Die Reihe IIIc5 701–721 waren Stütztenderlokomotiven mit drei Kuppelachsen für Adhäsions- und Zahnradantrieb in Bosnischer Spurweite, beschafft von den Bosnisch-Herzegowinischen Staatsbahnen (BHStB). Ihre Nachfolgerinnen, die Bosnisch-Herzegowinischen Landesbahnen (BHLB) und die Eisenbahnen des Königreichs Serbien, Kroatien und Slowenien (SHS) stellten weitere 17 Maschinen der Baureihe in Dienst. Bei den Jugoslawischen Eisenbahnen (JDŽ, später JŽ) wurde die Serie als Baureihe 97 bezeichnet.
Sie ist mit 38 Exemplaren eine der in größter Stückzahl gebauten Zahnradlokomotiven der Welt, die italienische Klasse R.370 wurde mit 48 Stück aber noch zahlreicher gebaut.
Geschichte 1891 nahm die Bosnisch-Herzegowinische Staatsbahn (BHStB) mit der Narentabahn über den Ivanpass ihre erste Zahnradbahn in Betrieb. Die Zugförderung auf der Zahnradstrecke übernahmen acht Lokomotiven der Baureihe IIIb4, die auf 60 ‰ Steigung eine Anhängelast von 60 Tonnen befördern konnten. Weil die BHStB anlässlich der Inbetriebnahme der Strecke von Travnik über den Komarpass nach Donji Vakuf im Jahr 1894 weitere Zahnradlokomotiven benötigte, wurden die IIIb4 zur leistungsstärkeren Reihe IIIc5 mit vergrößertem Kessel und zweiachsigem Stütztender weiterentwickelt. Die Nassdampflokomotiven wurden ebenfalls von der Wiener Lokomotivfabrik Floridsdorf geliefert, welche die Lizenz des Zahnradbahn-Systems Abt für das Gebiet der damaligen Österreichisch-Ungarischen Monarchie besaß.
Die Maschinen konnten auf einer Steigung von 60 ‰ eine Anhängelast von 80 bis 90 Tonnen bei 8 bis 9 km/h befördern und entwickelten dabei eine Leistung von mehr als 300 PS. Züge mit bis zu 240 Tonnen Wagengewicht wurden mit einer Zuglokomotive und zwei Schiebelokomotiven befördert. Die älteren Lokomotiven der Reihe IIIb4 wurden an die Zahnradbahn über den Komarpass abgegeben. Da sich die 1906 gelieferten Malletlokomotiven IIIc5 751–752 nicht bewährten und auch keine nutzbare Mehrleistung brachten, wurden von 1908 bis 1919 weitere 21 Lokomotiven der Reihe IIIc5 701–721 geliefert.
Bei den Jugoslawischen Eisenbahnen (JDŽ, später JŽ) erhielten die Stütztenderlokomotiven die Nummern 97-001 bis 97-038. Sie führten bis zur Umspurung der Strecke Sarajevo–Ploče im Jahr 1966 und der Betriebseinstellung über dem Komarpass 1975 die Hauptlast des Verkehrs der beiden Zahnradbahnen, lediglich die Dieseltriebwagen der Reihen 488 (später 801) und 802 verkehrten ohne Unterstützung über die Zahnstangenabschnitte. In den letzten Betriebsjahren am Komarpass kamen dort auch die Diesellokomotiven der Reihe 740 unterstützend zum Einsatz.
Technische Merkmale Die Reihe IIIc5 ist als Weiterentwicklung der IIIb4 konstruktiv stark an ihre Vorgängerin angelehnt, der Kessel und das Zahnradtriebwerk wurden zur Leistungssteigerung um etwa 50 bis 80 PS aber entsprechend vergrößert und verstärkt. Durch die Verlagerung der größeren Wasservorräte auf den nun zweiachsigen Stütztender erhöhte sich das Gewicht der eigentlichen Lokomotive aber nur wenig.
Die schmale Bosnische Spurweite machte bei beiden Typen die Verwendung eines Außenrahmens notwendig, in dem die drei gekuppelten Treibachsen gelagert sind. Wie bei den von der Lokomotivfabrik Floridsdorf stammenden Zahnradlokomotiven üblich, ist der Zahnradantrieb als Innentriebwerk innerhalb des Lokomotivrahmens ausgebildet. Sowohl die außenliegende Steuerung für den Adhäsionsantrieb als auch diejenige für den Zahnradantrieb waren nach dem System Joy ausgeführt.
Bremsen Für eine gefahrlose Talfahrt stehen fünf voneinander unabhängige Bremssysteme zur Verfügung: Eine auf die zweite und dritte Adhäsionssachse wirkende mechanische Bremse, die mit Handkurbel und Spindel im Führerstand angezogen wird Auf die Zahnradachsen wirkende Bandbremsen, die auch mit Handkurbel und Spindel vom Führerstand aus bedient werden Die Gegendruckbremse des Adhäsionstriebwerks Die Gegendruckbremse der Zahnradantriebs, die zusammen mit der Gegendruckbremse des Adhäsionsantriebs als verschleißfreie Betriebsbremse dient Die auf den Stütztender und die angehängten Wagen wirkende Vakuumbremse
Optimierung Die vielen weiteren Baulose erhielten zahlreiche kleine Abänderungen und Verbesserungen: Der Zahnradrahmen wurde durch höhere Barren verstärkt Von der zweiten Lieferung an wurde die Rostfläche auf 1,58 m² verringert Ab der dritten Teilserie wurde die Kühlwassermenge der Gegendruckbremsen von 0,4 auf 0,55 m³ erhöht Die letzte Lieferung erhielt Abdampfvorwärmer Bauart Knorr Einige Lokomotiven hatten zeitweise eine Blauölfeuerung System Holden, um die Luftverhältnisse in den Tunnels zu verbessern Durch die Änderungen veränderte sich auch das Leergewicht, bei den ersten Lokomotiven betrug es noch 27,2 Tonnen, bei der letzten Teilserie dann 29,09 Tonnen.
Die folgenden Bilder illustrieren die Konstruktion der Baureihe IIIc5 701–721:
Erhaltene Exemplare
Lokomotivliste Erhaltene Lokomotiven sind hervorgehoben
Hersteller Fabriks-Nummer Baujahr BHStB-Nr.bis 1908 BHLB-Nr.bis 1918 SHS-Nr.bis 1933 JDŽ-Nr.ab 1933 ausgemustert Verbleib Anmerkung Floridsdorf9131894IIIc5 701IIIc5 701IIIc5 70197-001914IIIc5 702IIIc5 702IIIc5 70297-0029571895IIIc5 703IIIc5 703IIIc5 70397-003958IIIc5 704IIIc5 704IIIc5 70497-00410011896IIIc5 705IIIc5 705IIIc5 70597-0051033IIIc5 706IIIc5 706IIIc5 70697-0061034IIIc5 707IIIc5 707IIIc5 70797-00713351900IIIc5 708IIIc5 708IIIc5 70897-0081336IIIc5 709IIIc5 709IIIc5 70997-0091342IIIc5 710IIIc5 710IIIc5 71097-0101431IIIc5 711IIIc5 711IIIc5 71197-0111432IIIc5 712IIIc5 712IIIc5 71297-01214651901IIIc5 713IIIc5 713IIIc5 71397-0131466IIIc5 714IIIc5 714IIIc5 71497-0141467IIIc5 715IIIc5 715IIIc5 71597-01515621904IIIc5 716IIIc5 716IIIc5 71697-01619501563IIIc5 717IIIc5 717IIIc5 71797-017195018021908IIIc5 718IIIc5 718IIIc5 71897-0181803IIIc5 719IIIc5 719IIIc5 71997-019Lokwelt Freilassing (Eig. Deutsches Museum)Denkmal1804IIIc5 720IIIc5 720IIIc5 72097-0201805IIIc5 721IIIc5 721IIIc5 72197-02120201911IIIc5 722IIIc5 72297-0222021IIIc5 723IIIc5 72397-02319502087IIIc5 724IIIc5 72497-02420881912IIIc5 725IIIc5 72597-02521471913IIIc5 726IIIc5 72697-02619502148IIIc5 727IIIc5 72797-02721491913IIIc5 728IIIc5 72897-028Eisenbahnmuseum LjubljanaDenkmal21881914IIIc5 729IIIc5 72997-029Frojach (bei Club 760, Eig. TM Wien)Denkmal21891914IIIc5 730IIIc5 73097-03022521915IIIc5 731IIIc5 73197-0312253IIIc5 732IIIc5 73297-0322254IIIc5 733IIIc5 73397-0332255IIIc5 734IIIc5 73497-03425551919IIIc5 73597-0352556IIIc5 73697-036Denkmal TravnikDenkmal2557IIIc5 73797-0372558IIIc5 73897-038 +BahngesellschaftZeitraumBHStBBosnisch-Herzegowinische Staatsbahn1884 bis 1895BHStBBosnisch-Herzegowinische Staatsbahnen1895 bis 1908BHLBBosnisch-Herzegowinische Landesbahnen1908 bis 1918SHSŽeleznice Kraljevine Srba, Hrvata i Slovenaca1918 bis 1929JDŽJugoslovenske Državne Železnice1929 bis 1954HDŽHrvatske Državne Železnice1941 bis 1945JŽJugoslovenske Železnice1954 bis 1991 Die Umzeichnung von SHS auf JDŽ fand erst 1933 statt.
Siehe auch Liste in Bosnien und Herzegowina vorhandener Dampflokomotiven Liste in Deutschland vorhandener Dampflokomotiven Liste in Österreich vorhandener Dampflokomotiven Liste in Slowenien vorhandener Dampflokomotiven Standorte der Denkmallokomotiven
Literatur
Arthur Meyer, Josef Pospichal: Zahnradbahnlokomotiven aus Floridsdorf. Verlag bahnmedien.at, Wien 2012, ISBN 978-3-9503304-0-3. Tadej Brate: Slovenske muzejske lokomotive. Slowenische Museumslokomotiven. Verlag mladinska knjiga, 2004, ISBN 86-11-16904-2, S. 38 (slowenisch).
Weblinks
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