Der Kartäuserritus ist ein Ritus der römisch-katholischen Kirche. Er ist im Kartäuserorden entstanden und sehr mit der eremitischen Lebensweise verbunden. Den meisten Menschen ist er aufgrund der großen Abgeschiedenheit der Mönche unbekannt.
Die ältesten Dokumente über den Ritus stammen aus dem ersten Viertel des 12. Jahrhunderts und sind damit ungefähr vierzig Jahre nach der Gründung der Grande Chartreuse im Jahre 1084 entstanden. Aufgrund der abgeschiedenen Lebensweise ist der Ritus relativ unverändert geblieben.
Geschichte
Ursprünge und Entwicklung Die erste Kartäusergemeinde bestand aus weltlichen Klerikern und Regularkanonikern, darunter zwei aus Saint-Ruf. Keiner der ersten Gefährten war ein Mönch, und der Geist der ersten Gemeinschaft war von den Regeln des heiligen Augustinus von Hippo inspiriert und den Bedürfnissen und der halberemitischen Lebensweise angepasst.
Von der ursprünglichen Liturgie gibt es keine Überlieferungen. Früher ging man davon aus, dass er vom Lyoner Ritus des 12. Jahrhunderts abstammt.Dom Amand Degand: Chartreux, liturgie des. In: Dictionnaire d’Archéologie chrétienne et de liturgie. Nach Untersuchungen der Kartäuser zu Zeiten der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil stammt der Ritus von der Cluseanischen Messe des 11. Jahrhunderts ab und wäre damit der antiken Form des Römischen Ritus ähnlich.Dom Maurice Laporte: Aux sources de la vie cartusienne. t. 5, 1965, S. 253-255. Diese Aussagen sind aber immer noch im wissenschaftlichen Diskurs.
Um der einfachen Lebensweise treu zu bleiben, wurde auch die heilige Messe in aller Einfachheit gefeiert. Bis in das 13. Jahrhundert wurde an gewöhnlichen Tagen die Messe mit nur einer Kerze gefeiert. Auch die liturgische Kleidung war einfach. Gold war verboten, außer für die heiligen Gefäße wie Patene und Kelch.
Es ist auch bekannt, dass außerhalb der Fastenzeit die Messe nicht täglich gefeiert wurde. Lange Zeit gab es in den Klosterkirchen nur einen Altar. Wie viele Priester es gab, kann nicht mehr festgestellt werden. Es gilt aber als sicher, dass es in den Gemeinschaft ein Bedürfnis gab, alle Kartäuser die Priesterweihe empfangen zu lassen. Im 13. Jahrhundert standen die Kartäuser im Ruf, die Messe relativ selten zu feiern. Heute sind sie unter den Gemeinschaften, welche die Messe nach den Grundsätzen des Zweiten Vatikanischen Konzils angepasst haben, die einzige, bei denen jeder Priester, zusätzlich zur Gemeindemesse, allein oder mit einem Messdiener die Messe nochmals zelebriert.
Bei Untersuchungen des AntiphonaleHansjakob Becker: Die Responsorien des Kartäuserbreviers. Untersuchungen zu Urform und Herkunft des Antiphonars der Kartause, 1971. zeigte sich, dass zuerst eine Stundenliturgie mit neun Lesungen praktiziert wurde, welche von Saint-Ruf, Grenoble und Lyon beeinflusst war.
In einem zweiten Schritt übernahmen die Kartäuser das Stundengebet der Benediktiner komplett. Den entscheidenden Schritt hierzu unternahm Guigo I., der fünfte Prior der Großen Kartause und Verfasser der Regeln, um 1124. Guigo I. revidierte das Antiphonale.
Im Laufe der Jahrhunderte haben die Kartäusergemeinschaften die Liturgie an ihr einsames und kontemplatives Leben angepasst. Als Papst Pius V. 1570 in der Bulle Quo Primum den Ritus Romanus für die gesamte Kirche einführte, war der Kartäuserritus nicht betroffen. Da er seit mehr als 200 Jahren unverändert war, konnten die Kartäuser somit ihr liturgisches Erbe erhalten.
Änderungen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1980–2008) Im Einvernehmen mit dem Heiligen Stuhl entschieden die Kartäuser zur Zeit der Reform des Römischen Ritus ihren Ritus zu erhalten, da er an ihr Leben in der Einsamkeit ohne pastorale Aufgaben besser angepasst ist. Trotzdem überarbeiteten sie die liturgischen Bücher und übernahmen einige Elemente des reformierten Ritus: Verwendung der Volkssprache, wenn es vom Haus so festgelegt wurde, für die Lesungen, welche immer gesungen werden, die Ansprachen und die Fürbitten Kommunion unter beiderlei Gestalten (sub utraque specie) die neuen Hochgebete neue Präfationen; Ob der Priester versus populum oder versus deum zelebriert, steht den Gemeinschaften ebenfalls frei. Konzelebration, welche aber dem Sonntag und bestimmten festlichen Anlässen vorbehalten ist. Die Anzahl der Gebete der Messe (Tagesgebet, Gabengebet und Schlussgebet) wurde wie im reformierten Ritus auf drei reduziert. Darüber hinaus wurden die Gebetsauswahl durch Übernahmen aus dem römischen Ritus oder Neuschöpfungen bereichert. das Lektionar des Nachtoffiziums neu geordnet. ein neues Tagesoffizium und Brevier in der Volkssprache für das Stundengebet in den Zellen herausgegeben. In dieses wurden auch Hymnen ohne lateinische Entsprechung aufgenommen.
In allen Klöstern des Ordens wurden die liturgischen Räume nach den Vorgaben des Konzils und im Respekt vor dem historischen Erbe umgestaltet. Es wurde zum Beispiel der Altar vom Altarbild getrennt, um das Umschreiten zu ermöglichen. Der Lettner wurden entfernt, soweit es nicht zu Konflikten mit dem Denkmalschutz kam. Künstlerische Schöpfungen des 19. und 20. Jahrhunderts wurden dem Zeitgeist entsprechend entfernt.
Bei der Konventmesse entscheidet der Konvent und bei den Privatmessen der Zelebrant, ob in der traditionellen oder der reformierten Form zelebriert wird.
Bisher wurde die Revision der liturgischen Bücher vom Heiligen Stuhl noch nicht offiziell bestätigt (recognitio). Seit 1998 werden die Gesangsbücher nach den Erkenntnissen der gregorianischen Musikwissenschaften überarbeitet.
In den Jahren 2004 und 2005 wurde eine Kommission eingerichtet, die mit Sachverständigen von außen die Kartäuserliturgie mit der nachkonziliaren Liturgie vereinbaren und die Bestätigung vom Heiligen Stuhl erhalten soll. In diesem Zusammenhang wurde die Liturgie der Osternacht mit dem Segnen des Osterfeuers und der Osterkerze in den Ritus aufgenommen. Diese war im antiken römischen Ritus ebenfalls nicht vorhanden.
Merkmal Entgegen den Erwartungen über die Liturgie der Kartäuser hat sie keine besonders langen Schweigeminuten. Sie zeichnet sich aber durch nicht vorhandene Eile, Meditation, die Vielfalt der Gesten und ihrem Geist aus.
Die Rezitation des Kanons durch den Priester erfolgt im Stillen. Er breitet dabei seine Arme waagrecht aus und sein Körper bildet somit ein Kreuz. Dies war in mehreren Riten im Mittelalter üblich. Die Stille vor den einzelnen Horen des Breviers ist wie in fast allen Riten der lateinischen Kirche vorgeschrieben.
Im Gegensatz zum heutigen römischen Ritus zeichnet er sich durch größere Nüchternheit der äußeren Form und der Meditation und den Sinn für das Heilige und die Anbetung aus. Während der Wandlung begeben sich die Mönche in die Prostratio. Nach der Messe praktizieren sie so ihre Danksagung. Durch die Stille haben sie anderes Verständnis vom Gebet. Aktuell ist es üblich, dass jeder Priestermönch die Messe, zusätzlich zur Konventmesse, im Stillen feiert. Die Kommunion wird regelmäßig jede Woche empfangen, teilweise auch täglich.
Prozessionen sind bei den Kartäusern, abgesehen von Fronleichnam, nicht üblich. Abgesehen von der Prozession mit dem Novizen bei der Einkleidung vom Kapitelsaal zur Zelle und eines Toten von der Zelle zur Kirche und von der Kirche zum Friedhof kennt das Kartäuserleben keine regelmäßigen Prozessionen, die die Kirche verlassen. Die Palmzweige in der Palmsonntags-Liturgie und die Kerzen an Darstellung des Herrn werden einfach in der Gemeinschaft verteilt.
Liturgischer Kalender Der Liturgische Kalender der Kartäuser enthält im Vergleich zu anderen Riten eine relativ kleine Zahl an Festen und Heiligen. Zwischen den Häusern gibt es nur wenige Unterschiede wie das Gedächtnis der Kirchweihe der Klosterkirche und der Gedenktag des Kirchenpatrons. Vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurden die Feste in folgende Ränge eingeteilt: 1) solemnitas, Hochfest 2) festum candelarum, Fest mit Kerzen: Auf dem Altar brennen vor dem Tabernakel vier Kerzen bei Laudes und Vesper. Das Stundengebet wird komplett in der Kirche gefeiert. 3) festum capituli, Kapitelfest: Der Tag wird als Sonntag begangen. An diesem Tag wird ein Kapitel abgehalten. 4) dominicae, Sonntage: 12 Lesungen in der Matutin, das Stundengebet wird gemeinsam gebetet, das Essen wird gemeinsam eingenommen und die Rekreation findet statt. 5) XII lectiones: 12 Lesungen in der Matutin, aber Reflexion und die kleinen Horen in der Zelle. gewöhnliche Tage: 6) tres lectiones: 3 Lesungen in der Matutin 7) feriae: gewöhnliche Tage Ränge der Feste nach dem Konzil festum candelarum und festum capituliwurden zugunsten von solemnitasund XII lectiones abgeschafft. 1) solemnitas, Hochfest 2) dominicae, Sonntage: 12 Lesungen in der Matutin, alle Stundengebete gemeinsam, Reflexion, Kapitel und Rekreation. 3) XII lectiones 12 Lesungen: 12 Lesungen in der Matutin, Reflexion und kleine Horen in der Zelle 4) tres lectiones: 3 Lesungen in der Matutin 5) memoriae, Gedenktage: einfaches Gedenken in der Konventmesse und im Tagesgebet in Laudes und Vesper 6) feriae, gewöhnliche Tage Heilige: 26. Juni (1325): Weihe der Kirche Notre-Dame de Vauvert de Paris 3. Oktober (vor 1325): Weihe der ersten Kirche von Vauvert 6. Oktober (seit 1515): Heiliger Bruno, Beichtvater, 12 Lesungen 8. November: Gedenken der Reliquie 9. November: Gedenken an die verstorbenen Brüder und Schwestern des Ordens Heiliger Hugo von Grenoble, Mitgründer des Orden Heiliger Hugo von Lincoln, Kartäuser Heilige Roseline de Villeneuve Seliger Nicolas Albergati Märtyrer der Kartäuser von London
Textliche Besonderheiten Die Liturgie der Kartäuser hat sich bis heute einige textliche Besonderheiten bewahrt. Eine Auswahl: Salve Regina: Salve, regina MISERICORDIAE, VITAE dulcedo et spes nostra, salve. Ad te clamamus, exsules filii Evae. Ad te suspiramus, gementes et flentes in hac lacrimarum valle. Eia ergo advocata nostra, illos tuos misericordes oculos ad nos converte. Et Jesum benedictum fructum ventris tui nobis, post hoc exilium ostende BENIGNUM. O clemens, O pia, O dulcis MARIA (wird jeden Tag am Ende der Vesper rezitiert). Gloria der Messe: propter gloriam tuam magnam statt propter magnam gloriam tuam. Credo der Messe: et vitam FUTURI saeculi statt et vitam venturi saeculi Confiteor der Messe: Confiteor Deo et BEATAE MARIAE ET omnibus sanctis et vobis fratres quia peccavi nimis mea culpa PER SUPERBIAM, cogitatione, LOCUTIONE, opere et omissione. Precor VOS ORARE PRO ME. Lavabo der Messe: Vom Priester wird gebetet: „Gedenke deines Erbarmens, HERR, und der Taten deiner Gnade; denn sie bestehen seit Ewigkeit!“ ‚Orate fratres‘ der Messe: Die Sammlung wird mit „Orate fratres“, begonnen und dann mit einem stillen Gebet der Gemeinde beantwortet. Die Akklamation Mysterium fidei nach der Wandlung unterbleibt, der Kanon setzt sich ohne Unterbrechung direkt nach der Wandlung fort. Abschluss der Messe: Der Priester gibt keinen Segen. In der Konventmesse singt der Diakon oder der Akolyth V/ „Benedicamus Domino (Halleluja Halleluja)“ R/„Deo gratias (Halleluja Halleluja)“.
Kartäusermesse Vor oder nach der täglichen Konventmesse feiert jeder Priestermönch die Messe mit einem Novizen, einem Mönch mit zeitlicher Profess oder einem Laienbruder, je nach Frömmigkeit des Einzelnen und dessen Verfügbarkeit.
Konventmesse Der Kartäuserritus ist sehr nüchtern. Er unterscheidet sich in vielen Dingen vom jetzigen römischen Ritus.