Die 4. Nordischen Skiweltmeisterschaften wurden vom 3. bis 6. Februar 1927 in Cortina d’Ampezzo in Italien ausgetragen.
Geschichte Die Vergabe der Weltmeisterschaften an Cortina erfolgte im Februar 1926 auf dem IX. FIS-Kongress in Lahti in Finnland.
Die Wettbewerbe hatten bei ihrer Austragung noch nicht den Status von Weltmeisterschaften und wurden von der FIS als Rendezvous-Rennen bezeichnet. In den deutsch- und auch polnischsprachigen Medien wurden sie zumeist mit dem inoffiziellen Titel Europameisterschaften im Skilauf benannt.
Der italienische Skiverband und Cortina wurden zum ersten Mal mit der Ausrichtung eines großen offiziellen FIS-Rennens vertraut. Später fanden im italienischen Kur- und Wintersportort noch die rückwirkend für ungültig erklärten Weltmeisterschaften von 1941 und 1956 die Olympischen Winterspiele statt.
Wettbewerbe Auf dem Programm standen wie schon bei den vorangegangenen internationalen Rendezvous-Rennen von 1926 in Oslo die traditionellen nordischen Skiwettbewerbe im Langlauf, Sprunglauf und der Nordischen Kombination. Neben dem Dauerlauf über 50 km wurde anstelle der in Norwegen ausgetragenen Kurzstrecke über 30 km für Cortina wieder die übliche Länge von 18 km gewählt.
Programm DatumUhrzeit (MST)Wettbewerb Donnerstag, 3. Februar Langlauf 50 km Männer Freitag, 4. Februar Ruhetag Samstag, 5. Februar Speziallanglauf 18 km mit Kombinationslanglauf 18 km Sonntag, 6. Februar vormittags Kombinationssprunglauf nachmittags Spezialsprunglauf Großschanze
Legende Kurze Übersicht zur Bedeutung der Symbolik – so üblicherweise auch in sonstigen Veröffentlichungen verwendet: DSV Deutscher Skiverband ÖSV Österreichischer Skiverband AÖSV Allgemeiner Österreichischer Skiverband HDW Hauptverband Deutscher Wintersportvereine der Tschechoslowakischen Republik SL RČS Verband der Skifahrer der Tschechoslowakischen Republik (Svaz lyžařů Republiky československé)
Teilnehmer International An den FIS-Rennen von 1927 in Cortina d’Ampezzo nahmen mehr als einhundert Athleten von offiziell zwölf (inoffiziell mit dem ÖSV dreizehn) nationalen Skiverbänden aus elf Ländern teil. Die Tschechoslowakei war erneut mit den Skiverbänden der Tschechen (SL RČS) und der Deutschböhmen (HDW) vertreten. Österreichs zu dieser Zeit einziges Mitglied im Internationalen Skiverband war der AÖSV, während der aus der FIS ausgetretene ÖSV zwei seiner Mitglieder über den Deutschen Skiverband melden ließ. Den Großteil der Sportler stellte das Veranstalterland Italien mit vierzig aktiven Teilnehmern.
Europa (12 Verbände)
Teilnehmer aus dem deutschsprachigen Raum Die folgende deutsche Mannschaft reiste am Dienstag, dem 1. Februar 1927 unter der Leitung von Karl Hailer von München aus zu den Skiwettläufen in Italien ab:
Der ebenfalls nominierte Max Kröckel (Thüringen) schied aus nicht bekannten Gründen aus. Allgemein wurde kritisiert, dass zu den Skiwettkämpfen in Cortina nicht die vermeintlich beste Mannschaft nominiert wurde. Gemeint war damit vor allem die fast zur selben Zeit zu den schweizerischen Skimeisterschaften gereiste unter der Führung von Bruno Biehler stehende deutsche Delegation bestehend aus Ludwig Böck (Nesselwang), Walter Glaß (Untersachsenberg), Heinrich Strischek (Schreiberhau), Harald Paumgarten (Graz) und Franz Thannheimer (Oberstdorf).
Die Mannschaft der Schweiz setzte sich zusammen aus Adolf Rubi (Grindelwald), Sepp Schmid, Gérard Vuilleumier (La Chaux-de-Fonds), Hermann Freimann und Ernst Feuz (Mürren).
Der Allgemeine Österreichische Skiverband (AÖSV) hatte Hans Rattay, Engelbert Geyschläger und János Pálffy genannt.
Der Österreichische Skiverband (ÖSV) ließ zwei seiner Sportler durch den DSV melden, da er auf Grund der Unstimmigkeiten über den von ihm eingeführten Arierparagraphen aus dem internationalen Skiverband ausgetreten war.
Der Hauptverband Deutscher Wintersportvereine, kurz HDW entsendete zu den Wettkämpfen ein hochkarätiges Team, dem drei Medaillengewinner aus vorangegangenen Veranstaltungen angehörten, nämlich Franz Donth (Rochlitz an der Iser), Josef Adolf (Petzer) und Willi Dick (Weipert). Dazu kamen noch der aktuelle deutschböhmische Meister Rudolf Burkert (Polaun) und der beste deutschböhmische Skispringer Franz Wende (Freiheit im Aupatal).
Tagung des Internationalen Skiverbandes Anlässlich der Wettläufe in Cortina hielt der Internationale Skiverband eine Tagung ab. Den Vorsitz führte FIS-Präsident Ivar Holmquist aus Schweden. Deutschland war durch Peter Frey aus Frankfurt am Main, die Schweiz durch Karl Dannecker, Italien durch Rava, die Tschechoslowakei durch Josef Schreiner und Frankreich durch Pierre Minelle vertreten.
Als aktuelles Thema stand die Lösung der Frage der Startberechtigung der dem aus der FIS ausgetretenen Österreichischen Skiverband angehörigen und vom Deutschen Skiverband gemeldeten Skisportler an. Nach der gültigen Wettkampfordnung wären diese Athleten von der Veranstaltung auszuschließen gewesen, da die Skiverbände nur für ihre unmittelbaren Staatsangehörigen melden durften. Auf Antrag Italiens einigte sich der Vorstand nach einem regen Meinungsaustausch darauf, aus sportlichen Gründen eine Ausnahme zu machen, betonte aber zugleich, damit keinen Präzedenzfall schaffen zu wollen. Die Ergebnisse der beiden davon betroffenen Skisportler, des Bregenzers Rudolf Neyer und des Innsbruckers Hugo Hörtnagl wurden dafür aber auch für den Deutschen Skiverband gewertet. Nicht davon betroffen waren die Teilnehmer der durch den AÖSV gemeldeten Athleten, da dieser ein offizielles Mitglied der FIS war.
Hauptpunkt auf der Tagesordnung war die Durchbesprechung der bevorstehenden 2. Olympischen Winterspiele in St. Moritz in der Schweiz. Als Verbindungsglied zwischen dem Internationalen Olympischen Komitee und der FIS stellte sich Oberstleutnant Holmquist selbst zur Verfügung. Zudem wurde beschlossen, die oberste Behörde für die Skikonkurrenzen der Spiele aus den Vorstandsmitgliedern der FIS zusammenzusetzen.
Karl Dannecker zeigte die Profilzeichnungen der Langlaufstrecken und der neuen, nochmals abgeänderten Olympiaschanze vor. Beides wurde einstimmig genehmigt.
Dazu wurde das endgültige Programm für die Skikonkurrenzen wie folgt festgelegt: 15. Februar: 50-km-Lauf 17. Februar: 18-km-Lauf 18. Februar: Sprunglauf 19. Februar: Preisverteilung
Der Antrag auf Durchführung der Militärpatrouillenläufe bei den folgenden Winterspielen durch die FIS wurde abgelehnt. Ebenso fand der Antrag auf Zulassung der Abfahrtsläufe für Männer und Frauen mit künstlich eingefügten Hindernissen (= Tore) als Demonstrationswettbewerb keine Zustimmung.
Neu aufgenommen wurde der Skiverband von Spanien, Real Federacion Española Deportes.
Medaillenspiegel + Nationen Platz Nation 20px|Gold 20px|Silber 20px|Bronze 40px|Gesamt 1 3 1 1 5 2 HDW 1 2 2 5 3 SL RČS 0 1 0 1 4 0 0 1 1
+ Sportler Platz Sportler 20px|Gold 20px|Silber 20px|Bronze 40px|Gesamt 1 2 0 0 2 2 1 0 0 1 HDW 1 0 0 1 4 HDW 0 1 0 1 HDW 0 1 0 1 SL RČS 0 1 0 1 7 0 0 1 1 0 0 1 1 HDW 0 0 1 1
Skilanglauf Männer Detaillierte Ergebnisse 18 km Platz Sportler Land Zeit 1 John Lindgren 1:23:55,0 h 2 Franz Donth HDW 1:29:42,0 h 3 Viktor Schneider DSV 1:30:47,0 h 4 John Wikström 1:30:52,0 h 5 Gustav Müller DSV 1:31:00,0 h 6 Ernst Huber DSV 1:31:10,0 h 7 Otakar Německý SL RČS 1:31:21,0 h 8 Daniele Pellissier 1:31:57,0 h 9 Josef Německý SL RČS 1:32:45,0 h 10 Vladimir Novák SL RČS 1:32:51,0 h Datum: Samstag, 5. Februar 1927 Teilnehmer: 77 gestartet, 73 gewertet.
Der 18-km-Lauf fand bei bestem Wetter und günstigen Schneeverhältnissen auf der verkürzten 25-km-Loipe statt die ebenso für den Dauerlauf herangezogen wurde. Nach seinem Sieg im 50-km-Langlauf belegte der Schwede John Lindgren auch in diesem Wettbewerb den ersten Platz und durfte sich im Ziel vom italienischen Kronprinzen Umberto von Savoyen beglückwünschen lassen. Der zweite Rang ging an Franz Donth, der nach dem dritten Platz im Dauerlauf damit seinen zweiten Podestplatz errang.
Für den aktuellen deutschböhmischen Meister Rudolf Burkert lief es nicht ganz so gut, er platzierte sich erst an siebzehnter Stelle. Die deutschen Skiläufer zeigten in Abwesenheit der norwegischen und finnischen Konkurrenten sehr starke Leistungen und feierten mit dem dritten Rang Viktor Schneiders den ersten Podestplatz bei FIS-Rennen. Von den schweizerischen Vertretern kam mit dem Grindelwalder Rubi der beste nur auf Rang neunzehn. Der Innsbrucker Hörtnagl belegte den sehr guten vierzehnten, der Bregenzer Neyer den 36. Platz. Die beiden ÖSV-Läufer zählten aber für den Deutschen Verband. Die Vertreter des AÖSV kamen nicht unter die ersten fünfzig Platzierten.
50 km Platz Sportler Land Zeit 1 John Lindgren 4:11:52,0 h 2 John Wikström 4:29:57,0 h 3 Franz Donth HDW 4:34:54,0 h 4 Matthias Demetz 4:51:54,0 h 5 Hans Theato DSV 4:53:06,0 h 6 Josef Německý SL RČS 4:54:01,0 h 7 Josef Feistauer SL RČS 4:57:04,0 h 8 Ernst Huber DSV 4:59:07,0 h 9 Daniele Pellissier 5:00:38,0 h 10 Antonio Toffoli 5:01:09,0 h Datum: Donnerstag, 3. Februar 1927 Teilnehmer: 34 gestartet, 27 gewertet;
Das Veranstalterland Italien stellte mit neunzehn Skilangläufern das Gros der Teilnehmer. Darunter befanden sich die beiden starken Südtiroler Matthias Demetz und Ferdinand Glück. Aus der Tschechoslowakei kamen vier Bewerber, drei Tschechen und ein Deutschböhme. Ebenso viele Athleten stellte der jugoslawische Skiverband. Aus dem Deutschen Reich kamen drei Teilnehmer, aus Schweden zwei und aus Ungarn und Polen je einer. Österreicher und Schweizer nahmen am Dauerlauf nicht teil.
Mit dem Dauerlauf über 50 km nahmen die Skiwettbewerbe bei kaltem, aber gutem Wetter und guten Schneeverhältnissen ihren Anfang. Die 25 km lange Strecke musste zweimal durchlaufen werden und war so angelegt, dass die Läufer die größten Steigungen jeweils zu Beginn und am Ende jeder Runde bewältigen mussten. Von den Organisatoren wurde ein Limit von sechs Stunden gesetzt, in denen der Lauf beendet werden musste, um gewertet zu werden.
Der schwedische Meister im 30-km-Lauf von 1925, John Lindgren, ging schnell in Führung und durchlief die erste Runde in 1:57:32,0 h. Lindgren vergrößerte den Abstand zu seinen Verfolgern stetig und kam mit achtzehn Minuten Vorsprung auf seinen zweitplatzierten Landsmann John Wikström ins Ziel. Dieser Vorsprung ist bis dato der größte, der je bei Nordischen Skiweltmeisterschaften durch einen Sieger erzielt wurde. Den dritten Platz holte sich mit weiteren sechs Minuten Rückstand der Rochlitzer Franz Donth vor dem Grödner Demetz. Von den deutschen Vertretern erzielten die Münchner Theato und Huber mit einem fünften und einem achten Rang achtbare Resultate.
Skispringen Männer Detaillierte Ergebnisse Sprunglauf K-50 Platz Sportler Land Weite 1 Weite 2 Note 1 Tore Edman 46,5 m 54,0 m 18,420 2 Wilhelm Dick HDW 50,0 m 48,5 m 17,562 3 Bertil Carlsson 44,0 m 51,5 m 17,435 4 Ernst Feuz 48,0 m 48,0 m 16,833 5 Franz Wende HDW 46,0 m 49,0 m 16,763 6 Vitale Venzi 49,5 m 49,0 m 16,527 7 Sepp Schmid 44,5 m 48,0 m 16,520 8 Rudolf Neyer ÖSV 46,5 m 48,0 m 16,145 9 Erich Recknagel DSV 38,5 m 49,0 m 15,562 10 Luciano Zampatti 38,5 m 49,0 m 15,104 Datum: Sonntag, 6. Februar 1927 Teilnehmer: 36 gewertet Sprunganlage: Franchetti-Schanze (K-50)
Der Sprunglauf bildete am Sonntagnachmittag den Abschluss der Weltmeisterschaften. Die neue schattig in einem Lärchenwald gelegene Franchetti-Schanze in Zuel wurde nach Plänen des Münchner Ing. Wörner, dem Sportwart des Bayerischen Skiverbandes gebaut und gefiel allgemein sehr gut.
Durch die Nichtteilnahme der Norweger samt dem Titelverteidiger Jacob Tullin Thams und der Finnen avancierten die Schweden zu den Favoriten auf die vorderen Plätze. So zeigte der Sieger Edman, mit 54 Metern auch den weitesten gestandenen Sprung des Tages. Auf Rang zwei folgte Willi Dick, Platz drei ging an Bertil Carlsson.