Das Haus des Rundfunks ist ein zwischen 1929 und 1931 errichtetes, denkmalgeschütztes Gebäude gegenüber dem Funkturm im Berliner Ortsteil Westend des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf. Seine Hauptfassade erstreckt sich entlang der Masurenallee. Das von Hans Poelzig entworfene Gebäude ist sowohl architektonisch wie auch rundfunkgeschichtlich von großer Bedeutung.
Seit Mai 2003 ist es Sitz des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB). Im Haus des Rundfunks werden die Hörfunkprogramme rbb 88.8, radio3 und rbb24 Inforadio produziert. Die beiden Sendesäle dienen auch für öffentliche Konzerte.
Geschichte Wettbewerb (1927/1928) mini|Das Haus des Rundfunks kurz nach Fertigstellung 1932 auf einem Foto von Max Missmann mini|Der Gebäudekomplex im Jahr 1957
Die Reichs-Rundfunk-Gesellschaft (RRG) beauftragte Hans Poelzig bereits 1927 mit einem Entwurf für das geplante, neue Rundfunkgebäude.Inventarnummern HP 039,001-017 (architekturmuseum.ub.tu-berlin.de zeigen Vorentwürfe vermutlich von 1927 oder 1928. Diese Entwürfe sind vermutlich vor dem Wettbewerbsentwurf entstanden, da sie sowohl in Aufbau, als auch in der Form keine Korrelation zu dem Wettbewerbsentwurf und späteren Entwurfsphasen anbieten. Wer sie anfertigte und wann genau, kann ohne Unterschrift und Signatur nicht eindeutig bestimmt werden. Sicher ist nur, dass sie aus dem Büro Poelzig stammen. Der Bau war notwendig geworden, weil sich der Rundfunk steigender Beliebtheit erfreute und das provisorische Studio im Vox-Haus nicht ausreichte. Die RRG schlug ihm vor, bei diesem Großprojekt mit einem anderen Architekten zusammenzuarbeiten. Poelzig wollte vermutlich den alleinigen Bauauftrag ohne Zusammenarbeit mit einem weiteren Architekten und damit einhergehende künstlerische Einschränkung. Er schlug deshalb seinerseits einen Architekturwettbewerb vor. Eine andere Erklärung für den Verzicht bietet Bauernfeind an, der vermutet, Poelzig habe den direkten Auftrag abgelehnt, weil er den Rundfunk als demokratisches Medium verstand, das „ein demokratisches Auswahlverfahren“ erfordere.
Die RRG folgte seinem Vorschlag und lobte einen beschränkten Wettbewerb aus, an dem noch zwei weitere Architekturbüros teilnahmen: Paul Bonatz und Friedrich Eugen Scholer (Stuttgart) sowie Richard Riemerschmid (Köln). Poelzig setzte sich gegen seine zwei Mitstreiter durch und erhielt im April 1929 den Bauauftrag.
Für die Entscheidung war wohl nicht die Fassade, sondern vor allem die Grundrisslösung der verschiedenen Entwürfe maßgeblich. Außerdem schien der Bezug zur vorgeschlagenen Achse des Messegeländes bei Poelzigs Entwurf besser gelungen. Das Reichspostministerium bestimmte den Sieger, da es zu dieser Zeit für den Rundfunk verantwortlich war. Gründe für die Auswahl Poelzigs könnten auch seine Berühmtheit seit den 1920er Jahren gewesen sein. Seine Erfahrungen im Bereich der Bauakustik am Großen Schauspielhaus, beim Konzertsaal in Breslau und seine Professur an der Technischen Hochschule Berlin erklären sein Renommee in der Architektur, die der Akustik dient. Poelzig bot ab dem Wintersemester 1925/1926 zusammen mit Johannes Biehle, einem Experten für Akustik, einen Bauakustikkurs an der Technischen Hochschule an. Im Vorlesungsverzeichnis von 1925 heißt es zur Veranstaltung 273a:
Diese Veranstaltung boten die beiden Dozenten in der Folge von 1925 bis 1934 an, mit einer Unterbrechung (1929/1930), in der Biehle den Kurs zusammen mit Erich Blunck leitete.Auszug aus den digitalisierten Vorlesungsverzeichnissen der TU Berlin 1925/26 bis 1933/34. Website des TU-Uniarchivs; abgerufen am 2. September 2019. Die Veranstaltung ist unter der Nummer 273a bis 1926; 372 von 1927 bis 1931; 322 von 1931/32 bis 1932/33; 2075 im Studienjahr 1933/34 und 2352 im Studienjahr 1934/35 zu finden.
Hans Poelzig war vor dem eigentlichen Wettbewerb schon als Favorit festgelegt. Die RRG hatte sich direkt an ihn gewandt und den Wettbewerb wahrscheinlich nur ins Leben gerufen, weil es eine seiner Bedingungen war. Der Wettbewerb war demnach nur ein Scheinwettbewerb, Poelzig stand schon im Vorfeld als Sieger fest.
Die Vorgaben für den Wettbewerb waren: Zwei große Sendesäle mit den Abmessungen 30 m × 45 m × 10 m, mehrere kleine Studios, Proberäume, Garderoben, Technikräume, ausreichend Platz für (vor allem kleine) Büros, maximal drei Obergeschosse. Der Haupteingang des Gebäudes sollte an der Masurenallee, nahe der sich gerade im Aufbau befindlichen „Funkstadt Witzleben“ sein. Die Grundstückslänge in der Masurenallee betrug etwa 200 m. Der Bauplatz war insgesamt rund 18.000 m² groß und fiel um rund drei Meter nach Osten ab. Der Baugrund bestand hauptsächlich aus Sand, in tieferen Schichten aus scharfkantigem Kies.
Paul Bonatz schreibt über die Lage des Bauplatzes und die umliegenden Gebäude, dass der Baugrund an der Verbindungsstraße zwischen dem Reichskanzlerplatz (heute: Theodor-Heuss-Platz) und der heutigen Neuen Kantstraße lag. Nördlich dieser Verbindungsstraße standen die (Automobil-)Ausstellungshallen I und II.Halle I gebaut von Architekt Hans Alfred Richter und Ingenieur Hans Schmuckler. Autohalle II 1924 von Johann Emil Schaudt, Jean Krämer und ebenfalls Hans Schmuckler, beide im Zweiten Weltkrieg zerstört. Südlich der Straße befanden sich der Funkturm und die Funkhalle von Heinrich Straumer. Westlich von Straumers Gebäuden und damit unmittelbar gegenüber dem Bauplatz für das Haus des Rundfunks, lag das Messegelände, das auch gerade konzipiert wurde und sich noch im Bau befand.
Die angesprochenen umliegenden Gebäude sind, mit Ausnahme der Autohalle I, alle in den 1920er Jahren gebaut worden oder befanden sich noch im Bau. Das Gebiet, in dem Hans Poelzig das Haus des Rundfunks errichtete, spiegelte also auch den Wachstumsanspruch des Rundfunks und dessen noch junge Geschichte wider. Vor allem die Auswahl des Standortes am Stadtrand zeigt das Zukunftsdenken in den 1920er Jahren. Das Vox-Haus zeigte auf, dass das stetig wachsende Medium Rundfunk auch stetig wachsende Anforderungen erzeugte, die mit einem neuen Haus aufgefangen werden mussten.
Das Grundstück, auf dem das Haus des Rundfunks gebaut werden sollte, wurde erst mit dem Bau erschlossen. Der südöstliche Teil des Grundstücks lag am ehemaligen Scholzplatz, der mit dem Bau aufgelöst wurde. Damit sorgte der Bau auch für eine städtebauliche Veränderung.
Baugeschichte und Nutzung (1929–1932) mini|Reichspostminister Georg Schätzel bei der Grundsteinlegung im Mai 1929
Das Bauwerk mit dem Grundriss eines an zwei Seiten abgerundeten Dreiecks wurde in den Jahren 1929–1931 unter der Bauleitung von Poelzigs Meisterschüler Max H. Berling errichtet. Verantwortlich für die Innengestaltung war Kurt Liebknecht, der zwei Jahrzehnte später als erster Präsident der Deutschen Bauakademie die Ausrichtung des Architekturstudiums in der DDR maßgeblich beeinflussen sollte. Der Grundstein für das Gebäude wurde am 29. Mai 1929 gelegt. Es wurde am 22. Januar 1931 mit einem kurzen Festakt seiner Bestimmung übergeben. Das Gelände wird nördlich von der Bredtschneiderstraße begrenzt. Östlich bildet die Soorstraße die Begrenzung des Grundstücks. Ab 1931 sendeten die Funk-Stunde Berlin, die Deutsche Welle GmbH (ab 1933: Deutschlandsender) und die Reichs-Rundfunk-Gesellschaft aus dem Haus des Rundfunks. Zur Kühlung war eine Berieselungsanlage vorhanden, die „auch bei großer sommerlicher Hitze stets angenehme Temperaturen in den Arbeitsräumen“ gewährleistete. Fernmelde- und Starkstromleitungen waren in den Fluren an gegenüberliegenden Seiten auf Vouten verlegt.
Seit Mitte Mai 1932 wurden Reichstagssitzungen erstmals nicht nur stenografisch festgehalten, sondern zusätzlich auf Schallplatten aufgezeichnet. Das Tonsignal wurde über eine Leitung in das Haus des Rundfunks übertragen, wo „Berge von Platten“ (17 pro Stunde) aufgenommen und im Keller archiviert wurden. Der Ältestenrat des Reichstags entschied, welche Aufnahmen später im Rundfunk gesendet werden durften.
Um bei Stromausfall den Weiterbetrieb zu gewährleisten, war ein „vollselbsttätig arbeitender Diesel-Notstromsatz mit Siemens-Generator und Siemens-Selbststeuereinrichtungen“ vorhanden. Die Mutteruhr im Haus des Rundfunks wurde von der Sternwarte Treptow über eine elektrische Leitung gesteuert.
Übernahme und Gleichschaltung im NS-Regime (1933–1945) mini|Joseph Goebbels (Mitte) auf der Funkausstellung 1938
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 fiel auch das Haus des Rundfunks in die Hände von Joseph Goebbels, dem Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda. Er hatte seitdem ein Büro im Haus. Eine zentrale Rolle spielte auch der neue Sendeleiter Eugen Hadamovsky (ebenfalls NS-Funktionär). Die bis dahin führenden Personen des Weimarer Rundfunks (Alfred Braun, Hans Flesch und Heinrich Giesecke) wurden im August 1933 in das KZ Oranienburg verschleppt. Auch Hans Bredow kam im Oktober 1933 in Untersuchungshaft. Es kam in der Folge zu einem Schauprozess. Dieser zog sich bis 1935 hin. Die Angeklagten wurden nur mit Geldstrafen belegt. Die kurzen, verhängten Haftstrafen galten mit der Untersuchungshaft als verbüßt. Die Skulptur von Georg Kolbe im Großen Lichthof wurde entfernt und durch eine Büste von Hitler ersetzt. Im Haus des Rundfunks wurde ein Reichsprogramm produziert, das über die regionalen Sender (Reichssender) ausgestrahlt wurde. So konnte der Rundfunk von Berlin aus gleichgeschaltet werden. Die Regionalsender verloren fast alle 1934 ihre Selbstständigkeit. Von 1939 bis 1945 war das Haus des Rundfunks die Zentrale des Großdeutschen Rundfunks.
Am 22. März 1935 begann der Deutsche Fernseh-Rundfunk (DFR) im Haus des Rundfunks seinen Betrieb. Das erste reguläre Fernsehprogramm in Deutschland wurde über den benachbarten Funkturm vom Fernsehsender Paul Nipkow ausgestrahlt (→ Geschichte des Fernsehens in Deutschland). Ab 1937 wurde das DFR-Programm im Deutschlandhaus am nahegelegenen Reichskanzlerplatz (zu NS-Zeiten: Adolf-Hitler-Platz, heute: Theodor-Heuss-Platz) produziert.
Im September 1944 entstanden mit der Staatskapelle Berlin unter Leitung von Herbert von Karajan die ersten Stereoaufnahmen auf Magnetband, es kam dabei ein Magnetophon der AEG zum Einsatz.
Unter sowjetischer Regie (1945–1956) mini|Hinter dem BVG-Bus befindet sich das Haus des Rundfunks im damaligen Britischen Sektor in West-Berlin, damals Sitz des sowjetisch kontrollierten Berliner Rundfunks der DDR, 1955
Am 2. Mai 1945 besetzte Major PopowAnmerkung: vermutlich Markian Michailowitsch Popow. mit einer Kompanie der Roten Armee das von Kriegsschäden nahezu verschonte Haus des Rundfunks. Als Rundfunkfachmann kannte er das Gebäude, da er von 1931 bis 1933 als Ingenieur-Praktikant hier gearbeitet hatte. Ab 4. Mai wurden unter sowjetischer Leitung erste Aufrufe und Nachrichten gesendet. Am 13. Mai 1945 begann wieder ein regulärer Sendebetrieb.Hinweistafel am Gebäude.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Haus zum Spielball des Kalten Krieges. Mit der Aufteilung in vier Sektoren begannen Briten, Franzosen und Amerikaner in ihren Sektoren mit eigenen Rundfunkprogrammen (Nordwestdeutscher Rundfunk und RIAS).
Obwohl im Britischen Sektor gelegen, diente das Gebäude bis 1950 dem von der sowjetischen Besatzungsmacht kontrollierten Berliner Rundfunk. Die Sowjets bauten in aller Stille die technische Einrichtung ab und verbrachten sie in ihren Sektor in das neugebaute Funkhaus Nalepastraße im Ostteil Berlins.
Im Jahr 1952 sperrte die Britische Armee das Haus des Rundfunks als Reaktion auf die Abriegelung Steinstückens ab.