Karl Johann Stratil (* 11. Juli 1894 in Olmütz, Mähren, Österreich-Ungarn; † 5. Februar 1963auch 1958 wird in diversen Quellen als Todesjahr genannt in Leipzig, Sachsen) war ein deutscher Künstler. In Prag arbeitete er unter dem Namen Karel Stratil.Stratil, Karel, auf: nkp.cz, abgerufen am 1. Oktober 2017.Stratil, Carl; Stratil, Karel; Stratil, Karl, auf: isni.org, abgerufen am 1. Oktober 2017.
Leben und Werk Stratil wurde als viertes von acht Kindern des Rohrmeisters der Gas- und Wasserwerke Mauriz Stratil und seiner Frau Maria geb. Klimus geboren. Stratils künstlerische Begabung fiel bereits seinem Lehrer Ignaz Neunteufel an der Oberrealschule auf. Studieren durfte er jedoch keine künstlerische Richtung. Stattdessen konnte er in Wien ein Studium an der Technischen Hochschule aufnehmen, um Architekt zu werden.Julia Blume: Karl Stratils Porträtgalerie. Tafeltext zur Ausstellung Wiedergefunden. Holzschnitte von Karl Stratil im Leipziger Reclam-Verlag. Haus des Buches, Leipzig 2012. Dort allerdings wurde er nicht in den Vorlesungen gesichtet, sondern nahezu ausschließlich in den Räumlichkeiten der Kunstakademie, insbesondere in deren Aktsaal.Xaver Schaffer: Der sudetendeutsche Maler und Graphiker Karl Stratil – 50 Jahre, in: Sudetendeutsche Tageszeitung, 11. Juli 1944.
Als der Erste Weltkrieg ausbrach, wurde er Soldat der k.u.k. Gemeinsamen Armee im Olmützer Hausregiment IR Nr. 54. Während oder nach der Brussilow-Offensive gelangte er 1916 in russische Kriegsgefangenschaft. Als Divisionsmaler im Stab der Tschechoslowakischen Legionen kehrte er 1920 aus Sibirien über die Mongolei wieder zurück nach Olmütz, das inzwischen Olomouc hieß.Werner Teupser: Karl Stratil, Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik (= Deutsche Buchkünstler und Gebrauchsgraphiker der Gegenwart), Deutscher Buchgewerbeverein (Hrsg.), Leipzig, Februar/März 1927, S. 10.
Noch im selben Jahr orientierte er sich neu, zog nach Leipzig und begann dort am 18. Oktober ein Studium an der Staatlichen Akademie für Graphische Künste und Buchgewerbe bei Alois Kolb, dem Leiter der Radierwerkstatt, und bei Hans Alexander Müller (Holzschnitte). Finanziert wurde dies durch Stratils jüngeren Bruder Franz, der als Bankbeamter über ein vergleichsweise sicheres Einkommen verfügte.Maria Straub (Tochter von Karl Stratil), Stuttgart, Auskunft vom April 2012.
Stratil beherrschte alle druckgrafischen Techniken, wand sich aber besonders dem Holzschnitt zu. Sehr rasch widmete er sich der Buchillustration und wurde er einer der produktivsten Buchillustratoren Deutschlands. Seine Zusammenarbeit mit Philipp Ernst Reclam begann bereits 1920, wurde jedoch vor allem in den 1930er Jahren besonders sichtbar, wo er beispielsweise für den Leipziger Gustav Weise Verlag ein Werk von Martin Luserke illustrierte.Martin Luserke: Der kleine Schühß und andere Geschichten. Ein Buch von der Wattenküste. Mit Illustrationen v. Karl Stratil. Gustav Weise Verlag, Leipzig/Berlin 1935. (Neuauflage: ISBN 978-3-7822-0186-5) Es entstanden Porträts von Dante oder ein in Rötel ausgeführtes Abbild von Cosima Wagner für deren Biographie.Max von Millenkovich-Morold: Cosima Wagner. Ein Lebensbild, Reclam-Verlag, Leipzig 1937. Stratils Holzschnitte wurden sehr beliebt, beispielsweise seine Porträts von Bach, Beethoven, Engels, Goethe, Marx, Mozart, Pestalozzi, Schiller.Carmen Laux: Unser geschätzter Meister des Stifts, in: Ingrid Sonntag: An den Grenzen des Möglichen. Reclam-Leipzig 1945–1991. Ch. Links Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-86153-931-5, S. 334ff. Außerdem machte Stratil Illustrationen für populäre Zeitungen und Zeitschriften, u. a. für das Kriminal-Magazin.
Zeitweise lebte und arbeitete er in den 1920er und 1930er Jahren in Prag. Er gestaltete Holzschnitte und Illustrationen zu zahlreichen Druckwerken und Buchumschlägen, insbesondere jedoch für den Reclam-Verlag,Karl Stratil/Karel Stratil, auf: germandesigners.net, abgerufen am 1. Oktober 2017. auf den er großen Einfluss nahm., in: Leipziger Volkszeitung, 22. Februar 2017, auf: lvz.de, abgerufen am 1. Oktober 2017. In der Zeit des Nationalsozialismus war Stratil Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste. Es ist jedoch die Teilnahme an nur einer Ausstellung bekannt.Martin Papenbrock, Gabriele Saure (Hrsg.): Kunst des frühen 20. Jahrhunderts in deutschen Ausstellungen. Teil 1. Ausstellungen deutsche Gegenwartskunst in der NS-Zeit. VDG, Weimar, 2000
Das Leipziger Adressbuch verzeichnete ihn u. a. 1943 im Schönauer Weg 100.
1945 war er für die Messestandgestaltung des Reclam-Verlags zuständig.Musterschau Leipziger Erzeugnisse, 18. bis 23. Oktober 1945, auf: uni-leipzig.de, abgerufen am 1. Oktober 2017. Er plante zusammen mit Philipp Ernst Reclam (1876–1953), den er auch porträtierte,Ernst Reclam, Porträt (Kohlezeichnung) von Karl Stratil aus dem Jahr 1948, auf: bpb.de, abgerufen am 1. Oktober 2017. eine Porträtsammlung Großer Männer und Frauen, Holzschnitte in Einzelblättern, von denen bis 1951 insgesamt 52 erschienen. 1953 wurde die Serie vor dem Hintergrund personeller und politischer Umwälzungen unvollendet eingestellt. 2012 wurde die Porträtsammlung erstmals nahezu vollständig öffentlich ausgestellt und kommentiert.Literaturhaus Leipzig: Wiedergefunden – Holzschnitte von Karl Stratil im Leipziger Reclam-Verlag, 8. Mai bis 29. Juni 2012.
Stratil war Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR. Ein Teil-Nachlass Stratils findet sich im Deutschen Buch- und Schriftmuseum in Leipzig.Vor- und Nachlässe. Website der Deutschen Nationalbibliothek. Zugriff am 22. Juli 2024.
Werkbeispiele Siehe auch
Deutsche Fotothek
Bildindex der Kunst und Architektur
Druckgrafik Feuer (Lithografie, 1912) China (sechs Holzschnitte, ca. 1924) Rainer Maria Rilke. Die Weise von Liebe und Tod des Kornetts Christoph Rilke (elf Lithografien, als Mappe 1923 erschienen bei Karl W. Hiersemann, Leipzig) In der Glashütte (Holzstich, 40 × 43,5 cm; ausgestellt 1953 auf der Dritten Deutschen Kunstausstellung der DDR) Schichtwechsel (Lithografie; ausgestellt 1953 auf der Dritten Deutschen Kunstausstellung)
Buchillustrationen Alexei Tolstoi: Iwan der Schreckliche. Verlag Erich Matthes, Leipzig, Hartenstein, 1924 Graf Arthur Gobinau: Der Turkmenenkrieg. Verlag Erich Matthes, Leipzig und Hartenstein. 1924 Nikolaj Gogol: Schreckliche Rache. Verlag Erich Matthes, Leipzig und Hartenstein. 1924 Hermann Kurz: Sankt Urbans Krug. Das Arcanum. Verlag Erich Matthes, Leipzig, Hartenstein, 1924 John Cleland: Die Memoiren der Fanny Hill. Wien 1925 Robert Hohlbaum: Die Herrgotts-Symphonie. Eine Bruckner-Novelle. Fr. Kistner & C.F.W. Siegel, 1925 Iwan Sergejewitsch Turgenew: Die Uhr. Verlag Erich Matthes, Leipzig, Hartenstein, 1925 (163. Zweifäusterdruck) Gustav Schalk: Nordisch-Germanische Götter- und Heldensagen. Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg, 1930 Ivan Olbracht: Der vergitterte Spiegel. Büchergilde Gutenberg, Berlin, 1932 Herbert Kranz: Die weiße Herrin von Deutsch-Ost. Volker-Verlag, Köln, 1935 Adalbert Stifter: Bergkristall. DBG, Berlin, 1935 Meta Scheele: Stier und Jungfrau. P. List, Leipzig, 1936 Conrad Ferdinand Meyer: Novellen. Reclam, Leipzig 1937 Ferdinand Emmerich: Der Medizinmann. Ernst Staneck Verlag, Leipzig, 1937 Grete Hoyer: Das Hexennest. Drei Märchen. Verlagsbuchhandlung Erich Matthes Hamburg Hartenstein Leipzig, 1940 Ferdinand Emmerich: Der Einsiedler von Guayana. Mainzer Verlagsanstalt, Mainz, 1940 Curt Strohmeyer: Petsamo, Ladoga. Volk und Landschaft zwischen Finnland und Russland. Fikentscher, Leipzig, 1940 Werner Wrage: Nordafrika. Volk und Landschaft zwischen Rif und Nil. Fikentscher, Leipzig, 1942. Heinrich Schulte-Altenroxel: Ich suchte Land in Afrika. E.A. Seemann Verlag, Leipzig 1942 Hans Reh: Knappen-Balladen. Verlag Erich Matthes, Leipzig, Hartenstein, 1944 Margarethe von Rohrer: Malerreise in Italien. Widukind-Verlag Boss, Berlin, 1944 Ernst Frank: Goethe im Elbogener Ländchen. Volk u. Reich Verlag, Prag, 1944 Gottfried August Bürger. Münchhausen. Gauverlag, Bayreuth, 1944 (Bayreuther Feldpostausgaben) Daniel Defoe: Robinson Crusoe. Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig, 1950 Erika Matthes: Kraft der Gnade. Evangelische Verlagsanstalt, Berlin, 1951 Clara Viebig: Berliner Novellen. Verlag Das Neue Berlin, Berlin 1952 Heinz Rusch: Schiffe vor der Fahrt. Philipp Reclam jun. Leipzig, Leipzig, 1952 Wernher der Gärtner: Meier Helmbrecht, Ernst Wunderlich, Leipzig, 1952 Karl Toth: Wien. Die ewig junge Stadt. Fikentscher, Ravensburg, 1952 François Villon: Die lasterhaften Lieder. Greifenverlag Rudolstadt, 1952 Klaus Beuchler: Schwarzes Land und rote Fahnen. Tribüne-Verlag, Berlin, 1953 Alex Wedding: Das Eismeer ruft. Der Kinderbuchverlag Berlin, vor 1954 Willibald Alexis: Der Roland von Berlin. Verlag Das Neue Berlin, 1954 Ernst Frank: Goethes böhmische Wanderungen. Heimreiter, Frankfurt/Main, 1956 Gustaw Morcinek: Räuber, Rächer und Rebell. Volksverlag, Weimar, vor 1956 Willibald Alexis: Der Werwolf. Rütten & Loening, Berlin, 1956 Rustem - Persische Heldensagen. Ernst Wunderlich, Tübingen, 1956 Theun de Vries: Hochzeitslied für Swaantje. Henschel-Verlag, Berlin, 1957 Hartmann von der Aue: Der arme Heinrich. Prisma-Verlag, Leipzig, 1958 Kalewala. Finnische Heldensagen. Prisma-Verlag, Leipzig, 1959 Robert Louis Stevenson: Die Schatzinsel. Neues Leben, Berlin 1960 Voltaire: Candide oder die beste aller Welten. Greifenverlag, Rudolstadt, 1972
Ausstellungen (unvollständig) Einzelausstellungen 1940: Leipzig, Gohliser Schlösschen (Bach-Archiv) 1954: Leipzig, Museum der bildenden Künste
Postum 1964: Leipzig, Deutsche Bücherei 2012: Leipzig, Haus des Buches ("Wiedergefunden – Holzschnitte von Karl Stratil im Leipziger Reclam-Verlag")„Wiedergefunden“: Ausstellungseröffnung im Haus des Buches. Porträtsammlung von Karl Stratil im Leipziger Reclam Verlag, auf: uni-leipzig.de, abgerufen am 1. Oktober 2017.
Gruppenausstellungen 1936: Berlin, Haus der Kunst („Bildnisse deutscher Männer“) 1947: Leipzig, Museum der bildenden Künste („Buch – Schrift – Werbekunst. Schau des graphischen Schaffens seit 1945“) 1953: Dresden Albertinum (Dritte Deutsche Kunstausstellung)Digitale Sammlungen: Dritte deutsche Kunstausstellung Dresden 1953
Postum 1965: Leipzig, Museum der bildenden Künste („500 Jahre Kunst in Leipzig“) 1979: Berlin, Ausstellungszentrum am Fernsehturm („Buchillustrationen in der DDR“) 2013: Köln, Universitäts- und Stadtbibliothek („François Villon. Die Buchillustrationen des 20. Jahrhunderts aus den deutschsprachigen Ländern“)
Literatur Werner Teupser: Karl Stratil. F.Ullmann, Graphische Kunstanstalt und Verlag, Zwickau, 1927 (Hrsg.: Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik, Leipzig, Deutscher Buchgewerbeverein) Hans Bockwitz: Junge deutsche Buchkünstler, Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik, Leipzig, Deutscher Buchgewerbeverein (Hrsg.), November 1934, S. 699–784. Walter Hofmann: Minute graphic art about New Year (New Year cards), Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik, Leipzig, Deutscher Buchgewerbeverein (Hrsg.), Januar 1938, S. 19–22. Rudolf Linke: The book artist Karl Stratil, Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik, Leipzig, Deutscher Buchgewerbeverein (Hrsg.), Mai 1938. Charlotte Fergg-Frowein (Hrsg.): Kürschners Graphiker Handbuch. Deutschland Österreich Schweiz. Walter De Gruyter und Co., Berlin, 1959, S. 169 Barbara Hornberger: Auf der Insel der Phantasie. Zum 101. Geburtstag des Künstlers Karl Stratil, Illustration 63, April 1995, S. 5–9. Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 934 Carmen Laux: Eine Porträtsammlung von Karl Stratil, in: Flachware: Fußnoten der Leipziger Buchwissenschaft 2 (2011/2012) (= Kunstblätter bei Reclam), Verlag Philipp Reclam Junior, Leipzig 2012. S. 25–37.