Die japanisch-portugiesischen Beziehungen beschreiben das zwischenstaatliche Verhältnis zwischen Japan und Portugal. Ihre diplomatischen Beziehungen gehen auf die Ankunft der Portugiesen in Japan im 16. Jahrhundert zurück und bestehen seit 1860 ununterbrochen.Übersicht über die diplomatischen Beziehungen zu Japan beim diplomatischen Institut im portugiesischen Außenministerium, abgerufen am 4. Mai 2019
Die Portugiesen waren im 16. Jahrhundert die ersten Europäer, mit denen Japaner zusammentrafen. Die von ihnen eingeführten Feuerwaffen hatten danach maßgeblichen Einfluss auf die Vereinigung Japans, und die folgende Epoche des Namban-Handels beflügelte die wirtschaftliche Entwicklung. Zum portugiesischen Vermächtnis in Japan gehören u. a. die Namban-Kunst und das gastronomische Erbe (beispielsweise die Tempura oder auch verschiedene Süßspeisen wie Kompeitō oder die Castella-Kuchen aus Nagasaki), aber auch das linguistische Erbe, das sich in einigen Dutzenden portugiesische Lehnwörtern in der japanischen Sprache in Geografie, Religion und Alltagskultur zeigt, beispielsweise Brot.Fernando Cristóvão (Hrsg.): Dicionário Temático da Lusofonia. Texto Editores, Lissabon/Luanda/Praia/Maputo 2006 (ISBN 972-47-2935-4), S. 827ff. Das portugiesische Erbe in Japan ist bis heute im Bewusstsein der japanischen Gesellschaft präsent."Toda a gente no Japão sabe que a espingarda foi introduzida pelos portugueses e que palavras como pan ou koppu são de origem portuguesa" - „Jeder in Japan weiß, dass die Portugiesen das Gewehr hier einführten und dass Worte wie Pan oder Koppu portugiesischen Ursprungs sind“, Interview in der Zeitung Diário de Notícias mit dem japanischen Botschafter vom 12. Februar 2020, abgerufen am 15. Februar 2020
Seit 2014 hat Japan Beobachterstatus in der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder.
Im Jahr 2016 waren 440 Staatsbürger Japans in Portugal registriert, davon mit 226 die meisten in der Hauptstadt Lissabon,Offizielle portugiesische Ausländerstatistiken nach Distrikt, portugiesische Ausländer- und Grenzbehörde SEF, abgerufen am 30. August 2017 während 589 Portugiesen in Japan gemeldet waren.Portugiesische Website zur japanisch-portugiesischen Migration, abgerufen am 30. August 2017
Geschichte Bis zum 18. Jahrhundert mini|Japanische Namban-Darstellung des Francisco Xavier, 17. Jh. Die älteste Erwähnung Japans in portugiesischen Quellen stammt aus der Suma Oriental, in der Tomé Pires um 1515 das heutige Japan erwähnt, unter Bezugnahme auf Marco Polos Cipango.
Die ersten Portugiesen betraten Japan am 23. September 1543, als Francisco Zeimoto, António da Mota und António Peixoto an Bord einer chinesischen Dschunke auf der Insel Tanegashima an Land gingen. Dies gilt als erste Begegnung von Japanern und Europäern. Auch Fernão Mendes Pinto behauptete, zu den ersten Portugiesen in Japan zu gehören, das er ausführlich in seiner Peregrinação beschrieb, insbesondere die Reaktion der Japaner auf die portugiesischen Waffen. Die heutige Geschichtswissenschaft sieht es jedoch als weitgehend gesichert an, dass Pinto nicht bei der ersten Landung auf Tanegashima zugegen war.
Die von den Portugiesen mitgeführten Feuerwaffen waren in Japan noch unbekannt und erregten die Aufmerksamkeit der Militärführer im zerstrittenen Japan. Später wurden insbesondere in der Stadt Sakai große Mengen Tanegashima-Gewehre produziert, die dem Militärführer Oda Nobunaga in der Schlacht von Nagashino 1575 einen entscheidenden Sieg ermöglichten, der schließlich zur militärischen und politischen Einigung Japans führte.
Bereits nach dem Eintreffen der ersten Portugiesen 1543 suchten portugiesische Händler auch in Japan nach Handelsmöglichkeiten. So war der Händler Jorge ÁlvaresAnm.: nicht der 1521 in China gestorbene Entdeckungsreisende gleichen Namens 1547 von Malakka aus nach Japan aufgebrochen und verfasste für Francisco Xavier den ersten detaillierten Bericht über Japan. Motiviert durch den Bericht, reiste Xavier zwischen dem 15. August 1549 und dem 15. November 1551 durch Japan, beginnend in Kagoshima. Dabei legte er bereits den Grundstein für die Missionstätigkeit der Jesuiten und führte damit das Christentum in Japan ein.
Die Gesellschaft Jesu missionierte zunächst exklusiv, danach in Konkurrenz mit anderen christlichen Mönchsorden, beförderte dabei aber auch wesentlich den kulturellen, wissenschaftlichen, geschäftlichen und diplomatischen Austausch. mini|Asien-Karte von Fernão Vaz Dourado (1571) Ab 1550 segelte jedes Jahr eine Nau mit Unterstützung der Portugiesischen Krone von Portugal aus über eine Reihe Zwischenstationen nach Japan, um die vom Handel bestimmten Beziehungen zu pflegen. Da Japan zu der Zeit vom Handel mit China ausgeschlossen war, fungierte die portugiesische Handelsbeziehung zudem als Mittler, über den Japan dennoch mit China Waren austauschen konnte.
1570 gründete der Pater Luís Almeida den Hafen von Nagasaki, in dem die jährliche Handelsnau fortan einlief. Von Nagasaki aus intensivierten die Jesuiten danach ihre Kulturarbeit und errichteten dabei u. a. 75 Schulen und Seminare. Neben dem religiösen Aspekt wurde dort in vielen Bereichen europäische Kultur unterrichtet, etwa Musik, Theater oder westliche Malerei. Sie veröffentlichten Druckerzeugnisse in Latein, Portugiesisch und romanisiertem und transkribiertem Japanisch und verbreiteten die Kenntnisse in Bereichen wie Kartografie, Astronomie, Medizin, Militärarchitektur oder auch der Gastronomie (z. B. Castella, Kompeitō). Zu den Veröffentlichungen zählte auch das „Vocabulario da Lingoa de Iapam“ (1603), das als erstes Wörterbuch der Japanischen Sprache gilt und bis heute in den philologischen Studien Bedeutung hat. Unter den ebenfalls bedeutenden Werken sind weiterhin zu erwähnen „A Arte Breve da Língua Iapam“, ein Buch zur japanischen Grammatik des portugiesischen Paters João Rodrigues, und die Bücher „A História do Japão“ (des Paters Luís Fróis) und „História da Igreja do Japão“ (ebenfalls von Pater João Rodrigues) zur Geschichte Japans. mini|Denkmal für Luís de Almeida in Ōita Die portugiesischen Landkarten machten seither die konkreten Formen der japanischen Inseln in Europa bekannt. Weite Verbreitung fanden insbesondere ab 1568 die Karten des Fernão Vaz Dourado.
In diese Zeit fällt auch die Entwicklung der Namban-Kunst, die sich bis zum wesentlichen Ende der portugiesischen Präsenz in Japan 1640 entfaltete.
Im Bereich der Medizin war das Wirken des Paters Luís de Almeida bedeutsam, der hier chirurgische und andere medizinische Erkenntnisse aus Europa verbreitete. In Ōita gründete er ein Krankenhaus, eine Leprastation und einen Kindergarten.
1584 erreichte Mancio Ito, mit Aufenthalten in Goa und anderen portugiesischen Stützpunkten in Indien, die portugiesische Hauptstadt Lissabon. Er war der erste japanische Gesandte in Europa.
Mit dem Erlass gegen das Christentum in Japan 1587 und der Ausweisung der Missionare ab 1614 beginnt die Christenverfolgung in Japan, die 1639 mit der Ausweisung der Jesuiten und der Portugiesen aus Japan endete. Bereits 1625 war Francisco Pacheco, Leiter der Jesuitenmission in Japan, vor den Toren Nagasakis hingerichtet worden. Der 1610 in Japan angekommene portugiesische Missionar Cristóvão Ferreira trug mit seiner wechselvollen Rolle zur angespannten Situation in der Frage bei, bis er um 1650 dort hingerichtet wurde. Auch die buddhistischen Mönche in Japan, die um ihre Macht fürchteten, trieben die Ausweisung voran.
Bereits 1610 hatte der Madre-de-Deus-Zwischenfall zur Verschlechterung der japanisch-portugiesischen Beziehungen beigetragen.
Während dieser ganzen Zeit übernahm das Japanische zunehmend Worte aus dem Portugiesischen wie botan von botão ‚Knopf‘, igirisu von inglez ‚England‘, kapa von capa ‚Regenmantel‘, oranda von Hollanda ‚Holland, Niederlande‘, pan von pão ‚Brot‘, rozario von rosário ‚Rosenkreuz‘ und tempura von tempero ‚Fastenzeit‘.
Seit dem 19. Jahrhundert mini|Japanische Gefangene verlassen Timor nach der japanischen Kapitulation 1945 mini|Zweisprachig portugiesisch-japanisches Straßenschild in Ōizumi Ein nennenswerter offizieller japanisch-portugiesischer Austausch fand erst seit der Meiji-Zeit wieder statt. Der Gouverneur Macaus, Isidoro Francisco Guimarães unterzeichnete 1860 als Vertreter Portugals einen Friedens- und Handelsvertrag mit Japan, womit die Länder ihre alten Beziehungen wieder aufnahmen. Danach siedelten eine Vielzahl Portugiesen aus Macau und Shanghai nach Japan über, wo sie sich in Handelsgesellschaften oder Behörden betätigten. Aus dieser Einwanderergemeinde erwuchsen u. a. die portugiesischen Schulen von Kōbe und Yokohama.
Die diplomatischen Beziehungen der beiden Länder knüpften ebenfalls an die alten Beziehungen an. Insbesondere Wenceslau de Morães (1854–1929) machte sich dabei als Mittler in Diplomatie und Wirtschaft um die portugiesische Präsenz in Japan verdient. Der Marineoffizier lebte von 1898 bis 1913 mit seiner japanischen Gattin in Kobe und war zunächst portugiesischer Konsul dort und in Osaka, bevor er ab 1912 das Generalkonsulat Portugals in Kobe führte. Bis zu seinem Ableben in Tokushima schrieb er einige bedeutende Bücher zu dem Themengebiet.
Im Zweiten Weltkrieg gerieten Japan und Portugal in einen Interessenskonflikt in der portugiesischen Kolonie Portugiesisch-Timor. Sie fand in der Schlacht um Timor 1942 ihren Höhepunkt. Das von Japan kontrollierte, formal aber zunächst weiterhin portugiesisch verwaltete Osttimor leistete verdeckt vielfältigen Widerstand, etwa wie Manuel Viegas Carrascalão, Manuel de Jesus Pires oder Artur do Canto Resende. 1945 zogen sich die Japaner schließlich zurück und gaben Osttimor zurück an Portugal.
Im Zuge der gegenseitigen japanisch-brasilianischen Einwanderung seit dem frühen 20. Jahrhundert ist die portugiesische Sprache heute weiterhin präsent in Japan, etwa in portugiesischsprachigen japanisch-brasilianischen Medien wie Fernsehkanälen, Zeitungen und Zeitschriften. Auch der Portugiesischunterricht an etwa 20 japanischen Universitäten ist zu nennen, von denen fünf einen Abschluss in luso-brasilianischen Studien bieten. Neben Portugal und Brasilien spielen seit 1994 auch die wachsenden Beziehungen Japans zu den portugiesischsprachigen Ländern Mosambik und Angola in Afrika eine Rolle. Portugiesisch gilt heute als am häufigsten gebrauchte westliche Sprache in Japan.
2004 bereiste der damalige Prinz und heutige Kaiser Naruhito Portugal.
2020 wurde das 160. Jubiläum der erneuerten japanisch-portugiesischen diplomatischen Beziehungen in beiden Ländern begangen. Insbesondere in Portugal wurden dazu eine Reihe Kultur- und Sportveranstaltungen geplant, etwa japanische Film- und Anime-Schauen, Judo-Veranstaltungen und Kalligrafie-Ausstellungen und Workshops.
Diplomatie Portugal unterhält eine Botschaft in der japanischen Hauptstadt Tokio. Portugiesische Honorarkonsulate bestehen zudem in Kōbe, Kyōto, Nagasaki, Osaka, Tokushima und Nagoya.Liste der portugiesischen Auslandsvertretungen (unter Japão), Webseite des Außenministeriums Portugals, abgerufen am 30. August 2017
Japan führt eine Botschaft in Portugals Hauptstadt Lissabon, in der zentralen Avenida da Liberdade. Daneben besteht ein japanisches Konsulat in Porto.Eintrag des japanischen Konsulats in Porto auf www.embaixadas.net, abgerufen am 30. August 2017
Städtepartnerschaften Zehn Orte beider Länder sind partnerschaftlich verbunden oder streben dies an (Stand 2018). 1969 entstand die erste japanisch-portugiesische Städtefreundschaft, zwischen Tokushima und Leiria. auf der Website des Verbandes portugiesischer Kreisverwaltung ANMP, abgerufen am 16. Februar 2020
Wirtschaft mini|Mazda-Fabrik in Hiroshima: Automobile sind das wichtigste Exportgut Japans nach Portugal