Die Burschenschaft Alemannia ist eine schlagende und farbentragende Studentenverbindung in Gießen.

Geschichte Gründungsphase Am 11. Dezember 1861Ernst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 47. wurde im Gießener Promenadenhaus der Studentenverein Alemannia gegründet, mit dem Ziel die Vormachtstellung der Corps an der Universität Gießen zurückzudrängen. 1862 entwickelte sich die Alemannia zur Studentenverbindung, die sich mit der Burschenschaft Germania und dem Wingolf zum Gießener Präsiden-ConventFriedrich Waas: Geschichte des Gießener Wingolfs. In: Hans Waitz (Hrsg.): Geschichte der Wingolfsverbindungen. Darmstadt 1914, S. 288–289. zusammenschloss, um so ein Gegengewicht zum Gießener Senioren-Convent zu stellen. Aufgrund inhaltlicher Differenzen löste sich der Präsiden-Convent bereits im Wintersemester 1863/64 wieder auf.Anonymus: Aus dem Wingolf – Eine Blüthenlese. 3. Aufl., Halle/Erlangen 1875. Am 14. November 1863 wurde die Alemannia schließlich zur Burschenschaft und bildete ab dem 17. Februar 1869 gemeinsam mit der Burschenschaft Germania den Gießener Deputierten-Convent.Jürgen Setter: Kleine Geschichte der Verbindungen in Gießen. Verlag Friesland, Sande 1983, ISBN 3-9800773-0-6, S. 150. Am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 nahmen 16 Mitglieder der Alemannia teil. In den Jahren 1873 bis 1877 musste die Alemannia aufgrund Mitgliedermangels suspendieren und konnte erst am 16. April 1877 den Aktivenbetrieb wieder aufnehmen. Im Wintersemester 1878/79 trat sie dem Eisenacher Deputierten-Convent bei.Hugo Böttger (Hrsg.): Handbuch für den Deutschen Burschenschafter. Berlin 1912, S. 345. 1881 wurde sie Mitglied im Allgemeinen Deputiertenconvent, der späteren Deutschen Burschenschaft; die Alemannia gehörte der damals arministischen Richtung an. mini|Das Alemannenhaus in der Gutenbergstraße 1890 gründete sich der Altherrenverband der Alemannia, welcher maßgeblich zur Grundsteinlegung des 1901 eingeweihten, denkmalgeschützten Alemannenhauses. war, welches noch heute von der Aktivitas bewohnt wird.

Die Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg mini|Die Alemannia als Mitglied der Deutschen Burschenschaft (1915) Am Ersten Weltkrieg nahmen 196 Mitglieder der Alemannia teil, von denen 33 starben.

1922 trat die Alemannia dem Weißen Kreis bei, und verfolgt bis heute dessen Prinzipien. 1925 trat sie dem Altweißen Kartell bei.

Im Wintersemester 1930/31 bestand die Alemannia aus 253 Alten Herren und 93 Mitgliedern der Aktivitas.

Als 1935 die Deutsche Burschenschaft in den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund eingegliedert werden sollte, lehnte die Aktivitas der Alemannia den weiteren Verbleib in der DB ab, verließ diese und trat der Alten Burschenschaft bei. Ab dem Wintersemester 1937/38 bestand die Alemannia als Kameradschaft V bzw. als Kameradschaft auf dem Alemannenhaus weiter; ab 1943 als Kameradschaft Karillon bzw. Kameradschaft Kießling.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Alemannenhaus 1940 von der Wehrmacht beschlagnahmt und für Luftschutzzwecke genutzt, so dass die Kameradschaft für ihren Aktivenbetrieb auf andere Verbindungshäuser ausweichen musste. Im Zweiten Weltkrieg starben 53 Mitglieder der Alemannia.

Nachkriegszeit Nach dem Ende des Krieges wurde das Alemannenhaus zwangsweise an das Arbeits- und Besatzungskostenamt vermietet und konnte erst 1955 teilweise und 1960 vollständig wieder für den Aktivenbetrieb genutzt werden. 1950 war die Alemannia an der Wiedergründung der Deutschen Burschenschaft beteiligt. Im selben Jahr wurde das Altweiße Kartell wieder aufgetan. Zum Stiftungsfest 1951 lehnte ein Teil der Aktivitas das Farbentragen, sowie das Schlagen von Mensuren ab, sodass die Aktivitas von der Altherrenschaft suspendiert wurde. Diese Studenten gründeten anschließend die Gießener Burschenschaft Wartburg.

Die Alemannia wurde 1952 wieder Mitglied der Deutschen Burschenschaft.

Von 1972 bis 1993 gehörte die Alemannia dem Ring Weißer Burschenschaften an.

Auf dem Nachbargrundstück des Verbindungshauses wurde im Jahre 1993 ein Appartementhaus mit 15 Wohneinheiten gebaut, welches als Studentenwohnheim genutzt wird.

2009 trat die Alemannia aus der Deutschen Burschenschaft aus und gehört seitdem keinem Korporationsverband an.

Couleur und Wahlspruch Das Band der Alemannia hat die Farben Blau-Rot-GoldPaulgerhard Gladen: Gaudeamus igitur: Die studentischen Verbindungen einst und jetzt. Callwey, München 1986, S. 216. mit goldener Perkussion. Die Füchse tragen die Farben Blau-Rot-Blau.Deutscher Universitäts-Kalender. Winter-Semester 1913/14. Leipzig 1913, S. 101. Als Kopfbedeckung wird eine hellblaue Tuchmütze getragen.

Der Wahlspruch der Alemannia lautet: Viribus Unitis!

Bekannte Mitglieder Carl Steuernagel (1848–1919), Kölner Stadtbaurat Hermann von Ihering (1850–1930), Arzt, Zoologe und Paläontologe, Direktor des Museu paulista in São Paulo, Brasilien Adam Karrillon (1853–1938), Arzt und Schriftsteller Adolph Windecker (1857–1939), hessischer Landtagsabgeordneter Adam Schneider (1860–1931), Universitätsbibliothekar Wilhelm Glässing (1865–1929), Oberbürgermeister von Darmstadt, hessischer Landtagsabgeordneter Karl Glässing (1866–1952), Oberbürgermeister von Wiesbaden und Oberfinanzpräsident in Darmstadt Karl Lohmann (1866–1946), Preußischer Landtagsabgeordneter, Reichstagsabgeordneter Emil Berndt (1874–1954), Reichstagsabgeordneter, Bezirksbürgermeister des Berliner Bezirks Schöneberg Hans Reichelt (1877–1939), Indogermanist Hugo Hepding (1878–1959), Klassischer Philologe, Volkskundler und Bibliothekar Otto Schmidtgen (1879–1938), Paläontologe und Direktor des Naturhistorischen Museums in Mainz Wilhelm Gundel (1880–1945), Klassischer Philologe, Professor an der Universität Gießen Franz Maximilian Groedel (1881–1951), Kardiologe und Hochschullehrer Karl Hahn (1882–1963), Physiker, Mathematiker und Pädagoge Friedrich August Wirth (1883–1945), Tierarzt und NSDAP-Kreisleiter von Alzey-Oppenheim Carl Krauch (1887–1968), Chemiker, Großindustrieller, Wehrwirtschaftsführer im nationalsozialistischen Deutschen Reich, verurteilter Kriegsverbrecher Wilhelm Löhr (1889–1941), Chirurg und Hochschullehrer Karl Schilling (1889–1973), hessischer Landtagsabgeordneter, Reichstagsabgeordneter (NSDAP) Georg Heinrich Arcularius (1893–1968), Professor für Tierzucht und Tierernährung Adolf Tegtmeier (1894–1975), Mediziner Karl Wilhelm Altheim (1899–1961), Bürgermeister von Frankfurt am Main Hermann Wenzel (1900–1944), Geograph und Hochschullehrer Willy Zschietzschmann (1900–1976), klassischer Archäologe und Hochschullehrer Wilhelm Wetzel (1902–1976), Oberbürgermeister von Lüneburg (NSDAP) Alfred Filbert (1905–1990), SS-Obersturmbannführer, verurteilt wegen 6.000-fachem Mordes (ausgeschieden 1962) Paul Ringshausen (1908–1999), Jurist, Nationalsozialist, Angehöriger der Gestapo und Landrat in Dillenburg Hans Georg Gundel (1912–1999), Althistoriker, Inhaber des Lehrstuhls für Alte Geschichte an der Universität Gießen Erwin Ohlemutz (1912–1942), Klassischer Archäologe Josef Rüber (1917–1977), Politiker (CDU), Abgeordneter im Landtag von Rheinland-Pfalz Jochen Alkämper (1927–2022), Pflanzenbauwissenschaftler und Hochschullehrer

Mitgliederverzeichnisse: Willy Nolte (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle. Verzeichnis der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft nach dem Stande vom Sommer-Semester 1934. Berlin 1934. S. 1033. Paul Wentzcke: Burschenschafterlisten. Zweiter Band: Hans Schneider und Georg Lehnert: Gießen – Die Gießener Burschenschaft 1814 bis 1936. Görlitz 1942, T. Alemannia. S. 128–145.

Siehe auch Liste der Burschenschaften Liste der Studentenverbindungen in Gießen

Literatur Hans-Georg Balder: Die deutschen Burschenschaften. Ihre Darstellung in Einzelchroniken. Hilden 2005, S. 153–154. Hugo Böttger (Hrsg.): Handbuch für den Deutschen Burschenschafter. Berlin 1912, S. 344–345. Karl Glässing: Geschichte der Gießener Burschenschaft Alemannia: 1862–1892. Gießen 1892. Herman Haupt (Hrsg.): Handbuch für den Deutschen Burschenschafter. 6. Aufl. (herausgegeben von Max Droßbach und Hans Hauske), Frankfurt am Main 1932, S. 389. Joachim Hönack, Gernot Schäfer (Red.): Vivat Academia! Studentenverbindungen an der Universität Gießen in Vergangenheit und Gegenwart. Ein Beitrag zur 400-Jahr-Feier der Universität und zur Stadtgeschichte. Begleitband zur Ausstellung mit Kurzchroniken der beteiligten Korporationen. Essen 2007, ISBN 978-3-939413-02-8, S. 149–154. Jürgen Setter: Kleine Geschichte der Verbindungen in Gießen. Verlag Friesland, Sande 1983, ISBN 3-9800773-0-6, S. 149–152.

Einzelnachweise

Weblinks

Offizielle Homepage der Burschenschaft Alemannia Gießen

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