Die Wahlen in den Vereinigten Staaten 2018 fanden am 6. November 2018 statt. Es waren die Halbzeitwahlen () während der Amtszeit von US-Präsident Donald Trump. Sie lagen genau in der Mitte zwischen der Präsidentschaftswahl 2016 und der Präsidentschaftswahl 2020.

Gewählt wurden: alle Abgeordneten im Repräsentantenhaus, siehe Wahl zum Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten 2018, etwa ein Drittel der Senatoren im Senat, siehe Wahl zum Senat der Vereinigten Staaten 2018, die Gouverneure in 36 Staaten und 3 Territorien, siehe Gouverneurswahlen in den Vereinigten Staaten 2018.

Außerdem fanden am selben Tag einige außerordentliche Nachwahlen und auf Bundesstaatsebene Wahlen für viele Mandate der State Legislatures (in 46 Staaten über 6000 Mandate) und Regierungsämter (wie Attorney General und Secretary of State) statt. Zudem gab es Referenden zu Sachthemen auf Bundesstaats- und Wahlen auf Lokalebene.

Hintergrund Vor dem Hintergrund verschiedener Amokläufe an Schulen und anderer Schusswaffengewalt wie dem Schulmassaker von Parkland und den darauffolgenden breiten Protesten gegen den politischen Einfluss der US-amerikanischen Waffenlobby, allen voraus der National Rifle Association (NRA), nach dem 2016 von Trump verkündeten Ausstieg der USA aus dem Pariser Weltklimaabkommen von 2015 sowie der aktuellen Klimawandelleugnung und nach den breiten Protesten gegen Donald Trump liefen diverse Mobilisierungskampagnen vor allem im Hinblick auf junge und Erstwähler, weibliche und Wähler aus ethnischen Minderheiten, auch zu der für die Wahlen notwendigen Registrierung.

Ergebnis 2018 gaben über 38,1 Millionen Wahlberechtigte (etwa 1/3 der Wähler und etwa 1/7 der Wahlberechtigten) ihre Stimme bereits vor dem eigentlichen Wahltag ab durch Briefwahl oder persönliche Stimmabgabe (Halbzeitwahlen 2014: 27,2 Millionen Menschen). In Texas, Nevada und Arizona lag die Zahl der Frühwähler 2018 sogar höher als die Zahl der Wähler 2014 insgesamt. Dieser Anstieg gilt als Anzeichen dafür, dass die Wahl auf beiden Seiten des politischen Spektrums sehr ernst genommen wurde. Der Wahlforscher Michael McDonald rechnete am Wahltag damit, dass 2018 insgesamt 105,5 Millionen Menschen zur Wahl gehen würden (45 Prozent der Wahlberechtigten), nachdem 2014 knapp 82 Millionen und im Präsidentschaftsjahr 2016 137 Millionen wählten.Zach Montellaro: A staggering 36 million people have voted early, setting the stage for big midterm turnout. In: Politico, 5. November 2018; Michael McDonald: 2018 November General Election Early Voting. In: United States Election Project, 6. November 2018. Für eine Halbzeitwahl war dies die höchste Wahlbeteiligung seit Jahrzehnten.

Die Demokraten erhielten 235 Sitze im Repräsentantenhaus, ein Zugewinn von 40 Sitzen, und eroberten damit nach acht Jahren die Mehrheit in dieser unteren Kammer des US-Kongresses wieder. Insgesamt entfielen 53,1 Prozent der Stimmen auf demokratische Kandidaten, was einem Vorsprung von über 8,6 Millionen Stimmen gegenüber den Republikanern entsprach, die 200 Sitze gewannen. Diese verteidigten allerdings ihre Mehrheit im US-Senat und erhielten zwei Sitze hinzu. Diese Divergenz erklärten Wahlanalysten unter anderem damit, dass die Demokraten eine Rekordbeteiligung ihrer Anhänger in den urbanen und suburbanen Zentren des Landes erreichten, während die Republikaner in den ländlichen Gebieten Rekordzahlen erreichten. Beobachter deuteten dies als eine wachsende Spaltung des Landes.Mike Allen, Jim VanderHei: Two Americas: amplified, tearing apart. In: Axios.com, 7. November 2018; Ronald Brownstein: The two Americas just lurched further apart. In: CNN.com, 8. November 2018. Allerdings stand nur ein Drittel der Senatssitze zur Wahl, und von diesen waren die meisten nicht in republikanischer Hand, so dass die Demokraten vor allem ihre eigenen Sitze verteidigen mussten, während die wenigen Republikaner, die zur Wiederwahl standen, aus Staaten mit einer sehr stabilen Mehrheit für die GOP kamen.

Die meisten der von den Republikanern zu den Demokraten übergegangenen Wahlbezirke im Repräsentantenhaus befinden sich in den wohlhabenden Vororten (surburbs) von Großstädten. Da die Demokraten vor allem bei Frauen und höher Gebildeten Zugewinne machten, sprach der Wahlanalyst Dave Wasserman (Cook Political Report) von der „Whole-Foods-Wahl“, da 70 Prozent aller Kongresswahlbezirke, die von den Republikanern zu den Demokraten wechselten, einen in diesen Bevölkerungsgruppen besonders beliebten Whole Foods Market enthielten.Eliza Collins: Whole Foods election: Majority of seats the Democrats flipped had the trendy market nearby. In: USA Today, 8. November 2018.

Bei den Gouverneurswahlen gewannen Kandidaten der Demokraten von einer schwachen Ausgangsposition, da die üblicherweise im vierjährlichen Rhythmus gewählten Gouverneursposten seit der republikanischen wave election 2010 ganz überwiegend in ihrer Hand waren, in sieben Staaten, die zuvor von Republikanern regiert worden waren, verfehlten aber den Sieg in den beiden wichtigen Staaten Ohio und Florida.Governor Election Results: Democrats Retake Several States. In: The New York Times, 7. November 2018. In den State Legislatures machten die Demokraten ihre größten Gewinne. In sechs Kammern, in denen sie bisher in der Minderheit gewesen waren, gewannen sie Mehrheiten; in weiteren bauten sie ihre Position aus. Die Republikaner hatten in der Präsidentschaft Barack Obamas ihre Mehrheiten in den Bundesstaatsparlamenten stark ausgebaut und 2016 in etwa zwei Drittel von ihnen die Mehrheit erreicht, während die Demokraten insgesamt etwa 900 Sitze verloren hatten. Die Republikaner hatten ihre Mehrheiten unter anderem für Gerrymandering und die restriktive Zulassung von Wahlberechtigten zu Wahlen genutzt und so ihre Mehrheiten auch auf Bundesebene gesichert.Emma Green: The Democrats’ Most Radical Election Victory Was in the States. In: The Atlantic, 7. November 2018; State Vote 2018. In: NCSL.org.

Schätzungen kurz nach der Wahl gingen von insgesamt über 113 Millionen Wählern aus, was einer Wahlbeteiligung von 48,1 Prozent entspricht, die höchste seit dem historischen Höchststand bei einer Halbzeitwahl 1966 (48,7 Prozent). Bei der Halbzeitwahl 2014 hatte die Wahlbeteiligung mit 36,7 Prozent den Tiefstand seit dem Zweiten Weltkrieg erreicht.Benji Sarlin: Midterm turnout surges to 50-year high, early estimates show. In: NBC News, 8. November 2018. Der Anteil der Jungwähler unter 30 Jahren mit 13 Prozent der Gesamtwählerschaft war der höchste bei einer Halbzeitwahl seit 1990 (1994: 12,2 Prozent, 2014: 10 Prozent, Präsidentschaftsjahr 2016: 15,7 Prozent); von allen wahlberechtigten 18- bis 29-Jährigen stimmten 31 Prozent ab. Laut einer Schätzung der Harvard Kennedy School hätten die Demokraten ohne die starke Beteiligung Junger die Senatswahl in Nevada nicht gewonnen und wären bei der Senatswahl in Texas einem Sieg nicht so nahegekommen; außerdem seien die Wahlen in den Kongresswahlbezirken Texas-32 und Georgia-6 durch die hohe Jungwählerbeteiligung an die Demokraten gefallen. Laut Wahltagsbefragungen stimmten diese Jungwähler bei der Repräsentantenhauswahl mit 67 zu 32 Prozent mehrheitlich für die Demokraten.Young People Dramatically Increase their Turnout to 31%, Shape 2018 Midterm Elections. In: CIRCLE, Tufts University, 7. November 2018; John Della Volpe: Historic Turnout and Performance by Young Voters. In: Harvard Kennedy School, 7. November 2018.

Gemäß Wahltagsbefragungen stimmten 59 Prozent der wählenden Frauen für die Demokraten und 40 Prozent für die Republikaner, die Demokraten hatten also einen Vorsprung von 19 Prozent, während die Republikaner die Männer mit 4 Prozent Vorsprung gewannen. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern betrug 23 Prozent und war damit der größte bei allgemeinen Wahlen in den Vereinigten Staaten überhaupt, aber nur geringfügig größer als bei den Wahlen 2016 (22 Prozent), da damals die Republikaner noch deutlicher bei den Männern gewonnen hatten (16 Prozent Vorsprung).Janie Velencia: The 2018 Gender Gap Was Huge. In: FiveThirtyEight, 9. November 2018. Weiße gewannen die Republikaner demnach bundesweit mit 10 Prozent Vorsprung, während die Demokraten Hispanics mit 40 Prozentpunkten Vorsprung und damit größerem Abstand als üblich sowie Collegeabsolventen mit 20 Prozent Vorsprung gewannen. Daraus schlossen Analysten bei NBC News, dass Ohio zu einem verlässlich republikanischen und Colorado zu einem verlässlich demokratischen Staat werden könne und damit beide 2020 ihren Status als Swing State verlieren könnten.Dante Chinni, Sally Bronston: New election map: Ohio, Colorado no longer swing states. In: NBC News, 18. November 2018. Überraschenderweise schnitten die Demokraten auch in den Staaten des Mittleren Westens wie Pennsylvania, Michigan, Wisconsin und Iowa gut ab, wo sie insgesamt 9 Sitze hinzugewinnen konnten, was für Nate Silver von FiveThirtyEight als Zeichen dafür gewertet wird, dass die Niederlage der Demokraten in diesen Staaten bei der Präsidentschaftswahl 2016 die Ausnahme bleiben wird.Nate Silver: In: FiveThirtyEight, 8. November 2018. Deutlich mehr Latinos als bei Halbzeitwahlen üblich gaben ihre Stimmen ab und votierten in Nevada, Arizona und Texas zu etwa zwei Dritteln für die Senatskandidaten der Demokraten, während sie allein in Florida stärker zu den Republikanern tendierten. Dieser Bevölkerungsgruppe wird daher, sollten die bisherigen Trends anhalten, die mit Präsident Trumps Rhetorik gegen Einwanderer in Verbindung gebracht werden, für zukünftige Wahlen eine entscheidende Bedeutung zugetraut.Joel Rose: Big Latino Turnout In Midterms Raises Stakes For 2020. In: National Public Radio, 19. November 2018.

Das Ergebnis für Kandidaten höchster Positionen in den Bundesstaaten (wie Gouverneursämter), die nicht einer der beiden großen Parteien angehörten, war mit 2,8 Prozent der Stimmen das geringste seit 1982 (1,8 Prozent); den höchsten Anteil hatten Kandidaten von Kleinparteien und Unabhängige 2010 mit 5,4 Prozent erhalten.Richard Winger: Minor Party and Independent Candidate Vote for Top Offices is Lowest Since 1982. In: Ballot Access News, 8. November 2018. Die Demokraten gewannen vier Attorneys General in Bundesstaaten hinzu und hatten nach der Wahl in 27 Staaten diese wichtige Rechtsdurchsetzungsinstitution inne, die auch zur Kontrolle der Bundesregierung unter Trump dient.Kartikay Mehrota: Democrats Win Majority of AG Seats, ‘Last Line of Resistance’ Against Trump. In: Bloomberg.com, 7. November 2018.

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