Kes ist ein sozialkritisches Filmdrama nach Barry Hines’ Jugendbuch Und fing sich einen Falken und der zweite Kinofilm des Filmregisseurs Ken Loach. Der Film erschien 1969 und gilt als Klassiker des britischen Films.

Handlung Der 15-jährige Billy Casper wächst in armen Verhältnissen in der Arbeiterstadt Barnsley im Norden Englands auf. Billys alleinerziehende Mutter ist mit der Situation überfordert, sein älterer Bruder Jud terrorisiert ihn regelmäßig. In der Schule gilt er als Außenseiter bei den Mitschülern und wird geärgert, was sein Sportlehrer toleriert und sogar noch unterstützt. Mit dem strengen Regiment der Schule kommt der Tagträumer nicht zurecht, er hat nur schlechte Noten. Billys größte Angst ist, dass er wie Jud und die meisten anderen Männer aus Barnsley irgendwann als Bergmann arbeiten muss, ein öder und schlecht bezahlter Beruf. Sein trostloses Leben verändert sich, als er einen kleinen Falken findet und ihn aufzieht. Täglich verbringt er mehrere Stunden mit ihm und findet einen Freund in dem Greifvogel. Billys Umfeld interessiert sich allerdings nicht weiter für den Falken.

Der freundliche Englischlehrer Mr. Farthing wird auf Billy aufmerksam, nachdem dieser, durch ihn ermutigt, in der Klasse einen Vortrag über die Aufzucht von „Kes“ gehalten hat. Farthing ist auch der einzige, der Kes mit Respekt und nicht als ein „Spielzeug“ von Billy betrachtet. Eines Tages wird Billy von seinem terrorisierenden Bruder zur Pferdewette geschickt. Billy jedoch kauft sich von dem Geld etwas zu essen für sich und seinen Falken, wodurch er seinen Bruder um einen hohen Wettgewinn bringt. Dieser tötet daraufhin Kes. Zuletzt holt der wütende Billy den Falken aus der Mülltonne und verschafft ihm ein ordentliches Grab.

Hintergrund Kes basiert auf dem Roman Und fing sich einen Falken (1968) des in Barnsley beheimateten Autoren Barry Hines. Kurz nach der Veröffentlichung interessierte sich Disney für eine Verfilmung des Buches, jedoch unter der Voraussetzung, dass der Falke am Ende leben würde – woraufhin Hines das Disney-Angebot ablehnte, da dies seiner Meinung nach die Integrität seines Buches zerstört hätte.IMDb Trivia Schließlich bekam der junge Regisseur Ken Loach die Filmrechte, für den es erst sein zweiter Kinofilm wurde. Das Budget des Filmes war mit 157.000 Pfund relativ gering. Loach arbeitete zusammen mit dem Buchautor Hines und dem Produzenten Tony Garnett das Drehbuch aus. Ken Loach drehte später noch drei weitere Filme, die ebenfalls auf den Werken von Hines basieren.

mini|hochkant|Ein Turmfalke

Ken Loach – als bekennender Sozialist damals umstritten, bis heute dreht er vor allem Sozialdramen – zeichnet ein düsteres Bild der sozialen Verhältnisse in den Arbeitervierteln Nordenglands. Arbeits- und Hoffnungslosigkeit prägen die Gesellschaft dieser Zeit. Kes hat einen sehr dokumentarischen Charakter, der etwa auch dadurch entsteht, dass alle Rollen (außer Colin Welland als Mr. Farthing) mit Laienschauspielern besetzt sind, die mit dem regionalen Yorkshire-Dialekt sprechen. Der Schulleiter im Film, Bob Bowes, war zum Beispiel tatsächlich Schulleiter einer nahegelegenen Schule. Durch den Erfolg von Kes konnten einige der Laienschauspieler anschließend langjährige Schauspielkarrieren einschlagen. Der Film wurde während des Sommers 1968 ebenfalls ausschließlich in der Region Yorkshire gedreht, wo auch die Filmhandlung angesiedelt ist. Wegen seiner authentischen Inszenierung kam der Film auch beim Publikum in der betroffenen Region gut an.

Hauptdarsteller David Bradley, aus einer Arbeiterfamilie kommend, gewann die Hauptrolle bei einem Casting von Hunderten Schülern seiner Region, obwohl er zuvor nie geschauspielert hatte. Während des Drehs verbrachte Bradley viel Zeit mit den zwei Turmfalken, die für den Film verwendet wurden, und gewann diese lieb. Beim Dreh der Schlussszenen erzählte Loach ihm, dass sie einen der Falken hätten töten müssen, da kein Falke gefunden worden sei, der eines natürlichen Todes gestorben wäre. Bradley weinte daraufhin im Glauben, dass einer der Falken tot wäre – diese lebten aber beide noch und Loach hatte Bradley nicht die Wahrheit gesagt, um eine möglichst natürliche Emotion von ihm zu bekommen.

Veröffentlichung und deutsche Fassung Billy Casper David Bradley Stefan Schwade Mrs. Casper Lynne Perrie Eva-Maria Lahl Jud Caspar Freddie Fletcher Tommi Piper Lehrer Mr. Farthing Colin Welland Joachim Hansen Lehrer Mr. Sudgen Brian Glover Thomas Braut Schüler McDowell Robert Naylor Sascha Hehn

Kes erlebte seine erste Aufführung im November 1969 auf einem Londoner Filmfestival, seine landesweite Kinopremiere hatte der Film aber erst am 3. April 1970.IMDb Release In Großbritannien wurde der Film beim Publikum ein Hit und erhielt positive Kritiken, woraufhin er in zahlreichen europäischen Ländern ebenfalls ins Kino kam. In den USA wurde der Film hingegen ein Flop, wofür Roger Ebert die schwer verständlichen Yorkshire-Akzente der Hauptdarsteller verantwortlich machte. In Deutschland kam der Film nie in die Kinos, er feierte stattdessen seine Premiere am 5. März 1972 in einer Fernsehausstrahlung der ARD. Die deutsche Synchronfassung entstand 1971 im Auftrag der ARD.Kes. Synchrondatenbank.de Am 20. November 2002 gab ihn die FSK ab 12 Jahren zur DVD-Veröffentlichung frei.

Kritiken

Bis heute erhält Kes eigentlich ausschließlich wohlwollende Kritiken – so auch beim US-amerikanischen Aggregator Rotten Tomatoes, der den Film dementsprechend als „Frisch“ einordnet.

Auszeichnungen und Bestenlisten Der Film gewann 1970 das Internationale Filmfestival von Karlovy Vary. 1971 wurden die Schauspieler Colin Welland und David Bradley für ihre darstellerischen Leistungen mit dem Britischen Filmpreis ausgezeichnet; der Film erhielt zudem eine Nominierung für den United Nations Award. Das British Film Institute wählte Kes im Jahr 1999 auf Platz 7 der besten britischen Filme aller Zeiten. Insgesamt listet ihn They Shoot Pictures, Don’t They? unter den angesehensten Werken der Filmgeschichte.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 1969 Kategorie:Britischer Film Kategorie:Filmdrama Kategorie:Independent-Film Kategorie:Literaturverfilmung Kategorie:Jugendfilm Kategorie:Ken Loach