Die Verlegerin (Originaltitel The Post, Arbeitstitel: The Papers) ist ein Historiendrama von Steven Spielberg, das am 22. Dezember 2017 in ausgewählte US-amerikanische Kinos und am 22. Februar 2018 in die deutschen Kinos kam. Der Film thematisiert die Geschehnisse rund um die Veröffentlichung der Pentagon-Papiere im Jahr 1971. Die Verlegerin erhielt Oscar-Nominierungen als bester Film sowie mit Meryl Streep als beste Hauptdarstellerin.

Handlung Katharine „Kay“ Graham hat den Job nie gewollt, doch nach dem Tod ihres Mannes muss sie die Posten als Chefin der renommierten Washington Post und als Vorstandsvorsitzende des Verlages übernehmen. Dies ist in dem von Männern dominierten Vorstand keine leichte Aufgabe, und anfänglich bringt sie in den Sitzungen kein Wort heraus. Die Washington Post plant ihren Börsengang.

Eines Tages im Jahr 1971 landen geheime und brisante Informationen auf dem Schreibtisch von Ben Bradlee, dem Chefredakteur der Washington Post. Diese sind zuvor bereits der New York Times zugespielt worden. Es geht in den von einem Pentagon-Mitarbeiter kopierten Unterlagen um die Verschleierung von Informationen darüber, dass der Vietnam-Krieg aus anderen als den bislang bekannten Gründen begonnen wurde und nicht zu gewinnen sei. Dies haben der amtierende Präsident und seine drei Vorgänger stets verschwiegen.

Die Verantwortlichen der Washington Post stehen nun vor der Entscheidung, ob sie den Inhalt dieser Papiere und damit den Skandal öffentlich machen und von der gezielten Desinformation berichten sollen oder nicht. Da es sich um Geheimdienstinformationen handelt, befürchten sie, wegen Hochverrats im Gefängnis zu landen. Dennoch gibt Graham letztendlich ihre Zustimmung, auch wenn sie freundschaftliche Beziehungen zu Menschen pflegt, die in den Papieren belastet werden, denn Bradlee hat ihr klargemacht, dass es Pflicht der Presse sei, die Wahrheit zu drucken, und sich eine freie Presse auch von der Regierung nicht erpressen lassen darf.

Die Veröffentlichung weiterer Inhalte der Pentagon-Papiere sorgt für Aufruhr im Weißen Haus. In der nun folgenden Gerichtsverhandlung, in der das Urteil zugunsten der beiden Zeitungen ausfällt, geht es nicht nur um das Recht der Presse, Fakten wahrheitsgemäß darzustellen, sondern auch um das Recht der Journalisten, ihre Quelle geheim zu halten. Aus Wut über die Washington Post ordnet Nixon an, Reporter oder Fotografen der Zeitung nicht mehr in das Weiße Haus zu lassen.

In der letzten Szene des Films entdeckt der Wachmann Frank Wills, dass offenbar gerade jemand in das Büro der Demokraten im Watergate-Gebäude einbricht.

Filmanalyse, Themen und Motive Historischer Hintergrund und Filmtitel Als Pentagon-Papiere, im Film The Papers genannt, bezeichnet man ein ehemals geheimes Dokument des US-Verteidigungsministeriums, dessen teilweise Veröffentlichung 1971 durch die New York Times gegen den Widerstand der Regierung aufgrund einer Entscheidung des Supreme Court, des höchsten amerikanischen Gerichts, erfolgte und die Desinformation der US-amerikanischen Öffentlichkeit in Bezug auf den Vietnamkrieg aufdeckte. Entgegen den Beteuerungen beteiligter Politiker erfuhren die Menschen, dass dieser Krieg im Rahmen der Bekämpfung des Kommunismus schon vor dem offiziellen Eingreifen der USA geplant war, die zwar nach Beendigung des Engagements Frankreichs in Indochina zunehmend Militärberater nach Südvietnam geschickt hatten, aber über die Jahre hinweg verneinten, dort selbst Krieg führen zu wollen. Im Jahr 1964 wurde mit der Vortäuschung eines Angriffs Nordvietnams im Golf von Tonkin, bekannt als „Tonkin-Zwischenfall“, bei der US-amerikanischen Bevölkerung bewusst die Bereitschaft zum Krieg erzeugt, umgehend Truppen ins Land verlegt und ein Krieg begonnen. Das Bekanntwerden dieser Informationen bzw. das Aufdecken dieser Hintergründe trug wesentlich zur Beendigung des Krieges bei. mini|hochkant|links|Daniel Ellsberg kopierte 1971 die Pentagon-Papiere Es war Daniel Ellsberg, ein hochrangiger Mitarbeiter im Verteidigungsministerium, der an den Vorarbeiten des Bombenkrieges beteiligt war, der das 7000-seitige Dokument im Sommer 1971 unter Mithilfe seiner Kinder kopierte und nach Versuchen der US-Regierung unter Nixon, die Pressefreiheit einzuschränkenFilmdokumentation: Der gefährlichste Mann in Amerika – Daniel Ellsberg und die Pentagon-Papiere. 2009, Regie: Judith Ehrlich, Rick Goldsmith., von der New York Times und der Washington Post in Teilen publizieren ließ. Die Pentagon-Papiere waren im Auftrag des damaligen Verteidigungsministers Robert McNamara erstellt worden, und der offizielle Titel des Berichts lautet Report of the Office of the Secretary of Defense Vietnam Task Force.Internet & Gesellschaft <Co:llaboratory>: Menschenrechte und Internet – Zugang, Freiheit & Kontrolle. Abschlussbericht Mai 2012, 1. Auflage. Nachdem darüber eine Gerichtsverhandlung beim Obersten Gerichtshof der USA begonnen hatte, versuchte Ellsberg die Veröffentlichung auf andere Weise herbeizuführen und sie durch ein Mitglied des Kongresses zu erreichen, wobei er den demokratischen Senator Mike Gravel dazu überreden konnte, in einer Sitzung des Bauausschusses (dessen Vorsitzender er damals war) im Juni 1971 einen nicht unerheblichen Teil der Pentagon-Papiere per Filibuster vorzutragen.Marc Pitzke: „Pentagon Papers“: Washington beichtet letzte Vietnam-Lügen In: Spiegel Online, 9. Juni 2011. Ellsberg wurde trotzdem zunächst als Spion nach dem Espionage Act von 1917 angeklagt. Ihm drohten 115 Jahre Haft. Das Gerichtsverfahren gegen ihn wurde später unter anderem auch deswegen eingestellt, weil das von Nixon auf Ellsberg angesetzte Team, das durch einen Einbruch bei dessen Psychiater darauf hoffte, kompromittierendes Material in die Hände zu bekommen, das gleiche mit illegalen Methoden arbeitende Team war, das rund ein Jahr später von Nixon auch für den (gescheiterten) Watergate-Einbruch eingesetzt wurde. Ellsberg hatte vor der Veröffentlichung der Pentagon-Papiere Kontakt zur Friedensbewegung bekommen und engagierte sich später weiterhin politisch.

Im Original heißt der Film The Post, weil es die Washington Post war, die publizistisch Stellung zu dem geheimen Dossier über die militärischen Ziele in Südostasien bezog, das von den Regierungen Harry Trumans bis Lyndon B. Johnsons getragen wurde. Der deutsche Filmtitel Die Verlegerin bezieht sich auf die im Jahr 2001 verstorbene Herausgeberin der Washington Post Katharine Graham, die einer alten Mediendynastie entstammte und die erste Frau war, die in einer solchen Funktion eine große US-amerikanische Zeitung leitete.Andreas Busche: Steven Spielbergs „Die Verlegerin“: Die freie Presse ist das höchste Gut In: Der Tagesspiegel, 22. Februar 2018. Susanne Ostwald von der Neuen Zürcher Zeitung bemerkt, mit dem deutschen Verleihtitel sei die schöne Doppelbedeutung des Originals abhandengekommen, da The Post sowohl die Zeitung als auch den Posten ihrer Leitung bezeichnet und Spielberg nicht nur von der Verteidigung der Pressefreiheit, sondern auch von einer Frau erzähle, die sich im maskulinen Machtgefüge durchsetzt.Susanne Ostwald: «The Post» – diese Frau verlegt sich auf nichts als die Wahrheit In: Neue Zürcher Zeitung, 20. Februar 2018.

Es war die New York Times, die als erste amerikanische Zeitung Auszüge aus den Papieren druckte. Nach heftigen Debatten mit der Rechtsabteilung der Zeitung gab der Herausgeber Arthur Ochs Sulzberger schließlich grünes Licht für die Veröffentlichung, sodass der erste Artikel von Neil Sheehan, nachdem der Chefredakteur seinen dazugehörigen Kommentar per Telefon diktiert hatte, am 13. Juni 1971 in der New York Times erscheinen konnte. Für diesen und zwei weitere Artikel erhielt die Zeitung im darauf folgenden Jahr in der Kategorie Public Service den Pulitzer-Preis für Journalismus.1972 Prize Winners & Finalists The Pulitzer Prizes – Journalism, Category: Public Service. Webseite der Columbia University, New York, deren Pulitzer-Journalisten-Schule jährlich die Preisträger bekannt gibt. Abgerufen am 29. Januar 2019. Nach den drei Artikeln ließ Nixon dann weitere Zeitungsartikel verbieten – ein bis dahin beispielloser Fall von Zensur in der US-Geschichte.Marc Pitzke: „Pentagon Papers“: Washington beichtet letzte Vietnam-Lügen In: Spiegel Online, 9. Juni 2011.

Enthüllungsjournalismus und Pressefreiheit mini|Gleich im ersten Absatz der Bill of Rights wird den Menschen der Vereinigten Staaten Meinungs- und Pressefreiheit garantiert Senator Gravel, der von Daniel Ellsberg die Pentagon-Papiere zugespielt bekam, konnte als Kongressmitglied politische Immunität in Anspruch nehmen und für seine Rede im Bauausschuss nicht strafrechtlich verfolgt werden. Am folgenden Tag wurden vom Obersten Gerichtshof die Veröffentlichungsverbote als nicht verfassungsgemäß aufgehoben, weil das Geheimhaltungsinteresse des Staates an von Whistleblowern gelieferten geheimen Regierungsdokumenten im Zweifelsfall hinter dem Interesse der Öffentlichkeit und der Pressefreiheit zurückstehen müsse. Die Pentagon-Papiere hatten die Pressefreiheit gestärktVietnamkrieg: Die Enthüllung der Pentagon-Papiere hat die Presse gestärkt In: Zeit Online, 14. Juni 2011. und waren nicht zuletzt Anlass für die Verabschiedung des Freedom of Information Act, der Zivilpersonen auf Anfrage Einblick in US-Regierungsdokumente ermöglicht.

Er habe mit Die Verlegerin einen patriotischen Film gedreht, keinen parteipolitischen, so Regisseur Steven Spielberg: „Nicht als Demokrat, sondern als jemand, der an die Pressefreiheit glaubt, an Journalismus.“ Sein Film sei auch als Gegenmittel zu dem Begriff Fake News zu verstehen: „Die Helden meines Films sind Journalisten, und sie sind die wahren Helden.“Jochen Kürten: Hochaktuell: Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ In: Deutsche Welle Online, 21. Februar 2018. Spielberg stellt in seinem Film Fragen darüber, welchen Wert Journalismus noch habe, wenn er nicht mehr unabhängig sei, und wie weit Journalisten gehen dürften, Informationen, die eine Regierung zurückhielte, zu veröffentlichen – insbesondere, wenn hierdurch Leben geschützt werden könnten.„Die Verlegerin“ im Kino Spielbergs Flucht nach vorne In: Süddeutsche Zeitung, 21. Februar 2018. Andererseits standen bei einer Veröffentlichung des Dossiers die Existenz der Zeitung und die Arbeitsplätze der Mitarbeiter auf dem Spiel, wenn das Bundesgericht die Pressefreiheit nicht über die Interessen der Regierung gestellt hätte. In dem Urteil des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten vom 30. Juni 1971 wurde jedoch die einstweilige Verfügung der Nixon-Regierung gegen die Veröffentlichung geheimer Dokumente zum Verlauf des Vietnamkriegs in der New York Times und der Washington Post aufgehoben. Die Begründung war, nicht die journalistische Veröffentlichung von Informationen, sondern die staatliche Unterdrückung derselben stelle einen Verfassungsverstoß dar.Simon Strauss: Gegen die Horde dauerqualmender Männer In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. Februar 2018.