mini|Blick auf das Rathaus Magdeburg mit Magdeburger Reiter von Westen her Der Alte Markt ist der denkmalgeschützte Marktplatz der Stadt Magdeburg.
Lage und Gestaltung Der Alte Markt befindet sich an zentraler Stelle in der Magdeburger Altstadt, östlich des Breiten Wegs. Sein Grundriss ist trapezförmig, wobei die Ostseite etwas länger ist als die Westseite. Es besteht ein leichtes Gefälle von West nach Ost. Baulich wird der Platz vom barocken Alten Rathaus dominiert, das die Ostseite des Platzes einnimmt und hinter dem sich die Doppeltürme der Johanniskirche als Marktkirche erheben. Nord- und Südseite sind überwiegend von neoklassizistischen Gebäuden aus den 1950er Jahren geprägt, die als Zeugnis der ersten Phase des Wiederaufbaus in der Zeit der DDR nach dem Zweiten Weltkrieg gelten. Mit dem Magdeburger Reiter, dem Magdeburger Roland und der Hirschsäule befinden sich auf der Ostseite des Platzes mehrere Denkmäler historischen Ursprungs. Bemerkenswert ist auch der Eulenspiegelbrunnen auf der Westseite.
Es münden mehrere Straßen auf den Alten Markt. Im Südosten die Hartstraße und die Verlängerung der Johannisbergstraße. An der Nordostecke grenzt der Platz Bei der Hauptwache an. Auf der Nordseite münden die aktuell unbenannte Buttergasse und die Schwertfegergasse ein. Im Westen trifft der Alte Markt auf den Breiten Weg.
Historisch bestanden mehrere weitere Gassen, die im Zuge des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch aufgegeben und überbaut wurden. Auf der Südseite handelte es sich dabei um die Schuhbrücke, den Schwibbogen, die Lödischehofstraße und die Fettehennenstraße. Auf der Nordseite bestand die Nadelöhrgasse.
Der Alte Markt ist unter der Erfassungsnummer 094 82654 im Denkmalverzeichnis des Landes Sachsen-Anhalt als Denkmalbereich eingetragen.Kleine Anfrage und Antwort Olaf Meister (Bündnis 90/Die Grünen), Prof. Dr. Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen), Kultusministerium 19.03.2015 Drucksache 6/3905 (KA 6/8670) Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt, Seite 2560
Geschichte mini|Alter Markt, 1852 mini|Blick über den Alten Markt vor 1873 Der Alte Markt stellt den Kern der 965 erstmals erwähnten Kaufmannsansiedlung an dieser Stelle dar. Die Form des Alten Marktes galt seit dem 12. Jahrhundert als Vorbild für die Gründung anderer Märkte nach Magdeburger Recht. Es gibt jedoch die Vermutung, dass der Alte Markt ursprünglich weiter nach Osten, bis zum Bereich der Johanniskirche, reichte. Tatsächlich gehörte damals der südliche Teil des heutigen Rathauses noch nicht zum Rathaus.Ernst Nickel, Der „Alte Markt“ in Magdeburg, Ergebnisse der archäologischen Stadtkernforschung in Magdeburg, Teil 2, Akademie-Verlag Berlin 1964, Seite 7 Bei archäologischen Untersuchungen gefundene Reste von Pflasterungen wurden auf das 12. Jahrhundert datiert.Ernst Nickel, Der „Alte Markt“ in Magdeburg, Ergebnisse der archäologischen Stadtkernforschung in Magdeburg, Teil 2, Akademie-Verlag Berlin 1964, Seite 11 Das nach Osten abfallende Gefälle war in dieser Zeit größer als heute.Ernst Nickel, Der „Alte Markt“ in Magdeburg, Ergebnisse der archäologischen Stadtkernforschung in Magdeburg, Teil 2, Akademie-Verlag Berlin 1964, Seite 30 Die Bezeichnung Alter wurde als Unterscheidung zum Neuen Markt, dem heutigen Domplatz, eingeführt und beibehalten. Erstmals wurde die Bezeichnung und damit die Unterscheidung urkundlich 1294 erwähnt.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 282
An der Südostseite des Alten Markts führte im Mittelalter und in der frühen Neuzeit ein Förder unter dem Rathaus hindurch in die Johannisbergstraße in Richtung Elbe.Ernst Nickel, Der „Alte Markt“ in Magdeburg, Ergebnisse der archäologischen Stadtkernforschung in Magdeburg, Teil 2, Akademie-Verlag Berlin 1964, Seite 3
Auf dem Alten Markt fand Rechtsprechung statt. In der frühen Zeit tagte hier das Burggrafengericht aber auch das Schultheißengericht und das Marktgericht des Marktrichters. Hinzu kam der Schöppenstuhl, der über das Magdeburger Recht entschied. Auf dem Markt befanden bzw. befinden sich Standbilder, die im Zusammenhang mit der Rechtsprechung standen. So wurde am Magdeburger Reiter die Burggrafenbank gesetzt. Der Reiter, wohl Symbol des Kaisers, kann als Symbol der obersten Instanz gesehen werden. Bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts tagte das Burggrafengericht an der Südecke des Rathauses, zwischen Rathaus und Reiterstandbild. Auf diese Stelle weist auch die Schwurhand des Kaisers. Der Magdeburger Roland, der ursprünglich vor dem Schöppenstuhl, Haus Alter Markt 16 nach alter Hausnummerierung, stand, wird als Symbol des Gerichts des Schultheiß verstanden. Hinzu kam noch der Kak genannte Pranger, ein Symbol des Marktgerichts, als unterer Gerichtsbarkeit. Zu seinem Standort gibt es unterschiedliche Angaben. Zum Teil wird er mittig vor der Nordseite des Rathauses, also auf dem heutigen Platz Bei der Hauptwache angegeben.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 284 Auf einer bildlichen Darstellung von 1706 wird er jedoch mitten auf dem Alten Markt gezeigt. Möglicherweise veränderte sich der Standort. Außerdem gab es zeitweise einen drehbaren Schilderbaum, mit seitlich abgestreckten Armen, in der rechten Hand ein Schild. Er diente für von den Stadtjunkern durchgeführte Kampfspiele. Darüber hinaus bestand die Hirschsäule, deren genaue Bedeutung jedoch unklar ist.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 284
Im Mittelalter gab es zeitweise auch auf dem Platz Gebäude. So befand sich nahe am Magdeburger Reiter die erzbischöfliche Münze. Sie wurde 1402 zerstört aber wieder aufgebaut und letztlich 1525 abgerissen. Ein weiteres Gebäude auf dem Platz war das Haus Zum Wallfisch. Es stand am Eingang zur Spiegelbrücke und wurde 1539 vom Rat erworben und abgebrochen, um die Straße freizumachen.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 285
Ein weiterer Block befand sich im westlichen Teil des Platzes. Dort befand sich das Innungshaus der Schuster und Lohgerber zwischen den Einmündungen der Schwertfegerstraße und der Buttergasse.
Der Beginn der Reformation ist in Magdeburg mit dem Alten Markt verbunden. Markant war ein Ereignis im Mai 1524. Ein Tuchmachergeselle verkaufte auf dem Platz Luthersche Lieder, wobei er sie zum Teil auch sang. Darunter Aus tiefer Not schrei ich zu dir und Es wolle Gott uns gnädig sein. Es bildete sich eine große Menschenmenge um ihn. Bürgermeister Rubin ließ ihn daraufhin verhaften. Dies erregte großes Aufsehen. Die Menschen versammelten sich vor dem Rathaus und forderten die Freilassung des Gesellen und die Inhaftierung der Stadtdiener, die ihn verhaftet hatten. Tatsächlich wurden den Forderungen nachgegeben.
Trotz der schweren Zerstörungen der Stadt Magdeburg im Jahr 1631 während des Dreißigjährigen Krieges blieb die grundsätzliche Form des Platzes erhalten. Allerdings war die Bebauung weitgehend zerstört und wurde über eine längere Zeit wieder aufgebaut. Die Kelleranlagen waren jedoch häufig erhalten und wurden auch weiter genutzt,Ernst Nickel, Der „Alte Markt“ in Magdeburg, Ergebnisse der archäologischen Stadtkernforschung in Magdeburg, Teil 2, Akademie-Verlag Berlin 1964, Seite 5 so dass die Keller zum Teil noch weiter in den Markt hineinreichten. Auffällig war, dass die Keller und auch die Zuschnitte der Grundstücke Alter Markt 5 bis 14, auf der Südseite des Alten Markts, klein und schmal waren. Es wurde daher vermutet, dass in diesem Bereich im Mittelalter nur Krambuden standen.Ernst Nickel, Der „Alte Markt“ in Magdeburg, Ergebnisse der archäologischen Stadtkernforschung in Magdeburg, Teil 2, Akademie-Verlag Berlin 1964, Seite 6
Auch die Denkmäler des Platzes waren zerstört oder beschädigt. Da der Magdeburger Reiter auch als Symbol der Reichsfreiheit galt, wurde er wieder instand gesetzt. Für die Ereignisse während der Zerstörung ist für das Haus Alter Markt 19 (heute 8) ein konkreter Bericht eines Angreifers überliefert. Auch der Magdeburger Roland war zerstört worden. Er wurde jedoch zunächst nicht wieder aufgebaut. Seine Reste wurden 1727 bei einer Neupflasterung des Alten Markts beseitigt. An seine Stelle wurde zur Erinnerung der Rolandstein gesetzt. Er wurde 1904 erneuert. Unklar ist, ob es dabei auch zu einer räumlichen Lageveränderung kam.Ernst Nickel, Der „Alte Markt“ in Magdeburg, Ergebnisse der archäologischen Stadtkernforschung in Magdeburg, Teil 2, Akademie-Verlag Berlin 1964, Seite 29 f.
Vermutlich aufgrund seiner abgegrenzten Lage war der auf dem Platz befindliche Häuserblock des Innungshauses der Schuster und Lohgerber vom ausgebrochenen Feuer verschont geblieben. Spätere Pläne den Block abzureißen und so die Fläche des Alten Markts nach Westen zu erweitern, wurden, vermutlich aus finanziellen Gründen nicht umgesetzt.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 298 f. mini|Blick vom Alten Markt auf den Zugang vom Breiten Weg, vor der Verbreiterung von 1873 Der Zugang vom Breiten Weg auf den Alten Markt war ursprünglich sehr schmal. Seine Breite betrug lediglich 24,75 Ellen. 1642 wurde die Nordseite vom Rat um zwei Ellen nach Norden zurückgenommen, so dass die kurze Verbindungsstraße minimal verbreitert war. Erst 1873 erfolgte eine deutliche Verbreiterung, diesmal durch die Zurücknahme der Südseite.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 300
Am 24. Juni 1666 fand die Huldigungsfeier für den Kurfürsten als neuen Landesherrn auf dem Alten Markt statt. Auch die Erbhuldigungsfeier am 30. Mai 1681 wurde hier durchgeführt. Dafür war vor dem Innungshaus der Gewandschneider eine mit rotem Tuch verkleidete Tribüne aufgebaut, auf der der neue Kurfürst Friedrich Wilhelm auf einem Thronsessel saß. Rat und Bürgerschaft legten einen Eid auf ihn ab. Es schloss sich ein Festmahl für 250 Personen an.
Wohl 1694 sorgte eine auf dem Alten Markt begangene Tätlichkeit für Aufsehen. Der als aufbrausend bekannte und durch Tätlichkeiten und Beleidigungen aufgefallene, zur Französischen Kolonie gehörende Kaufmann Pierre Claparède wurde von erregten Gegnern auf dem Marktplatz verprügelt und dann ohne Perücke von zwei Soldaten vom Platz geschleppt und ins Gefängnis geworfen.Johannes Maresch: Die Französisch-Reformierte Gemeinde zu Magdeburg. Ein Rückblick auf 250 Jahre ihrer Geschichte 1687 – 1937. Magdeburg 1937, Seite 21
Direkt auf dem Platz entstand in der Zeit der brandenburgischen Garnison ab 1666 eine hölzerne Baracke, als Hauptwache. 1723 wurde sie an den Platz Bei der Hauptwache verlegt und dort später als Alte Hauptwache bezeichnet. Neben der Holzbaracke befand sich das Strafinstrument eines Pferds, auf dem Soldaten ihren Arrest absaßen sowie der Galgen. Auch diese Elemente der militärischen Justiz wurden jedoch mit der Verlegung der Hauptwache entfernt. In der französischen Besatzungszeit zwischen 1806 und 1813 wurde nochmals ein Galgen auf dem Alten Markt aufgestellt. mini|Luftbild des Alten Markts und seiner Umgebung, 1929 Zumindest in den 1920er Jahren befand sich auf der Südseite des Alten Markts, an der Einmündung des Schwibbogens, ein Taut-Kiosk. miniatur|Blick aus dem Rathaus auf den Alten Markt in den 1930er Jahren mini|Blick über den zerstörten Alten Markt, 1952