mini|hochkant|Margot Pilz bei der Eröffnung der Klima Biennale Wien 2026 Margot Pilz, geb. ter Heege (* 21. September 1936 in Haarlem, Niederlande), ist eine österreichische bildende Künstlerin, die sich insbesondere in der Konzept- und Medienkunst hervorgetan hat. Sie wird als Pionierin der digitalen Kunst in Österreich gehandelt und wählt oftmals feministische Ansätze.
Leben Margot Pilz wurde 1936 in Haarlem (Niederlande) als Tochter eines niederländischen Arztes und einer Wienerin geboren. Sie floh mit ihren Eltern 1939 vor den Nationalsozialisten nach Indonesien, das damals eine niederländische Kolonie war. Dort eröffnete ihr Vater eine Arztpraxis. Nach der japanischen Machtübernahme 1942 wurde er verhaftet. Margot Pilz kam zusammen mit ihrer Mutter in ein japanisches Internierungslager (von ihr immer als Konzentrationslager bezeichnet) auf Java. 1945 wurden sie befreit und lebten zunächst in Australien und Neuseeland, bis sie 1948 nach Amsterdam zurückkehrten.Margot Pilz. In: sammlung.belvedere.at. Abgerufen am 20. Oktober 2022.
Seit 1954 lebt Margot Pilz in Wien. Bevor sie Ende der 1970er Jahre als bildende Künstlerin arbeitete, war sie Werbefotografin in Wien. Sie studierte an der Höheren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt in Wien bis 1976 Fotografie und schloss mit der Meisterprüfung ab. Seit 1977 ist sie Mitglied der Vereinigung Künstlerhaus Wien.
Als entscheidenden Moment ihrer Hinwendung zur bildenden Kunst nennt Pilz ihre Festnahme durch die Polizei beim dritten Frauenfest 1978 in Wien, die sie nach eigener Auskunft in ihren Sekundenskulpturen thematisierte. Sie trat 1978 auch dem feministischen Künstlerinnen-Netzwerk IntAkt – Internationale Aktionsgemeinschaft bildender Künstlerinnen bei. Ihre Arbeit hängt eng mit der feministischen Bewegung der 1970er und 1980er Jahre zusammen; sie thematisierte und reflektierte in ihrem Werk die Institution der Ehe, Arbeitsbedingungen von Frauen (beispielsweise mit der Arbeit „Arbeiterinnenaltar“, 1981, für die sie Arbeiterinnen in der Kaffeerösterei Eduscho fotografierte und zu ihren Arbeitsbedingungen befragte) und die gesellschaftliche Rolle von Frauen. Im höheren Alter begann sie, auf der Basis ihrer eigenen Erfahrungen auch den Prozess des Alterns mit ihren Werken zu thematisieren.
Margot Pilz war in Österreich eine Pionierin im Bereich Medienkunst. 1991 realisierte sie die Skulptur Delphi Digital (gemeinsam mit Roland Alton-Scheidl) für die Ars Electronica in Linz, ein Werk das unseren Umgang in digitalen Netzen vorwegnahm und 2015 im Auftrag des MUSA nochmal komplett neu konzipiert worden ist. Eine weitere bekannte Arbeit von Pilz ist ihre Intervention im öffentlichen Raum Kaorle am Karlsplatz (1982), für die sie im Rahmen der Wiener Festwochen am Wiener Karlsplatz Sand aufschütten und Liegestühle aufstellen ließ; die Idee wurde in der Folge vielfach aufgegriffen, jedoch meist mit kommerziellen Interessen.
Margot Pilz wurde auf Lehrstühle für Computerkunst an der Technischen Universität Wien (1990 bis 1992) und der Technischen Universität Graz (1993/94) berufen. 1991 war sie Gastprofessorin an der Pantion-Universität Athen.
Von 1957 bis zu seinem Tod 2016 war sie mit dem Bildhauer Fritz Pilz verheiratet; sie hat aus dieser Ehe einen Sohn.Beitrag auf PULS4 zu ihrem 85. Geburtstag, 2021 Ihr letzter Lebensgefährte war Industriedesigner Ernst Beranek.Quelle: Margot-Pilz-Ausstellung, Kunsthalle Krems, 2021/2022. 2021 verfasste die Publizistin Nina Schedlmayer eine Biografie über Margot Pilz.
Werke (Auswahl) mini|U-Turn (1998), Bahnhof Wien Ottakring Hausfrauendenkmal (1979, temporäre Installation, Steirischer Herbst, Graz) Das letzte Abendmahl – Hommage an Kremser Schmidt (1979) 4th Dimension (1982, Foto-Serie) Kaorle am Karlsplatz (1982) Göttin schuf Eva White Cell Project (1983–1985) skin code (1989, Künstlerbuch) Delphi Digital (1991, Medienskulptur, mit Roland Alton-Scheidl, Ars Electronica, Linz) U-Turn (1998, Installation aus Nirosta-Stahl, Video, Infopoint, 3,6 × 3 × 0,9 m, 1,8 t, U3-Station Ottakring, Wien)U-Turn, 1998. In: wienerlinien.at. Abgerufen am 20. Oktober 2022. Membrana – ein Luststück (2011/12, Videoarbeit, die Sexualität im Alter thematisiert) Torso (2012, keramische Skulptur) Once Upon My Time – Java 1942 (2014) DELPHI DIGITAL 2.0 (2015, Medienskulptur, mit Roland Alton-Scheidl, MUSA Wien) Göttin schuf Eva (2021) Restnatur (2023) Happy Crappy Age (2024/25) My Dead Lovers (2025) Kaorle am Karlsplatz (2026) im Rahmen der Klima Biennale Wien
Ausstellungen (Auswahl) 1981: Erweiterte Fotografie, Secession, Wien 1984: 1984. Orwell und die Gegenwart, Museum des 20. Jahrhunderts, Wien 1984: 4th Dimension, Dryphoto, Prato, Florenz 1985: Identitätsbilder, Secession, Wien 1985: Meditation 85, Steirischer Herbst, Graz 1985: The White Cell Project, Fotogalerie Wien, Wien 1987: Le temps d'un movement, Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris, Paris 1988: Computerkunst 88, Museum Gladbeck 1988: Hinter den Wänden, Donaufestival, Langenlois 1991: Delphi Digital, Ars Electronica, Linz 1992: Die Auflösung der Fotografie – Der kalte Raum, Blau-Gelbe Galerie, Wien 1993: Tacit Surveillance, Künstlerhaus, Wien 1994: Zeit/Schnitte, Patriarchat, Wiener Festwochen, Wien 1997: Verstärker/Kaskade, Künstlerhaus, Wien 2003/2004: Künstlerinnen – Positionen 1945 bis heute, Kunsthalle Krems, Krems 2004: Frau im Bild. Inszenierte Weiblichkeit, Museum Moderner Kunst, Passau/Deutschland 2005/2006: Die Enzyklopädie der wahren Werte, Künstlerhaus, Wien 2007: Die Liebe zu den Objekten, Niederösterreichisches Landesmuseum, St. Pölten 2008: Am Puls der Stadt. 2000 Jahre Karlsplatz, Wien Museum, Wien 2008: Matrix. Geschlechter – Verhältnisse – Revisionen, MUSA, Wien 2008: Werkschau XIII. Intakt – die Pionierinnen, Fotogalerie Wien, Wien 2009: Best of Austria, Lentos, Linz 2010: raum_körper_einsatz, MUSA, Wien 2012: Celebration/Me Myself & Them, Künstlerhaus, Wien 2014: Aktionistinnen, Kunsthalle Krems, Forum Frohner, Krems 2014: Once upon my time -- JAVA 1942, Künstlerhaus, Wien 2015: Margot Pilz – Meilensteine. Von der performativen Fotografie zur digitalen Feldforschung, MUSA Wien 2016: The Feminist Avant-Garde of the 1970s, The Photographers' Gallery, London 2017: Die Kraft des Alters, Belvedere Wien 2017: Feministische Avantgarde der 1970er Jahre aus der Sammlung Verbund, ZKM 2017: The Feminist Avant-Garde of the 1970s, MUMOK Wien 2019: The Feminist Avant-Garde of the 1970s. Works from the Verbund Collection, Wien, CCCB – Centro Culturale Contemporane Barcelona 2021: Personale in der Kunsthalle Krems 2021: Female Sensibility. Feministische Avantgarde aus der Sammlung Verbund, Lentos Kunstmuseum Linz 2024: 20 Jahre SAMMLUNG VERBUND, Albertina, Wien 2025: Der Raum in unseren Köpfen. Die Sammlungen, Museum der Moderne Salzburg 2025: Lovers, Künstlerhaus Bregenz.
Auszeichnungen 1983: Staatsstipendium für bildende Kunst 1985: Römerquelle Fotopreis 1988: Preis der Österreichischen Postsparkasse 1990: Theodor-Körner-Preis 1997: Pfann-Ohmann-Preis, Künstlerhaus, Wien 2008: Goldener Lorbeer, Künstlerhaus, Wien 2011: Preis der Stadt Wien für Bildende Kunst 2019: Niederösterreichischer Kulturpreis – Würdigungspreis in der Kategorie Bildende Kunst 2022: Österreichischer Kunstpreis für Medienkunst
Literatur Silvie Aigner, Berthold Ecker (Hrsg.): Margot Pilz – Meilensteine. De Gruyter, Berlin 2015, ISBN 978-3-11-045841-1. Silvie Aigner, Johannes Karel (Hrsg.): Raum_Körper-Einsatz: Positionen der Skulptur. Verlag für moderne Kunst, Nürnberg 2010, ISBN 978-3-86984-106-9. Brigitte Borchardt-Birbaumer, Dieter Ronte (Hrsg.): Aktionistinnen. St. Pölten 2015, ISBN 978-3-901261-60-2.
Nina Schedlmayer: Art Biography. Margot Pilz. Leben. Kunst. Leykam, Graz 2021, ISBN 978-3-7011-8175-9. Margot Pilz: Lovers. Leykam, Graz-Wien-Berlin 2025, ISBN 978-3-7011-0595-3.
Film
Verwegen. Mutig. Radikal. - Künstlerinnen der Feministischen Avantgarde, Dokumentarfilm von Susanne Riegler, Österreich 2024,87 Minuten.
Weblinks
Website der Künstlerin Simon Emmerlich: Margot Pilz: Wiederentdeckung einer feministischen Künstlerin, 5:06 min, Capriccio, BR 2021, Margot Pilz: „Wir wissen nicht, ob es Kunst ist“, Interview in der Tageszeitung „Der Standard“, 25. November 2015. Biografie und Werke von Margot Pilz in der Sammlung Belvedere Online Werkkatalog der GALERIE3
Einzelnachweise
Kategorie:Medienkünstler (Österreich) Kategorie:Konzeptkünstler (Österreich) Kategorie:Künstler der feministischen Kunst Kategorie:Bildender Künstler (Wien) Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1936 Kategorie:Frau