Erste Buddhistische Vereinigungen Chinas entstanden bald nach der Revolution 1911/1912 als deren Folge zum einen das Vereinsverbot der Mandschu-Dynastie fortfiel, zum andern die neue Regierung, geprägt von den Ideen der Bewegung 4. Mai einen scharf säkularisierenden Kurs fuhr. Von den Revolutionären wurden in den Folgejahren fünf offiziell anerkannten Religionen Glaubensfreiheit zugestanden, dies waren neben dem Buddhismus, Taoismus und Islam auch das katholische und protestantische Christentum. Eine der hierdurch bedingten Entwicklungen war das Entstehen buddhistischer Vereinigungen als Lobbyorganisationen der Ordinierten.

Religionsfreiheit als verfassungsmäßiges Grundrecht war während der Republik trotzdem nicht vorgesehen, eine erste Erwähnung findet sich nur in der kurzlebigen Verfassung 1947. Erst § 5 des „gemeinsamen Programms der politischen Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes“ vom 29. September 1949 brachte ein solches. Übernommen wurde dieses Menschenrecht, ebenso wie „das Recht nicht zu glauben“, in die Verfassungen von 1954 (§ 88), 1975 (§ 28), sowie 1982 (§ 36, geändert 1993).Prip-Møller, Johannes; Lohner, Henry; Buddhistische Tempel in China, 中原佛寺圖考; Norderstedt 2017; Bd. II: ISBN 978-3-7448-7273-7 Kap.: Buddhismus in republikanischer Zeit.

Frühe republikanische Epoche Nachdem die staatlichen Kontrollmechanismen über die Sangha, die seit frühester Zeit mehr oder weniger effizient bestanden hatten, in den letzten Jahrzehnten der Mandschu-Herrschaft allenfalls noch auf dem Papier bestanden, begann die junge Republik, deren führende Köpfe anti-klerikal bzw. säkularisierend ausgerichtet waren, bald organisierte „Religion“ als solche zu regulieren. Am 29. Oktober 1915 erging eine erste gesetzliche Regelung betreffend die buddhistischen und taoistischen Tempel ().

Gerade der „Reformer“ Tàixū () rief viele oft kurzlebige, kleine Vereine ins Leben.Zu seinen Konzepten vgl. Ritzinger, Justin To Renew Buddhism and Save the Modern World.

Organisationen

Es gab etliche Vereine, nachfolgend, der nach Gründungsdatum chronologisch geordnete Versuch sie aufzuzählen: 1912, Januar–Februar, Nanking: Fójiào xiéjìn huì (, engl.: “Association for the Advancement of Buddhism”). Erst im Pílú-Tempel dann kurz im Jiāngtiān-Tempel. Februar 1912, Shanghai: Zhōngguó Fójiào huì (, engl.: “Chinese Buddhist Ass.”). Ōuyáng Jiàn und Lǐ Yìzhuó () aufgelöst 1. April 1912. Einzelne Ableger bestanden als regionale Organisationen weiter. Zum einen zumindest bis 1922 in Huángméi (), zum anderen in Kanton bis 1928, um dann in der CBA von 1929 aufzugehen. ?April 1912: Fójiào dàtóng huì (, engl. “Buddhist Great Harmony Soc.”) ?1912/3, Peking: Zhōngyāng fójiào gōnghuì (, engl.: “Central Buddhist Confederation.”) Statuten veröffentlicht,Ts'ung Pao, № 6 (März 1913), demnach Ableger in sieben Provinzen. Aktivitäten unbestätigt. ?1912/3: Fójiào hóngshì huì (, engl.: “Buddhist Soc. of the Great Vow.”) Statuten veröffentlicht, Aktivitäten unbestätigt.Fo chiao yüh-pao, № 1 (Mai 1913); auch für die nachfolgenden drei Gruppen. ?1912/3 , engl.: “League for the Support of Buddhism.” Statuten veröffentlicht, Aktivitäten unbestätigt. ?1912/3: Fójiào qīngnián xuéhuì (, engl.: “Young Buddhist Study Ass.”) Statuten veröffentlicht, Aktivitäten unbestätigt. ?1912/3: Fóxué yánjiū huì (, engl.: “Buddhist Research Soc.”) Statuten veröffentlicht, Aktivitäten unbestätigt. 1917–?, Hángzhōu: Hángzhōu fóxué shè () Wohl unter Beteiligung von Fàn Gǔnóng () und Wú Bìhuá (). 1917 Peking: Zhōnghuá fójiào huì (, engl.: Chinese Buddhist Ass., 1917). Juni 1919 von Amts wegen aufgelöst, als nicht dem Vereinsrecht entsprechend. 1918–1921?, Shanghai: Jué shè (, engl.: Bodhi Society). Gegründet von Tàixū und einigen Laien in Shanghai, mit dem Ziel der Verbreitung buddhistischer Literatur. Hausblatt Hǎicháo yīn (; Hrsg. Shǐ Yīrú). Ende 1919 Umzug in den Jìngfàn Yuàn () am Westsee in Hángzhōu. 1918–1922, Shanghai: Shànghǎi shìjiè fójiào jūshì lín (). Laienorganisation, die sich 1922 in die Shìjiè fójiào jūshì lín und die “Pure Karma Association” teilte. Vorstand war der Industrielle Wáng Yītíng (, 1867–1938). Ihren Sitz hatte sie in den Hardoon Gardens. Die Shànghǎi Buddhist Pure Karma Association (上 海 佛 教 淨 業 社) hatte ihren Sitz war in der Chángdé-Road (früher Hart Rd.) () im „Garten der Erleuchtung“ (覺園). Von Anfang an lebten auf dem 8000 m² großen Gelände in einer Klause einige Mönche. Man publizierte dort die Zeitschrift Jìngyè yuèkān ( 1925 bis Oktober 1928). Huang Mao-lin († 1933, = Wong Mou-lam) wurde 1930 nach Ceylon entsandt, für kurze Zeit nach seiner Rückkehr gab er eine englische Zeitschrift heraus. In ihrer Frühzeit hatte hier auch die 1929 gegründete Chinese Buddhist Association (CBA, s. u.) ihren Sitz. Auf dem Gelände war dann 1933–1940 auch die buddhistische Radiostation XMHB (. Man sendete mit 500 W auf 980 kHz.) angesiedelt. Angeschlossen war auch 1935–1937 die Shànghǎi pútí xuéhuì (), eine Gruppe, die sich der Übertragung tibetischer Texte ins Chinesische widmete. Bis 1936 stand sie unter der Anleitung von Chísōng. An wohltätigen Aktivitäten unterhielt man ein Waisenhaus und gab chinesische Medizin und Kleidung an Bedürftige ab, bzw. sammelte für Opfer der von Hungersnöten und Überflutungen betroffenen Provinzen des Inlands. 1920er, Shanghai: Fójiào qīngnián huì (). Hausblatt: Juéxùn yuèkān (). 1920/1921–1939, Wuhan: Hànkǒu fójiào huì (, engl.: “Hangkow Buddhist Society”). Gegründet von den Laienanhängern Tàixūs: Chén Yuánbái (陳元白\index[cjk]{陳元白}), Lǐ Yǐnchén (李隱塵), Wáng Sēnfǔ (王森甫, Präsident der Handelskammer und erster Vorstand bis 1931). Förderte seit 1922 das Seminar (), geleitet von Táng Dàyuán (). Der Jahresbeitrag von 10 ch$ wurde Minderbemittelten erlassen. Umbenannt 1928 in Fójiào zhèngxìn huì (佛教正信會). Zu den Aktivitäten gehörte eine Ambulanz für Arme, Grundschule und Essensspenden zu Neujahr. Über eine nicht-buddhistische, weitere karitative Organisation finanzierte man ein Altersheim für nicht wiederverheiratete Witwen.Welch, Holmes; Buddhist Revival in China: with a section of photographs by Henri Cartier-Bresson; Cambridge 1968, S. 77–81. 1922, Shanghai: Shìjiè fójiào jūshì lín (). Wohl einflussreichste Laienorganisation im chinesischen Buddhismus des 20. Jahrhunderts. Seit 1954 unter dem Namen Shànghǎi fójiào jūshì lín (上海佛教居士林). Vorstand seit Gründung war Wáng Yītíng bis zu seinem Tode. 1948–1951 leitete Fàn Gǔnóng (). 1923, Peking: Fóhuà xīn qīngnián huì (, engl.: “Association for the Buddhacization of the New Youth”). Laienorganisation, anfangs als Běijīng fójiào xīn qīngnián huì (). Hausblatt Fóhuà xīn qīngnián (). Bereits 1924 um 10000 Mitglieder. Zweigstellen in Xiàmén, Tàiyuán, Shanghai, Wǔhàn und Quánzhōu. 1925 Peking: Zhōngguó fójiào huì (, engl.: “Chinese Buddhist Federation,” CBF). Offiziell gegründet 6. April (es kann sein, dass Vorläuferorganisationen seit 1924 in den Provinzen bestanden).水野梅曉 [Mizuno Baigyō]; 支那佛敎近世史の研究 [Shina Bukkyō kinseishi no kenkyū]; Tokyo 1925 (發賣元森江本店) ?1925 bis ?1956, Peking: Běijīng pútí xuéhuì (, engl.: “Bodhi Study Soc. (Peking)”). Vor allem ausgerichtet auf das Studium tantrischer Texte tibetanischer Lamas. Gab 1942 die Werke Tsongkhapas () heraus. Anfang der 1950er geleitet von Fǎzūn, dessen Werke ebenfalls verlegt wurden.Welch, Holmes; Buddhist Revival in China: with a section of photographs by Henri Cartier-Bresson; Cambridge 1968, S. 179. 1927–1950er, Peking: Sānshí xuéhuì (, engl.: “Three Ages [Times] Study Group”). Studiengruppe, die sich vor allem mit „nur Bewußtsein“ befasste. Wöchentliche Vorträge der durchschnittlich sechzig Mitglieder. 1928: Chiang-Che Fo-chiao Lien-ho-hui (“Kiangsu-Chekiang Buddhist Federation”). Gegründet auf Initiative von Yuányīng. 1928, April oder November 1929, Nanking: Chung-kuo Fu-hsüeh Hui (“Chinese Buddhist Studies Ass.”) Eine von Tàixūs Organisationen, sonntägliche Vorträge abhaltend, die auch nach Kriegsausbruch in Chungking fortdauerten. 1935–1937, Shanghai: Shànghǎi pútí xuéhuì (, engl.: “Bodhi Study Soc. (Shanghai)”). Ziel war die Verbreitung tibetanischer, tantrischer Texte. Leitend war bis 1936 Chísōng. Die Gruppe betätigte sich auch politisch als Lobbyisten zum Schutze buddhistischer Tempel. Dabei halfen die Verbindungen des ehemaligen Innenministers Qū Yìngguāng (, 1883–1973). Ebenfalls angesiedelt im „Garten der Erleuchtung.“

„Nanking-Dekade“ 1927–1938 Das nankinger KMT-Regime erließ 1929 eine kürzer gefasste Neuregelung der Vorschrift von 1915. Am 30. November verkündet, trat am 7. Dezember diese Kontrollverordnung (; 13 §§) in Kraft. Die Einführung des Zivilgesetzbuchs 1929/30 brachte die Abschaffung der „mönchischen Familie“ als eigener Zivilstand. Ordinierte waren fürderhin gewöhnliche Bürger mit allen entsprechenden Rechten und Pflichten. Die erwähnten gesetzlichen Maßnahmen sind nur als minimale Zugeständnisse eines diktatorischen Staatswesens zu sehen, dessen herrschende Klasse es sich alleine schon wegen der Vielzahl seiner äußeren Feinde nicht erlauben konnte, durch zu scharfe Maßnahmen sich zusätzlich noch mehr innere Feinde zu schaffen. Um einer Enteignung zu entgehen, gestatteten viele Tempel die Einrichtung von staatlich kontrollierten Grundschulen auf ihrem Gelände.

Buddhistischer Verband, gegründet 1929 Der 1929 gegründete shanghaibasierte „Buddhistische Verband“ (, CBA), war vor allem eine Vertretung Ordinierter.Die Satzung findet sich im Hausblatt , Vol. 1, No 2 (Juli 1930). Zwar waren an der Gründung auch Laien beteiligt, diese wurden jedoch nach 1936 auf Vorschlag von „reformbereiten“ Mönchen aus Ämtern ausgeschlossen. Als Organisation Ordinierter hatte man zwar eine gewisse Autorität, blieb jedoch intern zerstritten. Das Hauptquartier in Shanghai wurde bis 1937 mit der „Pure Karma Association“ geteilt. Tàixū und seine Anhänger gewannen 1945 die Kontrolle über den Verband, der orthodoxere Yìnguāng wurde verdrängt.Zur Organisation: 1) Erik Zürcher; Buddhismus in China, Korea und Vietnam; in: Heinz Bechert, Richard Gombrich (Hrsg.): Der Buddhismus: Geschichte und Gegenwart; München ³2008, S. 215–251, hier S. 249f.; 2) Prip-Møller, Johannes; Lohner, Henry; Buddhistische Tempel in China, 中原佛寺圖考; Norderstedt 2017; Bd. II: ISBN 978-3-7448-7273-7, S. 642f., 647. Ab 1936 wurden Mitgliedsbeiträge festgelegt (vorher operierte man auf Spendenbasis): Ordinierte 1 ch$, Laien 5 $. Die 1947 erneut geänderte Satzung hob den Satz auf einheitlich 5000 $ der stark entwerteten chinesischen Währung an.

Laienorganisationen Die zahlreichen Laienorganisationen, die vor allem eine stärkere Beteiligung an Riten erreichten, können hier nicht aufgeführt werden, da sie fast alle nur lokale Bedeutung hatten. Klassifizieren kann man sie in „Verdienst-Vereine“ (), die vor allem die Vorteile vegetarischer Ernährung propagierten und Studiengruppen, die auch entsprechende Traktate verbreiteten. Am häufigsten waren „Rezitationsgruppen“ (), die sich zum (oft stundenlangen) Rezitieren (Chanten) vom Sutrentexten oder dem Namen Buddhas trafen – sie standen meist dem „reinen Land“ nahe. In deren Namen finden sich auch oft Bezeichnungen wie „Lotus-Gesellschaft“ () oder „Reine Karma Gesellschaft“ ().Eine gewisse Übersicht vermitteln die neueren Arbeiten von V. Goossaert und Hammerstrom, die auch in die () eingeflossen sind. Auch: Prip-Møller, Johannes; Lohner, Henry; Buddhistische Tempel in China, 中原佛寺圖考; Norderstedt 2017; Bd. II: ISBN 978-3-7448-7273-7, S. 647.

Seit 1949 Bereits in den frühen 1950ern richtete man in der Hauptstadt eine Ministerialabteilung ein, die sich mit religiösen Fragen befasste (engl.: „Religious Affairs Bureau“). „Genehmigte Stätten religiöser Aktivitäten“ () werden von der chinesischen Regierung ausgewiesen.Gesetzliche Grundlage ist vom 31. Januar 1994. Die heute Staatliches Amt für religiöse Angelegenheiten (SARA) genannte Dienststelle benutzt als Schnittstellen zu den anerkannten Religion jeweils registrierte Verbände, für den Buddhismus ist es die: