Ligyrophobie (von altgriechisch λιγυρός ligyrós, deutsch 'laut tönend' oder 'vom durchdringenden, scharfen Ton', und φόβος phóbos, deutsch ‚Furcht‘) beschreibt eine spezifische Phobie, die sich durch die Aversion oder panische Angst vor plötzlichen, lauten Geräuschen (insbesondere Knallgeräuschen) auszeichnet.Ligyrophobie auf psylex.deMarino F, Doria G, LoPresti A, Gismondo S, Failla C and Pioggia G (2024) Case report: Advances in treating ligyrophobia with third-generation ACT approach. Front. Psychiatry 15:1425872. doi:10.3389/fpsyt.2024.1425872 Eine Klassifizierung nach ICD-10 oder DSM-5 besteht nicht.
Abgrenzung Die Ligyrophobie ist nur schwer von der Phonophobie und anderen auf Geräusche bezogene Phobien (Sonophobie, Akustikophobie) abzugrenzen. Deshalb werden diese in der Literatur oft als synonym angesehen.Fear of Loud Noises Phobia – Ligyrophobia or Phonophobia auf fearof.net (englisch)Hypersensitivity of Hearing (Hyperacusis, misophonia, phonophobia and recruitment - decreased sound tolerance) Jonathan Hazell, Director Tinnitus and Hyperacusis Centre, London UK 2002 auf www.tinnitus.org
Die Ligyrophobie wird in der Literatur als antizipatorische Angst definiert, bei der betroffene Personen Angst erleben und Situationen vermeiden, bei denen bestimmte laute Geräusche auftreten können. Das Unwohlsein wird dabei nicht durch das Geräusch selbst erzeugt. Betroffene Personen zeigen starke Reaktionen des limbischen und autonomen Nervensystems ohne dass dabei jedoch, wie bei Hyperakusis, eine signifikante Aktivierung des auditorischen Systems auftritt.
Die Ligyrophobie bzw. Phonophobie wurde von Forschern als eine extreme Form der Misophonie beschrieben. Allerdings gibt es auch Studien, die die Phonophobie von der Misophonie abgrenzen, da bei den untersuchten Patienten durch misophone Stimuli zwar starke Emotionen hervorgerufen wurden, jedoch keine panische Angst.Schröder A, Vulink N, Denys D (2013) Misophonia: Diagnostic Criteria for a New Psychiatric Disorder. PLoS ONE 8(1): e54706. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0054706
In der Psychiatrie haben solche Bezeichnungen von spezifischen Phobien kaum noch Bedeutung, siehe dazu Liste von Phobien.
Symptome Betroffene Personen können durch laute Geräusche unmittelbare Reaktionen wie erhöhte Angst oder Panik erleben. Die Angst kann während des Geräuschs, bevor es passiert oder nachdem es aufgehört hat, auftreten. Oft handelt es sich dabei um Umgebungsgeräusche, die dem Menschen und dessen Gehör keinen Schaden zufügen können. Betroffene Personen fürchten beispielsweise das Zerplatzen von Luftballons oder knallende Sektkorken. Besonders stark leiden diese Menschen zu Silvester unter den abgefeuerten Raketen und kleineren Feuerwerkskörpern wie Böllern.Mike Bryant, Peter Mabbutt: Hypnotherapie für Dummies. John Wiley & Sons (2012)
Die Symptome variieren in ihrer Schwere von Person zu Person und können Angst, Panik, Kurzatmigkeit, erhöhten Herzschlag, Schwitzen, Schwindel, Ohnmacht und Brustschmerzen umfassen. Um die Stimuli zu vermeiden, treffen Betroffene im Alltag häufig besondere Vorkehrungen. Sowohl die Symptome als auch die Vermeidungsstrategien können Stress auslösen und die Fähigkeit beeinträchtigen, alltäglichen Aktivitäten nachzugehen.
Einzelnachweise
Kategorie:Phobische Störung