Puddletown ist ein Dorf in der Unitary Authority Dorset in England. Das Dorf liegt ungefähr 7 km (4,5 mi) nordöstlich der Stadt Dorchester und erhält vom River Piddle, an dessen Ufern es steht, seinen Namen. Früher wurde es auch als Piddletown bezeichnet, allerdings ist dieser Name nicht mehr in Gebrauch, denn „piddle“ bedeutet nämlich auch „pinkeln“. Die Bezeichnung Puddletown wurde in den späten 1950ern offiziell festgeschrieben. Das Gemeindegebiet umfasst 7185 Acre (2908 ha) und erstreckt sich bis an den River Frome im Süden. 2021 hatte der Ort 1193 Einwohner.
Die Pfarrkirche von Puddletown ist architektonisch interessant aufgrund ihrer Innenausstattung und der Grabmale. Sie hat ein Taufbecken aus dem 12. Jahrhundert und gut erhaltene Holzarbeiten, unter anderem „box pews“ (Kisten-Kirchenbänke) aus dem 17. Jahrhundert. Thomas Hardy interessierte sich für die Geschichte der Kirche und das Dorf bot ihm die Inspiration für das erfundene Dorf Weatherbury in seinem Roman Far from the Madding Crowd; Weatherbury Farm, das Heim der Hauptcharakterin Bathsheba Everdene, ist nach einem Manor House (Herrenhaus) im Ort gestaltet.
Zum Puddletown Hundred gehörten die Ortschaften Athelhampton, Burleston, Milborne St Andrew, Puddletown, Tincleton und Tolpuddle.
Name Der Name Puddletown bedeutet „Hofstelle am Fluss Piddle“ (farmstead on the River Piddle). Es kommt vom altenglischen pidele, einem Flussnamen mit der Bedeutung „Sumpf“ oder „Marsch“ und tūn, „Hofstelle“.David Mills: A Dictionary of British Place Names. Oxford University Press 2011: 377. ISBN 978-0-19-960908-6 Entlang des Flusses gibt es eine ganze Reihe von Siedlungen, die ihren Namen ähnlich bilden. Am Oberlauf des Flusses liegen Piddletrenthide und Piddlehinton, die die ursprüngliche Lautung beibehalten haben, während flussabwärts Puddletown, Tolpuddle, Affpuddle, Briantspuddle und Turners Puddle die Lautung „puddle“ benutzen. Beide Formen wurden im Laufe der Zeit für Puddletown verwendet. Im Domesday Book (1086) wurde der Ort als Pitretone eingezeichnet und 1212 begegnet die Schreibung Pideleton. John Speed benutzte die Schreibung „Puddletown“ für seine Karte von 1610.John Speed’s Map of Dorset 1610. Charmouth Local History Society. 13. Mai 2017. 1848 verwendete Samuel Lewis wieder „Piddletown“ in seinem A Topographical Dictionary of England.Samuel Lewis: A Topographical Dictionary of England. 1848. In: British History Online: 567–571. 13. Mai 2017. 1906 verwendete Sir Frederick Treves Puddletown in Highways & Byways in Dorset und beschrieb den Ort als „the Town on the River Puddle“ und einen „seltsam benannten Ort“ (curiously named place).Sir Frederick Treves: Highways & Byways in Dorset. Macmillan and Co. Ltd 1906: 365–366. 1946 tauchte der Name Piddletown wieder auf den Wahllisten auf.Wightman 1983: 70. Eine Erklärung für die Vorliebe für Puddletown gegenüber Piddletown ist, dass Major-General Charles William Thompson, der in Ilsington Lodge wohnte, nachdem er aus dem Zweiten Weltkrieg zurückgekehrt war, die „puddle“-Variante forcierte, da „piddle“ in Armeekreisen eine derogative Bedeutung hatte. Der Radiomoderator und Schriftsteller Ralph Wightman (1901–1971), ein Einheimischer des Piddle Valley,Clive Hannay; Rodney Legg: Puddletown Dorset Life Magazine, September 2006. 23. August 2015. führte die Namensvariante auf das „refinement“ der Viktorianischen Ära zurück. Er erinnert sich, dass in seiner Jugendzeit alte Tanten auch Piddletrenthide nur als „Trenthide“ ansprachen.Wightman 1983: 70. Roland Gant in Dorset Villages legte ausführlich dar, dass in viktorianischer Zeit „puddle“ an Stelle von „piddle“ benutzt wurde, weil dies ein „Euphemismus für Pisse“ (became a euphemism for 'piss') geworden war.Gant 1980: 188. „Puddletown“ wurde erst in den 1950ern offiziell festgeschrieben, als, laut Wightman, „eine lange Debatte des County Council zum feierlichen Beschluss kam, dass Piddletown Puddletown werden solle.“„a long County Council debate solemnly decided Piddletown should be Puddletown.“ Wightman 1983: 70; Gant 1980: 188.
Die anderen Flüsse im Parish tragen Namen keltischen Ursprungs: der Frome, an der Südgrenze des Parishs, hat die Bedeutung „schön, fein, klar“fair, fine or brisk. David Mills: A Dictionary of British Place Names. Oxford University Press 2011: 196. ISBN 978-0-19-960908-6 und der Devil’s Brook an der Nordost-Grenze hat die Bedeutung „dunkler Strom“.dark stream. David Mills: A Dictionary of British Place Names. Oxford University Press 2011: 152. ISBN 978-0-19-960908-6
Geographie mini|Alte Wiesenbewässerung am River Piddle nordwestlich von Puddletown bei Druce Farm.
Puddletown Civil Parish erstreckt sich zwischen der Flussaue and Flutwiesen am River Frome im Süden der Wasserscheide im Kreidegebiet von Puddletown Down.British Geological Survey (2000) 1:50,000 Series, Sheet 328 (Dorchester), ISBN 0-7518-3310-X Es erstreckt sich über 2908 ha (7185 acre) und wird vom River Piddle in zwei Hälften geteilt. Der Fluss durchzieht das Parish von West nach Ost. Entfernungen in Luftlinie von Puddletown Village nach Dorchester im Nordosten sind 7,2 km, nach Poole im Westen sind 26 km und nach Blandford Forum im Südwesten sind 18 km.Bartholomew (1980) 1:100,000 National Map Series, Sheet 4 (Dorset) ISBN 0-7028-0327-8
Das Grundgestein des Gebiets besteht aus Kreide der Epochen Santonium und Campanium und dem Eozän der Paläogen-Periode. Stellenweise gibt es jüngere Ablagerungen aus dem Quartär: Auf Flussterrassen und Head-Lagerstätten findet sich ein Ton-Feuerstein-Gemisch und Alluvialboden. In Puddletown Heath (heute hauptsächlich Puddletown Forest) finden sich mehr als 370 Erdfälle (solution hollows / sinkhole) – die größte Ansammlung solcher Löcher in den Heidegebieten der Umgebung.A. S. Goudie, R. Gardner: Discovering Landscape in England & Wales. Springer Science & Business Media 2013 (1992): 136–137. ISBN 978-0-412-47850-5
Der River Frome, der die südliche Grenze des Parish bildet, wurde von Natural England zur Site of Special Scientific Interest ernannt. naturalengland.org.uk vom 29. August 2015. Südwestlich des Dorfes und beinahe komplett auf dem Gebiet des Parish liegt der Puddletown Forest, der 301 ha (740 acre) bedeckt und von der Forestry Commission verwaltet wird. Der Wald liegt am Rand des Dorset Heaths Natural Area und wird teilweise wieder in Heideland umgewandelt; die Pflanzengesellschaft der Heide besteht aus Calluna, Ulex gallii (Stechginster), Ulex minor und Heidelbeere (bilberry); zu den besonderen Tierarten gehören die seltene Schlingnatter (smooth snake) und Zauneidechsen (sand lizard). Nahe an Puddletown Forest liegen Yellowham Wood und Ilsington Wood, die als Ancient Woodland (vor 1600) ausgewiesen sind.Plan Name: Puddletown. Forestry Commission 6. Mai 2017.
Geschichte mini|Einer der prähistorischen 'Rainbarrows’ in Duddle Heath im Südwesten des Parish.
Indizien für prähistorische menschliche Besiedlung im Parish sind etwa 30 Round Barrows, von denen die Hälfte auf Kreide-Untergrund errichtet wurde und die andere Hälfte über so genannten „Reading Beds“ der Lambeth Gruppe. Viele dieser Tumuli wurden in jüngerer Zeit beschädigt. Die Überreste von Strip Lynchets (Ackerterrassen) keltischer Felder wurden in der Nähe der Barrows entdeckt. Einer der drei „Rainbarrows“ in Duddle Heath wurde ausgegraben und die „Eimerurnen“ mit Brandbestattungen werden im Dorset County Museum aufbewahrt.'Puddletown', in An Inventory of the Historical Monuments in Dorset. In: British History Online, Vol. 3, Central; University of London, London 1970: 222–231. 1. März 2015.
Die Römerstraße zwischen Durnovaria (Dorchester) und den Badbury Rings verlief durch das Gebiet des heutigen Parish; sie verlief auf einer WSW-ONO-Route durch Puddletown Heath, zwischen Puddletown Village und dem Frome. Erst in unserem Jahrhundert wurde ein Abschnitt der originalen Straße im Puddletown Forest entdeckt, der 26 m (85 ft) breit war.Diarmuid MacDonagh: Roman road found in Puddletown Forest. Newsquest Media (Southern) Ltd, dorsetecho.co.uk vom 29. Januar 2011. 31. August 2015.
Ein Teil eines Steinkreuzes aus dem 9. oder 10. Jahrhundert wurde entdeckt, als Styles House am River Piddle abgerissen wurde. Das Kreuz könnte Teil eines Versammlungsortes gewesen sein.John Baker; Stuart Brookes: Identifying outdoor assembly sites in early medieval England. In: Journal of Field Archaeology 2015, 40. 1: 3–21. University of Nottingham. ISSN 0093-4690 Das Fragment wurde im Chor der Pfarrkirche integriert, als dieser 1911 erneuert wurde.Rosemary Cramp: Corpus of Anglo-Saxon Stone Sculpture: South-West England. British Academy 2006: 108. ISBN 978-0-19-726334-1
Das Domesday Book von 1086 führt Puddletown als großes und wichtiges Manor, zu dem mehrere Dörfer gehörten mit 1600 Schafen.J. H. Bettey: Dorset. David & Charles; City & County Histories 1974: 34–39. ISBN 0-7153-6371-9.
Außer Puddletown selbst sind die kleineren Siedlungen sämtlich geschrumpft und verschwunden. Bekannte Siedlungen waren noch Cheselbourne Ford (am Devil’s Brook im Nordosten des Parish), Bardolfeston (etwa 1 km nordöstlich von Puddletown Village, nördlich des River Piddle), Hyde (heute: Druce Farm), Waterston, South Louvard (Higher Waterston), Little Piddle (Little Puddle Farm im benachbarten Piddlehinton Parish) und Ilsington (im Süden des Parish am Frome). Cheselbourne Ford und Bardolfeston sind nur noch Wüstungen. Cheselbourne Ford hatte 1086 eine Einwohnerschaft von 6 Personen, 1327 nur noch 4 und Mitte des 17. Jahrhunderts war es verlassen. 1970 konnten noch Spuren des Ortes nachgewiesen werden. Die Überbleibsel waren auf einer Fläche von ca. 6 ha verstreut und bestanden aus zehn Einhegungen, die von niedrigen Banketten begrenzt waren. Auf modernen Ordnance-Survey-Karten gibt es keine Einträge mehr. Die Aufzeichnungen legen nahe, dass auch Bardolfeston schon im 13. Jahrhundert schrumpfte und obwohl es im 16. Jahrhundert noch bewohnt war, war es Anfang des 17. Jahrhunderts verlassen. Sein Standort ist gut erhalten. Das Gebiet umfasst ca. 6 ha und zeichnet sich durch einen 12 m breiten (40 ft) Hohlweg, der von Südwesten nach Nordosten verläuft und entlang dessen die Spuren von mindestens elf Gebäuden zu finden sind. Das Südende der Stelle wurde allerdings zerstört, als entlang des Flusses Wiesenbewässerung angelegt wurde.Ordnance Survey (1978) 1:25,000 Second Series, Sheet SY 69/79 (Dorchester) Die Stelle von Waterston besteht aus Erdwerken auf 2 ha Fläche auf einer Flussterrasse am Südufer des River Piddle. Die Bevölkerung war durch das Mittelalter hindurch relativ stabil und noch 1662 wurden zehn Haushalte verzeichnet.Medieval settlement immediately west of Waterston House. Historic England am 29. Mai 2017.
Im frühen 17. Jahrhundert war Puddletown einer der ersten Orte in Dorset, wo die Wiesenbewässerung (watermeadow) eingeführt wurde. Die Bewirtschaftungsform begann um 1620 und 1629 entschied der Manorial Court, dass es einigen Landleuten erlaubt sein sollte, die notwendigen Wasserläufe anzulegen um für „die Bewässerung und Verbesserung ihrer Felder zu sorgen“ (the watering and Improvinge of theire groundes).Joseph H. Bettey: The Development of Water Meadows in Dorset during the Seventeenth Century. bahs.org.uk (British Agricultural History Society) (scan); 27. August 2015: 37–39. Wiesenbewässerung wird mittlerweile nicht mehr angewandt, aber Teile der Bewässerungsanlagen sind noch erkennbar;Joseph Bettey: In: Hadrian Cook; Tom Williamson: The Development of Water Meadows in the Southern Counties. Edinburgh University Press 1999: 179–195. Im Civil Parish von Puddletown wurden mehrere Gebiete von Watermeadows bis 1978 in Karten verzeichnet. 2010 waren diese Einträge verschwunden.Ordnance Survey (2010) 1:25,000 Explorer Series, Sheet 117 (Cerne Abbas & Bere Regis), ISBN 978-0-319-24122-6
mini|Der Reading Room der Brymer-Familie.