Die 24. Nordischen Skiweltmeisterschaften fanden vom 18. bis 25. Februar 1962 in Zakopane statt. Der polnische Wintersportort war somit zum dritten Mal Ausrichter von Nordischen Skiweltmeisterschaften.
Anerkennung der Veranstaltung als Weltmeisterschaften Wie bei den eine Woche vorher begonnenen Alpin-Skiweltmeisterschaften in Chamonix, bangten auch hier die Funktionäre, ob die Wettbewerbe bei ihrer Veranstaltung als Weltmeisterschaften anerkannt würden, ehe am 15. Februar dank der Beschlüsse vom Exekutivkomitee der FIS bei seinen Sitzungen in Chamonix und Zakopane Entwarnung kam.
Schwierige Witterungsbedingungen Die Verantwortlichen wurden allerdings mit anderen Unbilden konfrontiert, denn starke Schneefälle und Sturmböen führten zu Absagen sowie grundlegenden Programmänderungen – praktisch konnte kein Wettbewerb am vorgesehenen Termin durchgeführt werden. So kam beispielsweise der 30-km-Langlauf der Herren bereits am 18. Februar zur Austragung, während das für diesen Tag geplante Springen von der Normalschanze entfallen musste.
Wie nie zuvor in den letzten fünfzehn bis zwanzig Jahren waren Schneestürme über das Land gefegt. Besucher der Weltmeisterschaften hatten am Wochenende des 17./18. Februar nur mit dem Zug – zwar mit Verspätung – ihr Ziel erreicht, während Hunderte von Autos auf der Strecke zwischen Krakau (Kraków) und Zakopane (Entfernung zwischen den Orten: 150 km) liegen geblieben waren. Journalisten aus der ČSR, die normalerweise über die Tatra den Weg in einer knappen Stunde bewältigen konnten, waren am 17. Februar volle acht Stunden unterwegs gewesen, um sich mit ihrem Pkw über eine Strecke von sechzig Kilometern Distanz durchzukämpfen.«Eine Stadt versinkt im Schnee». In «Sport Zürich» Nr. 22 vom 21. Februar 1962, S. 3, ab Spalte 3, unten Die Teams aus Italien, der Schweiz und der BR Deutschland, die per Flugzeug unterwegs waren, mussten die Nacht auf 13. Februar in München verbringen. Aufgrund der wegen des Schlechtwetters hatte es in Warschau keine Landemöglichkeit gegeben. Auch der vorgesehene Starttermin am 13. Februar hielt vorerst nicht. Erst nach 11 Uhr startete die Maschine mit 44 Wettkämpfern, drei Journalisten und neun Besatzungsmitgliedern.«Die Schweizer „Nordischen“ in München blockiert». In «Sport Zürich» Nr. 19 vom 14. Februar 1962, S. 3, Spalte 2, unten
Eröffnung, Vorschauen sowie „Zakopane versinkt im Schnee“ Die Eröffnung fand am 17. Februar statt, und trotz der seit achtzehn Stunden ununterbrochenen starken Schneefälle füllte sich das 40.000 Zuschauer fassende Skistadion unterhalb der Skisprungschanze. Vor dem Stadion standen derweil noch Tausende, die keinen Einlass gefunden hatten. Die Zeremonie dauerte anderthalb Stunden.«Eröffnungszeremonie im Schneesturm vor 50.000» in «Sport Zürich» Nr. 21 vom 19. Februar 1962, S. 7
Teilnehmer und Favoriten Es nahmen rund 380 Aktive aus zwanzig Verbänden mit zwei deutschen Mannschaften an den Wettkämpfen teil. In den einzelnen Disziplinen waren, wie bei den Olympischen Spielen, nur noch vier Teilnehmer pro Land zugelassen.
Die Vorschauen sahen die skandinavische Dominanz in den Langläufen unangetastet, wenngleich exakte Anhaltspunkte für einen Leistungsvergleich fehlten, weil es vorher nur – und dies verhältnismäßig früh in der Saison in Falun – zu einem Kräftemessen in einzelnen Disziplinen gekommen war. Vor allem die Nordländer waren ihrer Tradition treu geblieben, in Jahren mit Titelkämpfen kaum international aufzutreten, um ihren Formaufbau nicht zu stören.«Die Weltelite der Langläufer und Springer in Polen», «Sport Zürich», Nr. 20 vom 16. Februar 1962, S. 4
Wettbewerbe Das bisherige Wettkampfprogramm bei Nordischen Weltmeisterschaften wurde durch zwei neue Disziplinen erweitert. Erstmals wurden der 5-km-Langlauf der Frauen und das Skispringen der Männer von der Großschanze ausgetragen.
So gab es für die Frauen mit den Skilangläufen über fünf und zehn Kilometer sowie der Staffel über drei mal fünf Kilometer nun drei Wettbewerbe. Die Männer maßen sich in vier Langlaufdisziplinen (15 / 30 / 50 km / 4-mal-10-km-Staffel), zwei Sprungwettbewerben (Normal- und Großschanze) sowie der Nordischen Kombination.
Sondermarke Die polnische Postverwaltung hatte anlässlich der Weltmeisterschaften eine Sondermarke herausgebracht. Diese konnte ab dem 16. Februar, also einen Tag vor der Eröffnung, erworben werden. In Warschau hatten sich an mehreren Ausgabestellen schon kurz nach Mitternacht Dutzende Philatelisten angestellt, um nicht zu spät dran zu sein.Quelle: «Volkszeitung Kärnten»
Legende Kurze Übersicht zur Bedeutung der Symbolik – so üblicherweise auch in sonstigen Veröffentlichungen verwendet: Wettkampf nicht beendet (did not finish) nicht am Start (did not start) * gestürzt
Medaillenspiegel + NationenEndstand nach 10 Wettbewerben Platz Nation 20px|Gold 20px|Silber 20px|Bronze 40px|Gesamt 1 3 4 3 10 2 3 3 0 6 3 2 1 2 5 4 1 1 3 5 5 1 0 1 2 6 0 1 0 1 7 0 0 1 1
+ MännerEndstand nach 7 Wettbewerben Platz Sportler 20px|Gold 20px|Silber 20px|Bronze 40px|Gesamt 1 2 1 0 3 2 2 0 0 2 3 1 1 0 2 4 1 0 1 2 5 1 0 0 1 1 0 0 1 1 0 0 1 1 0 0 1 9 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 17 0 0 1 1 0 0 1 1 0 0 1 1 0 0 1 1 0 0 1 1 0 0 1 1 0 0 1 1 0 0 1 1 Gennadi Waganow 0 0 1 1
+ FrauenEndstand nach 3 Wettbewerben Platz Sportlerin 20px|Gold 20px|Silber 20px|Bronze 40px|Gesamt 1 3 0 0 3 2 1 1 1 3 3 1 0 0 1 4 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 8 0 0 1 1 0 0 1 1 0 0 1 1 0 0 1 1
Resultate Langlauf Männer Detaillierte Ergebnisse
15 km Platz Sportler Zeit [min] 1 55:22,8 2 55:52,2 3 55:54,8 4 55:56,1 5 56:24,4 6 56:48,9 7 56:58,8 8 Lars Olsson 57:10,2 9 Gennadi Waganow 57:20,2 10 Pawel Koltschin 57:30,8 … … … 12 58:08,9 14 58:10,9 18 58:57,1 21 59:01,6 26 Heinz Seidel 60:21,1 27 T Matsuhashi 60:43,8 28 60:48,8 34 60:53,8 36 61:59,1 38 Rudolf Dannhauer 62:15,6 41 62:21,8 42 Franz Vetter 62:26,3 43 Anton Kogler 62:35,2 44 Klaus Kretzschmann 62:42,6 49 68:52,0 Datum: 20. Februar 1962Men 15km Nordic Skiing World Championship 1962 Zakopane, Poland, todor66.com, abgerufen am 22. Oktober 2023
Dieses Rennen wurde am Vormittag bei aufhellender Witterung und leichtem Schneegeriesel vor 10.000 Zuschauern ausgetragen. Die Temperaturen lagen knapp unter dem Gefrierpunkt. Diese Witterungsbedingungen erschwerte die Präparation der Skier, wobei ein „zu schneller“ Ski, auf dem die Läufer manchmal zurückrutschten, immer noch besser war als ein stumpfer, den die Schweizer beim Wachsauftragen erwischt hatten. Der Schwede Rönnlund hatte noch rechtzeitig umgewachst. Das Rennen spitzte sich auf den letzten Kilometern zwischen den Norwegern und Schwedens Rönnlund zu. Gleich mehrere Spitzenläufer waren nicht am Start: Auf Sixten Jernberg (SWE), Veikko Hakulinen (FIN) und Hallgeir Brenden (NOR) war von den jeweiligen Mannschaftsführungen verzichtet worden.
Rönnlund hatte den eine Minute vor ihm gestarteten Finnen Eero Mäntyranta etwa vier km vor dem Ziel eingeholt und jagte mit diesem bis über die Ziellinie. Als letzter war mit Nr. 73 Der Norweger Harald Grønningen auf die Loipe gegangen, er wurde nach fünf km mit bester Zwischenzeit zwölf Sekunden vor Rönnlund gestoppt und nach zehn km auf Rang zwei (zehn Sekunden hinter Rönnlund) gemeldet, blieb aber trotz eines starken Finishs fast eine halbe Minute hinter Rönnlund. Von den Norwegern war die großartige mannschaftliche Leistung nicht erwartet worden, Rönnlund lief besser als zuvor bei den 30 km, als er in der letzten Runde irgendwie gehemmt gewirkt hatte. Den Finnen (nur Mäntyranta unter den ersten Zehn) gelang kein wunschgemäßes Rennen.«Schwedens neuer ‹Skikönig› Rönnlund 15-km-Weltmeister» in «Sport Zürich» Nr. 22 vom 21. Februar 1962, S. 1.«15 km ohne Skikönige» im «Kurier Wien» vom 21. Februar 1962, S. 9.
30 km mini|hochkant=1.7| Platz Sportler Zeit [h] 1 1:52:39,4 2 1:52:49,1 3 1:53:13,3 4 1:53:32,9 5 1:53:38,3 6 1:53:41,4 7 1:54:09,4 8 1:54:15,7 9 1:54:38,8 10 1:54:41,1 … … … 12 Gennadi Waganow 1:56:01,8 14 1:56:38,1 17 1:58:22,7 18 1:59:52,0 19 2:00:14,6 20 2:00:17,3 21 2:00:17,4 22 Walter Demel 2:00:58,5 23 2:01:08,2 24 2:01:51,1 25 2:02:05,9 35 2:04:10,8 36 Rauhawsen 2:04:14,3 41 Siegfried Weiß 2:05:40,4 42 Kopp 2:06:04,2 44 2:06:10,1 54 Edward Demers 2:13:40,9 Datum: 18. Februar 1962Men 30km Nordic Skiing World Championship 1962 Zakopane, Poland, todor66.com, abgerufen am 22. Oktober 2023
64 Starter; Höhendifferenz 250 m – 8.000 bis 10.000 Zuseher
Wegen der starken Schneefälle hatte der 30-km-Kurs kurz vor Rennbeginn geändert werden müssen. Das Rennen wurde auf einer dreimal zu bewältigenden 10-km-Strecke, der ersten Schleife des Originalparcours, durchgeführt. Pressesprecher Stephan Rzeszot informierte über den Lautsprecher mehrsprachig das Publikum. Es gab härteste Bedingungen mit ununterbrochenem dichten Schneefall, dazu wirbelte der böenartige Wind haushohe Schneewolken auf. Die Schwere des Rennens dokumentiert sich auch in der Bestzeit von über einer Stunde und fünfzig Minuten.
Schon gegen halb sieben am Morgen war eine sechsköpfige Spurmannschaft aufgebrochen und hatte sich durch stockwerkhohe Verwehungen gekämpft. Und wenn diese Gruppe auch die «Doppelspur» wieder zum Vorschein gebracht hatte, war es ein fruchtloses Unterfangen gewesen. Schneefall und Wind deckten die Loipe bald wieder zu.
Schon mit Start-Nr. zwei nahm der prominente Schwede Janne Stefansson den Kurs in Angriff. Er war von seiner Teamführung als offenbar nicht so stark eingeschätzt und deshalb in die schwächste der vier Gruppen delegiert worden. Der Schwede war tatsächlich eine Art „Spurmann“. Als der Niederschlag etwas nachließ und sich auch das Feld auf den Parcours verteilt hatte, konnte Stefansson zeigen, was in ihm steckt, und er kam mit einem großartigen Finish sogar noch auf nicht ganz zehn Sekunden an den Weltmeister heran.
Der als kommender „Skikönig“ gehandelten Schweden Assar Rönnlund, und Sixten Jernberg konnten sich auf der so kräfteverschleißenden Strecke nicht entsprechend durchsetzen. Sowohl die beiden Finnen Kalevi Hämäläinen und Arto Tiainen als auch Jernberg klagten über Magenbeschwerden, was auch deren Rückfall erklärte. Demgegenüber herrschte bei den Norwegern offene Freude, denn sie hatten die vorderen Plätze von Einar Østby und Harald Grønningen nicht ohne weiteres erwartet.
Mit dem 1,57 m großen und 58 kg schweren Giulio Deflorian (geb. 13. Januar 1936) gab es den ersten Mitteleuropäer, der in die jahrzehntelange skandinavische Phalanx auf dem Podest, die bislang nur von Sowjetathleten gesprengt worden war, eindringen und sich eine Medaille sichern konnte. Der schwedische Trainer Bengt Nilsson hatte die Langlaufgilde der Azzuri systematisch aufgebaut, bereits in Les Brassus hatte sich deren Stärke sowohl individuell als auch in der Breite gezeigt. Für Deflorian als Leichtgewicht mochte die weiche Spur ein Vorteil gewesen sein, doch er hatte es in den Abfahrten und im Kampf gegen die Windböen schwerer.
Sieger Mäntyranta überzeugte als hervorragender Stilist und Techniker, der locker und spielerisch die scharfen Aufstiege bewältigte. Auf den Ebenen steigerte er das Tempo, wechselte bei Beginn der Steigung die Kadenz und ging nach wenigen Schritten in seinen faszinierenden raumgreifenden Gleitrhythmus über. Er war zweifellos über den Stand des Rennens informiert, denn gleich zu Beginn der Schlussrunde drehte er voll auf, weil Deflorian ihm bedrohlich nahe gerückt war. Der Finne flog förmlich über den letzten Kilometer. Es war festzustellen, dass es die besten Italiener in athletischer und technischer Hinsicht mit den Nordländern aufnehmen konnten. Doch deren Körperbeherrschung, das Balancegefühl und das zügige, kraftvolle und doch kaum eine Anstrengung verratende Gleiten auf einem Ski – das war nur bei ausgedehntem Training anzueignen.