La Passion selon Marc – Une Passion après Auschwitz (deutsch: „Die Markus-Passion – Eine Passion nach Auschwitz“) ist ein Oratorium für Solisten, Chor und Orchester von Michaël Levinas. Sie wurde anlässlich des 500. Jahrestages der Reformation in der Kirche Saint-François in Lausanne uraufgeführt und stellt das Passionsgeschehen aus jüdischer Sicht mit Bezügen zum Holocaust dar.
Struktur
Erster Teil. „Partie Hébraïque“ – Hebräischer Teil
Der erste Teil des Oratoriums besteht aus drei Abschnitten in hebräischer und aramäischer Sprache:
Nr. 1. Kaddisch – Männerstimmen des Chores mit Begleitung von Orchester und Orgel Nr. 2. El maleh Rachamim – Totengebet Nr. 3. Lecture des noms – vom Evangelisten vorgelesene Namen von Holocaust-Opfern, begleitet vom „Murmeln“ des Orchesters und einer Chor-Psalmodie
Zweiter Teil. „Partie Chrétienne – Évangile selon St Marc“ – Christlicher Teil – Evangelium nach Sankt Markus
Der zweite Teil enthält den ungekürzten Text der Kapitel 14 und 15 des Markus-Evangeliums in altfranzösischer Sprache nach einem Bibelmanuskript des 13. Jahrhunderts, der von Michel Zink für das Oratorium transkribiert wurde. Im Gegensatz zu den Evangelien nach Matthäus und Johannes enthält der Passionsbericht des Markus-Evangeliums keine antijüdischen Aussagen. Levinas entschied sich für das Altfranzösische, da es klangvoller und farbiger („plus sonore et colorée“) als das moderne Französisch sei, aber auch in Rhythmus und Gehalt eine klangliche Umgestaltung des geistlichen Gehalts erlaube. Er ergänzte den Text mit Versen aus den Mystères et Passions von Arnoul Gréban aus dem 15. Jahrhundert. Die „Tränen der Mutter“ („Larmes de la mère“) strukturieren den Evangelienbericht.
Die einzelnen Sätze sind folgendermaßen überschrieben:
Nr. 1. Première imploration de la Mère Nr. 2. La Pasque aus Juys Nr. 3. La Béthanie („Boiste pleine de narde preciuse“) Nr. 4. Cantiques de Jésus Nr. 5. Refrain: récit de la trahison de Judas Nr. 6. La Cène; thème de la Croix Nr. 7. Thème de l’Eucharistie; thème de la Crucifixion Nr. 8. Deuxième imploration de la Mère Nr. 9. L’engagement de Pierre Nr. 9a. Troisième imploration de la Mère Nr. 10. Arrestation de Jésus: Baiser de Judas. Récit par l’Évangeliste Nr. 11. La Trahison de Pierre. Le chant du coq Nr. 11a. Récit du Golgotha Nr. 12. La Crucification Nr. 13. La Descente de la Croix. Le soir étant venu. La nuit du Sabbath tombe lentement
Dritter Teil. „Dieser deiner Trauer (Ce deuil)“ – zwei Gedichte von Paul Celan
Der dritte Teil besteht aus zwei deutschsprachigen Gedichten des Holocaust-Überlebenden Paul Celan.
Die SchleusePaul Celans Begegnung mit Nelly Sachs auf celan-projekt.de. Hier findet sich auch das Gedicht Die Schleuse. Abgerufen am 25. Oktober 2017. wird vom Sopran vorgetragen und von zwei Flöten, Klavier, Harfe und Gong begleitet.
Mit EspenbaumDie Erinnerung darf nicht enden auf lpb-bw.de. Hier findet sich auch das Gedicht Espenbaum. Abgerufen am 25. Oktober 2017. endet das Oratorium. Die Mezzosopranistin singt es solistisch ohne jegliche Instrumentalbegleitung.
Nr. 1. Die Schleuse Nr. 2. Espenbaum
Orchester
Die Orchesterbesetzung des Oratoriums enthält die folgenden Instrumente:
Holzbläser: zwei Flöten (2. auch Altflöte in G), zwei Klarinetten in Es (2. auch Bassklarinette), zwei Fagotte (2. auch Kontrafagott) Blechbläser: Hörner in F (auch Tuben in Es), zwei Trompeten in C Schlagzeug (1 Spieler) Klavier (auch Celesta) „Clavier midi“ Harfe Große Orgel Streicher: sechs Violinen 1, sechs Violinen 2, vier Bratschen, vier Violoncelli, zwei Kontrabässe
Die Bratschisten und Cellisten spielen auch Harmonikas in D.
In einigen Stellen werden die Celli und Kontrabässe mit Papierstücken präpariert.
Einige der Chorsänger erhalten Pfeifen.
Werkgeschichte
Levinas Markus-Passion entstand im Auftrag des Vereins „Musique pour un temps présent“ aus Yverdon-les-Bains,La Passion selon Marc auf der Website von „Musique pour un temps présent“, abgerufen am 25. Oktober 2017. der sich darum bemüht, „das zeitgenössische Musikschaffen in Zusammenhang mit aktuellen philosophischen theologischen und religiösen Fragen“ zu fördern und dabei einen Schwerpunkt auf den interreligiösen Dialog, insbesondere mit dem Judentum, legt. Ziel der Komposition war es, die Passionsgeschichte aus jüdischer Sicht zu schildern.Carole Schneuwly: Hinschauen, wo es wehtut. In: Freiburger Nachrichten, 13. April 2017, abgerufen am 25. Oktober 2017.
Bei der Uraufführung am 12. April 2017 in der Église St-François in Lausanne sangen Magali Léger (Sopran), Marion Grange (Mezzosopran), Guilhem Terrail (Countertenor) und Mathieu Dubroca (Bariton). Marc Kissóczy leitete das Ensemble Vocal Lausanne und das Orchestre de chambre de Lausanne. Die Aufführung wurde live vom Westschweizer Radio und auf France Musique übertragen.Georges Scherrer: In Levinas „Markus-Passion“ nach Auschwitz beweint der Sohn die Mutter. Beitrag vom 7. April 2017 auf der Website der Katholischen Kirche Schweiz, abgerufen am 25. Oktober 2017. Arte Concert stellte anschließend einen Video-Mitschnitt im Internet bereit. auf Arte Concert, abgerufen am 25. Oktober 2017, Video nicht mehr verfügbar.
Folgeaufführungen gab es 13. April 2017 in der Kathedrale St. Peter in Genf, am 14. April in der Kathedrale St. Nicolas in Freiburg und am 21. September in Straßburg.
Literatur
Jean-Marc Tétaz, Pierre Gisel: Une Passion après Auschwitz ? Autour de la Passion selon Marc de Michael Levinas. Beauchesne 2017, ISBN 9782701022529
Weblinks
Ansichtspartitur des Oratoriums auf Issuu Begleitheft zur Uraufführung auf Issuu
Anmerkungen
Einzelnachweise
Angabe in der Partitur. Begleitheft zur Uraufführung.
Kategorie:Oratorium Kategorie:Geistliches Chorwerk Kategorie:Chorwerk aus dem 21. Jahrhundert Kategorie:Passion (Musik) Kategorie:Musik 2017