Dieser Artikel behandelt die deutsche Fußballnationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2018. Die Auswahlmannschaft des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nahm zum neunzehnten Mal an der Endrunde und zum vierten Mal als Titelverteidiger teil. Anders als nach den Titelgewinnen 1954, 1974 und 1990 musste sich Deutschland, wie alle anderen Mannschaften mit Ausnahme des Gastgebers, auch für die WM qualifizieren. Dies gelang erstmals mit zehn Siegen in zehn Spielen und 43:4 Toren. Nach sechs Qualifikationsspielen gewann Deutschland zudem den als Generalprobe für die WM-Organisatoren geltenden Confed-Cup in Russland. Erstmals schied Deutschland bereits in der Gruppenphase aus, wie zuvor die ebenfalls amtierenden Weltmeister Italien (1950), Brasilien (1966), Frankreich (2002), Italien (2010) und Spanien (2014) und fiel dadurch in der FIFA-Weltrangliste von Platz 1 auf Platz 15.
Qualifikation Die Mannschaft qualifizierte sich über die Qualifikationsspiele des europäischen Fußballverbandes UEFA für die Weltmeisterschaft in Russland.
Spiele Deutschland traf in der Gruppe C auf Nordirland, Tschechien, Norwegen, Aserbaidschan und San Marino. In den zehn daraus entstandenen Begegnungen trug die deutsche Mannschaft zehn Siege davon, was ihr zuvor in einer WM-Qualifikation noch nicht gelungen war. Lediglich in den Qualifikationen für die Weltmeisterschaften 1982, 1962, 1938 und 1934 war Deutschland ohne Punktverlust geblieben, musste da aber nur acht, vier, drei bzw. ein Spiel austragen. In der Qualifikation für die EM 2012 hatte Deutschland aber schon einmal zehn von zehn Spielen gewonnen.
Mit 43:4 Toren hatte Deutschland die beste Tordifferenz und der Abstand zum Gruppenzweiten Nordirland war mit 11 Punkten der größte aller Qualifikationsgruppen. Lediglich Belgien erreichte die gleiche Torquote von 4,3 Toren pro Spiel, kassierte aber zwei Gegentore mehr. Insgesamt mehr Tore schossen nur einige Mannschaften in Asien, die aber 18 Spiele austrugen.
Insgesamt setzte Bundestrainer Joachim Löw 37 Spieler ein, wogegen für die Qualifikation zur vorherigen WM nur 23 Spieler zum Einsatz kamen und damit wie Belgien die wenigsten Spieler aller qualifizierten Mannschaften. Nur Joshua Kimmich kam in allen zehn Spielen zum Einsatz und verpasste dabei keine Minute. Auf neun Einsätze kam Thomas Müller, je acht Einsätze hatten Mats Hummels, Julian Draxler und Jonas Hector, der bei den beiden letzten Spielen verletzungsbedingt nicht eingesetzt werden konnte. Ebenfalls verletzungsbedingt kam Torhüter Manuel Neuer, der vier Jahre zuvor noch in allen Spielen über die volle Distanz spielte, diesmal nur auf drei Einsätze in den ersten drei Spielen. Am häufigsten als Torhüter eingesetzt wurde Marc-André ter Stegen, der es auf fünf Einsätze brachte. Zweimal wurde das Tor von Bernd Leno gehütet. Ihren ersten Länderspieleinsatz hatten in einem Qualifikationsspiel Benjamin Henrichs und Serge Gnabry am 11. November 2016 sowie Diego Demme am 10. Juni 2017 jeweils gegen San Marino.
Beste Torschützen waren Thomas Müller und Sandro Wagner, die je fünf Tore erzielten. Dabei erzielte Müller seine Tore in den ersten fünf und Wagner in den letzten fünf Spielen, in denen er aber nur dreimal eingesetzt wurde. Insgesamt steuerten 21 Spieler mindestens ein Tor bei, hinzu kam ein Eigentor eines Spielers von San Marino. Keine andere qualifizierte Mannschaft hatte mehr verschiedene Torschützen, mit 16 Torschützen belegt Mexiko den zweiten Platz. Und auch bezogen auf die Anzahl der eingesetzten Spieler liegt die deutsche Mannschaft vorne: nur in der deutschen Mannschaft trafen mehr als die Hälfte der eingesetzten Spieler ins Tor (56,8 %).
DatumSpielortGastgeber GastErgebnisTorschützen für Deutschland Oslo Norwegen – Deutschland 0:3 (0:2) Müller (2), Kimmich Hamburg Deutschland – Tschechien 3:0 (1:0) Müller (2), Kroos Hannover Deutschland – Nordirland 2:0 (2:0) Draxler, Khedira Serravalle San Marino – Deutschland 0:8 (0:3) Gnabry (3), Hector (2), Khedira, Volland, Eigentor Stefanelli Baku Aserbaidschan – Deutschland 1:4 (1:3) Schürrle (2), Müller, Gómez Nürnberg Deutschland – San Marino 7:0 (4:0) Wagner (3), Draxler, Mustafi, Brandt, Younes Prag Tschechien – Deutschland 1:2 (0:1) Werner, Hummels Stuttgart Deutschland – Norwegen 6:0 (4:0) Werner (2), Draxler, Goretzka, Gómez, Özil Belfast Nordirland – Deutschland 1:3 (0:2) Kimmich, Rudy, Wagner Kaiserslautern Deutschland – Aserbaidschan 5:1 (1:1) Goretzka (2), Can, Rüdiger, Wagner
Abschlusstabelle
Vorbereitung Noch bevor die Qualifikation feststand, wurden erste Termine für Testspiele im November 2017 und März 2018 festgelegt, wobei mit den Gegnern der Novemberspiele erst eine Vereinbarung getroffen werden konnte, als sich auch diese direkt qualifiziert hatten und nicht den Umweg über die Playoffs der Gruppenzweiten gehen mussten. Am 15. Dezember wurde dann als weiteres Testspiel das Spiel im Juni gegen Österreich bekannt gegeben. Ein weiteres Spiel sollte danach noch in Deutschland stattfinden (Gegner war Saudi-Arabien). Die eigentliche WM-Vorbereitung begann am 23. Mai mit dem Trainingslager in Eppan, Südtirol. Zwischen dem 27. und 31. Mai fanden spezielle Trainingseinheiten mit der U 20-Nationalmannschaft statt. Am 12. Juni flog die Mannschaft von Frankfurt am Main nach Moskau und bezog ihr WM-Quartier in Watutinki.www.dfb.de: Kurze Wege: Die ‚Mannschaft‘ bezieht WM-Quartier nahe Moskau
Spiele Datum Ergebnis Gegner Austragungsort Torschützen für Deutschland 10. November 2017 0:0 London 14. November 2017 2:2 Köln Timo Werner (56.), Lars Stindl (90.+3) 23. März 20181:1 Düsseldorf Thomas Müller (35.) 27. März 2018 0:1 Berlin 2. Juni 2018 1:2 Klagenfurt Mesut Özil (11.) 8. Juni 2018 2:1 Leverkusen Timo Werner (8.), Omar Hawsawi (43./Eigentor)
Anmerkung: Kursiv gesetzte Mannschaften sind nicht für die WM qualifiziert.
Quartier Teamquartier war der „Watutinki Hotel Spa Complex“ () in Moskau-Watutinki (Verwaltungsbezirk Nowomoskowski), wo die Mannschaft im nahe gelegenen Trainingszentrum von ZSKA Moskau trainieren konnte. (engl.)
Kader mini|Die Mannschaft im Spiel gegen Südkorea. Die Tabelle nennt die Spieler, die im Kader für die WM 2018 standen. Er wurde am 4. Juni auf einer Pressekonferenz vorgestellt und umfasste 23 Spieler.www.dfb.de: Finaler WM-Kader: Löw streicht Leno, Tah, Sané und Petersen Aus dem vorläufigen Kader wurden Bernd Leno (Tor), Jonathan Tah, Leroy Sané und Nils Petersen gestrichen. Aus dem erfolgreichen WM-Kader von 2014 waren noch neun Spieler dabei. 13 Spieler nahmen am gewonnenen FIFA-Konföderationen-Pokal 2017 teil, darunter zwei Spieler (Julian Draxler und Matthias Ginter), die in beiden Kadern standen.
PositionPositionen gemäß Angaben des DFB Nr. NameMit „*“ markierte Spieler standen im Kader für den Confed-Cup 2017, „(*)“ = ohne Einsatz VereinD = Meister und Pokalsieger im WM-Jahr (Double), M = Meister im WM-Jahr, P = Pokalsieger im WM-Jahr, C = Sieger der UEFA Champions League 2017/18, ↓ = Absteiger im WM-Jahr Geburts-datum Ein-sätze Tore Debüt LetzterEinsatz WM-Teilnahmen WM-Spiele (vor 2018) WM-Tore (vor 2018) Tor 1 Manuel Neuer 20px|FC Bayern München FC Bayern MünchenM 27.03.1986 76 0 2009 08.06.2018 3 2010, 2014 13 0 22 Marc-André ter Stegen* 20px|FC Barcelona FC BarcelonaD 30.04.1992 20 0 2012 08.06.2018 12 Kevin Trapp(*) 20px|Paris Saint-Germain Paris Saint-GermainD 08.07.1990 3 0 2017 27.03.2018 Abwehr 17 Jérôme Boateng 20px|FC Bayern München FC Bayern MünchenM 03.09.1988 71 1 2009 08.06.2018 2 1 1 2010, 2014 12 0 4 Matthias Ginter* 20px|Borussia Mönchengladbach Borussia Mönchengladbach 19.01.1994 18 0 2014 08.06.2018 2014 0 0 3 Jonas Hector* 20x20px|1. FC Köln 1. FC Köln↓ 27.05.1990 38 3 2014 08.06.2018 2 5 Mats Hummels 20px|FC Bayern München FC Bayern MünchenM 16.12.1988 64 5 2010 08.06.2018 2 1 2014 6 2 18 Joshua Kimmich* 20px|FC Bayern München FC Bayern MünchenM 08.02.1995 29 3 2016 08.06.2018 3 2 Marvin Plattenhardt* 20px|Hertha BSC Hertha BSC 26.01.1992 6 0 2017 27.03.2018 1 16 Antonio Rüdiger* 20px|FC Chelsea FC ChelseaP 03.03.1993 24 1 2014 02.06.2018 1 15 Niklas Süle* 20px|FC Bayern München FC Bayern MünchenM 03.09.1995 11 0 2016 08.06.2018 1 Mittelfeld und Angriff 20 Julian Brandt* 20px|Bayer 04 Leverkusen Bayer 04 Leverkusen 02.05.1996 16 1 2016 08.06.2018 3 7 Julian Draxler* 20px|Paris Saint-Germain Paris Saint-GermainD 20.09.1993 44 6 2012 08.06.2018 2 2014 1 0 23 Mario Gómez 20px|VfB Stuttgart VfB Stuttgart 10.07.1985 75 31 2007 08.06.2018 3 2010 4 0 14 Leon Goretzka* 20px|FC Schalke 04 FC Schalke 04 06.02.1995 15 6 2014 02.06.2018 1 21 İlkay Gündoğan 20px|Manchester City Manchester CityM 24.10.1990 26 4 2011 08.06.2018 1 6 Sami Khedira 15px|Juventus Turin Juventus TurinD 04.04.1987 75 7 2009 08.06.2018 2 2010, 2014 12 2 8 Toni Kroos 20px|Real Madrid Real MadridC 04.01.1990 83 12 2010 08.06.2018 3 1 2010, 2014 11 2 13 Thomas Müller 20px|FC Bayern München FC Bayern MünchenM 13.09.1989 91 38 2010 08.06.2018 3 1 2010, 2014 13 10 10 Mesut Özil 20px|FC Arsenal FC Arsenal 15.10.1988 90 23 2009 02.06.2018 2 2010, 2014 14 2 11 Marco Reus 20px|Borussia Dortmund Borussia Dortmund 31.05.1989 31 9 2011 08.06.2018 3 1 19 Sebastian Rudy* 20px|FC Bayern München FC Bayern MünchenM 28.02.1990 25 1 2014 02.06.2018 1 9 Timo Werner* RB Leipzig 06.03.1996 14 8 2017 08.06.2018 3 Trainerstab Trainer Joachim Löw 03.02.1960 162 2004 2006,Als Co-Trainer 2010, 2014 7/14 Trainer-assistent Thomas Schneider 24.11.1972 2014 Trainer-assistent Marcus Sorg 24.12.1965 2016 Stürmer-trainer Miroslav Klose 09.06.1978 137Als Spieler 71 2016 2002, 2006, 2010, 2014 24 16 Torwart-trainer Andreas Köpke 12.03.1962 59 0 2004 1990, 1994, 1998, 2006, 2010, 2014 5, 21 0 Stand Einsätze und Tore: 8. Juni 2018, nach dem Spiel gegen Saudi-Arabien
Im vorläufigen Kader standen darüber hinaus noch folgende Spieler: Position Name Verein Geburts-datum Ein-sätze Tore Debüt LetzterEinsatz WM-Teilnahmen WM-Spiele (vor 2018) WM-Tore (vor 2018) Tor Bernd Leno* 20px|Bayer 04 Leverkusen Bayer 04 Leverkusen 04.03.1992 6 0 2016 08.10.2017 – – – Abwehr Jonathan Tah 20px|Bayer 04 Leverkusen Bayer 04 Leverkusen 11.02.1996 3 0 2016 15.11.2016 – – – Mittelfeld Leroy Sané 20px|Manchester City Manchester CityM 11.01.1996 12 0 2015 02.06.2018 – – – Angriff Nils Petersen SC Freiburg 06.12.1988 1 0 2018 02.06.2018 – – –
Endrunde Gruppenauslosung
Für die Auslosung der Qualifikationsgruppen am 1. Dezember war Deutschland Topf 1 zugeordnet und konnte daher nicht in eine Gruppe mit Rekordweltmeister Brasilien, Vizeweltmeister Argentinien oder Gastgeber Russland gelost werden. Deutschland traf in der Gruppe F auf Mexiko, Schweden und Südkorea. Auf Schweden traf Deutschland zuvor bei vier WM-Turnieren: 1934 im Viertelfinale (2:1-Sieg), 1958 im Halbfinale (1:3-Niederlage, einzige Pflichtspielniederlage gegen Schweden), 1974 in der zweiten Finalrunde (4:2-Sieg) und 2006 im Achtelfinale (2:0-Sieg). Mexiko war dreimal Gegner: 1978 in der ersten Finalrunde (6:0-Sieg), 1986 im Viertelfinale (0:0 n. V., 4:1-Sieg im Elfmeterschießen) und 1998 im Achtelfinale (2:1-Sieg). Südkorea war zweimal Gegner: 1994 in der Vorrunde (3:2-Sieg) und 2002 im Halbfinale (1:0-Sieg). Beide gehörten auch 1954, der ersten WM-Teilnahme der Südkoreaner, derselben Vorrundengruppe an, spielten aber aufgrund des einmaligen Modus nicht gegeneinander.
Spielorte der Mannschaft waren Moskau, Sotschi und Kasan, in den beiden letzten Orten spielte Deutschland auch 2017 beim FIFA-Konföderationen-Pokal 2017, in Moskau zuvor fünfmal gegen Russland beziehungsweise die Sowjetunion.
Spiele der Gruppenphase / Gruppe F
|colspan="4"| Reus (48.), Kroos (90.+5')
Stimmen zum Ausscheiden
Nachgang und Aufarbeitung des Ausscheidens Die Debatte um die Fotoaufnahmen von Mesut Özil und Ilkay Gündoğan mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdoğan hielt auch nach der WM an und führte letztlich zum Rücktritt Özils aus der Nationalmannschaft.