mini|Schloss Pförten um 1862/63 nach Alexander Duncker Sammlung Die Herrschaft Pförten war eine Standesherrschaft in der Niederlausitz beiderseits der Lausitzer Neiße um die Stadt Pförten. Sie bestand vom 13. Jahrhundert bis 1945 und wurde die meiste Zeit gemeinsam mit der Herrschaft Forst regiert. Das Gebiet liegt heute in der Woiwodschaft Lebus in Polen und im Land Brandenburg.

Geschichte 1398 wurde Pförten erstmals erwähnt. 1454 wurde das Städtchen und die Herrschaft von König Ladislav I. von Böhmen an die Familie von Bieberstein gegeben, die bereits im Besitz der Herrschaft Forst waren. Diese waren freie Standesherrschaften, die relativ unabhängig von der böhmischen Krone regiert werden konnten.

1635 kamen sie unter sächsische Landesherrschaft und wurden in den Gubenischen Kreis eingegliedert. 1667 erhielt Graf Ulrich Hipparchos von Promnitz die Herrschaft Pförten. Seit dieser Zeit war sie getrennt von der Herrschaft Forst. 1740 kaufte Heinrich Graf von Brühl, der wichtigste Minister in Kursachsen, die Herrschaft und vereinigte sie 1746 wieder mit der Herrschaft Forst.

1815 kam die Herrschaft Forst-Pförten mit der Niederlausitz zum Königreich Preußen und wurde 1816 in die neuen Kreise Sorau und Guben eingegliedert. Sie bestand aber als Herrschaft im Besitz der Familie von Brühl weiter bis 1945. Die Herrschaften Pförten und Forst wurden 1945 durch die Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone sowie die Vertreibung aus den Gebieten östlich der Oder-Neiße-Linie enteignet.

Gebiet Im 10. August 1688:

Bernsdorff, Bomsdorff, Chemnitz, Datten, Granaw, Gros Drebitz, Groß Brehsen, Helmsdorff, Jehser, Jeßnitz, Kalcke, Kohlo, Leuthen, Mercke, Oßig, Reißen, Zauchel, Zeltz.

Zur Herrschaft Pförten gehörten im 18. JahrhundertGeographische Beschreibung der Marggraffschaft Nieder-Lausitz und der angräntzenden Oerter in Schlesien. Anno 1748 Stadt Pförten die Amtsdörfer Berge Hohen Jeser (Hohen Jehser) Nieder Jeser (Nieder Jehser) Leipe (Leippe) Nablath Thurno (Turno) sowie weitere 22 Dörfer Bernsdorf Bomsdorf Groß Breesen (Groß Bresen) Krayne (Crayn) Datten Groß Drewitz Grano Helmsdorf Kemnitz (Kämnitz) Kalke (Kalcke) Kanig Krocho Leuthen Lübbinchen (Liebinchen) Merke (Mercke) Ossig Raschen Seebigau Tauchel Zauchel Zelz (Zeltz)

Herren von Pförten Selbstständige Herrschaft 1667-1746Johann George Schreiber: Geographische Beschreibung der Nieder-Lausitz und ihrer angräntzenden Oerter in Schlesien. 1748. S. 25ff. 1667–1695 Ulrich Hipparchos von Promnitz 1695–1726 Anselm von Promnitz 1726–1729 Christian Heinrich von Watzdorf 1729–1740 Friedrich Karl von Watzdorf 1740–1746 Heinrich Graf von Brühl

Herrschaft Pförten bis 1856 Alois (Aloys) Graf von Brühl (1739–1793), Freier Standesherr, auch Herr auf Rothenburg und Gangloffsömmern Friedrich August Albert Graf von Brühl (1791–1856), Freier Standesherr, Mitglied des Preußischen Herrenhauses

Familienfideikommiss Pförten und Forst Maria Friedrich-Stephan Graf von Brühl (1819–1893), Freier Standesherr, Fideikommissherr auf Forst Maria Friedrich-Franz Johannes Moritz Graf von Brühl (1848–1911), Freier Standesherr, Fideikommissherr auf Forst und Pförten Maria Friedrich-Joseph Graf von Brühl (1875–1949), Freier Standesherr auf Forst und Pförten Niederlausitz und weiteren Gütern im Krs. Guben. Friedrich-August Franziskus Hubertus Benedikt Johannes von Nep. Graf von Brühl (1913–1981), formell als Erbe Freier Standesherr auf Forst und Pförten, zuletzt Oberstleutnant der Bundeswehr

Literatur Johann Christoph Schneider: Chronik der Stadt und Standesherrschaft Forst vor und nach der Vereinigung mit der Standesherrschaft Pförten. Eduard Berger, Druck F. Fechner, Guben 1846 (Digitalisat). Hans Friedrich v. Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Freiherr v. Lyncker u. Ehrenkrook, Otto Reichert, Wilhelm v. Blaschek, Carola v. Ehrenkrook geb. v. Hagen, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen v. Flotow: Genealogisches Handbuch der Gräflichen Häuser 1958. A (Uradel), Band III, Band 18 der Gesamtreihe GHdA. In Gemeinschaft mit dem Deutschen Adelsarchiv. C. A. Starke, Glücksburg (Ostsee) 1958, S. 94–97. Rudolf Lehmann: Die Herrschaften in der Niederlausitz. Untersuchungen zur Entstehung und Geschichte. In: Mitteldeutsche Forschungen, Band 40. Böhlau, Köln / Graz 1966; . Vinzenz Czech, Christiane Salge: Pförten (Brody). In: Peter Michael Hahn, Hellmut Lorenz: Herrenhäuser in Brandenburg und der Niederlausitz. Band 2: Katalog. Nicolaische Verlagsbuchhandlung Beuermann, Berlin 2000, ISBN 3-87584-024-0, S. 437–442; gesamt 2 Bände: Einführung und Katalog. Kommentierte Neuausgabe des Ansichtenwerks von Alexander Duncker (1857–1883), 856 S., 275 farbige, 825 SW-Abb.

Claudius Wecke, Sven Zuber: Pförten/Brody. Woiwodschaft Lebus/Województwo Lubuskie. In: Schlösser und Gärten der Neumark. Heft 8, Hrsg. A. Tomaszewski †, S. Badstübner-Gröger, M. Jager, Deutsche Gesellschaft e. V. Berlin 2020, ISBN 978-3-941675-07-0.

Weblinks Karte-Exposition: Herrenzeiten. 700 Jahre Adelsherrschaft in Forst-Pförten. Pańskie czasy. 700 lat panowania szlacheckiego Forst-Pförten Rep. 37 Herrschaft Forst-Pförten. Auszug. Brandenburgisches Landeshauptarchiv.

Einzelnachweise

Kategorie:Gmina Brody (Powiat Żarski)