Das Aminopterin-Syndrom ist eine sehr seltene, durch Einnahme von Folsäure-Antagonisten (Aminopterin oder Methotrexat) kurz vor oder während der Schwangerschaft verursachte Embryopathie. Hauptmerkmale des Fehlbildungssyndromes sind mangelhafte Verknöcherung der Schädeldecke, Klumpfüße, Gesichtsdysmorphien, Skelettfehlbildungen und Kleinwuchs.L. Döderlein: Fussdeformitäten 1. Der Klumpfuß. Springer, 1999, ISBN 978-3-540-65622-7 ().
Synonyme sind: Aminopterin-Embryopathie; Aminopterin-Syndrom, fetales; Aminopterin-Exposition, vorgeburtliche
Die Erstbeschreibung stammt aus dem Jahre 1950 durch den US-amerikanischen Pathologen J. B. Thiersch zusammen mit F. S. Philips.J. B. Thiersch, F. S. Philips: Effect of 4-amino-pteroylglutamic acid (aminopterin) on early pregnancy. In: Proceedings of the Society for Experimental Biology and Medicine. Society for Experimental Biology and Medicine. Bd. 74, Nr. 1, Mai 1950, S. 204–208, PMID 15430435.
Verbreitung Die Häufigkeit wird mit unter 1 zu 1.000.000 angegeben, bislang wurde über mehr als 50 Betroffene berichtet.
Ursache Das Syndrom wird durch Exposition mit den Folsäure-Antagonisten Aminopterin oder MTX im ersten Drittel der Schwangerschaft, meist 4. – 12. Schwangerschaftswoche verursacht.
Klinische Erscheinungen Klinische Kriterien sind: Manifestation vorgeburtlich oder als Neugeborenes Intrauterine Wachstumsretardierung, nach der Geburt Kleinwuchs Schädelauffälligkeiten wie gestörte Verknöcherung des Schädeldaches, Kraniosynostose, Kleeblattschädel Gesichtsauffälligkeiten wie Hypertelorismus, breiter Nasenrücken, hervorstehende Augen, Mikrogenie, fehlgebildete Ohrmuscheln, Gaumenspalte Auffälligkeiten der Extremitäten wie Verkürzungen, Klumpfuß, fehlende Finger- oder Zehenglieder, Syndaktylie oder Nagelhypoplasie Hydrozephalus, Neuralrohrdefekte und Herzfehler können vorkommen. Nach Aminopterinexposition finden sich gehäuft Anenzephalie oder Hypoplasie des Gehirnes, Maxilläre Retrognathie, flache Supraorbitalwülste, Ptosis, Mesomelie, nach Methotrexatexposition gehäuft Turmschädel, große hintere Fontanelle oder Anomalien der Rippen, Finger oder Zehen.
Diagnose Die Verdachtsdiagnose kann bereits während der Schwangerschaft mittels Feinultraschall gestellt werden.Fetal Ultrasound online
Differentialdiagnose Abzugrenzen sind das Pseudoaminopterin-Syndrom, Entwicklungsanomalien des Schädeldaches, die Pierre-Robin-Sequenz und Reduktionsdefekte der Gliedmaßen.
Literatur K. D. Piggott, A. Sorbello, E. Riddle, W. DeCampli: Congenital cardiac defects: a possible association of aminopterin syndrome and in utero methotrexate exposure? In: Pediatric cardiology. Bd. 32, Nr. 4, April 2011, S. 518–520, doi:10.1007/s00246-011-9913-z, PMID 21327892. S. Aftimos: Fetal methotrexate/aminopterin syndrome in an adult: a likely case with ectodermal abnormalities. In: Clinical dysmorphology. Bd. 18, Nr. 1, Januar 2009, S. 53–55, doi:10.1097/MCD.0b013e32831552c4, PMID 19011571. J. B. Thiersch: Therapeutic abortions with a folic acid antagonist, 4-aminopteroylglutamic acid (4-amino P.G.A) administered by the oral route. In: American Journal of Obstetrics and Gynecology. Bd. 63, Nr. 6, Juni 1952, S. 1298–1304, PMID 14933487.
Einzelnachweise
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