mini|hochkant|Thomas Pownall Thomas Pownall (getauft am 4. September 1722 (gregor.); † 25. Februar 1805) war ein britischer Politiker und Kolonialbeamter. Er war von 1757 bis 1760 Gouverneur der Province of Massachusetts Bay und von 1767 bis 1805 Abgeordneter im britischen House of Commons. Er unternahm vor dem Unabhängigkeitskrieg weite Reisen in den Nordamerikanischen Kolonien und stellte sich gegen die Anträge des Parlaments, in den Kolonien Steuern einzuführen, darüber hinaus war er bis zum Krieg ein Anwalt der Minderheit, die die Positionen der Kolonien vertrat.

Pownall war klassisch gebildet und stand in enger Verbindung mit der Kolonialverwaltung in London. Pownall reiste das erste Mal 1753 nach Nordamerika und verbrachte zwei Jahre mit Erforschungen der Kolonien, bevor er 1755 zum Lieutenant Governor der Province of New Jersey ernannt wurde. Er wurde 1757 Gouverneur von Massachusetts, nachdem er zur Absetzung des langjährigen Gouverneurs William Shirley beigetragen hatte. Seine Amtszeit war geprägt vom French and Indian War, in dem Pownall in Massachusetts eine Provincial Militia schuf. Er wehrte sich gegen militärische Einmischung in der Kolonialverwaltung, wie zum Beispiel gegen die Versuche, die britischen Soldaten in privaten Häusern einzuquartieren und hatte eine generell positive Beziehung zur Colonial Assembly.

1760 kehrte er nach England zurück, war jedoch weiter an kolonialen Belangen interessiert. Er veröffentlichte viel gelesene Schriften über die Lage in den Kolonien sowie mehrere Ausgaben der The Administration of the Colonies. Als Mitglied des Parlaments setzte er sich regelmäßig für die Positionen der Kolonien ein, wenn auch ohne großen Erfolg. Aber als der Unabhängigkeitskrieg begann, unterstützte er die Kriegsmassnahmen. Anfang des 19. Jahrhunderts war er ein früher Vertreter für Freihandel und für die Aufnahme von Beziehungen zwischen Britannien und den Vereinigten Staaten. Einige Forscher identifizieren Pownall mit Junius, einem Schriftsteller, von dem nur das Pseudonym bekannt ist, der Briefe veröffentlichte, die die Britische Regierungspraxis kritisierten.

John Adams schrieb, „Pownall war meiner Meinung nach der verfassungstreueste und nationalste Gouverneur, der jemals in dieser Provinz die Krone repräsentiert hatte.“

Leben Jugend Thomas Pownall war der älteste Sohn von William und Sarah (Burniston) Pownall. Sein Vater war ein Landadeliger und Soldat, dessen schlechte Gesundheit und früher Tod 1735 die Familie in Schwierigkeiten brachte.Schutz: S. 18–19. Pownall wurde am 4. September 1722 (Neukalendarisch) in Lincoln, England getauft und erhielt seine Ausbildung an der Lincoln Grammar School und am Trinity College, Cambridge, wo er 1743 seinen Abschluss machte. Hier wurde er mit den klassischen und zeitgenössischen Philosophen und den Wissenschaften bekannt gemacht. Sein erstes Werk, eine Arbeit über die Ursprünge der Regierung (1752), hatte er skizzenhaft schon in Cambridge begonnen.Schutz: S. 26–28.

Während seiner Zeit in Cambridge wurde sein jüngerer Bruder John beim Board of Trade angestellt, welches die Britischen Kolonialgeschäfte beaufsichtigte und machte schnell Karriere. Die Brüder unterstützten sich gegenseitig bei ihren Karriere-Bemühungen.Schutz: S. 20. John verschaffte Thomas eine Stelle im Colonial Office, wo er Möglichkeiten zum Aufstieg und zum Einfluss auf koloniale Ämter hatte.Schutz: S. 21–22. 1753 ging er als Privatsekretär von Sir Danvers Osborn, 3. Baronet, der gerade zum Gouverneur von New York ernannt worden war, nach Amerika. Osborne brachte sich wenige Tage nach seiner Ankunft in New York um, wodurch Pownall ohne Anstellung und Unterstützer dastand.Pownall: 5, 41–42. Pownall beschloss, in Amerika zu bleiben, und unternahm Studien über die Amerikanischen Kolonien. In den folgenden Monaten unternahm er weite Reisen von der Province of Maryland bis zur Province of Massachusetts Bay. Dabei wurde er in die höchsten Kreise der Politik und Gesellschaft in den Kolonien eingeführt und lernte zahlreiche einflussreicher Personen kennen, unter anderem Benjamin Franklin und dem Gouverneur von Massachusetts William Shirley.Schultz: 34–35.

mini|Die Evans-Pownall-Karte von 1755. Osborn war beauftragt worden, die zunehmende Unzufriedenheit der Irokesen, deren Territorium an New York angrenzte (und heute das Gebiet des zentralen und westlichen Upstate New York ist), zu untersuchen. Pownall hatte sich mit dem Thema beschäftigt und wurde daraufhin durch seine Verbindungsleute in Pennsylvania eingeladen, am Albany Congress 1754 als Beobachter teilzunehmen.Schultz: 37–38. Seine Beobachtungen zu dem kolonialen Umgang mit den Indianern (zum Beispiel politische Grabenkämpfe über die Kontrolle des Indian trade, korrupte und betrügerische Aneignung von Indianerland u. a.) veranlassten ihn, Vorschlägen über die Kolonialverwaltung zu verfassen. Er schlug die Einrichtung eines von der Krone ernannten Superintendenten für Indian Affairs vor, und dafür besonders Sir William Johnson, New Yorks Commissioner for Indian Affairs.Rogers: 24. Er verfasste auch Visionen für die Ausdehnung der Kolonien nach Westen.Schultz: 41–48. Nach der Konferenz kehrte er zurück nach Philadelphia. In dieser Zeit festigte sich offensichtlich eine enge Freundschaft mit Franklin, mit dem er begann, in Unternehmen zu investieren.Schutz: S. 43–44. Franklin, der ohne Erfolg eine Colonialunion angeregt hatte, hat möglicherweise auch Beiträge zu Pownalls Schriften geliefert, auch wenn der genaue Umfang seiner Beiträge nicht bestimmt werden kann.Schutz: 49. Während er in Philadelphia war, ging er eine enge Zusammenarbeit mit dem Kartographen Lewis Evans ein, da beide die Notwendigkeit genauer Karten des Hinterlands von Nordamerika erkannten, weshalb es damals auch mit Neufrankreich im French and Indian War zu Konflikten kam.Schutz: S. 51. Die Karte, die Evans 1755 veröffentlichte, war Pownall gewidmet und brachte ihm weite öffentliche Anerkennung.Schutz: S. 53. Pownalls Empfehlung für Johnson als Superintendent of Indian Affairs wurde 1755 von der Krone ebenfalls umgesetzt.Rogers: 25.

Lieutenant Governor of New Jersey mini|William Shirley wurde aufgrund von Pownalls Ermittlungen vom Posten als Gouverneur von Massachusetts abgesetzt. Pownall hatte bisher auf eigene Kosten gelebt, in der Hoffnung, dass er zufällig einen Posten erhalten werde. Im Mai 1755 wurde er zum Lieutenant Governor von New Jersey ernannt, wenn auch mit wenigen Aufgaben, da der alternde Gouverneur, Jonathan Belcher, noch lebte.Schutz: S. 55 Pownall sollte vor allem die Militärkonferenzen im Verlauf des andauernden Krieges besuchen. Belcher jedoch lebte länger als erwartet (er starb 1757) und Pownall war arbeitswütig.Schutz: S. 58 Die Militärkonferenzen zogen ihn in den Machtkampf zwischen Johnson und Shirley, der den militärischen Aufstieg schaffte und nach dem Tod von General Edward Braddock im Juli 1755 zum Commander-in-chief ernannt wurde. Der Machtkampf betraf vor allem den Umgang mit den Indian Affairs (Indianerangelegenheiten). Johnson trumpfte mit Pownalls Sorge um die Grenzsicherheit und konnte ihn auf seine Seite ziehen.Schutz: S. 60. Pownall hatte aber schon vorher eine Abneigung gegen Shirley entwickelt, als dieser ihn zurücksetzte, und seine Berichte an den Gouverneur von New York, Sir Charles Hardy, zusammen mit schädlichen Anschuldigungen, die von anderen Unterstützern von Johnson erhoben wurden, führten zu Shirleys Entlassung als Commander-in-chief.Schutz: S. 60–67 Pownall kehrte Anfang 1756 nach England zurück, wo er Johnsons Anschuldigungen bestätigte und daraufhin mit einem Posten als „Secretary Extraordinary“ belehnt wurde (Den Titel hatte Pownall selbst geschaffen). Er war dem neuen Commander-in-chief, Lord Loudoun verantwortlich.Schutz: S. 68–69

Während Pownall in England war, wurde Shirleys Ruf noch weiter beschädigt, als bekannt wurde, dass er militärische Informationen in feindliche Hände hatte fallen lassen, und das Board of Trade entschied, ihn abzuberufen.Schutz: S. 69–70 Pownall wurde währenddessen der Gouverneursposten in Pennsylvania von dessen Eigentümern angeboten; seine Forderung nach weitreichenden Kompetenzen bewog die Verantwortlichen jedoch, das Angebot zurückzuziehen. Pownall nutzte die Absage zu seinem eigenen Vorteil, indem er publizierte, er habe das Angebot abgelehnt aufgrund der „unverständigen und unaufgeklärten Attitude der Proprietors (Eigentümer)“„unreasonable, unenlightened attitude of the proprietors“ Schutz: 71.

mini|Pownalls Zeichnung der Great Falls am Passaic River. Pownall begleitete Loudoun im Juli 1756 zurück nach Amerika, kehrte aber nochmals nach England zurück, um Loudoun in den Anhörungen zu Shirleys militärischem Versagen zu vertreten.Schutz: S. 74–78. Loudoun gab ihm auch Einblick in seine militärischen Pläne und Einschätzungen.Schutz: S. 78. In London trat er in engen Kontakt mit dem neuen Pitt-Newcastle Ministry und informierte diese über den Stand der Dinge in Nordamerika. Seine Darstellung zu diesen Themen führten zu seiner Ernennung als Gouverneur von Massachusetts im März 1757.Schutz: S. 78–83 Obwohl er für seine Kompetenz in Bezug auf Kolonial-Themen bewundert wurde, wurde er auch kritisiert für seine Eitelkeit und Launen, und auch für seine Rolle bei der Absetzung von Shirley.Schutz: S. 84.

Governor of Massachusetts Bay Pownall kam Anfang August in Boston an. Er wurde gut aufgenommen und nahm seine Amtsgeschäfte am 3. August auf.Schutz: S. 85–87. Sofort war er in eine Krise geworfen, die mit dem Krieg zusammenhing: eine französische Truppe bewegte sich auf Fort William Henry im Norden von New York zu und der Kommandant dort hatte einen Hilferuf geschickt. Pownall organisierte eine Miliz, aber der Ruf zu den Waffen kam zu spät: Fort William Henry fiel nach einer kurzen Belagerung (Siege of Fort William Henry) und in der Folge ereigneten sich einige der schlimmsten Gräuel, die Indianer im Krieg verübten.Schutz: S. 89–96.

mini|Pownall hatte zeitweise Beziehung zu John Campbell, 4. Earl of Loudoun.