mini|Pfarrkirche Vorderweißenbach mini|Innenansicht Die römisch-katholische Pfarrkirche Vorderweißenbach steht in der Gemeinde Vorderweißenbach im Bezirk Urfahr-Umgebung in Oberösterreich. Die den hll. Petrus und Paulus geweihte und dem Stift Wilhering inkorporierte Pfarrkirche gehört zum Dekanat St. Johann am Wimberg in der Diözese Linz. Die Kirche steht unter Denkmalschutz ().

Geschichte Pfarrgeschichte Das Pfarrgebiet von Vorderweißenbach gehörte ursprünglich zur Pfarre Gramastetten, einer der sieben Mutterpfarren des Mühlviertels. Der Babenberger-Herzog Friedrich der Streitbare schenkte das Pfarrgebiet von Gramastetten (und damit auch Vorderweißenbach) 1242 dem Stift Wilhering. Die Kirche in Weißenbach wurde erstmals 1292 urkundlich erwähnt, als der Passauer Bischof Bernhard von Prambach die Pfarre Leonfelden aus Seelsorgsgründen aus dem Pfarrgebiet von Gramastetten ausgliederte. Bei Gramastetten blieben die Filialkirchen Ottensheim und Zwettl an der Rodl, zu Leonfelden gehörten die Filialkirchen Weissenbach und Oberneukirchen.

Im Jahr 1613 scheint Weißenbach als selbständige Pfarre des Stiftes Wilhering auf.

1775/76 wurden die Ortschaften Eberhardschlag und Gaisschlag, die noch zur Pfarre Leonfelden gehörten hatten, an die Pfarre Weißenbach angegliedert.Vorderweißenbach. Heimat. Geschichte. Gegenwart. 2025, S. 194 und 204 (Im Gegenzug wurden die Ortschaften Brunnwald und Ortschlag von Vorderweißenbach nach Leonfelden umgepfarrt).

Das Pfarrgebiet von Vorderweißenbach ist mit 38 km² deutlich kleiner als das Marktgemeindegebiet von Vorderweißenbach mit 63 km², weil Teile des Gemeindegebietes zu den Pfarren Helfenberg, Traberg und Leonfelden gehören.Stefan Grasböck: Pfarrgebiet – Gemeindegebiet: ein Vergleich. In: Vorderweißenbach. Heimat. Geschichte. Gegenwart. 2025, S. 205.

Pfarrbezeichnung Der Pfarrname Weißenbach (auch Wissenpach oder Waissenbach geschrieben) scheint in den Urkunden bis Mitte des 19. Jahrhunderts auf. Nach der Trennung der Ortschaft Weißenbach in Vorderweißenbach und Hinterweißenbach kam der Name Oberweißenbach auf (auch Oberweissenbach oder Ober-Weissenbach geschrieben). Die beiden Bezeichnungen Weißenbach und Oberweißenbach finden sich einige Jahrzehnte lang nebeneinander,Vgl. Der Schematismus der Diözese Linz verwendete seit dem Jahr 1864 großteils, aber nicht ausschließlich, die Pfarrbezeichnung Oberweissenbach.

Mit Schreiben des bischöflichen Ordinariats vom 17. September 1941 wurde der Pfarrname Oberweißenbach in Vorderweißenbach geändert, mit kirchlicher Rechtswirksamkeit am 1. November 1941.Stefan Grasböck: Pfarrbezeichnung. In: Vorderweißenbach. Heimat. Geschichte. Gegenwart. 2025, S. 204.

Patrozinium Der Vorvorgängerbau des heutigen Kirchengebäudes stammte aus dem 11. Jahrhundert und war der hl. Dreifaltigkeit geweiht. Nach dem großen Umbau der gotischen Kirche wurde das neue Kirchengebäude um das Jahr 1683 offensichtlich mit dem neuen Patrozinium der beiden Heiligen Petrus und Paulus geweiht.Dehio Mühlviertel 2003, S. 907.

Baugeschichte Ende des 14. Jahrhunderts wurde eine gotische Kirche erbaut, deren Chor und Turm noch erhalten sind. Nachdem bereits Mitte des 16. Jahrhunderts der schlechte Bauzustand beklagt worden war, erfolgte in den Jahren 1680 bis 1683 eine große Umgestaltung der Kirche, im Zuge derer die Lücke zwischen Turm und Kirchengebäude geschlossen wurde.

In den Jahren 1945 bis 1948 wurde die Kirche nach Plänen des Architekten Hans Feichtlbauer unter Verwendung älterer Bauteile in vergrößerter Form neu errichtet, wobei eine uneinheitliche Außenerscheinung entstand. Die Hauptachse der Kirche wurde von Ost-West auf Nord-Süd geändert.

Im Jahre 1985 erfolgte ein weiterer Zubau und eine umfassende Renovierung. Der Innenraum der Kirche wurde im Jahr 2019 umfassend renoviert und neue Technik (neues Lichtkonzept, Lautsprecher, Liedanzeige, ein Beamer mit Leinwand) eingebaut. Dies geschah unter großer Mithilfe der Pfarrbevölkerung.

Das Kirchengebäude umfasst damit Bestandteile aus verschiedenen Bauphasen: Der gotische Chor wurde Ende des 14. Jahrhunderts errichtet und wird heute als Taufkapelle genutzt. Der gotische Turm wurde um 1500 errichtet und 1783 aufgestockt. Der Bereich zwischen gotischem Chor und Turm wurde 1683 geschlossen. Das barocke Seitenschiff mit Empore stammt aus dem Jahr 1795. Das Löfler-Oratorium und die Löfler-Gruft wurden 1817 errichtet. Seit dem Anbau Richtung Norden in den Jahren 1945 bis 1948 ist der Innenraum der Kirche in nord-südlicher Richtung orientiert. Die Sakristei wurde 1966/68 im Nordwesten angebaut. Bei der Kirchenerweiterung 1984/85 entstanden der Sitzbereich im Nordosten und der Vorraum im Süden.

Architektur Der breite Saalraum ist nord-südlich ausgerichtet und zeigt eine uneinheitliche Außenerscheinung. Die einzelnen Anbauten und die gotischen Bauteile umstellen den Hauptraum der Kirche. Die Fenster entsprechen dem Stil des jeweiligen Bauteils: Im gotischen Chor finden sich hohe Spitzbogenfenster, ferner sind barocke Rundfenstern und neuere Stichbogenfenster zu sehen.

Ausstattung Innenausstattung Das Interieur der Kirche und die Fresken stammen großteils aus der Zeit um 1948, die Glasfenster aus dem Jahre 1960. Einige Figuren wurden im 19. Jahrhundert gefertigt.

mini|Letzbor-Gemälde aus dem Jahr 1954 Auf der linksseitigen Innenwand befindet sich das sogenannte Letzbor-Gemälde, das Gerhard Letzbor im Jahr 1954 zum Andenken an seine tödlich verunglückte Ehefrau Herta Letzbor schuf. Das Bildnis zeigt neben dem Ortskern von Vorderweißenbach einige Heilige (Florian, Leonhard, Wendelin, Maria und Notburga), wobei die hl. Notburga die Gesichtszüge seiner verunglückten Gattin Herta trägt.Stefan Grasböck: Letzbor-Gemälde von 1954. In: Vorderweißenbach. Heimat. Geschichte. Gegenwart. 2025, S. 226.

Im gotischen Chor ist ein neugotischer Flügelaltar aufgestellt, der im Jahr 1948 aus Schloss Würting in Offenhausen bei Wels hierher übertragen wurde. Dieser Altar war im Auftrag des Schlossherren von Würting im der k.k. Fachschule Ebensee nach Entwürfen und Modellen von Hans Greil, Bildhauer und Direktor dieser Fachschule, von 1890 bis 1893 kunstvoll gefertigt worden. Alle Bilder und figurale Darstellungen sind in reich geschnitzte Rahmen gesetzt. Im Schrein ist die figurale Darstellung der Krönung Mariens zu sehen. Die Gemälde des hl. Johannes auf der linken Flügel-Innenseite und der hl. Elisabeth von Thüringen auf der rechten Innenseite schuf der Wiener Maler Alois Greil, Bruder von Hans Greil. An den Flügel-Außenseiten sind in feiner Holzschnitzarbeit die beiden Kirchenpatrone Petrus und Paulus eingearbeitet.Stefan Grasböck: Die Pfarrkirche in Vorderweißenbach. In: Vorderweißenbach. Heimat. Geschichte. Gegenwart. 2025, S. 222.

Unter der Empore befindet sich ein Grabdenkmal für den 1818 verstorbenen Leinwandhändler Johann Paul Löfler sen.

Orgel Im Jahr 1851 spendete der Handelsmann und Brauereigründer Johann Paul Löfler jun. 1.000 Gulden für den Ankauf einer Orgel. Das Werk des Orgelbauers Breinbauer aus Ottensheim mit 7 Registern wurde im Herbst 1886 aufgestellt und von Alois Dorfer, dem damaligen Abt des Stiftes Wilhering mit 300 Gulden endfinanziert. Diese Orgel wurde 1982 in die Filialkirche Neußerling übertragen.Stefan Grasböck: Orgeln der Pfarrkirche / Kirchenmusik. In: Vorderweißenbach. Heimat. Geschichte. Gegenwart. 2025, S. 230–231.

Die heutige Orgel wurde 1985 von Orgelbaumeister Herbert Gollini geschaffen. Sie umfasst 22 Register und 1.382 Pfeifen und wurde am 10. Juli 1982 von Abt Dominik Nimmervoll feierlich eingeweiht.

Glocken Die erste Kirchenglocke in Weißenbach ist im Jahr 1732 schriftlich nachweisbar. Später kamen drei weitere Glocken dazu. Während des Ersten Weltkrieges mussten die Glocken im Jahr 1917 für Kriegszwecke abgeliefert werden. Ersatzweise angeschaffte Bronzeglocken mussten wieder um während des Zweiten Weltkrieges im Jahr 1941 abgeliefert werden. Erst 1976 wurde ein neues Geläut bei der Glockengießerei Rudolf Perner in Passau bestellt, das am 19. Juni 1977 feierlich eingeweiht wurde.Stefan Grasböck: Die Glocken der Pfarrkirche. In: Vorderweißenbach. Heimat. Geschichte. Gegenwart. 2025, S. 232–233.

Beschreibung der Glocken:Stefan Grasböck: Beschreibung der Glocken. In: Vorderweißenbach. Heimat. Geschichte. Gegenwart. 2025, S. 233. Die größte Glocke „Heiligste Dreifaltigkeit“ in Stimmung g' mit einem Durchmesser von 1.060 Millimeter und 643 Kilogramm wurde von den Ortschaften Bernhardschlag und Stumpten gespendet. Die Glocke „Herz Jesu und Herz Mariä“ in Stimmung h' hat einen Durchmesser von 843 Millimeter und wiegt 342 Kilogramm. Sie wurde von Bewohnern der Ortschaften Vorderweißenbach und Hinterweißenbach gespendet. Die dritte Glocke in Stimmung d'' mit einem Durchmesser von 714 Millimeter und 200 Kilogramm zeigt im Reliefbild den hl. Florian von Lorch und den hl. Leonhard von Limoges. Finanziert wurde sie durch die Bewohner von Guglwald und Schönegg. Die kleinste Glocke ist den Kirchenpatron Petrus und Paulus gewidmet. Sie hat die Stimmung e'', 600 Millimeter Durchmesser mit einem Gewicht von 142 Kilogramm und wurde von den Ortschaften Eberhardschlag und Gaisschlag gespendet.

Umgebung

Pfarrhof mini|Pfarrhof von Vorderweißenbach Der Pfarrhof von Vorderweißenbach wurde um 1650 errichtet und steht unter Denkmalschutz (). Das Gebäude befindet sich etwa 150 Meter nördlich der Kirche auf der anderen Seite der Böhmerwald Straße.

Unter Pater Antonius Lotar, der 1649 als Pfarrer von Weißenbach eingesetzt wurde, wurde der Pfarrhof in den Jahren 1649 bis 1653 mit Mitteln der Adelsfamilie Starhemberg errichtet. Während der Fronleichnamsprozession im Jahre 1724 brannte der Pfarrhof ab und wurde danach mit Mühe wieder aufgebaut. Am 6. November 1955 brannte der Pfarrhof wieder bis auf die Grundmauern nieder. Brandursache war ein im Stadel abgestellter Wagen mit gedörrtem Torf gewesen, der als Kälteschutz für die Ortswasserleitung bestimmt gewesen war. 1966 wurde der landwirtschaftliche Betrieb eingestellt. 1983/84 erfolgte eine Generalsanierung des Pfarrhofs, und im ehemaligen Wirtschaftstrakt wurden Gruppenräume, ein kleiner Saal und eine Garage eingerichtet. 1996 wurden die Außenwände isoliert und die Innenausstattung komplett erneuert. 1997 wurde das Innenhofareal durch die Verlegung von Pflastersteinen und großen Granitplatten sowie die Errichtung eines Springbrunnens in der Hofmitte verschönert, womit ein Veranstaltungsbereich für diverse Anlässe entstand. Im Jahr 2014 wurde eine 44 Quadratmeter große Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 6,75 kW installiert.Stefan Grasböck: Mehr als 300 Jahre Pfarrhof – kurzgefasst. In: Vorderweißenbach. Heimat. Geschichte. Gegenwart. 2025, S. 238–239.

Der mächtige, zweigeschoßige „Einspringer“-Hof besitzt eine Fassade mit Putzrahmengliederung. Das Segmentbogenportal mit Schlussstein ist mit dem Buchstaben „W“ für „Wilhering“ bezeichnet. Im hofseitigen Wirtschaftstrakt gibt es eine Inschrift mit der Jahreszahl 1893.Dehio Mühlviertel 2003, Abschnitt „Pfarrhof“, S. 910.

Friedhof Ursprünglich befand sich der Friedhof wie auch in anderen Pfarren rund um das Kirchengebäude. Dieser Standort wurde im Jahr 1833 aufgelassen und an den heutigen Standort, 300 Meter weiter südwestlich, verlegt, wo auch eine Friedhofskapelle, eine „Leichenkammer“ und eine Ummauerung des gesamten Areals errichtet wurden. 1899 wurde das Holzkreuz in der Mitte des Friedhofs durch ein großes Granitkreuz ersetzt. Wegen des schlechten Zustandes der „Leichenkammer“, des Friedhoftores und der Nordmauer wurden die alten Baulichkeiten abgetragen und eine neue Aufbahrungshalle, ein Portalbereich und eine neue Friedhofsmauer errichtet. 2015 wurde der Friedhof Richtung Süden um knapp 1.000 Quadratmeter erweitert.Stefan Grasböck: Der Friedhof. In: Vorderweißenbach. Heimat. Geschichte. Gegenwart. 2025, S. 236–237.

Einzelne Objekte: Die Friedhofskapelle ist mit einem schmiedeeisernen Tor aus dem Jahr 1982 versehen.