HMS Laforey (G99) war einer der acht Zerstörer der am 31. März 1938 bestellten L-Klasse der Royal Navy. Der Zerstörer wurde als Flottillenführer der Klasse im August 1942 von der Bauwerft Yarrows abgeliefert. Er wurde als sechstes Schiff der neuen L-Klasse fertiggestellt und war mit den für die Klasse neuentwickelten Doppellafetten mit neuen 120-mm-Geschützen ausgerüstet, die als Seeziel- und Fliegerabwehrgeschütze eingesetzt werden konnten.
Die Laforey wurde im Zweiten Weltkrieg mit den Battle Honours Malta Convoys 1942, Atlantic 1942, Diego Suarez 1942, Sicily 1943, Salerno 1943, Mediterranean 1943-44 und Anzio 1944 ausgezeichnet.HMS LAFOREY (G 99) - L-class Flotilla Leader auf naval-history.net
Am 30. März 1944 wurde der Zerstörer im Mittelmeer etwa 60 sm nordöstlich von Palermo durch das deutsche U-Boot U 223 auf versenkt. Beim Untergang der Laforey verloren 182 Besatzungsmitglieder ihr Leben.HMS LAFOREY (G 99) auf uboat.net
Geschichte des Zerstörers HMS Laforey wurde mit dem Schwesterschiff Lance am 31. März 1938 bei Yarrow Shipbuilders in Glasgow-Scotstoun in Auftrag gegeben. Die Kiellegung der Neubauten mit den Baunummern 1719/1720 erfolgte am 1. März 1939 drei Monate später als bei den sechs anderen Schiffen der Klasse. Die Lance lief am 28. November 1940 vom Stapel, Laforey folgte erst am 15. Februar 1941. Der Neubau war das zweite Schiff der Royal Navy, das nach Sir Francis Laforey (1767–1835), dem Kommandanten des Linienschiffs Spartiate 1805 in der Seeschlacht bei Trafalgar und späteren Admiral benannt wurde. Der erste Namensträger war ein 1912 bis 1914 bei Fairfields gebauter Zerstörer, der noch als Florizel vom Stapel lief. Als die Admiralität 1913 für alle Klassen Buchstaben vergab, gehörte er zur noch im Bau befindlichen L-Klasse, die dann alle mit „L“ beginnende Namen erhielten. Umbenannt in Laforey wurde der Zerstörer Namensgeber der Klasse. 1917 sank die erste Laforey im Kanal, als sie auf eine britische Mine lief.
mini|links|Die gleichzeitig bei Yarrows gebaute Lance mit den 102 mm-Zwillingen Am 26. August 1941 wurde der neue Flottillenführer Laforey, drei Monate nach der auf vier 102-mm-Mk.XVI-Zwillingsgeschütze umgerüsteten Lance, als sechstes Schiff der L-Klasse in Dienst gestellt. Bei ihrer Fertigstellung führte die Laforey neben den drei für die Klasse neuentwickelten Doppellafetten mit 120 mm-L/50 Kanonen auch noch eine 102 mm-L/45-Mk.V-Flak an Stelle des ursprünglich vorgesehenen hinteren Torpedorohrsatzes. Dieser Einbau erfolgte auch auf den anderen elf Zerstörern der L- und M-Klasse mit den neuen 120 mm-Zwillingsgeschützen, da die Admiralität weiterhin die hinreichende Ausstattung der Zerstörer zur Abwehr von Luftangriffen auf Flottenverbände bezweifelte. Für die Nahbereichsflugabwehr verfügte die Laforey über eine Vierlings-2 pdr-40 mm-Pompom hinter dem Schornstein, zwei einzelne 20-mm-Oerlikon-Maschinenkanonen sowie zwei schwere Vierlings- und zwei Zwillings-12,7 mm-Vickers-Maschinengewehre. Dazu kam noch ein Vierlings-21-Zoll-(533-mm)-Torpedorohrsatz (statt der ursprünglich geplanten zwei Fünffachsätze) und 45 Wasserbomben. Die Maschinengewehre wurden 1942 durch vier weitere Oerlikon-Kanonen ersetzt. 1943 wurden vier der sechs vorhandenen einzelnen Oerlikons durch Zwillingsgeschütze ersetzt.
Einsatzgeschichte Nach Durchführung der Abnahmetests verlegte die Laforey nach Scapa Flow zur Home Fleet, um ihre Besatzung auszubilden und das Schiff einzufahren. Schon Anfang September wurde sie Flottillenführer der 19th Destroyer Flotilla und begleitete Mitte September mit zwei Schlachtschiffen, vier Kreuzern und fünf weiteren Zerstörern, darunter das Schwesterschiff Lightning, einen Sondertransport nach Gibraltar, der letztlich für Malta bestimmt war. Am 24. September verließ dann der „Versorgungskonvoi GM.2“ Gibraltar mit neun Transportern, zu dessen Schutz zwei Deckungsgruppen in See gingen mit dem Flugzeugträger Ark Royal, drei Schlachtschiffen, fünf Kreuzern, Laforey und fünfzehn weiteren Zerstörern, darunter die Schwesterschiffe Lightning, Gurkha(begonnen als Larne), Legion, Lance, Lively, sowie zwei Hunt-Zerstörern (Operation Halberd). Laforey und Lightning sicherten auf dem Marsch ins Mittelmeer vorrangig den Träger; dabei wurde Laforey erfolglos von einem italienischen Torpedobomber angegriffen. Am Abend des 27. gehörte die Laforey zu dem Teil der Flotte, der den Konvoi bis nach Malta geleiteten sollte und als „Force X“ bezeichnet wurde. Zu ihm gehörten noch die Zerstörer Cossack, Zulu, Foresight, Forester, Fury und Oribi*, die Hunt-Zerstörer Farndale und Heythrop sowie die Kreuzer Edinburgh*, Euryalus*, Hermione und Sheffield* während die restlichen Einheiten westlich der Straße von Sizilien zurückblieben.Mit * gekennzeichnete Schiffe waren ab Großbritannien am Konvoi eingesetzt. Am 28. September erreichten acht Transporter Malta und die Force X lief nach Westen zurück.Rohwer: Seekrieg, 24. – 30.9.1941 Mittelmeer, Operation Halberd Die in der „Operation Halberd“ eingesetzten Verbände trafen in der Nacht zum 1. Oktober wieder in Gibraltar ein. Das von der Home Fleet für diese Operation abgeordnete und mit dem Versorgungsgeleit verlegte Schlachtschiff Prince of Wales verließ am Abend Gibraltar, um zur Home Fleet nach Scapa Flow zurückzukehren. Es wurde von den Zerstörern Laforey, Lightning, Lively und Oribi als Sicherungschirm begleitet, von denen Lively unterwegs entlassen wurde und nach Gibraltar zurückkehrte. Der Verband erreichte am 6. Oktober Scapa Flow.
Vom 25. bis 29. Oktober 1941 verlegten die zur Force H versetzten Laforey und Lightning nach Gibraltar. Dort wurden die Zerstörer sowohl in der Konvoisicherung von Gibraltar bis in die Biskaya und umgedreht als auch in der Sicherung von Einheiten der Force H im Mittelmeer eingesetzt, insbesondere wenn Träger Jagdflugzeuge nach Malta einflogen. So begleitete die Laforey mit den sechs Zerstörern Lightning, Gurkha, Legion, Sikh, Zulu und die niederländische Isaac Sweers ab dem 10. November 1941 die Flugzeugträger Ark Royal und Argus, das Schlachtschiff Malaya, die Hermione ins westliche Mittelmeer, wo von den Trägern 37 Hurricane-Jäger nach Malta starteten. Auf dem Rückmarsch von der planmäßig durchgeführten Operation griffen am 13. November U-Boote den Verband an und U 81 (Kapitänleutnant Guggenberger) torpedierte die Ark Royal, die am nächsten Tag im Schlepp nach Rettung der Besatzung noch 25 sm vor Gibraltar sank.Rohwer: Seekrieg, 10. – 14.11.1941 Mittelmeer, Operation Perpetual. Legion hatte am 13. schon kurz nach dem Treffer den größten Teil der Besatzung des Trägers übernommen. Laforey hatte den Träger, dessen eigene Maschinen zeitweise völlig ausgefallen waren, bis kurz vor dem Untergang mit Strom und einer Kesselwasserleitung für die wieder in Gang gekommenen Antriebsmaschinen versorgt. Nach der Rückkehr nahmen die in Gibraltar stationierten Zerstörer ihre Routineeinsätze bei der Force H wieder auf.
1942 Im Januar 1942 bildete die Laforey mit den Zerstörern Hesperus, Westcott (auf dem ein Hedgehog-Werfer getestet wurde) und der Croome der Hunt-Klasse eine neue U-Jagdgruppe bei der Force H, die bei Bedarf Konvois unterstützte, in der Regel aber verhindern sollte, das feindliche U-Boote die Straße von Gibraltar passierten. Bei der Verteidigung des Konvois SL 97 unterstützte Laforey am 15.(18.?) Januar die Hesperus bei der Versenkung des deutschen U-Boots U 93; 41 Mann der schiffbrüchigen Besatzung konnten gefangen genommen werden.
Ende Februar war die Laforey an einem Versuch der Force H beteiligt, bei dem Jagdflugzeuge von den Flugzeugträgern Argus und Eagle nach Malta überführt werden sollten, der südlich der Balearen wegen Problemen mit den zusätzlichen Treibstofftanks der Flugzeuge für den Überführungsflug abgebrochen wurde.Rohwer: Seekrieg, 27. – 28.2.1942 Mittelmeer, Operation Spotter. Bei der Wiederholung dieses Vorhabens Anfang März starteten südlich der Balearen fünfzehn Spitfire-Jäger von den Trägern nach Malta und erreichten die Insel. Die Sicherung der beiden Träger bestand aus dem Schlachtschiff Malaya, dem Kreuzer Hermione und den Zerstörern Lightning, Active, Anthony, Whitehall und Wishart neben der Laforey sowie drei Hunt-Geleitzerstörern.Rohwer: Seekrieg, 5. – 9.3.1942 Mittelmeer, Operation Spotter II. Ein am 20. März begonnener ähnlicher Einsatz, bei dem die Duncan die Lightning ersetzte, wurde am 23. nach einem italienischen U-Boot-Angriff und wegen schlechter Wetterbedingungen abgebrochen. Das Unternehmen wurde vom 27. bis 30. März mit der gleichen Zusammensetzung wiederholt und 16 Spitfire-Jäger erreichten Malta.Rohwer: Seekrieg, 20. – 30.3.1942 Mittelmeer, Operation ‘Picket I and II’
Danach wurde die Laforey mit anderen Einheiten der Force H dem Verband zugeteilt, der den vichy-treuen französischen Flottenstützpunkt Diego Suarez besetzen sollte Operation Ironclad. Sie verließ dazu am 1. April Gibraltar zusammen mit Malaya, Hermione, Lightning, Lookout und Duncan Richtung Freetown. Der Marsch nach Südafrika erfolgte als Sicherung des Truppengeleits WS 17, aber auch in Kriegsschiffsgruppen. Zum Auftanken und Versorgen lief der Zerstörer nach Freetown auch noch St. Helena, Kapstadt und Durban an, das dann am 28. April zum Angriff auf die von Vichy-Frankreich beherrschte Insel verlassen wurde.Rohwer: Seekrieg, 25.4. – 4.5.1942 Indischer Ozean, Vorbereitung für brit. Landung nahe Diego Suarez. Die Landung der britischen Truppen erfolgte am 4. Mai nahe dem französischen Flottenstützpunkt Diego Suarez. Die Invasionsflotte bestand neben den Landungsschiffen und Transportern aus dem Schweren Kreuzer Devonshire, elf Zerstörern – darunter Laforey und ihre Schwestern Lightning und Lookout-, acht Korvetten der Flower-Klasse und vier Minensuchern.Rohwer: Seekrieg, 4. – 8.5.1942 Indischer Ozean, Britische Landung auf Madagaskar (Operation Ironclad). Laforey hatte mit Anthony die Anmarschwege der Landungsschiffe markiert, leistete bei der Landung Artillerieunterstützung und setzte am 5. Mai zusammen mit Flugzeugen der Indomitable das letzte Überwasserkriegsschiff der Franzosen, den Aviso D'Entrecasteaux, außer Gefecht. Das sinkende Schiff wurde von den Verteidigern auf Grund gesetzt.
Auch nach der Kapitulation von Diego Suarez verblieb die Laforey im Seegebiet um Madagaskar, suchte nach feindlichen U-Booten und unterstützte die weitere Besetzung der Insel. Ende Mai verlegte sie dann mit Lightning und Lookout über die Seychellen zur Eastern Fleet nach Colombo. Im Juni war sie als Sicherungszerstörer an einigen Vorstößen der Eastern Fleet u. a. mit den Trägern Illustrious und Indomitable beteiligt. Ende Juli kehrte der Zerstörer wieder an die ostafrikanische Küste zurück, um ab Mombasa mit den vorgenannten Schwesterschiffen die Sicherung des Trägers Indomitable zu bilden, der für eine neue Versorgungsoperation des heftig bedrängten Malta benötigt wurde. Über Durban, Kapstadt und Pointe-Noire (Belgisch-Kongo) marschierte der Verband bis zum 28. Juli nach Freetown, wo der Flakkreuzer Phoebe den Verband verstärkte.
Am 5. August nahm der Verband westlich von Gibraltar an einer Übung teil, um Taktiken und Manöver zur Verteidigung des geplanten Malta-Konvois zu üben. Neben einigen Handelsschiffen nahmen insgesamt vier Träger, drei Kreuzer und zehn Zerstörer an dieser Übung teil (Exercise Berserk).