mini|Christian Otter, Ölgemälde unbekannter holländischer Maler, um 1640 mini|Unterschrift „Christianus Otterus Ragnetanus“, 1656 Christian Otter (; ; * 1598 in Ragnit, Herzogtum Preußen; † 9. August 1660 in Nimwegen) war ein preußischer Mathematiker, Reisender und Festungsbaumeister. Er beschäftigte sich auch mit mathematisch-physikalischen Problemen des Musikinstrumentenbaus.

Leben Herkunft Otter war ein Sohn des Amtmanns Johann Otter d. Ä. und seiner Frau Anna Dörffer, einer Tochter von Martin Dörffer aus Rastenburg. Johann Otter d. Ä. und sein Bruder Friedrich Otter, die in Preußisch Litauen wohnten, waren in Goldkronach „inn Land zu Francken offm Gebürge“ in der Markgrafschaft Brandenburg-Kulmbach geboren,Max Jähns: Geschichte der Kriegswissenschaften vornehmlich in Deutschland. Band II. Oldenbourg, München 1890, S. 1125 f. (books.google.de; eingeschränkte Vorschau); hier ungenau: „Nordgau“. dort lebten ihre vier Brüder Wolfgang, Johann Otter d. J., Steffan und Heinrich Otter, die auch „Leh(en)mann“ genannt wurden.Wappenbrief des Sebastian Röttinger vom 9. April 1606 für Johann Otter und seine Brüder, ausgestellt in Nördlingen; Gottlieb Siegfried Bayer: Das Leben Christian Otters Eines Preußischen Mathematici. In: Continuirtes Gelehrtes Preußen. Nicolai, Thorn 1,3 (1725), S. 27–63, bes. S. 46–53 (digital.slub-dresden.de) = (gekürzt) Friedrich Johann Buck: Lebensbeschreibungen derer verstorbenen Preußischen Mathematiker überhaupt und des … Mathematikers P. Christian Otter insbesondere. Hartung / Zeise, Königsberg und Leipzig 1764, S. 204–208. Mitglieder der Familie standen in Oberfranken wie im Herzogtum Preußen im Dienst der Hohenzollern.Vgl. z. B. Die Sendung des Landmessers Friedrich Otter nach Wien zur Fertigung eines Grundrisses von Seefeld und Schweinbart (zwei Brandenburgische Lehen in Österreich), 1600; Staatsarchiv Bamberg (Markgraftum Brandenburg-Bayreuth, Geheimes Hausarchiv Plassenburg, Akten und Bände Nr. 3750). Friedrich Otter (Ötter) war 1601, 1604 Vogt des ansbachischen Lehens Unterschwaningen; Staatsarchiv Bamberg (Markgraftum Brandenburg-Kulmbach-Bayreuth, Geheimes Hausarchiv Plassenburg, Akten und Bände, Nr. 3718); Bayerisches Hauptstaatsarchiv München (Reichskammergericht, Nr. 3601).

Nachdem Anna Dörffer verwitwet war, heiratete sie Michael Lock aus Ragnit. Johann Jakob Lock (1617–1667)Am 22. Juli 1631 immatrikuliert in Königsberg, am 18. Juli 1634 und am 13. Juli 1640 immatrikuliert in Leiden.Johann Röling: Wolverdientes Gedächtnis Der … Frauen Catharinen Lockin, Des … Herrn Hanß Jacob Locken … Rahtsverwandten der löbl. Alten-Stadt Königsberg, Hinterlassenen Fr. Wittwen. Reusner, Königsberg 1673. war ein Halbbruder (uterinus) von Christian Otter.

Schule und Studium Insterburg und Königsberg Otter besuchte die Schulen zu Ragnit und Insterburg, wo Jakob Petri († 1639)Abraham Ernst Hennig: Topographisch-historische Beschreibung der Stadt Insterburg. Daniel Christoph Kanter, Königsberg 1794, S. 33 (). einer seiner Lehrer war. Seit dem 29. Juni 1610 studierte „Christianus Otter, Ragnetensis Borussus,“ an der Universität Königsberg. Als Minderjähriger brauchte er keinen Immatrikulations-Eid zu leisten.

’s-Gravenhage und Franeker mini|Universität Franeker, 1622 1619 reiste Otter in die Niederlande und lernte in ’s-Gravenhage (Hagae Comitis; Den Haag) den Mathematiker und Orientalisten Jacobus Golius kennen. Am 9. August 1619 immatrikulierte er sich an der Universität Franeker. 1621 besuchte er Leiden, wo er den Mathematiker Willebrord van Roijen Snell, Aelius Everhardus Vorstius und Daniel Heinsius traf. In Amsterdam begegnete er dem Kartographen Willem Jansz. Blaeu. In Franeker hörte er den Professor für Mathematik, Navigation, Militäringenieurwesen und Astronomie Adriaan Metius und den Professor der Theologie und Physik Johannes Maccovius. Unter seinen Kommilitonen waren der spätere Bremer Syndikus Johann Wachmann, Philipp Hermann Schickhard (* um 1600/05; † 1675),Aus Siegen, am 18. Mai 1622 als „Philippus Hermannus Schichart Nassavius“ und am 8. November 1623 immatrikuliert in Leiden, später Hofmeister des Stiftes Keppel, Sohn von Philipp Christoph Schickhard. Friedrich Müncker († 1694)Aus Ferndorf im Fürstentum Nassau-Siegen, am 28. Juli 1620 als „Fredericus Munker Nassovius“ immatrikuliert in Franeker, später Hammerschmied und Montanunternehmer. und Marinus Stavenisse (1601–1663).Aus Zierikzee, Heer von Brijdorpe und Botland auf der Insel Schouwen-Duiveland, am 27. Oktober 1622 als „Marinus Stavenes Zelandus“ immatrikuliert in Leiden, später Rat und Pensionär von Zierikzee.

Zu einer Gedenkschrift für den in Leiden verstorbenen, zuvor in Franeker immatrikulierten Theologie-Studenten Reiner Orinus (* um 1598; † 1622)Am 16. Oktober 1615 immatrikuliert in Franeker, am 1. September 1621 als „Regnerus Orinus Frisius Harlingensis“ in Leiden. aus Harlingen trug Christian Otter zwei Trauer-Gedichte und ein Chronogramm bei. Die übrigen Beiträger zu dem Buch waren Johannes Maccovius, Jan de Mandeville (* um 1601; † 1657),Aus Nijmegen, am 3. März 1623 als „Joannes Mandewyl Noviomagensis“ immatrikuliert in Leiden, Sohn des Stadtarztes Michael de Mandeville, 1624 Hebräisch-Lehrer am Atheneum Harderwijk, Pfarrer in Garderen. L. J. Sylvius,Aus Geldern, latinisiert aus Bosch, van den Bos o. ä. Bernhard Daniels (* um 1595; † nach 1649)Aus Düsseldorf, Besuch der Schola rhetorica in Köln, am 10. Oktober 1611 immatrikuliert am Pädagogium und 1612 an der Hohen Schule in Herborn, am 11. September 1619 als „Bernhardus Danielius Dusseldorpiensis Montanus“ in Leiden, am 11. April 1620 in Franeker, 9. Juli 1620 in Groningen, 1626 Promotion zum Dr. jur. in Basel, später Advokat in Düsseldorf. und Abel Moda (* um 1602; † nach 1636).Aus Emden, am 24. November 1623 als „Abelus Moda Embdanus“ immatrikuliert in Leiden, später Obrist in schwedischen Diensten, verteidigte 1634 Heidelberg.

Tätigkeit als Privatlehrer Aufenthalt in Polen 1622 kehrte Otter über Danzig nach Königsberg zurück. 1624 wirkte er als Hofmeister in Polen und begegnete in Königsberg dem Mathematiker Johann Strauß und Albert von Rauter (1589–1626) auf Willkamm (Wielewo), Amtshauptmann zu Seehesten (Szestno).1611 immatrikuliert in Angers.Peter Bahl: Der Hof des Grossen Kurfürsten. Studien zur hoheren Amtsträgerschaft Brandenburg-Preußens. Böhlau, Köln / Weimar 2001, S. 449 In Elbing besuchte er Maccovius, den er aus Franeker kannte. Im März 1626 traf er in Warschau den Statthalter des Stiftes Cammin Paul von Damitz († nach 1639)Aus Kolberg, 1590 immatrikuliert in Greifswald. und den pommerschen Rat Peter Glasenapp († um 1640), die sich beide als Botschafter in Polen aufhielten. Damitz und Glasenapp bewogen Otter dazu, sich wieder in die Niederlande zu begeben.

Franeker, Leiden und ’s-Gravenhage Nachdem Otter in Königsberg im Mai den herzoglichen Kanzler Martin von Wallenrodt getroffen hatte, fuhr er im Sommer 1626 mit dem Schiff nach Holland und verbrachte zunächst ein halbes Jahr in Franeker. In dieser Zeit lernte er Bernardus Paludanus und Mikolaj (Nikolaus) Słupecki z Konar (* um 1604; † 1672) kennen.Sohn des Feliks Słupecki z Konar (Konary) (1571–1617); Stanisław Kot: Słupeccy w ruchu reformacyjnym. In: Odrodzenie i reformacja w Polsce 4 (1926), S. 181–198, bes. S. 189f; Dirk van Miert: Humanism in an Age of Science. The Amsterdam Athenaeum in the Golden Age, 1632–1704. Brill, Leiden 2009, S. 126 (books.google.de; eingeschränkte Vorschau). Am 18. November 1626 immatrikulierte sich Christian Otter an der Universität Leiden. Sein Bruder Martinus Otterus (* um 1607)Joachimus und Martinus Otter Ragnicensis immatrikulierten sich am 11. Juni 1616 gemeinsam in Königsberg. schrieb sich am 30. August 1627 ebenfalls dort ein. In Leiden oder im benachbarten in ’s-Gravenhage begegnete Christian Otter in dieser Zeit dem einflussreichen Theologieprofessor André Rivet (1572–1651), dem Mathematiker Albert Girard, den Medizinern Johannes Origanus (1601–1676)Aus Glatz, Neffe des Mathematikers und Astronomen David Origanus, 1616 immatrikuliert in Frankfurt an der Oder, am 8. August 1624 und 16. Juni 1633 in Leiden, 1636 Promotion zum Dr. med. in Padua, am 6. Mai 1656, 1. Juli 1660 und 11. Dezember 1663 immatrikuliert in Leiden. und Johannes Kolner († 1630),Aus Kolberg, Professor der Medizin in Greifswald. dem späteren Gouverneur von Sokal und Brest Jan Kaszowski (1560–1620)Sohn von Piotr Kaszowski († um 1594), einem Mitbegründer der Babinischen Republik. aus Wysokie, dem späteren braunschweig-lüneburgischen Rat Andreas von Bernstorff (1604–1655), dem Mathematiker Frans van Schooten, dem Mediziner und späteren Kriegsbaumeister Adam Freitag und Andreas Kregel, früherer reformierter Pfarrer in Viechtach und Präzeptor der Junggrafen von Dohna. Christoph Otto Oesler, Melchior Korff (* um 1606; † um 1655)Aus Bremen, am 29. September 1626 als „Melchior Korf Bremensis“ immatrikuliert in Leiden, 1638 Hochzeit, seit 1639 als Hofmarschall des Lübecker Bischofs Johann von Schleswig-Holstein-Gottorf erwähnt; Landesarchiv Schleswig-Holstein Schleswig (Abt. 7 Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorf, Nr. 1238). und Samuel Knoth (1607–1649)Aus Groß-Glogau (Głogów), 1624 (zusammen mit Christian Cnotius) immatrikuliert in Basel, 1625 in Leipzig, am 13. September 1627 als „Samuel Cnotius Silesius“ in Leiden, am 21. Dezember 1629 in Franeker, später Jurisconsultus (Rechtsgelehrter), gestorben in Frankfurt an der Oder. bezeichneten Otter in Stammbucheinträgen als ihren Lehrer.

Belagerung von ’s-Hertogenbosch mini|Belagerung von ’s-Hertogenbosch 1629, kartographiert von Ingenieur Theodor Niels, 1631