Oliver Vogt (* 12. Juli 1966 in EssenMateo Kries / Jochen Eisenbrand (Hrsg.): Atlas des Möbeldesigns, 2. Aufl. Vitra Design Museum, Weil am Rhein 2021, ISBN 978-3-931936-98-3, S. 931.) ist ein deutscher Designer. Seit 2006 hat er die Professur für Industriedesign an der Kunsthochschule Kassel inne. Vogts Aktivitäten konzentrieren sich auf die Bereiche des Industriedesigns und des Kuratierens. Seine Themen sind neue Fertigungsverfahren, insbesondere postindustriellen Verfahren wie 3D-Druck und die Weiterentwicklung von Produkten im Hinblick auf eine Markenphilosophie.

Leben Vogt studierte von 1986 bis 1989 Germanistik und Kunst an der Universität Paderborn, u. a. bei Fritz Pasierbsky.Kulturwissenschaften – Pasierbsky (Universität Paderborn) In: uni-paderborn.de, abgerufen am 4. September 2018. 1990 wechselte er an die Hochschule der Künste Berlin, wo er Industriedesign studierte. Währenddessen arbeitete er als freier Autor und Produzent für verschiedene TV-Sender (etwa für WDR, Spiegel TV, Pro7). 1996 schloss Vogt sein Industriedesign-Studium mit dem Thema Netz für Gestaltung, Gestaltung für ein Netz bei Hans Roericht und Egon Chemaitis ab. Von 1992 bis 1993 arbeitete er als freier Designer für die Produktentwicklung Roericht in Ulm. Eines seiner Hauptprojekte dort war die Entwicklung eines Videotelefons und einer Video-Konferenz-Software für die Telekom, das mit einem iF Award ausgezeichnet wurde.

Während seiner Arbeit bei Hans Roericht lernte er Hermann Weizenegger kennen, mit dem er 1993 die Designagentur Vogt und Weizenegger in Berlin gründete. Neben der Tätigkeit im Bereich des Industriedesigns wurden die Arbeiten des Designerduos in verschiedenen Ausstellungen in Museen und Galerien in Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Holland, Italien, Japan und den USA gezeigt. Vogt und Weizenegger produzierten den ersten 3D-gedruckten Stuhl, den „Sinterchair“, der 2002 live auf der Messe Ambiente in Frankfurt produziert wurde. Bekanntheit erlangte das Duo außerdem mit dem Projekt „Blaupause“ (1993), einer Serie von Selbstbau-Möbeln. Nutzer erwarben mit dem Bauplan gleichzeitig die Lizenz zum Nachbau der Möbel.

Seit 2006 ist Oliver Vogt Professur für Industriedesign an der Kunsthochschule Kassel. Er war außerdem Gastdozent an der HGKZ Zürich (jetzt ZHDK), an der Universität Lund, Schweden, und an der CEDIM, Monterrey, Mexiko. Er lebt in Berlin und Kassel.

Ideen und Konzepte Vogts Rolle in der Agentur Vogt und Weizenegger war insbesondere die Verschriftlichung von Ideen, Konzepten und Utopien, die den Aktivitäten von V+W zugrunde lagen. Im Zusammenhang mit dem Projekt Sinterchair entwarf Vogt 2001 ein Manifest für die Fabrik der Zukunft, das wesentliche Gedanken einer postindustriellen Produktion, wie sie heute im Zuge der Maker-Bewegung mit der Idee von Konsumenten als Produzenten bzw. Prosumer ihre Verwirklichung findet.

Vogt arbeitete außerdem mit der Berliner Band 2raumwohnung zusammen, für diese Mitarbeit erhielt Vogt 2005 eine Goldene Schallplatte. Ein weiterer Schwerpunkt Vogts liegt auf der Beratung von Marken. Für die Firma Fottana entwickelte Vogt im Zuge der Wiederbelebung der Marke Möve im Jahr 2000 den Slogan „Change your mood“, eine Grundlage für die Neuformulierung der Firmenphilosophie. Zudem wurde ein neues Signet (Vogel und Typo) gestaltet, welches bis heute genutzt wird. Für den Software-Hersteller Ableton AG entwickelte er das Wort „Ableton“.

Publikationen (Auswahl) V+W PRIVATBUCH. ISBN 3-00-015966-5. mit Hermann Weizenegger: V+W Design Matrix. Hantje Kantz, Ostfildern 2006, ISBN 978-3-7757-1813-4.

Aufsätze und Beiträge

Textbeitrag zur Ausstellung Lieber Gast von Volker Albus (Galerie im Karmeliter Kloster, Frankfurt 1996)

Codes: Schlüssel zur Gestaltung. In: Milev, Jana (Hrsg.): Design Kulturen. Der erweiterte Designbegriff im Entwurfsfeld der Kulturwissenschaft. Karlsruhe 2013, ISBN 978-3-7705-5534-5. Herausgeber

mit Tanja Seiner: TOOLS., Klasse für Gestaltung, Kassel 2015, ISBN 978-3-945824-00-9.

mit Tanja Seiner: PET MARKET. Klasse für Gestaltung. Kassel 2016, ISBN 978-3-945824-03-0.

Kuratorische Tätigkeiten

1996: SMART CHINA, Frankfurt

1998: Die Imaginäre Manufaktur, Berlin, Tokyo, New York, London, Prag (1998–2005) 2005: Shooting Stars of Europe, Designmai Festival, Berlin 2006: Design-Film-Pool, Shots on Brave New World, Berlin / Stockholm 2007: Das Fremde Zimmer, Ausstellung der Kunsthochschule in Mailand 2007: Digitalability, Ausstellung zum Designmai Festival in Berlin 2009: Spaziergang, Leitung der Jahresausstellung der Kunsthochschule in Kassel 2012: Res Publica / Res Privata gemeinsam mit Susanne Prinz im Kunstverein am Rosa Luxemburg-Platz in Berlin 2017: The Butterfly Project, Ausstellung der Kunsthochschule Kassel im Herbst 2017 während der documenta 14

Ausstellungen (Auswahl) 1994: Möbel Perdu, „Blaupause“, Hamburg 1994: Galerie Blau, in „allez les bleus“, Freiburg 1996: Galerie Zwinger: „Infinity“, Berlin 1996: Arosa – 2000 Galerie, in „Smart China“, Frankfurt 1996: Museum of Modern Art Louisiana, in „Design and Identity. Aspects of European Design“, Louisiana, Dänemark 1997: Galerie Schipper & Krome, in „Volles Haus“, Berlin 1997: Museum of Decorative Arts and Design, in „Design and Identity“. Gent, Belgien 1998: Vitra Design Museum, in „bewußt einfach“, Weil am Rhein 1998: 1. Berlin Biennale, KW, „The Jekyll and Hide Cabinet“ mit Andrea Zittel, Berlin 1998: Blindenanstalt von Berlin, in „Die Imaginäre Manufaktur“, Berlin 1999: Trico-Gallery, in „Die Imaginäre Manufaktur“, Tokyo, Japan 1999: MoMA PS1 in „Children of Berlin“, New York, USA 2000: Büro Friedrich, in M(odel) 4 8, Berlin 2000: Galeria Luisa Delle Piane, in „Babybloom, Mailand, Italien“ 2000: 17. Int. Biennale Kortrijk, „DIM 2000“, Kortrijk, Belgien 2000: Galerie Binnen, „Thougt Spaces“, Amsterdam, Niederlande 2001: Galleria Massimo di Carlo, „DIM 2001“, 40th Salone Internationale del Mobile Milano, Mailand, Italien 2001: Galerie Schipper & Krome, „PLAN A“, Berlin 2003: Rotes Rathaus Berlin, in „Berlin Flag Update“, Designmai 2003, Berlin 2003: Vitra Design Museum Berlin, in „Design Berlin!“, Designmai, Berlin 2006: MARTa Herford, „V + W Design Matrix“, Herford 2017: Vitra Design Museum in „Hello Robot! Design zwischen Mensch und Maschine.“ MAK 2017: MAK in „Hello Robot! Design zwischen Mensch und Maschine.“ 2017: Kunsthochschule Kassel, in „Butterfly Project“, während der documenta14, Kassel

Designpreise (Auswahl) 1994: Roter Punkt für »Hohe Designqualität« – D-light – Design Zentrum Nordrhein-Westfalen 1994: Grand Jury des DDC – Designer bewerten Design – Blaupause 1995: Heinz Glas Flakon Wettbewerb – Sonderpreis – Berlin 1996: Svedex Türenwettbewerb – 2. Preis – München 1996: Roter Punkt für »Hohe Designqualität« – Infinity – Design Zentrum Nordrhein-Westfalen 1999: Design Plus für Pure Glass, Frankfurt 1999: Roter Punkt für »Hohe Designqualität« – Monobag – Design Zentrum Nordrhein-Westfalen 1999: Roter Punkt für »Hohe Designqualität« für Pure Glass –Design Zentrum Nordrhein-Westfalen 1999: IF Preis-Industrie Forum Design Pure Glass – Hannover 2000: Award for the best new produkt – New York Home Textil Show – Möve Badaccessoires – New York 2000: Form für Pulp, Frankfurt 2001: Design Plus für Sweetcase – Frankfurt 2001: IF Preis Hannover für die „going to the beach“ Kollektion von MÖVE, Hannover 2002: Roter Punkt für »Hohe Designqualität« für Four Star – Design Zentrum Nordrhein-Westfalen 2007: Interzum Award 2007 für »Hohe Produktqualität« – Jungwerk Möbelrollen – Köln 2008: Roter Punkt für »Hohe Designqualität« – Jungwerk Möbelrollen – Design Zentrum Nordrhein-Westfalen

Sammlungen (Auswahl) (c)hair im Deutschen Hygiene-Museum, Dresden FNAC, Fonds national d'art Contemporain, ParisVOGT + WEIZENEGGER. Collection en ligne | Centre national des arts plastiques In: cnap.fr, abgerufen am 4. September 2018. Arbeiten von V+W in der MARTa Museum Sammlung, Herford Sinterchair im Vitra Design Museum, Weildesign-museum.de Suche nach Sinterchair.

Literatur Georg C. Bertsch: Vogt + Weizenegger. In Domus (Magazin), No.793, Mai 1997. Marion Godau, Bernd Polster: Design Directory Germany. Pavilion, London 2000, ISBN 1-86205-333-2. Mel Byars: Guerrillas in Our Midst: Oliver Vogt and Hermann. In: I.D. (Magazin), Januar–Februar 2001. Vogt, Oliver; Weizenegger, Hermann. In: Mel Byars, The Design Encyclopedia. The Museum of Modern Art, New York 2004, ISBN 0-87070-012-X. Christian Wurster (Hrsg.): V + W Privatbuch. Ein Buch über Vogt und Weizenegger. Berlin 2005, ISBN 3-00-015966-5. Friederike Fast (Hrsg.): V + W design matrix: Marta Herford. Ausstellungskatalog. Hatje Cantz, Ostfildern 2006, ISBN 3-7757-1813-3. Andrea Mehlhose, Martin Wellner (Hrsg.): Modern Möbel, 150 Jahre Design. h.f. ullmann, Potsdam 2009, ISBN 3-8480-0029-6. Mateo Kries und Christoph Thun-Hohenstein (Hrsg.): Hello Robot! Design zwischen Mensch und Maschine. Ausstellungskatalog des MAK und des Vitra Design Museum, Weil am Rhein 2017, ISBN 3-945852-10-2.

Einzelnachweise

Kategorie:Künstler der Angewandten Kunst (Berlin) Kategorie:Industriedesigner Kategorie:Grafikdesigner (Deutschland) Kategorie:Träger des Red Dot Design Award Kategorie:Hochschullehrer (Kunsthochschule Kassel) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1966 Kategorie:Mann