hochkant=1.4|mini|Vom Dobbertiner Malermeister Gustav Awe 1923 gemalte alte Klosterkirche Von der mittelalterlichen Baugeschichte der Dobbertiner Klosterkirche ist wenig überliefert. Die erhaltenen Urkunden geben Auskunft über die Besitzverhältnisse und Schenkungen dieser Jahre, doch selten etwas zum Kirchen- und Klosterbau. Alle bisherigen Recherchen zum Baugeschehen der Dobbertiner Klosterkirche in den Jahrhunderten sind hier dokumentiert.Horst Alsleben: Die Klosterkirche zu Dobbertin. Geschichte in Zahlen. Schwerin 2010–2017.

Daten zur Geschichte Die Klosterkirche von Dobbertin wurde bislang von den Forschungen zur mittelalterlichen Architekturgeschichte weitgehend ignoriert, viel zu stark dominiert heute noch die neugotische Umgestaltung durch Georg Adolph Demmler, in Anlehnung an die Friedrichswerdersche Kirche von Karl Friedrich Schinkel in Berlin.Tilo Schöfbeck: Mittelalterliche Kirchen zwischen Trave und Peene. 2014, S. 85–86. Dabei haben sich im Kern dieser nahezu vollständigen Ummantelung noch große Teile der mittelalterlichen Saalkirche erhalten, die bislang immer als ein Bauwerk des mittleren 14. Jahrhunderts galt. Spätestens im Zuge der sanierungsbegleitenden Ausgrabungen 1995 wurde klar, dass es sich um eine ältere Kirche handeln muss.Horst Alsleben: Entdeckungen in Dobbertin. Reste einer alten Klosterkirche freigelegt. Mecklenburgische Kirchenzeitung, 14. Januar 1996.

12. Jahrhundert mini|Frühromanische Tauffünte vor der Treppe zum Klosterhauptmannshaus 1160 frühromanische Tauffünte von 66 cm Höhe und 71,5 cm Breite steht heute noch auf der Rasenfläche vor dem Klosterhauptmannshaus.Paul Martin Romberg: Dobbertin bei Goldberg. In: Die frühromanischen Tauffünten der Wenden und ihres Fürstengeschlechts der Obotriten. 2015, S. 97.Horst Alsleben: Die Wirren der Jahrhunderte überstanden. Mecklenburgische Kirchenzeitung, 10. April 1994. 13. Jahrhundert

1220 die Gründung als Benediktiner-Mönchskloster soll zwischen 1219 und 1225 erfolgt sein, eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden.Ernst Münch: Zur mittelalterlichen Geschichte von Kloster Dobbertin. In: Kloster Dobbertin. Geschichte–Bauen–Leben. 2012, S. 12. 1227 am 28. August erfolgte die Bestätigung von Güterbesitz an die Mönche im Kloster Dobbertin.MUB I (1863) Nr. 343. Am 3. Dezember wurde Dietrich/Thedelin prepositus fratum de Dobrotin als erster Propst in Dobbertin genannt,MUB I (1863) Nr. 344. ab 1237 war er Propst im Kloster Rühn.MUB I (1863) Nr. 463.LHAS 2.12-3/2 Klöster und Ritterorden, Dobbertin. Nr. 416 Liste von Pröpsten. 1234 am 27. Oktober erfolgte die Umwandlung in ein Kloster der Benediktinerinnen mit Verleihung der freien Wahl des Propstes und der Priorin, dazu noch das Archidiakonatsrecht über die Stadtkirche Goldberg.Elfriede Bachmann: Zeven. In: GERMANIA BENEDICTINA, Band XI 1984, S. 55.MUB I (1863) Nr. 551. 1243 Prepositus Ulrich/Oldaricus.MUB I (1863) Nr. 417, 463, 523. 1263 am 28. Januar nahm Papst Urban IV. das Kloster Dobbertin unter seinen Schutz.MUB II (1863) Nr. 983. 1257 Propst Volrad/Volraius.MUB I (1863) Nr. 644, MUB II (1864) Nr. 790, 923.LHAS 2.12-3/2 Klöster und Ritterorden, Dobbertin. Nr. 416 Liste von Pröpsten. 1277 Amtsantritt Kaplan Hermann/Heinrich als Propst Henricus de Barse im Nonnenkloster.MUB II (1864) Nr. 1440, MUB III (1865) Nr. 1962, 1964.parabolischer Siegel des Dobbertiner Propstes an der Urkunde vom 13. Juni 1288. mini|Arkadenbogen von 1280 an der Südfassade 1280 Reste eines Arkadenbogens mit aufwendig profilierten Backsteindekor und Weinlaubblättern an der Südwand des heutigen Eingangsbereiches belegen den ersten dreischiffigen Kirchenbau.Dirk Schumann: Benediktinerinnenklosterkirche Dobbertin (Lkr. Parchim). Südwand, 2. bis 3. Joch von West, Bauarchäologische Dokumentation, März 2005.Dirk Schumann: Zur mittelalterlichen Baugeschichte des Benediktinerinnenklosters Dobbertin. 2006, S. 28. 1285 kam es zu Planänderungen mit dem Weiterbau als hoher langgestreckter einschiffiger Saalbau.Dirk Schumann: Die Baugeschichte des Benediktinerinnenklosters Dobbertin – Zur Konzeption einer mecklenburgischen Herrschaftsarchitektur. 2012, S. 93.Horst Alsleben: Entdeckungen in Dobbertin. Reste einer alten Klosterkirche freigelegt. Mecklenburgische Kirchenzeitung, 14. Januar 1996. 1286 die dendrochronologischen Untersuchungen eines Rüstholzes,Bärbel Heußner: Dendrochronologisches Gutachten Klosterkirche Dobbertin. 4. Oktober 2003. das in der Südfassade oberhalb der mittelalterlichen Arkadenbögen während der Restaurierungsarbeiten 2003 geborgen wurde, belegen den Ursprung des dreischiffigen Kirchenbaus vor 1286.Katharina Henze: Restaurierung, Sanierung und Sicherung der Klosterkirche. 2012, S. 272.Tilo Schöfbeck: Mittelalterliche Kirchen zwischen Trave und Peene. 2014, S. 362. Die erhalten gebliebenen mittelalterlichen Gewölbekonsolen der Unterkirche und des Refektoriums lassen deren Einbau kurz vor 1300 vermuten.Andreas Baumgart: Klosterkirche Dobbertin, Unterkirche, restauratorische Farbfassungsuntersuchung. Rethwisch, November 2006. Die Errichtung der Nonnenempore muss danach erfolgt sein, wie bauzeitlich erhaltene Farbfassungen auf dem Ziegelmauerwerk der Süd-, West- und Nordseite belegen.Andreas Baumgart: Klosterkirche Dobbertin, Nonnenempore, restauratorische Befunduntersuchung der Wandflächen. Rethwisch, November 2006.

14. Jahrhundert

1300 wurde das Langhaus bis zur Westfassade als massive Kirche ohne Turm vollendet. In der ersten Planung war der Bau basilikal angelegt, wurde als Saalbau fertig gestellt.Tilo Schöfbeck: Mittelalterliche Kirchen zwischen Trave und Peene. 2014, S. 338. In der mittelalterlichen Siedlungsschicht an der Südseite der Klosterkirche wurden 2001 Bruchstücke von dickwandigen Fenstergläsern gefunden. Sie besitzen eine rhombische Grundform mit gekniffenen Rändern und Kantenlängen von 7,6 cm. Weitere dickwandige Fensterbruchstücke mit roter Bemalung hatten florale Motive. Sie belegen eine Verglasung der Kirche spätestens ab um 1300.Frank Wietrzichowski: Bericht über die archäologischen Bergungs- und Dokumentationsarbeiten im Kloster Dobbertin 1. Oktober 2001–31. März 2002. Urkunde vom 21. August 1300 mit rundem Siegel vom Konvent und dem Siegel vom Prepositus Johannes.MUB IV. (1867) Nr. 2624. mini|hochkant|Siegel vom Klosterpropst Arnold. 1302 1302 im erhaltenen Geschäftssiegel von Propst Arnold/Arnoldus befindet sich das Brustbild Jungfrau Maria mit Christuskind auf dem Arm, kniend ein Geistlicher.MUB V. (1869) Nr. 2795, 2905, 2989, 3420. 1309 Tietmar/Dithmarus war der erste Kaplan mit einem Siegel.MUB V. (1869) Nr. 3311, 3420, MUB VI (1870) Nr. 3585, 3632, 3661. 1315 die 1996 im südlichen Kirchturm gefundenen Reste eines mittelalterlichen TriumphkreuzesHorst Alsleben: Mittelalterliches Triumphkreuz im Kloster Dobbertin entdeckt. SVZ Lübz-Goldberg-Plau, 31. Juli 1996. wurde nach gründlicher Überarbeitung durch den Restaurator Andreas Baumgart am 5. März 2020 an der südlichen Wand der Unterkirche angebracht.Katja Haescher: Ein Holzkreuz kehrt zurück. SVZ, Mecklenburg-Magazin, 20. März 2020. Nach dendrochronologischen Untersuchungen durch den Bauforscher Tilo Schöfbeck im Februar 2020 konnte das Eichenkreuz auf 1310/20 datiert werden und wäre somit das älteste noch erhaltene Ausstattungsstück aus der alten Klosterkirche.Tilo Schöfbeck: Dobbertin, mittelalterliches Holzkreuz. Schwerin, 25. Februar 2020. 1331 Papst Johannes XXII. schrieb am 5. Dezember 1331 aus Avignon an die Pröpste der Klöster Rühn und Dobbertin im Schweriner Bistum und beauftragte sie als Exekutoren im Namen des Papstes die Übertragung des Kanonikats an der von Güstrow zu überwachen.Jean Mollat XXII.: lettres communes. XI, S. 97 Nr. 55871. Archivo vaticano. 1333 am 23. Oktober 1333 nahm Papst Johannes XXII. den Konvent der Benediktiner-Nonnen und die Besitzungen des Klosters Dobbertin unter seinen Schutz.MUB VIII (1873) Nr. 5457. 1334 der Prepositus de Dobrotyn Borchard/Burchard war 1322 noch Domherr zu Lübeck.MUB VIII (1873) Nr. 5052. 1336 der Prepositus in Dobrotyn Dietrich/Thydericus Vryel mit Siegel, kam als Priester von St. Marien zu Rostock, er war später Kanoniker in Bützow.Dietrich Schröder: Papistisches Mecklenburg, Sechstes Alphabeth. 1741, S. 1245.MUB IX (1875) Nr. 4625, 4851, 6191, MUB X (1877) Nr. 6787, 7105. 1340 die älteste, 1872 noch vorhandene 972 kg schwere Bronzeglocke mit Inschriften-Buchstaben soll nach 1350 gegossen worden sein. Inschrift in drei Reihen lautet: AVA SANCTA NOS BANIGNA MARIA, O ReX GIORie xpe Veni visitare nos cu pace SINE ME, Mattheus Johannes Lucas, Marcus.Friedrich Lisch: Die Glocken der Kirche zu Dobbertin. MJB 40 (1875), S. 195–197. 1360 der Prior Gerhard/Gerhardus von Bengerstorp war bis 1342 Prior im Kloster Doberan und nach Dobbertin bis 1387 Propst am Güstrower Dom.MUB XVI (1893) Nr. 9634, MUB XX (1900) Nr. 11304. 1362 wurde Prepositus Odberto/Odbertus erwähnt.MUB XV (1890) Nr. 9109. 1365 das Nonnenkloster Dobbertin bittet wegen Verfall seiner Gebäude wiederholt den Lübecker Rat um Unterstützung.MUB XV (1890) Nr. 9429. 1368 der Kaplan Bartholdus von Wanzenberg war 1371 im Auftrag der avignonsischen Kurie tätig.MUB XVI (1893) Nr. 9732, 9733, MUB XVIII (1887) Nr. 10162. 1387 bei den bauarchäologischen Untersuchungen während der Grundsanierung der Klausurgebäude wurde 2002 im Klosterinnenhof die Grabplatte von Bernhard Holle, dem Beichtvater der Klosterfrauen von Dobbertin gefunden. Es ist die kleinste Grabplatte im Kloster und sie steht heute an der Westwand im Durchgang neben dem Refektorium.MUB II (1864) Nr. 1382, MUB XX (1900) Nr. 11732, MUB XXI (1903) Nr. 11894.Christine Magin, Jürgen Herold, Marion Grether: Die Inschriften auf den Grabplatten im Kloster Dobbertin. 2012, S. 158, 159.

15. Jahrhundert mini|Grabplatte für den Propst Nikolaus Mezstorp von 1417 im südlichen Kreuzgang 1400 Melchor Hagenow war Prepositus to Dobbertyn bis 1409. 1403 am 21. März bestätigte Bischof Rudolf III. von Schwerin eine Vikarienstiftung vom 6. Januar 1403 zum Altar S. Marien in der Klosterkirche an Propst Nikolaus Mezstorp und Priorissa, der Priorin Ludgard von Preen.LHAS 1.5-4/3 Urkunden Kloster Dobbertin. Regesten Nr. 82. 1408 erfolgte Stiftung einer Vicarei durch Nicolaus von Dessin in der Klosterkirche zu Dobbertin. 1417 Nikolaus Mezstorp, Stiftskanoniker aus dem Güstrower Dom, war seit 1382 Propst zu Dobbertin. Seine Grabplatte steht heute im südlichen Kreuzgang des Klosters.Friedrich Lisch: Alte Leichensteine der Kirche zu Dobbertin. MJB 27 (1862) S. 227.Christine Magin, Jürgen Herold, Marion Grether: Die Inschriften auf den Grabplatten im Kloster Dobbertin. 2012, S. 162, 163. 1418 im Vatikanischen Geheimarchiv zu Rom befindet sich ein Antrag der Priorin Adelheit von Weltzien und des Konvents des Klosters Dobbertin, Benediktinerordens, zur päpstlichen Erneuerung und Beauftragung von kirchlichen Richtern in Streitfällen. Der Antrag vom 12. August 1418 wurde durch Papst Martin V. für zehn Jahre genehmigt.Karl August Fink: Repertorium Germanicum. Verzeichnis der in den päpstlichen Registern und Kameralakten vorkommenden Personen, Kirchen und Orte des Deutschen Reiches. Band 4.1, 1943, 1991, Sp. 577. 1419 Propst Nicolaus Scharbow war 1408 noch Kanonikus in Güstrow.LHAS 1.5-4/3 Urkunden Kloster Dobbertin. Regesten Nr. 95, 105. 1425 Hinrich Voss/Hinrico Vos war bis 1435 Prepositus.Dietrich Schröder: Papistisches Mecklenburg, Neuntes Alphabeth. 1741, S. 1883.LHAS 1.5-4/3 Urkunden Kloster Dobbertin. Regesten Nr. 110. 1427 am 4. April bestätigte Bischof Heinrich III. von Wangelin eine Vikarienstiftung von Henrik Bardey und Johann Dürkopp am Altar im Chor der Klosterkirche.