mini|250px|Die Buddy Rich Big Band bei einem Auftritt im Arcadia Ballroom, New York City, ca. Mai 1947. Fotografie von William P. Gottlieb Die Buddy Rich Big Band, auch Buddy Rich & His Big Band oder Buddy Rich and the Big Band Machine war eine Bigband, die der Schlagzeuger und Sänger Buddy Rich leitete. Einen Vorläufer hatte die 1966 gegründete Band mit einem Orchester, das von 1946 bis 1948 bestand. In den 1970er Jahren gehörte die Buddy Rich Big Band mit den Formationen von Maynard Ferguson, Woody Herman und der Tonight Show Band unter Leitung von Doc Severinsen zu den populärsten Jazz-Orchestern der Vereinigten Staaten.Tim Boomer, Mick Berry, Chaz Bufe: Bassist’s Bible: How to Play Every Bass Style from Afro-Cuban to Zydeco. Sea Sharp Press, Tucson 2009. „Mit großen Stars wie den Saxophonisten Don Menza, Ernie Watts oder Art Pepper, den Trompetern Bobby Shew oder Chuck Findley besetzt, wurde seine Big Band weltweit gefeierter Headliner bei allen wichtigen Jazzfestivals,“ urteilte Ulrich Habersetzer in BR-Klassik.Ulrich Habersetzer: Mit swigendem Herzschlag. 2017 in BR-Klassik
Buddy Rich and His Orchestra 1946–1948 Besetzung 1946 Trompete: Bitsy Mullens, Lou Oles, Pinky Savitt und Tommy Allison Posaune: Al Lorraine, Earl Swope, Johnny Mandel Altsaxophon: Jerry Therkeld, Les Clarke Baritonsaxophon: Sid Brown Tenorsaxophon: George Berg, Mickey Rich Piano: Tony Nichols Bass: Joe Shulman Schlagzeug Buddy Rich, Stan Kay Gesang Buddy Rich, Dorothy Reid
Nachdem der Schlagzeuger Buddy Rich mit dem Sänger Frank Sinatra das Swing-Orchester von Tommy Dorsey verlassen hatte, gründete er 1946 mit finanzieller Unterstützung Sinatras eine erste eigene Bigband. George T. Simon, seinerzeit Musikkritiker bei Metronome, erlebte die ersten Auftritte der Bigband im Januar 1946 als „sehr beeindruckend“.
Mit dem Orchester nahm Rich auch eine Reihe von Jazznummern auf wie Desperate Desmond (Mercury 260-B), Quiet Riot, Route 66 (Mercury 301), Carioca, die Bebop-Nummer Oop Bap Sham Bam von Dizzy Gillespie,Mercury 3000-series. 78discography.com Ready to Go Steady von Alec Wilder, die Standards I Cover the Waterfront und What Is This Thing Called Love, außerdem die Vokalnummer A Sunday Kind Of Love mit der Sängerin Marjorie „Margie“ Deans.Buddy Rich And His Orchestra – Great Moments 1946. Discogs Im Buddy Rich Orchestra spielte auch der Schlagzeuger Stan Kay (der Rich später als Bandmanager diente); er ersetzte den Bandleader bei seinen Gesangsnummern The Frim Fram Sauce und It’s About Time. Weitere Bandvokalistin war Dorothy Reid in Day By Day, You’ve Got Me Cryin’ Again und I’m Always Chasing Rainbow.Buddy Rich – One Night Stand – 1946 – Live Sessions At The Palladium, Hollywood. Discogs
Das Buddy Rich Orchestra hatte Engagements im Palladium in Hollywood am 27. und 28. März und im Sherman Hotel in Chicago. Ende 1947 waren George Handy und Al Cohn als Musiker und Arrangeure für Rich tätig.Ende 1947 spielten in Buddy Richs Orchester Tommy Allison, Bill Howell, und Charlie Wald (Trompete), Bob Swope, Mario Daone, Jack Carman und Seymour Koenigsberg (Posaune), Mickey Rich, Al Cohn, Harvey Lavine, Eddie Laine und Nick Sands (Holzblasinstrumente), in der Rhythmusgruppe wirkten Tommy Terlizzi (Gitarre), Tubby Phillips (Bass), George Handy (Piano) und (neben Buddy Rich) Stanley Kay (Schlagzeug). Bandsängerin war Margie Deans. Billboard, 1. November 1947. Bis 1948 entstanden in wechselnden Besetzungen weitere Bigband-Aufnahmen Richs, an denen u. a. Johnny Mandel, Doug Mettome, Red Rodney, Hal McKusick, Terry Gibbs, Jimmy Giuffre, Warne Marsh und Allen Eager (Daily Double, Nellie’s Nightmare) beteiligt waren.Scott Yanow: 1948 erschien außerdem ein von Will Cowan produzierter Musik-Kurzfilm mit dem Orchester; doch musste der Schlagzeuger wegen fehlender Engagements die bald Band auflösen.Martin Kunzler: Jazzlexikon. Band 2, Rowohlt TB, Reinbek 1993, S. 974.
Die Buddy Rich Big Band ab 1966 Besetzung 1967 Trompete: Bobby Shew, Chuck Findley, John Scottile, Yoshito Murakami Posaune: Jim Trimble, Ron Meyers Bassposaune: Bill Wimberly Altsaxophon: Ernie Watts, Quin Davis Baritonsaxophon: Marty Flax Tenorsaxophon: Jay Corre, Robert Keller Flöte: Ernie Watts, Jay Corre, Robert Keller Piano: Ray Starling Gitarre: Richard Resnicoff Bass: James GannonSchlagzeug Buddy Rich
Nachdem Buddy Rich auch in den späten 1950er Jahren eine Reihe von Alben mit größeren Ensembles wie This One’s for Basie (Verve, 1957) oder Richcraft (Mercury, 1959) vorgelegt hatte und fünf Jahren bei Harry James tätig war, stellte er im April 1966 eine neue 17-köpfige Bigband zusammen, um die LP Swingin’ New Big Band aufzunehmen, die bei Pacific Jazz Records erschien.
Auf dem Höhepunkt der „Beatlemania“ wirkte Buddy Richs Idee, eine Bigband zu gründen, „aberwitzig“, schrieb Digby Fairweather; der Bandleader wischte alle Einwände beiseite:
Die Arrangements des Albums stammten meist von Oliver Nelson (etwa dessen Komposition Hoe Down oder die King-Curtis-Nummer More Soul), weitere steuerten Bill Holman (Ready Mix), Phil Wilson (Basically Blues), Jay Corre und Don Rader bei. Solisten dieser kurzlebigen Band (nur drei Musiker sollten bei der folgenden Produktion dabei sein) waren der Trompeter Bobby Shew, der Altsaxophonist Pete Yellin, der Pianist John Bunch und der Gitarrist Barry Zweig.Scott Yanow:
Das zweite Album der Buddy Rich Bigband Big Swing Face (Pacific Jazz) enthielt Mitschnitte, die entstanden, als das Orchester ein Engagement im Chez Club Anfang 1967 in Hollywood hatte. Die Arrangement für Richs Orchester stammten u. a. von Bill Holman, Shorty Rogers, Bob Florence und Bill Potts; zu den Solisten gehörten der neu hinzugekommene Altsaxophonist Ernie Watts, außerdem Bobby Shew, Jay Corre am Tenorsaxophon und der Bandleader am Schlagzeug. In das Repertoire hatte Rich auch Pophits der Zeit wie die Beatles-Nummer Norwegian Wood (This Bird Has Flown) und The Beat Goes On aufgenommen; in dem zuerst durch Sonny & Cher interpretierten Song übernahm Richs zwölfjährige Tochter Cathy den Gesangspart.Scott Yanow: Weiterer Erfolgstitel der Band war auch ein zehnminütiges Medley aus der West Side Story.Ian Carr, Brian Priestley, Digby Fairweather (Hrsg.): Rough Guide Jazz. 1995, ISBN 1-85828-137-7, S. 535.
„In den späten Sechzigern und während der Siebziger favorisierte Buddy mehr und mehr die modern klingenden Arrangements, viele von ihnen zeigten seine Hinwendung zum Rock,“ schrieb George T. Simon: „Offensichtlich wollte er den Geschmack des jungen Publikums treffen, und dies tat er durchaus mit Erfolg. Seine Band trat in Rockclubs auf, wo sie tosenden Beifall und oft stehende Ovationen erntete.“
Im Gegensatz zu Don Ellis verzichtete Buddy Rich „auf alle Experimente.“ Nach Ansicht von Joachim Ernst Berendt „feierte seine Bigband die spektakuläre Drum-Ästhetik ihres Leaders in wirkungsvoller Weise. Die Buddy Rich Big Band produzierte Show Business im konventionellen Sinne, aber sie tat das so professionell und mitreißend, dass durchaus auch ein junges Publikum davon angezogen wurde.“Joachim Ernst Berendt, Günther Huesmann: Das Jazzbuch. Fischer TB, Frankfurt am Main 1994. So kam es 1969 zu einem gemeinsamen Auftritt der Bigband mit der englischen Rockband The Who.Tony Fletcher: Dear Boy – Das explosive Leben des Keith Moon. Bosworth, Berlin 2010. mini|hochkant|links|Ernie Wilkins 1976 Zu den Solisten, die Ende der 1960er Jahre im Orchester bei LPs wie Mercy, Mercy (1968) und dem Livemitschnitt Buddy & Soul (1969) mitwirkten, gehörten Richie Cole (Altsaxophon), Pat LaBarbera (Tenorsaxophon) und David Dana bzw. Walt Namuth (Gitarre), 1970 der Altsaxophonist Jim Mosher, Posaunist Rick Stepton und der Trompeter George Zonce.Scott Yanow: Zu seinem Repertoire der Budy Rich Big Band gehörten neben Jazzstandards wie God Bless the Child (1972, mit Joe Romano als Solisten) auch aktuelle Pophits wie Paul Simons Keep the Customer Satisfied, Songs aus der Rockoper Jesus Christ Superstar und der Muppets Show (Bein’ Green), Paul McCartneys Uncle Albert / Admiral Halsey, Stevie Wonders Uptight oder Van Morrisons Song Domino.Scott Yanow: Ende der 1960er Jahre arbeiteten Don Sebesky, in den frühen 1970er Jahren dann u. a. auch Ernie Wilkins, John LaBarbera, Manny Albam, Greg Hopkins und Don Menza (Time Check) als Arrangeure für die Bigband;Scott Yanow:
Nachdem Rich 1974/75 vorübergehend mit kleineren Ensembles in seinem Jazzclub Buddy’s Place in New York aufgetreten war, stellte er erneut eine Bigband-Formation zusammen. Mitte des Jahrzehnts wurde der Funk-Einfluss in der Musik der Band (zunächst mit dem Album Big Band Machine) größer;Michael G. Nastos: voll zum Tragen kam dies 1976 mit der Aufnahme des Albums Speak No Evil (RCA Victor, 1976), das von Richard Evans produziert und arrangiert worden war, dem Hausproduzenten und Arrangeur beim Chess-Sublabel Cadet. Für die Session holte Rich Solisten und Sessionmusiker wie Joe Farrell, Steve Marcus, Dave Tofani, Turk Mauro, Lew Soloff, Jon Faddis, Bob Cranshaw, Ross Traut (der auch Koproduzent war) und Kenny Barron am E-Piano hinzu. Das Programm wechselte zwischen funky orientiertem Bigband-Jazz, anspruchsvoller Popmusik und gefühlvollen Instrumentalnummern, die an Disco grenzten, wie die Natalie Cole/Chuck-Jackson-Nummer Sophisticated Lady [She’s a Different Lady], außerdem Funk-Titel wie Fight the Power von den Isley Brothers, Gino Vannellis Storm at Sunup, Games People Play von The Spinners und dem Son How Long (Betcha Got a Chick), der durch die Pointer Sisters popularisiert wurde.Thom Jurek:
Buddy Rich ging ab Ende der 1970er Jahre mit seinen späteren Bigband-Formationen weltweit auf zahlreiche Tourneen und Festival-Gastspiele (wie auf dem Monterey Jazz FestivalWilliam Minor: Monterey Jazz Festival: Forty Legendary Years. Angel City Press, 1997, S. 162. und dem Festival International de Jazz de Montréal 1982), nahm aber nur noch wenige Alben auf, darunter Buddy Rich Plays and Plays (1977) und Buddy Rich Orchestra (1981).
Die Buddy Rich Big Band trat noch bis 1986 regelmäßig zusammen, kurz vor dem plötzlichen Tod des Bandleaders im April 1987 im Alter von 69 Jahren.Frank Griffith: In: London Jazz News, 2017.
Die Ghost Band und Tribut-Konzerte Bereits ein Jahr nach Buddy Richs Tod unternahm Steve Marcus, der 1976 bis 1987 bei Rich gespielt hatte, einen ersten Anlauf, unter seiner Leitung die Buddy Rich Big Band als Ghost Band zu reaktivieren; im April 1988 trat er mit der Bigband an drei Abenden im New Yorker Jazzclub Blue Note auf.Will Friedwald: Ghost Bands Very Much Alive. In: The New York Times, 1988. Steve Marcus, der 2005 starb, leitete die Buddy Rich Memorial Band für über zehn Jahre, in der Steve Smith den Schlagzeugpart übernahm.Nachruf im Telegraph (2005) In den 2010er Jahren leiteten Richs Tochter Cathy Rich und der Schlagzeuger Gregg Potter die Buddy Rich Band als Ghost Band weiter.Webpräsenz der Buddy Rich Band mini|Neil Peart während eines Schlagzeugsolos im Xcel Energy Center, 2008 1994 erschien auf Atlantic Records das zweiteilige Album Burning for Buddy: A Tribute to the Music of Buddy Rich, das der Rock-Schlagzeuger Neil Peart mit der Buddy Rich Big Band produziert hatte; der Band gehörten u. a. Chuck Bergeron, Chuck Loeb, John Hart, Andy Fusco, Dave D’Angelo, Steve Marcus, Walt Weiskopf, Greg Gisbert, Joe Magnarelli, und Scott Wendholt an. Den Schlagzeugpart übernahmen neben Neal Peart Kenny Aronoff, Bill Bruford, Billy Cobham, Steve Ferrone, Steve Gadd, David Garibaldi, Omar Hakim, Manu Katché, Joe Morello, Simon Phillips, Max Roach, Ed Shaughnessy, Steve Smith, Marvin „Smitty“ Smith und Dave Weckl.The Buddy Rich Big Band: Burning For Buddy – A Tribute to the Music of Buddy Rich. Discogs.