Das Canadian National Vimy Memorial ist eine Gedenkstätte in Frankreich, die den im Ersten Weltkrieg Gefallenen des Canadian Expeditionary Force gewidmet ist. Es dient auch dem ehrenden Andenken für die kanadischen Soldaten des Ersten Weltkrieges, die getötet oder vermisst sind und keine Grabstätte haben. Das Denkmal liegt in einem 100 Hektar großen, vergleichsweise gut erhaltenen Teil des Schlachtfeldes, über das die Kanadier ihren Angriff während der „Battle of Vimy Ridge“ im Rahmen der Schlacht von Arras führten.
Die Schlacht von Vimy Ridge war die erste Gelegenheit, bei der alle vier Divisionen des Canadian Expeditionary Force als eine zusammenhängende Einheit an einer Schlacht teilnahmen. Dieser Einsatz wurde ein nationales kanadisches Symbol für eine aufopfernde nationale Großtat. Frankreich trat das Gebiet auf dem Vimy Hügel an Kanada unter der Bedingung unbefristet ab, dass Kanada ein Freilandmuseum des Schlachtfeldes und ein Denkmal errichtet. Kriegszeitliche Tunnel, Schützengräben, Explosionskrater und nicht explodierte Munition durchziehen das Gebiet, das in weiten Teilen aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden darf. Um die konservierten Schützengrabenlinien befinden sich mehrere andere Denkmäler und Friedhöfe, die in das Freilandmuseum integriert sind.
Das zentrale Denkmal beschäftigte seinen künstlerischen Schöpfer, den Bildhauer Walter Seymour Allward (1876–1955) elf Jahre. Der britische König Eduard VIII. enthüllte es am 26. Juli 1936 in Anwesenheit des französischen Präsidenten Albert Lebrun und über 50.000 Gästen, davon 6.200 Besucher aus Kanada. Nach einer langjährigen Renovierung weihte Königin Elisabeth II. das Monument am 9. April 2007 anlässlich einer Zeremonie zur Erinnerung an den 90. Jahrestag der Schlacht wieder ein. Die Anlage wird von „Veterans Affairs Canada“ unterhalten, dem kanadischen Ministerium für Kriegsveteranen.
Das Vimy Memorial ist eines von lediglich zwei Einträgen in der Denkmalliste von Kanada, die außerhalb von Kanada liegen. Das zweite ist das thematisch verwandte Beaumont-Hamel Newfoundland Memorial für die Opfer von Neufundland, das zur Zeit des Ersten Weltkrieges noch ein von Kanada unabhängiges Dominion war.
Hintergrund
Topographie Vimy Ridge (frz.: Crête de Vimy) ist ein Höhenrücken bzw. ein Bergkamm acht Kilometer nordöstlich von Arras, der von einer allmählich ansteigenden Schichtstufe am Westrand der Ebene von Douai gebildet wird. Die Schichtstufe steigt auf ihrer Westseite (Stufenfläche) allmählich an und fällt auf ihrer Ostseite (Stirnseite) schneller ab. Die Schichtstufe ist annähernd sieben Kilometer lang, am engsten Punkt 700 Meter breit und erreicht eine Höhe von 145 Meter ü. M. bzw. 60 Meter über der Douai-Ebene, sie ermöglicht eine ungestörte Weitsicht in alle Richtungen.Farr 2007, S. 147; Rose & Nathanail 2000, S. 396–397, Fig. 14.3.
Konflikte vor der Schlacht von Arras 1917 Der Bergkamm geriet im Oktober 1914 unter deutsche Kontrolle, als während des Wettlaufes zum Meer die alliierten und deutschen Truppen sich im nordöstlichen Frankreich gegenseitig zu überflanken versuchten. Die französische Zehnte Armee griff im Mai 1915 während der Lorettoschlacht die deutschen Positionen am Vimy-Höhenrücken und die St.-Loretto-Höhe bei Ablain-Saint-Nazaire an. Während dieses Angriffes gelang es der französischen Ersten Marokkanischen Division kurzzeitig, den Höhenrücken an der Stelle einzunehmen, wo heute das Vimy Memorial steht, aber sie konnten ihn mangels Verstärkung nicht halten. Die Franzosen machten einen weiteren Versuch während der Herbstschlacht bei La Bassée und Arras im September 1915, aber sie konnten den Kamm wiederum nicht erobern und mussten hohe Verluste von annähernd 150.000 Mann hinnehmen.Boire 2007, S. 56; Tucker 1996, S. 8, 68.
Im Februar 1916 löste das britische XVII Corps die französische Zehnte Armee in diesem Sektor ab. Am 21. Mai 1916 griff die deutsche Infanterie die britischen Linien auf einer Breite von 1.800 Meter an, um sie von Positionen am Fuß des Höhenrückens zu vertreiben. Die Deutschen nahmen mehrere britische Tunnel und Minenkrater ein und gruben sich auf der erreichten Position ein. Anlass des Angriffes war das ungute Gefühl der Deutschen über die Fortschritte von britischen Tunnelbauten und Gegenmaßnahmen zu deutschen Minen. Britische Gegenangriffe am 22. Mai konnten die Situation nicht wieder ändern.Farr 2007, S. 147; Boire 1992, S. 15; Samuels 1996, S. 200–202.
Die Schlacht um den Vimy-Höhenrücken
mini|250px|Der kanadische Angriffsplan mit der Position jeder Division
In der Schlacht um die Vimy-Höhen wurden erstmals alle vier kanadischen Divisionen gemeinsam in einer geschlossenen Formation eingesetzt. Das Format der Aufgabe überschritt jedoch die operationalen Fähigkeiten des kanadischen Korps, so dass Unterstützung durch britische Einheiten notwendig war, wozu die britische 5. Infanterie-Division und ergänzende Artillerie sowie Pioniereinheiten bereitgestellt wurden. Die 24. Division des britischen I. Korps unterstützte das kanadische Korps an seiner nördlichen, das XVII. Korps an der südlichen Flanke. Den Kanadiern stand die ad hoc gebildete Gruppe Vimy gegenüber, im Wesentlichen basierend auf dem I. Bayerischem Reserve-Korps mit drei Divisionen unter Karl Ritter von Fasbender.Cook 2007, S. 120; Nicholson 1962, S. 229; Turner 2005, S. 39; Williams 1983, S. 149.
Der Angriff begann am Ostermontag, den 9. April 1917 um 5:30 Uhr. Leichte Feldartillerie schoss Sperrfeuer, das in festgesetzten Schritten vorverlegt wurde, zumeist 90 Meter alle drei Minuten, während mittlere und schwere Haubitzen permanentes Sperrfeuer gegen bekannte Defensiveinrichtungen richtete. Die Erste, Zweite und Dritte Kanadische Division erreichten schnell ihre ersten Ziele, nicht jedoch die Vierte Kanadische Division. Die Erste, Zweite und Dritte Kanadische Division erreichten ihr zweites Tagesziel um 19:30 Uhr.Nicholson 1962, S. 255; Campbell, S. 178 f.; Hayes 2007, S. 209 Da die Vierte Kanadische Division ihr erstes Tagesziel auf der Spitze des Höhenrückens nicht erreicht hatte, verzögerte sich das weitere Vorrücken, die Dritte Division musste zudem ihre Nordflanke sichern, was Ressourcen band.Hayes 2007, S. 202 f. Reserveeinheiten der 4. Kanadischen Division erneuerte den Angriff auf die deutschen Positionen auf der Spitze des Höhenrückens und zwangen die deutschen Truppen, sich von Hügel 145 zurückzuziehen. Der Rückzug erfolgte auch, weil den Verteidigern die Munition ausging.Godefroy 2007, S. 220; Sheldon 2008, S. 309.
Am Morgen des 10. April rückte der Canadian Corps Kommandant Lieutenant-General Julian H.G. Byng mit drei frischen Brigaden an, um den Angriff zu unterstützen.Campbell 2007, S. 179 Die frischen Einheiten konnten die Stellungen überwinden und eroberten die dritte Linie einschließlich des Hügels 135 und die Ortschaft Thélus um 11:00 Uhr.Campbell 2007, S. 179 ff. Um 14:00 Uhr konnten die Erste und Zweite Kanadische Division ihre finalen Ziele erreichen.Campbell 2007, S. 182. Zu diesem Zeitpunkt war nur noch der sogenannte Pimple, ein schwer verteidigter Hügel westlich des Ortes Givenchy-en-Gohelle, die einzige deutsche Position auf Vimy Ridge.Godefroy 2007, S. 220. Am 12. April, griff die 10th Canadian Infantry Brigade mit Unterstützung von Artillerie und der 24th British Division die eingegrabenen deutschen Truppen an und konnte sie schnell überwinden.Nicholson 1962, S. 263 Beim Einbruch der Dunkelheit am 12. April hatte das Kanadische Korps den Hügel unter Kontrolle.Nicholson 1962, S. 263. Das Kanadische Korps erlitt Verluste in Höhe von 10.602 Mann, davon 3.598 getötet and 7.004 verwundet.Moran 2007, S. 139. Die deutsche Sechste Armee erlitt Verluste in unbekannter Höhe, etwa 4.000 Mann konnten gefangen genommen werden.
Obwohl die Schlacht nicht als die größte militärische kanadische Leistung betrachtet wird, nimmt sie einen beträchtlichen nationalen Stellenwert für Kanada ein.Inglis 1995, S. 1; Vance 1997, S. 233; Pierce 1992, S. 5. Die Vorstellung, dass Kanadas Identität und Nationalbewusstsein in dieser Schlacht geboren wurde, ist eine weitverbreitete Meinung in der militärischen und allgemeinen kanadischen Geschichtsschreibung.Inglis 1995, S. 2; Humphries 2007, S. 66
Geschichte
Auswahl mini|alt=Approximately a dozen monument models sit on tables in a stone-walled room.|Wettbewerbsbeiträge für das Denkmal
1920 gab die kanadische Regierung bekannt, dass die Imperial War Graves Commission acht Standorte bestimmt hatte – fünf in Frankreich und drei in Belgien – auf denen Denkmäler errichtet werden sollten (Vimy, Bourlon, Le Quesnel, Dury und Courcelette in Frankreich und St. Julien, Hill 62, und Passendale in Belgien).Brandon 2003, S. 205. Jeder Standort repräsentierte eine maßgebliche kanadische Beteiligung und die kanadische Regierung bestimmte zunächst, dass jedes Schlachtfeld gleich behandelt und mit identischen Denkmälern ausgestattet werden sollte. Im September 1920 bildete die kanadische Regierung die Canadian Battlefields Memorials Commission, um die Rahmenbedingungen für einen Wettbewerb zur Gestaltung der Denkmäler in Europa auszuloben.Vance 1997, S. 66. Die Kommission tagte erstmals am 26. November 1920 und beschloss, dass der Architektenwettbewerb für alle kanadischen Architekten, Designer, Bildhauer und andere Künstler offen sein sollte.
Die Jury bestand aus Charles Herbert Reilly vom Royal Institute of British Architects, Paul Philippe Cret von der Société centrale des architectes français und Frank Darling vom Royal Architectural Institute of Canada. Jedes Jury-Mitglied war seinerzeit führend in seinem Fachgebiet.Hucker 2008, S. 42. Interessierte reichten 160 Gestaltungsentwürfe ein, die Jury wählte daraus 17 Entwürfe zur näheren Prüfung aus und beauftragte jeden Finalist, ein Gipsmodell von ihrem jeweiligen Entwurf herzustellen.
Die Jury empfahl in einem Bericht an die Kommission vom 10. September 1921, dass zwei der Entwürfe ausgeführt werden sollten.Borestad 2008, S. 33. Im Oktober 1921 entschied sich die Kommission formell für den Entwurf des Bildhauers und Designers Walter Seymour Allward aus Toronto; der Entwurf von Frederick Chapman Clemesha wurde als Zweitplatzierter bestimmt. Aufgrund der Komplexität von Allwards Entwurf war es nicht möglich, den Entwurf auf jeder Gedenkstätte identisch zu verwenden.Vance 1997, S. 67. Der Ansatz, ein zentrales Denkmal auszusuchen, widersprach der Empfehlung des Architektur-Beraters der Canadian Battlefields Memorials Commission Percy Erskine Nobbs, der für eine Reihe kleinerer Monumente plädierte. Der Konsens bewegte sich in Allwards Richtung, sein Design erhielt breite Unterstützung.Borestad 2008, S. 32. Die Kommission überarbeitete ihre ursprüngliche Planung und entschied sich, zwei markante Denkmäler zu bauen – jenes von Allward und Clemesha – und sechs kleinere identische Denkmäler.
mini|alt=A white plaster design model of the Vimy Memorial from the front side, displayed against a black background|Ein Modell des Denkmals
Von Beginn an diskutierten die Mitglieder der Kommission, wo Allwards Siegerentwurf gebaut werden sollte. Die Jury war zunächst der Meinung, dass Allwards Entwurf besser auf einem Hügel situiert wäre als auf einem Steilhang wie Vimy Ridge.