mini|Dorfkirche Briesen (Spreewald) Die evangelische Dorfkirche Briesen ist eine spätgotische Backsteinkirche in Briesen im Spreewald im Landkreis Spree-Neiße in Brandenburg. Sie gehört zur Kirchengemeinde Briesen-FehrowEv. Kirchengemeinde Briesen-Fehrow. Kirchenkreis Cottbus, abgerufen am 8. März 2025. im Kirchenkreis Cottbus der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Besondere Erwähnung verdienen die in seltener Qualität und Vollständigkeit erhaltenen Wandmalereien im Innern der Kirche, die nach Anmeldung besichtigt werden können.

Geschichte und Architektur mini|Ansicht von Süden mini|Vorhalle von Süden mini|hochkant|Gemauertes Rautenmuster auf der Südseite Die Dorfkirche Briesen wurde im dritten Viertel des 15. Jahrhunderts als rechteckiger Backsteinbau errichtet. Dendrochronologische Untersuchungen des mittelalterlichen Dachwerks ergaben Fälldaten der verbauten Hölzer zwischen 1466 und 1469, sodass die Kirche um 1470 bereits eingedeckt gewesen sein dürfte. Besondere Aufmerksamkeit verdient das sorgfältig ausgeführte Backsteinmauerwerk. Zur Auflockerung der Wandflächen wurden dunkel gebrannte Backsteinköpfe zu einem regelmäßigen Rautenmuster angeordnet. Während die Nordwand nahezu geschlossen blieb und lediglich einen kleinen Lichtschlitz erhielt, haben sich an den übrigen Seiten die ursprünglichen Fensteröffnungen erhalten. Auch die spätgotischen, mit Formsteinen gestuften Portalgewände an der Süd- und Westwand stammen noch aus der Bauzeit.Dirk Schumann: Backstein, Feldstein und Raseneisenstein. Überlegungen zum ländlichen Kirchenbau der Niederlausitz anhand ausgewählter Beispiele In: Annegret Gehrmann/Dirk Schumann (Hrsg.): Dorfkirchen in der Niederlausitz: Geschichte – Architektur – Denkmalpflege (= Band 6 der Reihe Kirchen im ländlichen Raum), Lukas Verlag, Berlin 2010 S. 81 Der Giebel wurde als Staffelgiebel ausgebildet, der aus jeweils zwei verputzten spitzbogigen Blenden gebildet ist, die von kräftigen Wülsten mit tauartigen Stäben aus Formsteinen gerahmt werden. Nach bauhistorischen Untersuchungen entstand der repräsentative Ostgiebel vermutlich erst nach Fertigstellung des Dachwerks und wurde kurz vor der Ausmalung der Kirche im Jahr 1486 vollendet. Im Süden ist eine spätgotische Vorhalle mit Tonnengewölbe und einem ähnlichen Staffelgiebel angebaut, der teilweise rekonstruiert wurde. An der Nordwand befindet sich eine vermauerte Pforte, die nach bauhistorischen Untersuchungen vermutlich als Zugang zu einem geplanten Sakristeianbau vorgesehen war. Da die Öffnung bereits vor der Ausführung der Wandmalereien von 1486 wieder zugesetzt wurde, kam dieser Anbau offenbar niemals zur Ausführung.

Im Jahr 1804 wurde ein schiefergedeckter Dachturm mit Haube aufgesetzt. Im Westen wurde eine weitere Vorhalle im späten 19. Jahrhundert angebaut. Die Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg am Dachreiter und am Tonnengewölbe beschädigt. Bedingt durch Einschusslöcher und das nachfolgende Auswechseln der Bretter ging die Deckenbemalung fast gänzlich verloren.Götz Eckardt (Hrsg.): Schicksale deutscher Baudenkmale im Zweiten Weltkrieg. Band 1. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1980, S. 201.

Im Innern ist das Bauwerk mit einem hölzernen Flachgewölbe abgeschlossen; der Westteil ist mit einer Flachdecke gedeckt. Mehrere Baumerkmale weisen auf eine bereits im Mittelalter bestehende funktionale Zweiteilung des Kirchenraumes hin. Der östliche Bereich, der etwas größer als der westliche Teil angelegt wurde, ist durch die hölzerne Tonne sowie durch eine besondere Blendengliederung hervorgehoben. Ursprünglich führten zwei dicht nebeneinanderliegende Portale in der Südwand in die beiden Raumabschnitte; eines davon wurde später vermauert.Dirk Schumann: Backstein, Feldstein und Raseneisenstein. Überlegungen zum ländlichen Kirchenbau der Niederlausitz anhand ausgewählter Beispiele In: Annegret Gehrmann/Dirk Schumann (Hrsg.): Dorfkirchen in der Niederlausitz: Geschichte – Architektur – Denkmalpflege (= Band 6 der Reihe Kirchen im ländlichen Raum), Lukas Verlag, Berlin 2010 S. 82 An der Ost-, Nord- und Südwand sind Nischen eingelassen, die in vorreformatorischer Zeit zur Aufbewahrung von Reliquien, Heiligenfiguren oder Altären genutzt wurden. Im Jahr 1965 wurde eine dreiseitige Empore eingebaut.

An allen vier Wänden haben sich umfangreiche Wandmalereien erhalten, die inschriftlich auf das Jahr 1486 datiert sind. Durch ihre relativ vollständige Erhaltung, die Eigenart des Bildprogramms und durch die hohe Qualität sind sie bemerkenswert. Sie wurden 1954 bis 1958 freigelegt und zeigen die Passion Christi, die Kreuzigung und das fast zerstörte Jüngste Gericht. Weiter zu sehen sind Stifterfiguren, Mönche und junge Männer, deren Deutung aber unsicher ist. Zu den Wandmalereien gehören außerdem drei Stifterwappen an hervorgehobener Stelle der Nordwand. Bislang konnte lediglich eines davon sicher der Familie von Zabeltitz zugeordnet werden. Die Wappen befinden sich an hervorgehobener Stelle der Nordwand am Übergang zwischen dem östlichen und westlichen Raumteil unter einer Darstellung der Verkündigung. Nach Auffassung der Forschung könnten die Wappen auf eine Stiftergemeinschaft mehrerer im Ort ansässiger Adelsfamilien hinweisen. Bei der Freilegung wurde die ehemalige Patronatsloge aus dem Jahr 1673 abgebrochen.

Ausstattung Ein qualitätvoller holzgeschnitzter Altaraufsatz von 1701 stammt aus der Werkstatt Dreißigmark in Muskau. Der zweigeschossige Aufbau mit Weinlaubsäulen ist von Balustern flankiert und mit reichen Akanthuswangen geschmückt. In der Predella zeigt er ein Abendmahlsrelief, im Hauptfeld eine vollplastische Kreuzigungsgruppe und darüber ein Auferstehungsrelief, das mit einem mit Lorbeer umrahmtem Johanniterkreuz bekrönt ist. Die Kanzel stammt nur teilweise aus dem 18. Jahrhundert.

Kunstvolle Totenschilde für Hans Caspar von Klitzing II. († 1709), Hans Caspar von Klitzing III. († 1699) und Carl Philipp von Klitzing († 1717) zeigen die Porträts der Verstorbenen über militärischen Emblemen. Ein vorzügliches Sandsteinrelief des Jost von Schönfeldt († 1630) mit einer lebensgroßen Darstellung des Verstorbenen in einer Rüstung ist ebenfalls zu erwähnen. Vor der Kirche befinden sich die Gräber von Carl Wilhelm († 1817) und Marie Helene von Wackerbarth († 1836). Die Orgel ist ein Werk von Jehmlich aus dem Jahr 1963 mit elf Registern auf zwei Manualen und Pedal.

Literatur Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Brandenburg. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2000, ISBN 3-422-03054-9, S. 150–151. Wolfgang Gericke, Heinrich-Volker Schleiff, Winfried Wendland: Brandenburgische Dorfkirchen. 4. Auflage. Evangelische Verlagsanstalt, Berlin 1985, S. 143. Dirk Schumann: Backstein, Feldstein und Raseneisenstein. Überlegungen zum ländlichen Kirchenbau der Niederlausitz anhand ausgewählter Beispiele. In: Annegret Gehrmann, Dirk Schumann (Hrsg.): Dorfkirchen in der Niederlausitz: Geschichte – Architektur – Denkmalpflege (= Kirchen im ländlichen Raum. Band 6). Lukas Verlag, Berlin 2010, S. 81–85.

Weblinks

Kirchengemeinde Briesen auf der Website des Kirchenkreises Cottbus

Einzelnachweise

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