua: „Pange, lingua, mysterium Sanguinis pretiosi, quem in mundi pretium Rex effudit Gentium“, „Preise, Zunge das Geheimnis des kostbaren Blutes, das der König der Völker zum Heil der Welt vergossen hat“, im Lauda Sion: „In hac mensa novi Regis Novum Pascha novae legis Phase vetus terminat“, „Neuer König, neues Leben, neu Gesetz ist uns gegeben, neues Lamm und Ostermahl“.

20. Jahrhundert