Die Liste der Stolpersteine in Dessau-Roßlau enthält alle Stolpersteine, die im Rahmen des gleichnamigen Kunst-Projekts von Gunter Demnig in Dessau-Roßlau verlegt wurden. Mit ihnen soll Opfern des Nationalsozialismus gedacht werden, die in Dessau und Roßlau lebten und wirkten. Zwischen 2008 und 2024 wurden insgesamt 113 Steine an 58 Adressen verlegt.

Hintergrund Die Stadt Dessau-Roßlau beteiligt sich seit 2008 an dem Stolperstein-Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Rechtlich wurde dies durch einen Stadtratsbeschluss im November 2007 ermöglicht.Claus Blumstengel: Stolpern über Schicksale. In: mz-web.de. 19. Mai 2008; abgerufen am 17. Oktober 2017. Koordiniert werden die Verlegungen durch das Projekt Gedenkkultur, einen Zusammenschluss aus lokalen Vereinen und Einzelpersonen. Die Projektleitung liegt beim Kiez e. V. Dessau.Gedenkkultur Dessau-Roßlau – Das Projekt Gedenkkultur; abgerufen am 21. Januar 2018. Die ersten Verlegungen fanden am 19. Mai 2008 statt; Dessau-Roßlau war damit die 337. Stadt in Deutschland und die siebente in Sachsen-Anhalt, die sich dem Projekt anschloss. Seitdem folgten etwa ein Mal pro Jahr weitere Steine:

19. Mai 2008: elf Steine an fünf Adressen 24. August 2009: zwölf Steine an sechs Adressen 28. Oktober 2010: 13 Steine an vier Adressen 27. Oktober 2011: elf Steine an sechs Adressen 27. September 2012: zwölf Steine an acht Adressen 22. Mai 2013: zehn Steine an sieben Adressen 26. März 2014: elf Steine an neun Adressen 20. März 2015: 14 Steine an sieben Adressen 1. Oktober 2015: ein Stein an einer Adresse 28. März 2017: sieben Steine an fünf Adressen 20. Juni 2023: zwei Steine an einer Adresse 4. Juli 2024: fünf Steine an einer Adresse 8. August 2024 ein Stein an einer neuen Adresse

Zu den mit Stolpersteinen geehrten Personen gehören Juden bzw. Personen jüdischer Abstammung, politisch Verfolgte (insbesondere Mitglieder der SPD und der KPD), Zeugen Jehovas sowie Opfer der Aktion T4, die in Dessau-Roßlau ihre Wohn- oder Wirkungsstätte hatten. Die Stolpersteine wurden größtenteils vor dem letzten aus freien Stücken gewählten Wohnhaus der betreffenden Personen verlegt.

Liste der Stolpersteine Adresse Datum der Verlegung Person Inschrift Bild Bild des Hauses Ackerstraße 46 Silvia Bürkmann: Dessau-Roßlau: Sonnenstrahl blitzt über neue Stolpersteine. mz-web.de, 27. Oktober 2011; abgerufen am 17. Oktober 2017. (1892–1941) Paul König stammte aus Dessau. Er hatte im Ersten Weltkrieg als Soldat gedient und war schwer verwundet worden. Er war verheiratet und hatte eine Tochter. König war Mitglied der KPD und nach deren Verbot 1933 Verbindungsmann der Dessauer Ortsgruppe zur Bezirksleitung in Magdeburg. Wegen „Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens“ wurde er 1936 verhaftet und zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, die er im Zuchthaus Coswig absaß. Statt einer Freilassung erfolgte nach Haftende eine Verlegung ins KZ Sachsenhausen. Am 11. Juli 1941 wurde er vermutlich in der Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein durch eine Giftspritze ermordet.Paul König. Gedenkkultur Dessau-Roßlau; abgerufen am 17. September 2020. Hier wohnte PAUL KÖNIG Jg. 1892 mehrmals verhaftet zuletzt 1936 Zuchthaus Coswig/Anhalt 1941 Sachsenhausen ermordet 11.7.1941120px|Paul König Albrechtstraße 13 . In: anhalt800.de. Abgerufen am 17. Oktober 2017. (1877–1941) Käthe Mariam wurde in Oberpleis geboren und arbeitete als Krankenschwester. Sie war verheiratet und hatte zwei Kinder. Ihr Mann und ihre Kinder konnten ins Vereinigte Königreich bzw. in die Vereinigten Staaten emigrieren. Käthe Mariam sollte ihnen später folgen, was aber durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verhindert wurde. Am 17. November 1941 wurde sie über Berlin nach Kowno deportiert und gleich nach ihrer Ankunft am 25. November ermordet.Käthe Mariam. Gedenkkultur Dessau-Roßlau; abgerufen am 17. September 2020. Hier wohnte KÄTHE MARIAM geb. David Jg. 1877 deportiert 1941 Kowno ermordet 25.11.1941120px|Käthe Mariam Antoinettenstraße 14 (ehemals 18) Gedenkkultur Dessau-Roßlau; abgerufen am 17. Oktober 2017. (1896–?) Franz Alexander stammte aus Dessau. Er arbeitete als Bücherrevisor und galt wegen seiner protestantischen Mutter nach den Nürnberger Rassegesetzen als „Halbjude“. Ab 1938 durfte er seinen Beruf nicht mehr ausüben. Weil er eine Beziehung mit einer Nicht-Jüdin hatte, wurde er im November 1939 verhaftet und am 15. Januar 1940 wegen „Rassenschande“ zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, die er im Zuchthaus Coswig absitzen sollte. Nach zweieinhalb Jahren Haft wurde er im Juli 1942 „nach Osten“ deportiert. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt.Franz Alexander. Gedenkkultur Dessau-Roßlau; abgerufen am 17. September 2020. Hier wohnte FRANZ ALEXANDER Jg. 1896 verhaftet 1939 ‘Rassenschande’ Zuchthaus Coswig deportiert 1942 ermordet120px|Franz Alexander Askanische Straße 12 (ehemals 10) Künstler und Projekt: 23 Erinnerungstafeln in Dessau-Roßlau. mz-web.de, 14. August 2009; abgerufen am 17. Oktober 2017. (1893–1943) Gitel geb. Goldmann oder Buch (zum Geburtsnamen existieren widersprüchliche Angaben) stammte aus Pysznica und war verheiratet mit Hermann Katz. Das Paar hatte drei Söhne und eine Tochter. Die Söhne konnten zwischen 1933 und 1938 nach Palästina emigrieren. Im August 1939 wurde sie gemeinsam mit ihrer Tochter nach Polen abgeschoben, wo sie 1943 in Pysznica ermordet wurde. Ihr genaues Todesdatum ist unbekannt.Gitel Katz. Gedenkkultur Dessau-Roßlau; abgerufen am 17. September 2020.Gitel Katz. Yad Vashem: Die Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer; abgerufen am 3. Februar 2018. Hier wohnte GITEL KATZ geb. Goldmann Jg. 1893 abgeschoben 1939 nach Polen ermordet in einem KZ 120px|Hella Katz, Hermann Katz und Gitel Katz (1927–1943) Hella Katz wurde in Dessau geboren. Sie wurde im August 1939 gemeinsam mit ihrer Mutter nach Polen abgeschoben, wo sie 1943 in Pysznica ermordet wurde. Ihr genaues Todesdatum ist unbekannt.Hella Katz. Gedenkkultur Dessau-Roßlau; abgerufen am 17. September 2020.Hella Katz. Yad Vashem: Die Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer; abgerufen am 3. Februar 2018. Hier wohnte HELLA KATZ Jg. 1927 abgeschoben 1939 nach Polen ermordet in einem KZ (1883–1943) Hermann Katz stammte aus Mostki und arbeitete als Kaufmann. Im Zuge der „Polenaktion“ wurde er Ende Oktober 1938 nach Polen abgeschoben, konnte aber im Juli 1939 kurzzeitig nach Dessau zurückkehren, um seinen Haushalt und sein Geschäft aufzulösen. Danach musste er Deutschland endgültig verlassen. Er wurde 1943 in Pysznica ermordet. Sein genaues Todesdatum ist unbekannt.Hermann Katz. Gedenkkultur Dessau-Roßlau; abgerufen am 17. September 2020.Khaim Katz. Yad Vashem: Die Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer; abgerufen am 3. Februar 2018. Hier wohnte HERMANN KATZ Jg. 1883 abgeschoben 1938 nach Polen ermordet in einem KZ Askanische Straße 54–58 (ehemals 39a) (1911–ca. 1943) Dora Feder wurde in Dessau geboren und arbeitete als Köchin. Sie war die Tochter von Josef und Sophie Schuber. Ihre beiden Brüder konnten nach Palästina emigrieren. Ihr Ehemann Idisor Feder wurde ab 1939 im KZ Buchenwald interniert und überlebte seine Gefangenschaft. Dora Feder lebte bis 1941 bei Familie Goudsmid in der Franzstraße. Danach zog sie nach Berlin. Von dort aus wurde sie 1942 ins Ghetto Warschau und im April 1943 weiter ins KZ Majdanek deportiert. Ihr genaues Todesdatum ist unbekannt.Dora Feder. Gedenkkultur Dessau-Roßlau; abgerufen am 17. September 2020. Hier wohnte DORA FEDER geb. Schuber Jg. 1911 deportiert 1942 Ghetto Warschau Majdanek ermordet 120px|Dora Feder, Josef Schuber und Sophie Schuber (1881–1951) Josef Schuber stammte aus Kulaskowce (Bezirk Kolomea). Im Ersten Weltkrieg hatte er als Sanitäter im österreichisch-ungarischen Heer gedient. In Dessau betrieb er ein Warenhaus. 1935 wurde ihm die anhaltische Staatsbürgerschaft aberkannt. Sein Geschäft nach den Novemberpogromen 1938 „arisiert“. Im Juli 1939 emigrierte er mit seiner Frau zu den Söhnen nach Palästina. Er starb 1951 in Haifa.Josef Schuber. Gedenkkultur Dessau-Roßlau; abgerufen am 17. September 2020. Hier wohnte JOSEF SCHUBER Jg. 1881 verhaftet 1938 Buchenwald Flucht 1939 Palästina überlebt (1886–1949) Sophie Schuber stammte aus Przemyśl. Im Juli 1939 emigrierte sie mit ihrem Mann zu den Söhnen nach Palästina. Sie starb 1949 in Haifa.Sophie Schuber. Gedenkkultur Dessau-Roßlau; abgerufen am 17. September 2020. Hier wohnte SOPHIE SCHUBER geb. Brecher-Wagenberg Jg. 1886 Flucht 1939 Palästina überlebt Askanische Straße 59 abgerufen am 17. Oktober 2017. (1859–1942) Rosalie Löschner stammte aus Wongrowitz. Über Berlin wurde sie am 7. August 1942 ins Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie am 30. Oktober 1942 den Tod fand.Loeschner, Rosalie. Bundesarchiv, Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945; abgerufen am 25. Oktober 2017. Hier wohnte ROSALIE LÖSCHNER geb. Domke Jg. 1859 deportiert 1942 Theresienstadt ermordet 30.10.1942120px|Rosalie Löschner Askanische Straße 74 (1857–1941) Rosa Segall stammte aus Telscher. Sie war verwitwet und lebte seit 1937 in der Pflegeanstalt Hoym. Am 21. April wurde sie im Rahmen der „Aktion T4“ in die Tötungsanstalt Bernburg überführt und wohl direkt nach ihrer Ankunft in der Gaskammer ermordet.Stolpersteine für Dessau-Roßlau. Ein Beitrag zur lokalen Gedenkkultur. Nr. 8; mediathek-dessau.de (PDF; 2,4 MB) Werkstatt Gedenkkultur in Dessau-Roßlau. Hier wohnte ROSA SEGALL Jg. 1857 eingewiesen 1937 Siechenanstalt Hoym ‘verlegt’ April 1941 Bernburg/Saale ermordet April 1941 Aktion T4120px|Rosa Segall Askanische Straße 102 (ehemals 59) Stolpersteine: Acht weitere Gedenk-Orte. mz-web.de, 27. September 2012; abgerufen am 17. Oktober 2017. (1866–1942) Martha Hart stammte aus Drossen. Im November 1942 wurde sie mit ihrem Ehemann ins Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie am 29. November 1942 den Tod fand.Martha Hart. Gedenkkultur Dessau-Roßlau; abgerufen am 17. September 2020. Hier wohnte MARTHA HART geb. Marcus Jg. 1866 deportiert 1942 Theresienstadt ermordet 29.11.1942 120px|Martha Hart und Menko Hart (1863–1943) Menko Hart stammte aus Scheemda. Er und seine Frau besaßen Kaufhäuser in Bitterfeld, Jeßnitz, Bernburg und Roßlau. Um 1930 zog das Ehepaar nach Dessau, um dort seinen Ruhestand zu verbringen. Im November 1942 wurde Menko Hart mit seiner Frau ins Ghetto Theresienstadt deportiert, wo er am 13. Februar 1943 den Tod fand.Menko Hart. Gedenkkultur Dessau-Roßlau; abgerufen am 17. September 2020. Hier wohnte MENKO HART Jg. 1863 deportiert 1942 Theresienstadt ermordet 13.2.1943 Askanische Straße/Kantorstraße (ehemals Steinstraße 11–14) (1880–1938) Salomon Jacobson wurde in Zerbst geboren und arbeitete in Dessau als Großhandelskaufmann. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten arbeitete er als Grundstücksvermittler und Sekretär der jüdischen Gemeinde. Im November 1938 wurde er im KZ Buchenwald interniert, wo er am 27. November an den Haftbedingungen starb. Seiner Frau Elisabeth gelang 1939 die Flucht nach Palästina. Seine Schwester Lea (siehe Beethovenstraße 9) wurde vermutlich im besetzten Polen ermordet.Salomon Jacobson. Gedenkkultur Dessau-Roßlau; abgerufen am 17. September 2020. Hier wohnte SALOMON JACOBSON Jg. 1880 verhaftet 1938 Buchenwald tot 27.11.1938120px|Salomon Jacobson August-Bebel-Platz 24 (ehemals Askanischer Platz) (1930–1942) Fritz-Werner Hoch wurde in Meißen geboren. Am 13. April 1942 wurde er zusammen mit seiner Familie ins Ghetto Warschau und von dort aus ins KZ Majdanek deportiert, wo er vermutlich am 3. September 1942 ermordet wurde.Gedenkkultur Dessau-Roßlau – Fritz-Werner Hoch abgerufen am 17. Oktober 2017. Hier wohnte FRITZ-WERNER HOCH Jg. 1930 deportiert 1942 Ghetto Warschau Majdanek ermordet 3.9.1942 120px|Fritz-Werner Hoch, Gustav Hoch, Hanna Hoch und Karl-Günter Hoch (1891–1943)