mini|In dieser Uniform zogen die Kürassiere zu Anfang des Krieges ins Feld. Lediglich der Helm wurde mit einem Stoffüberzug versehen. Die französische Kavallerie im Ersten Weltkrieg spielte in diesem Konflikt nur eine untergeordnete Rolle. Die berittenen Soldaten zeigten sich zunehmend wirkungslos angesichts der Feuerkraft von Maschinengewehren und moderner Artillerie. Die verschiedenen Einheiten dieser Waffengattung wurden daher fast ausschließlich für Erkundungen oder Patrouillen eingesetzt, selbst wenn der Personalbestand bei Beginn des Krieges auf seinem Höchststand lag. Hauptsächlich auf dem westlichen Kriegsschauplatz eingesetzt, erfolgte schnell die Reduzierung bzw. Umorganisation der Regimenter.Andreani, 2014, S. 123–124. Zu Beginn des Herbstes 1914 forderte der beginnende Grabenkrieg ein Umdenken beim Einsatz der Kavallerie. Ein Teil der Regimenter musste die Pferde abgeben und wurde in die neugebildeten „Divisions de cavalerie à pied“ (Kavalleriedivisionen zu Fuß) eingegliedert. Hier wurden sie als reguläre Infanterie eingesetzt. Mit der Wiederaufnahme des Bewegungskrieges 1918 wurde die Kavallerie wiederbelebt, fand sich da jedoch in der Rolle einer berittenen Infanterie wieder.

Eine Anzahl der Regimenter wurde jedoch auf den anderen Kriegsschauplätzen eingesetzt, wo sie weiterhin die Rolle der klassischen Kavallerie wahrnahmen, so im Maghreb, in Südosteuropa oder dem Vorderen Orient.

Gleichzeitig begann in dieser Periode das Zeitalter der Mechanisierung; die französische Kavallerie wurde erstmals mit den Automitrailleuses ausgerüstet.

Vorkriegssituation Bei Kriegsbeginn existierten in den französischen Streitkräften mehrere unterschiedliche Arten von Kavallerie. Sie unterschieden sich im Namen, in der Uniform und der Tradition. Die Kürassiere und Dragoner zählten zur schweren Kavallerie, dagegen wurden die „Chasseurs à cheval“ (Jäger zu Pferde) und die Husaren zur leichten Kavallerie gerechnet. Dazu kamen noch die Chasseurs d’Afrique und die Spahis, die die leichte Kavallerie der Streitkräfte in Afrika bildeten.

Der Unterschied zwischen der schweren und leichten Kavallerie lag einerseits bei den Pferden; die schwere Kavallerie ritt solche der Rasse Anglo-Normanne, während die leichte Kavallerie mit Pferden der Rasse Anglo-Araber oder Berber ausgestattet war.

Die Reiter mussten bei den Chasseurs und Husaren theoretisch eine Körpergröße von zwischen 1,59 und 1,68 Metern aufweisen, das Körpergewicht war auf 65 Kilogramm begrenzt. Die Dragoner durften nicht größer als zwischen 1,64 und 1,74 Meter sein und durften nicht mehr als 70 Kilogramm wiegen. Bei den Kürassieren war eine Körpergröße von zwischen 1,70 und 1,85 vorgeschrieben, das maximale Gewicht durfte 75 Kilogramm nicht überschreiten. Für die Beschlagschmiede, Sattler, Waffenmeister und Schneider der leichten Kavallerie war eine Mindestgröße von 1,56 Metern vorgeschrieben.

Zu Beginn der Jahre 1872 und 1913 fand eine Reorganisation des Militärdienstes statt, davon war auch die Kavallerie betroffen. Der Militärdienst wurde auf fünf Jahre festgesetzt, und das System der Konskription wurde beibehalten.Gesetz vom 27. Juli 1872 über die Rekrutierung der Armee. In: Journal officiel de la République française. Bulletin des lois n° 101. 27. August 1872, S. 97 (). 1889 wurde der Wehrdienst auf drei Jahre verkürztGesetz über die Wehrpflicht vom 15. Juli 1889. In: Journal officiel de la République française. Bulletin des lois n° 1263. 17. Juli 1889, S. 73 ().; mit dem Gesetz vom 21. März 1905 wurde der Wehrdienst nochmals um ein Jahr auf zwei Jahre herabgesetzt.Das Gesetz vom 21. März 1905 modifizierte das Gesetz vom 15. Juli 1889 über die Wehrpflicht und reduzierte sie auf zwei Jahre. In: Journal officiel de la République française. Bulletin des lois n° 2616. 23. März 1905, S. 1280 (). Dies brachte jedoch Probleme mit sich, da man der Ansicht war, zwei Jahre seien nicht genug Zeit, um die Kavalleristen richtig auszubilden. Daraufhin wurde 1913 das „Gesetz der drei Jahre“ verabschiedet (Loi des trois ans), was die Kritiker zufriedenstellte.Das Gesetz vom 7. August 1913 modifizierte die gesetzlichen Regulierungen über die Infanterie, die Kavallerie, die Artillerie und die Pioniere. Es betraf im Besonderen die Effektivität der Einheiten und legte die Bestimmungen über die Rekrutierung der aktiven Truppe und der Reservetruppenteile fest. In: Journal officiel de la République française. Bulletin des lois n° 111. 8. August 1913, S. 2077 (). Der personellen Zusammensetzung der Kavallerie wurde mehr Aufmerksamkeit geschenkt als der der Infanterie. Als Beispiel sei hier die Garnison in Libourne mit dem „15e régiment de dragons“ und dem 57e régiment d’infanterie genannt. Das Kavallerieregiment verfügte 1914 bei einem Gesamtbestand von 619 Mann über 32 Offiziere (4,5 % des Personalbestandes) und 59 Unteroffiziere (8,3 % des Personalbestandes);JMO des 15e RD. In: Mémoire des hommes. Hrsg.: Französisches Verteidigungsministerium (SHD). dagegen war das Infanterieregiment 3.039 Mann stark, mit 60 Offizieren (1,8 % des Personalbestandes) und 179 Unteroffizieren (5,4 % des Personalbestandes).JMO des 57e RI. In: Mémoire des hommes. Hrsg.: Französisches Verteidigungsministerium (SHD). Den Angehörigen der Kavallerie waren auch bessere Chancen auf der militärischen Karriereleiter gewiss;Bei einer freiwilligen Verpflichtung wurde eine Prämie von 125 Francs und eine Sonderzahlung von 0,4 Francs für jeden Tag nach einer zweijährigen Dienstzeit gezahlt. auch war die Anzahl der adeligen Offiziere mit 20 % in der Kavallerie gegen 10 % in der Infanterie doppelt so hoch.

Kürassiere I. II. III. 1er régiment de cuirassiers 2e régiment de cuirassiers 3e régiment de cuirassiers 4e régiment de cuirassiers 5e régiment de cuirassiers 6e régiment de cuirassiers 7e régiment de cuirassiers 8e régiment de cuirassiers 9e régiment de cuirassiers 10e régiment de cuirassiers 11e régiment de cuirassiers 12e régiment de cuirassiers Dragoner I. II. III. 1er régiment de dragons 2e régiment de dragons 3e régiment de dragons 4e régiment de dragons 5e régiment de dragons 6e régiment de dragons 7e régiment de dragons 8e régiment de dragons 9e régiment de dragons 10e régiment de dragons 11e régiment de dragons 12e régiment de dragons 13e régiment de dragons 14e régiment de dragons 15e régiment de dragons 16e régiment de dragons 17e régiment de dragons 18e régiment de dragons 19e régiment de dragons 20e régiment de dragons 21e régiment de dragons 22e régiment de dragons 23e régiment de dragons 24e régiment de dragons 25e régiment de dragons 26e régiment de dragons 27e régiment de dragons 28e régiment de dragons 29e régiment de dragons 30e régiment de dragons 31e régiment de dragons 32e régiment de dragons Husaren I. II. III. 1er régiment de hussards 2e régiment de hussards 3e régiment de hussards 4e régiment de hussards 5e régiment de hussards 6e régiment de hussards 7e régiment de hussards 8e régiment de hussards 9e régiment de hussards 10e régiment de hussards 11e régiment de hussards 12e régiment de hussards 13e régiment de hussards 14e régiment de hussards Jäger zu Pferde I. II. III. 1er régiment de chasseurs à cheval 2e régiment de chasseurs à cheval 3e régiment de chasseurs à cheval 4e régiment de chasseurs à cheval 5e régiment de chasseurs à cheval 6e régiment de chasseurs à cheval 7e régiment de chasseurs à cheval 8e régiment de chasseurs à cheval 9e régiment de chasseurs à cheval 10e régiment de chasseurs à cheval 11e régiment de chasseurs à cheval 12e régiment de chasseurs à cheval 13e régiment de chasseurs à cheval 14e régiment de chasseurs à cheval 15e régiment de chasseurs à cheval 16e régiment de chasseurs à cheval 17e régiment de chasseurs à cheval 18e régiment de chasseurs à cheval 19e régiment de chasseurs à cheval 20e régiment de chasseurs à cheval 21e régiment de chasseurs à cheval Afrikanische Kavallerie I. II. III. 1er régiment de chasseurs d’Afrique 2e régiment de chasseurs d’Afrique 3e régiment de chasseurs d’Afrique 4e régiment de chasseurs d’Afrique 5e régiment de chasseurs d’Afrique 6e régiment de chasseurs d’Afrique 1er régiment de spahis algériens 2e régiment de spahis algériens 3e régiment de spahis algériens 4e régiment de spahis algériens 1er régiment de spahis marocains

Bewaffnung und Uniformierung mini|Husar im Jahr 1879, nach Édouard Detaille Die gesamte Kavallerie war mit dem Säbel bewaffnet, die schwere Kavallerie führte eine gerade und die leichte Kavallerie eine gekrümmte Klinge.

Die französische Kavallerie benutzte 1914 mehrere Säbelmodelle: Modell 1854 mit einer geraden Klinge von 1.000 mm Länge, die 1882 gekürzt wurde. Für die Kürassiere hatte der Säbel jetzt eine Länge von 950 mm und ein Gewicht von 1.340 Gramm ohne Scheide, der für die Dragoner eine Länge von 925 mm mit einem Gewicht von 1.320 Gramm ohne Scheide. mini|Offizierssäbel Modell 1822 Der Säbel vom Modell 1822 mit gekrümmter Klinge (Länge 920 mm) wurde 1884 auf 870 mm gekürzt und die Scheide mit nur noch einem Tragering versehen, die Ausführung mit gerader Klinge wurde auf 870 mm gekürzt. Das Gewicht lag jetzt bei 1.080 Gramm.

Die Säbel vom Modell 1882 und 1896 wurden als zu schwer betrachtet und überwiegend zu Ausbildungszwecken verwendet. Da die Offiziere für ihre Bewaffnung selbst aufkommen mussten, bevorzugten sie es oftmals, statt den Säbel M 1896 und M 1822/82 aus den staatlichen Depots zu beziehen, sie bei privaten Herstellern zu kaufen. Diese Modelle entsprachen allerdings nicht immer den militärischen Normen.R. Stiot, M. Pétard: Les armes blanches de la IIIe à la Ve République. Teil 2. In: Gazette des armes. Nr. 123, November 1983, S. 21–23.

Die Lanze war 1871 aus allen Kavallerieregimentern verschwunden, wurde jedoch bei den Dragonern 1890 als Antwort auf die 1889 erfolgte Ausrüstung der preußischen Ulanen mit dieser Waffe wieder eingeführt. Die leichte Kavallerie wurde erst im Jahre 1913 mit den Lanzen ausgerüstet. Die 12 Regimenter Husaren und Jäger zu Pferde führten sie jedoch nur im Manöver.Louis Delpérier: La cavalerie légère 1900–1914. In: Uniformes. Nr. 72, Februar 1983, S. 18. Die Lanze Modell 1890 war aus Bambus, die des Modells 1913 aus Stahlrohr. Letztere hatte eine Länge von 2,97 Metern.

Zur Bewaffnung zählte weiterhin ein Repetier-Karabiner mit gezogenem Rohr („Fusil“ – also Gewehr – genannt) vom Modell Carabine Berthier 1890 mit einem Drei-Schuss-Magazin und einem Visier bis 2.000 Meter; die praktikable Einsatzweite lag jedoch bei 100 bis 1.000 Metern. Die Soldaten, für die ein Karabiner nicht vorgesehen war, waren mit dem Revolver Modell 1873 oder 1892 ausgerüstet. mini|Revolver Modell 1873 Die Reiter der schweren Kavallerie trugen einen Helm mit Helmkamm und einem darauf befestigten Pferdeschweif. Der Oberkörper der Kürassiere wurde von einem zweiteiligen Panzer aus Stahlblech geschütztDas Komitee der Kavallerie und ihr Präsident, Général de Galliffet, hatten in ihrem Bericht von 1881 die Abschaffung der Kürasse gefordert. Dem wurde mit der Verfügung von 1883 teilweise stattgegeben, indem die Hälfte der Regimenter (diejenigen mit den geraden Nummern) ihre Kürasse ablegen durften. Siehe: Andreani, 2014, S. 20–21., welcher effektiv gegen Blankwaffen schützte, nicht jedoch gegen Schrapnellkugeln oder Projektile aus Gewehren oder Pistolen.