mini|Ansicht der Brauerei um 1900 mini|hochkant|Bierdeckel Wülfeler Jägerbräu hinten
Die Brauerei Wülfel, zeitweilig auch Brauhaus WülfelWaldemar R. Röhrbein: Brauhaus Wülfel AG. In: Stadtlexikon Hannover. S. 80. sowie Wülfeler Brauerei und Lagerbier-Brauerei Wülfel genannt,Wolfgang Neß: Wülfel. In: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland … S. 112, sowie Addendum, S. 21. war eine Großbrauerei in Hannover und zeitweilig die größte als Genossenschaft organisierte Brauerei in Europa. Standort des Unternehmens, dessen Ursprung an den Anfang des 19. Jahrhunderts zurückreichte und deren Eingangssituation später unter Denkmalschutz gestellt wurde, war die Hildesheimer Straße 420 im hannöverschen Stadtteil Wülfel.
Geschichte Die Gutsbrauerei Die Geschichte des Brauhauses begann bereits zur Zeit des Kurfürstentums Hannover, als im Jahr 1800 der Landesherr König Georg III.,Klaus_Mlynek: Georg III., Kurfürst, seit 1814 König von Hannover, König von Großbritannien und Irland. In: Dirk Böttcher, Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein, Hugo Thielen: Hannoversches_Biographisches_Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2002, ISBN 3-87706-706-9, S. 128. der infolge der damaligen Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover noch im Machtzentrum des Britischen Weltreichs residierte,Klaus Mlynek: Personalunion. In: Stadtlexikon Hannover. S. 498. an den Besitzer des Ritterguts Wülfel, Armand Fontaine, die Brauereigerechtsame verlieh.
Nach der Annexion des Königreichs Hannover durch Preußen und im Zuge der Industrialisierung baute der Rittergutsbesitzer seine Gutsbrauerei im Jahr 1868 in ein Erwerbsunternehmen um.
Die Genossenschaftsbrauerei mini|Torbogen der Lagerbier-Brauerei Wülfel mini|Verwaltungsgebäude mini|Skulptur eines Bierbrauers am Verwaltungsgebäude
In der späten Gründerzeit des Deutschen Kaiserreichs gründete sich ein Zusammenschluss hannoverscher Gastwirte, die dem Gutsbesitzer Fontaine im Jahr 1906 dessen Brauerei abkauften und diese als erste als Genossenschaft geführte Brauerei in der Geschichte Hannovers unter dem Namen Lagerbier-Brauerei Wülfel eGmbH weiterführten. Schon zwei Jahre später trat der spätere Brauereidirektor Albert Behn in das Unternehmen ein.N.N.: Behn, Albert in der Liste der beizubehaltenden Straßennamen (der Landeshauptstadt Hannover), hrsg. vom Team Städtische Erinnerungskultur unter dem Arbeitstitel Wissenschaftliche Betrachtung namensgebender Persönlichkeiten, herunterladbar von der Seite hannover.de in der Version vom 29. September 2015.
Zur Zeit der Weimarer Republik wurden die Brauereigebäude im größeren Umfang durch die Architekten Karl Fuhrmann und Karl Börgemann umgebaut. Dabei entstanden die später denkmalgeschützten Gebäude und der Eingangsbereich an der Hildesheimer Straße 420. 1959 wurde die Nachfolge des bis dahin als Brauereidirektor tätigen Albert Behn geregelt.Vergleiche die amtliche Legende am Straßenschild der Behnstraße Die Wülfeler Genossen sahen sich noch im Jahr 1976 bei einer jährlichen Produktion von 350.000 Hektolitern Bier, die vor allem mit dem im Hause hergestellten Marken Jägerbräu, Kanzlei und Wilkenburger Absatz fanden, als größte Genossenschaftsbrauerei Europas.
1978 wurde die „Genossenschaftsbrauerei“, die bisher als Brauerei Wülfel eG firmierte, in eine Aktiengesellschaft (AG) unter dem neuen Namen Brauerei Wülfel AG umgewandelt. Dabei wurden sämtliche Genossenschafts-Anteile in entsprechende Aktienanteile umgewandelt. Doch innerhalb von nur drei Jahren geriet die AG in Schwierigkeiten infolge sinkenden Umsatzes, erheblich schwächelnden Ertrags und Beteiligungen an maroden Getränkemärkten. Ab 1980 übernahm die Gilde Brauerei seitdem wachsende Anteile, dennoch konnten weder die Marktsituation noch die Ertragslage der Wülfeler Biere verbessert werden. In der Folge wurde der Wülfeler Braustandort im Jahr 1994 geschlossen und auch das zur Aktiengesellschaft umgewandelte Unternehmen liquidiert. Schließlich wurde das Grundstück an einen Investor verkauft und die meisten Gebäude abgerissen.
Von dem Gebäudeensemble der Brauerei sind neben einem Verwaltungsgebäude nur das Portal und ein Stück der Mauer erhalten. Diese stehen heute unter Denkmalschutz. Auf dem Gelände entstand das Fachmarktzentrum Wülfeler Brauerei.
Sortiment Die Brauerei hatte zu unterschiedlichen Zeiten ihres Bestehens folgende Biere im Sortiment:
Grafen Krone – Pilsner Jägerbräu – Pilsner Kanzlei Edel Pils – Pilsner Kronsberg Quell Pilsener – Pilsner Schlossherr Pils – Pilsner Wülfeler Brauerstolz – Pilsner Wülfeler Jägerbräu – Pilsner („Spezial Pils“) Wülfeler Jägerbräu – Helles Lagerbier („Spezial-Bier“) Wülfeler Weisse – Weißbier Export Spezial – Helles Exportbier Wülfeler Süßbier – Süßbier Wülfeler Starkbier – Starkbier Wülfeler Malzbier – Malzbier Wülfeler Bockbier – Bockbier
Persönlichkeiten Albert Behn (1884–1969), langjähriger Brauerei-DirektorHelmut Zimmermann: Behnstraße. In: Helmut Zimmermann: Die Straßennamen der Landeshauptstadt Hannover. Verlag Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1992, ISBN 3-7752-6120-6, S. 36.
Siehe auch Liste der Baudenkmale in Döhren-Wülfel
Schriften Ralf Horn: 25 Jahre Wülfeler Bier. Lagerbier-Brauerei, Hannover-Wülfel 1931, .
Literatur Wolfgang Neß: Wülfel. In: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Stadt Hannover (DTBD), Teil 2, Band 10.2, hrsg. von Hans-Herbert Möller, Niedersächsisches Landesverwaltungsamt – Institut für Denkmalpflege, Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft, Braunschweig 1985, ISBN 3-528-06208-8, S. 112ff., hier: S. 112; sowie Wülfel im Addendum: Verzeichnis der Baudenkmale gem. § 4 (NDSchG) (ausgenommen Baudenkmale der archäologischen Denkmalpflege), Stand: 1. Juli 1985, Stadt Hannover, Niedersächsisches Landesverwaltungsamt – Veröffentlichungen des Instituts für Denkmalpflege, S. 21. Andreas Fahl: Vom Broyhan zum Pils. In: Von Tabakpflanzern und Trunkenbolden. Zur Geschichte von Bier, Branntwein und Tabak in Norddeutschland, Begleitheft zur Ausstellung, Ausstellungsverbund Sielhafenmuseum Carolinensiel … Hrsg.: Kreismuseum Syke. Kreismuseum, Syke 2000, S. 64ff. Waldemar R. Röhrbein: Brauhaus Wülfel AG. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 80.
Weblinks
Jens Schade: Damals in Wülfel: Als im Stadtbezirk noch Bier gebraut wurde. Mit Fotos auf der Seite myheimat.de vom 7. Oktober 2011 Robin Beck: Fast-Food-Kette und Schuhgeschäft: Das ist aus der Brauerei Wülfel in Hannover geworden in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 5. Juni 2023
Einzelnachweise
Brauerei Wulfel Wulfel Brauerei Wulfel Kategorie:Erbaut in den 1920er Jahren Brauerei Wulfel Brauerei Wulfel Kategorie:Ehemalige Aktiengesellschaft in Deutschland