Django – Ein Leben für die Musik (Originaltitel: Django) ist ein französisches Filmdrama von Étienne Comar aus dem Jahr 2017. Die Filmbiografie frei nach der fiktionalen Buchvorlage Folles de Django von Alexis Salatko, der zusammen mit Comar auch das Drehbuch schrieb, beleuchtet das Leben des legendären Sinti-Jazzmusikers Django Reinhardt zur Zeit der deutschen Besetzung Frankreichs. Der Film war der Eröffnungsfilm der 67. Internationalen Filmfestspiele Berlin.

Handlung Frankreich 1943: Der begnadete Gitarrist Django Reinhardt gibt mit seiner Band, dem Quintette du Hot Club de France, ein umjubeltes Konzert in Paris. Für seinen elektrisierenden Gypsy-Jazz können sich selbst die deutschen Besatzer begeistern, sodass sie ihn – unter Auflagen – sogar auf Deutschlandtournee schicken wollen, um die Moral der Soldaten zu stärken. Seine aus Belgien zurückgekehrte Geliebte Louise de Klerk rät ihm davon ab und drängt ihn, stattdessen zu fliehen, werden doch Sinti wie er in ganz Europa verfolgt und wie kürzlich in den Ardennen sogar ermordet. Django, der durch die kriegsbedingte Abwesenheit amerikanischer Jazzmusiker als „King of Swing“ von Paris gefeiert wird, ist jedoch überzeugt, dass ihn seine Popularität und sein Fürsprecher, ein als Dr. Jazz bekannter deutscher Oberleutnant, vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten schützen werden.

Als die Tournee bereits organisiert ist, wird Django einer erniedrigenden medizinischen Untersuchung für den STO, den Pflichtarbeitsdienst, unterzogen. Louise versucht derweil, Djangos Ehefrau Naguine dazu zu bewegen, ihren Mann von der dringend notwendigen Flucht in die Schweiz zu überzeugen. Django lässt sich schließlich darauf ein und taucht mit Naguine und seiner Mutter Negros in Thonon an der Schweizer Grenze unter, wo sie Louises Kontaktmann Rossignol in einem leerstehenden Haus am Genfersee unterbringt. Dort warten sie darauf, über die Berge in die Schweiz gebracht zu werden – den Genfersee direkt zu überqueren sei zu riskant. Unweit ihres Hauses treffen sie auf Mitglieder ihrer weitverzweigten Sinti-Familie, die sich ebenfalls in Sicherheit bringen wollen. Als Django das Geld ausgeht und ihm Naguine mitteilt, schwanger zu sein, entschließt er sich, mit seinen Verwandten in einer Gastwirtschaft aufzutreten. Als es bei einem ihrer gemeinsamen Auftritte zu einer Schlägerei zwischen Einheimischen und deutschen Soldaten kommt, wird Django verhaftet.

Bei einer Unterredung mit Oberst Hans Biber, der Djangos Fluchtpläne erahnt, erscheint überraschend Louise, die inzwischen nicht nur in Künstlerkreisen und dem Untergrund, sondern auch zu den deutschen Besatzern einflussreiche Verbindungen pflegt. Auf ihre Bitte hin wird Django vorerst wieder freigelassen. Vor ranghohen deutschen Offizieren soll er jedoch ein Konzert spielen – als Wiedergutmachung. Django zeigt sich gegenüber Louise wütend darüber, bereits seit zwei Monaten in Thonon festzusitzen und nun auch noch ein Konzert für die Deutschen spielen zu müssen, die seinen Kapuzineraffen Joko getötet hätten. Louise, die in Paris verhaftet und verhört wurde, aber nicht näher auf die Begleitumstände eingehen möchte, meint, dass er keine andere Wahl habe.

Während die Sinti unter Hausarrest gestellt werden, bei denen er mit seiner Frau und Mutter nach der Beschlagnahmung der gemeinsamen Unterkunft durch deutsche Soldaten Zuflucht gefunden hat, verbringt Django seine Zeit damit, an der Orgel einer örtlichen Kirche ein Requiem zu komponieren.

Die Résistance besteht schließlich ebenfalls darauf, dass Django das Konzert für die Deutschen in der Villa Amphion gibt, damit ein verletzter englischer Pilot unbemerkt über den See in die Schweiz gebracht werden kann. Django willigt schließlich ein. Für die Darbietung werden ihm und seinen Bandkollegen, die auf Louises Betreiben hin aus Paris anreisen durften, von den Deutschen starke Einschränkungen auferlegt: Kein Blues, keine Breaks, nicht mehr als fünf Prozent Synkopen und keine Soli, die länger als fünf Sekunden dauern. Während Louise mit Offizier Hammerstein tanzt, der darauf achten soll, dass Django die Auflagen einhält, spielt dieser mit seiner Band immer ausgelassener. Immer mehr Gäste beginnen zu tanzen, sogar Oberst Hans Biber tanzt mit Louise. Je schneller und virtuoser Django seine Gitarre spielt, desto sittenloser wird jedoch sein Publikum, sodass das Konzert durch das Einschreiten eines empörten Majors jäh abgebrochen wird. Django und seine Musiker werden abtransportiert. Louise, die hofft, Django bald wiederzusehen, bleibt zurück.

Nachdem ein Soldat die Unterbrechung der Telefonleitungen und einen Sprengstoffanschlag auf einen deutschen Zug gemeldet hat, ertappt Oberst Biber Louise beim Versuch, heimlich zu entkommen, und stößt sie – im Wissen, getäuscht und abgelenkt worden zu sein – zu Boden. Die Sinti werden daraufhin von ihrem Lagerplatz abtransportiert und ihre Wohnwagen von Soldaten mit Flammenwerfern niedergebrannt. Django kann mit Naguine und Negros fliehen. In den Bergen muss er jedoch seine schwangere Frau und seine gebrechliche Mutter bei einer Hütte zurücklassen. Kurz vor der Schweizer Grenze entkommt er nur knapp einer deutschen Patrouille.

Im Mai 1945 wird Djangos Requiem, das er seinen verfolgten Sinti-Brüdern gewidmet hat, mit Streichern, einem Chor, einer Orgel und mit ihm als Dirigenten in Paris aufgeführt. Unter den Zuhörern sind auch Djangos Frau mit Kind und seine Mutter.

Hintergrund Idee und Drehbuch mini|Étienne Comar bei der Pressekonferenz für seinen Film auf der Berlinale 2017 Der Film war das Regiedebüt von Étienne Comar, der seit Ende der 1990er Jahre vor allem als Filmproduzent und wie bei dem preisgekrönten Film Von Menschen und Göttern (2010) bisweilen auch als Drehbuchautor tätig ist. Django Reinhardts Leben zu verfilmen, schien Comar, der schon seit längerem einen Film über „einen Musiker in Bedrängnis“ drehen wollte, naheliegend. Auch sah Comar in Reinhardts Musik familiär bedingt – Comars Vater war ein großer Fan von Django Reinhardt und sein Neffe spielte mit Begeisterung Reinhardts Lieder nach – eine generationsübergreifende Qualität, was ihn zusätzlich bestärkte, einen Film über Reinhardt zu drehen.Vgl. allocine.fr

Für seine Filmbiografie konzentrierte sich Comar auf die Besatzungsjahre Frankreichs zwischen 1943 und 1945.Django – Un film de Étienne Comar. auvergnerhonealpes-cinema.fr, S. 2 (PDF-Datei; 3,9 MB). Er entschied sich bewusst für diese Periode in Reinhardts Leben, weil sie zeige, wie man über die Musik die Welt um sich herum vollständig ausblenden könne. Diese Blindheit eines Künstlers gegenüber der Außenwelt und die spätere Einsicht darüber sollten die Themen seines Films werden.Josef Engels: Wie Django Reinhardt die Nazi-Schergen benebelte. In: Die Welt, 9. Februar 2017. Als literarische Vorlage diente ihm dabei die fiktionale Biografie Folles de Django (2013) von Alexis Salatko, den er überredete, mit ihm zusammen auch das Drehbuch zu schreiben. Das Ergebnis unterschied sich wiederum deutlich von der Vorlage. Comar traf sich zudem mit Reinhardts Enkel David Reinhardt, der ihm von seinem Großvater und anderen Verwandten aus dieser Zeit erzählte. Die Handlung basiert so zwar auf realen Ereignissen, wie Djangos Aufenthalte in Paris und Thonon-les-Bains oder sein Fluchtversuch in die Schweiz, ist jedoch zwischen den einzelnen Stationen fiktiv.

Besetzung Bei der Besetzung der Titelrolle entschied sich Comar für Reda Kateb, der in seinen Augen den Charme und gleichzeitig die nötige Ernsthaftigkeit mitgebracht habe, um Django Reinhardt perfekt zu spielen. Kateb nahm daraufhin ein Jahr lang Gitarrenunterricht. Djangos im Film zu hörendes Gitarrenspiel wurde jedoch von dem niederländischen Jazzgitarristen Stochelo Rosenberg aufgenommen. In den Nahaufnahmen wurde Kateb wiederum von dem auf Gypsy-Jazz spezialisierten französischen Gitarristen Christophe Lartilleux gedoubelt. Für Djangos Band Quintette du Hot Club de France kamen im Film statt Schauspielern zudem echte Musiker zum Einsatz. Der Gypsy-Jazz-Gitarrist Hono Winterstein erhielt wiederum die Rolle eines Verwandten, mit dem Django im Film in der Gastwirtschaft und später auch in der Villa Amphion auftritt. Die Rollen der deutschen Offiziere Hammerstein, Hans Biber, Dietrich Schulz-Köhn (Dr. Jazz) und Werner Effman übernahmen die deutschen Schauspieler Ulrich Brandhoff, Alex Brendemühl, Jan Henrik Stahlberg und Robert Schupp.

Mit Bimbam Merstein wurde Djangos Mutter mit einer Angehörigen der Sinti und Roma besetzt, die keine Schauspielerfahrung besaß, dafür aber laut Regisseur Comar Reinhardts echter Mutter sehr ähnlich gesehen habe. In der ungarischen Sängerin Bea Palya, die ebenfalls den Sinti und Roma angehört, fand Comar die für ihn ideale Besetzung von Djangos Frau Naguine. Um die Welt der „Zigeuner“ authentisch in seinem Film wiederzugeben, führte Comar zusammen mit dem Casting Director Stéphane Batut in der Region um Forbach ferner ein Casting unter einer sesshaften Gemeinschaft von Manouches durch, bei denen es sich fast ausschließlich um Musiker handelte, die auch das im Film zu hörende Sintitikes sprechen.

Die im Film von Cécile de France gespielte Figur der Louise de Klerk ist fiktiv und wurde von Comar im Film stellvertretend für die gebildeten Frauen aus den Pariser Künstlerkreisen der Zwischenkriegszeit eingesetzt, die Django Reinhardt verehrt und ihn in ihre Kreise eingeführt hatten. Als Orientierung las de France auf Comars Empfehlung hin eine Biografie über die US-amerikanische Fotografin Lee Miller, die in den 1930er Jahren zur Pariser Kunstszene gehört und sich später auch als Kriegsberichterstatterin betätigt hatte.

Dreharbeiten mini|Die Kirche Saint-Christophe-de-Javel in Paris, ein Drehort des Films Die Dreharbeiten fanden 2016 in Paris und in den Départements Savoie und Haute-Savoie in der Region Auvergne-Rhône-Alpes statt. In Savoie wurde vorwiegend in Aix-les-Bains gedreht, wo die Aufnahmen für die Konzertszene am Anfang des Films im Theater des Kasinos Grand Cercle entstanden. Drehorte in Haute-Savoie waren der Parc de la Châtaigneraie in Thonon-les-Bains am Genfersee, die ebenfalls am Genfersee gelegenen Gemeinden Neuvecelle (Lagerplatz der Sinti) und Lugrin (Villa Amphion) sowie Talloires am Lac d’Annecy.

Als Kirche von Thonon-les-Bains, in der Django im Film sein Requiem an einer Orgel komponiert, diente die Pariser Kirche Saint-Christophe-de-Javel.Vgl. l2tc.com – Movies Shot Locations Die Aufführung des Requiems am Ende des Films, die nach dem Krieg tatsächlich stattfand, wurde am Originalschauplatz in Paris in der Kapelle (Saal André-Marchal) des Institut national des jeunes aveugles gedreht.Céline Carez: Paris: l’Institut national des jeunes aveugles ouvre ses portes. In: Le Parisien, 8. März 2017. Als Szenenbildner trat Olivier Radot in Erscheinung. Die Kostüme entwarf Pascaline Chavanne. Das Budget betrug rund 8,8 Millionen Euro.Vgl. jpbox-office.com

Soundtrack Die auf Gitarre gespielten Jazzkompositionen wurden für den Film vom Rosenberg Trio um den niederländischen Jazzgitarristen Stochelo Rosenberg eingespielt, der auch eigene Kompositionen zum Film beisteuerte. Andere Instrumente wurden im Tonstudio ebenfalls von erfahrenen Jazzmusikern gespielt, darunter Claude Tissendier (Klarinette), Xavier Nikq (Kontrabass), Yoann Serra (Schlagzeug), Costel Nițescu (Geige), Pierre Bertrand (Saxophon), Michel Feugère (Trompete) und Laurent Maur (Mundharmonika).Vgl. discogs.com Die Orgel spielte Thomas Ospital, der für den Film zusätzliche Orgelmusik komponierte.Vgl. cinezik.org