Der Maserati Biturbo Spyder (später: Maserati Spyder, werksintern: Tipo AM 333) ist ein offener zweitüriger Sportwagen des italienischen Automobilherstellers Maserati, der zur Biturbo-Familie gehört. Er ergänzte diese zunächst nur aus Coupés und Limousinen bestehende Baureihe ab 1984 und blieb in verschiedenen Varianten bis 1994 im Programm. Der Spyder war das erste offene Maserati-Modell seit dem Ghibli. Er war mit unterschiedlichen Motoren lieferbar, die zur gleichen Zeit auch in den Coupés und Limousinen eingesetzt wurden. Der Spyder ist fast 30 Jahre nach dem Produktionsende die begehrteste Variante aller Biturbo-Modelle.Klaus Finkenburg: Maserati Biturbo Modell-Check. In: Motor Klassik Kaufratgeber Italienische Klassiker, 2017, S. 146.
Entstehungsgeschichte Die Biturbo-Familie
mini|Technische Basis des Spyder: Maserati Biturbo Coupé
Nachdem Alejandro De Tomaso 1975 Maserati übernommen hatte, verfolgte er die Idee, das Unternehmen, das bislang nur hochwertige, sehr teure Sportwagen in Handarbeit produziert hatte, als Serienhersteller zu etablieren. Dafür mussten künftige Modelle deutlich günstiger sein als die bisherigen Sportwagen. De Tomasos Konzept sah deshalb ein kompaktes, automatisiert gefertigtes Fahrzeug vor, das von einem vergleichsweise kleinen Motor angetrieben wurde. Damit reagierte Maserati auf die italienische Steuergesetzgebung, die Automobile mit einem Hubraum von 2000 cm³ und mehr mit einer Umsatzsteuer von 38 Prozent statt 19 Prozent belegte.Hans-Karl Lange: Maserati. Der andere italienische Sportwagen. Zsolnay, Wien 1993, ISBN 3-552-05102-3, S. 60.Gianni Cancellieri: Maserati. All the Cars. Giorgio Nada Editore, Vimodrone 2015, ISBN 978-88-7911-609-1, S. 235. Auf dieser Grundlage entstand der Maserati Biturbo, der nach dreijähriger Entwicklungszeit im Dezember 1981 öffentlich präsentiert wurde. Er hatte einen knapp 2,0 Liter großen Sechszylindermotor, der zur Leistungssteigerung mit zwei Turboladern ausgestattet war. Auf Exportmärkten bot Maserati allerdings ab 1983 eine auf 2,5 Liter Hubraum vergrößerte Version an. Im Laufe der Jahre kamen weiterentwickelte Motorvarianten mit vergrößertem Hubraum, elektronischer Benzineinspritzung und Vierventiltechnik hinzu. Ende 1983 erweiterte Maserati das Biturbo-Programm um eine viertürige Limousine, die zunächst als Exportmodell (Biturbo 425 und 430) und später auch als Version für den italienischen Markt (Biturbo 420) angeboten wurde.
Prototyp von Embo Unmittelbar nach der Vorstellung des Biturbo-Coupés konstruierte der italienische Zulieferbetrieb Embo in Turin eine Cabrioletversion auf der Basis des Biturbo-Coupés, die auf dem Turiner Autosalon im März 1982 öffentlich vorgestellt wurde. Das in dunkelrotem Metallic lackierte Fahrzeug hatte das ungekürzte Chassis des Coupés und war ein 2+2-Sitzer. Das Stoffverdeck fiel vergleichsweise breit aus und wurde als unelegant empfunden. Die Berichterstattung fand das Embo-Cabriolet „mehr luxuriös denn sportlich.“Hans-Karl Lange: Maserati. Der andere italienische Sportwagen. Zsolnay, Wien 1993, ISBN 3-552-05102-3, S. 68. Die Embo-Version ging nicht in Serie; das Auto blieb ein Einzelstück.
Zagato mini|Zagatos Logo auf einem Maserati Spyder
Gleichwohl stieß der offene Biturbo auf öffentliches Interesse. Letztlich entschied sich Alejandro De Tomaso dafür, die Biturbo-Familie um eine Cabrioletversion zu erweitern. Das Biturbo-Cabriolet sollte nach De Tomasos Vorstellung vornehmlich in den USA verkauft werden. Wegbereiter für diese Entscheidung war der Chrysler LeBaron Cabriolet, ein kompaktes Cabriolet auf der Basis der K-Cars, das ab 1982 in den USA außerordentlich erfolgreich war und dort eine Renaissance offener Sportwagen begründete.
Anstelle von Embo erhielt der Mailänder Karosseriehersteller Zagato den Auftrag, die Serienversion des offenen Biturbo zu entwickeln. Anders als Embo griff Zagato auch in die technischen Strukturen der Biturbo-Konstruktion ein. Insbesondere wurde der Radstand verkürzt. Der offene Biturbo erhielt die Modellbezeichnung Spyder. Maserati verwendete dabei die amerikanische Version des Begriffs mit „y“; damit sollte der potentielle Hauptabsatzmarkt des Autos ausdrücklich angesprochen werden. Zagato übernahm auch die Serienfertigung des Spyder und leitete von ihm außerdem die Hardtopversion Karif ab, die ihrerseits bei Zagato aufgebaut wurde. Für beide Versionen produzierte der Turiner Zulieferer OPAC die Rohkarosserien.Alessandro Sannia: Enciclopedia dei carrozzieri italiani. Società Editrice Il Cammello, 2017, ISBN 978-8896796412, S. 404.
Der Spyder machte im Laufe seiner zehnjährigen Produktionszeit nahezu alle technischen und stilistischen Entwicklungen der Coupés und Limousinen mit. Die Nomenklatur weicht allerdings von der der übrigen Karosserieversionen deutlich ab. Ab 1988 entfiel wie bei allen Modellen der Baureihe die Modellbezeichnung Biturbo;Beschreibung des Maserati Biturbo auf der Internetseite www.maserati-alfieri.co.uk (abgerufen am 29. September 2017). das offene Fahrzeug hieß daraufhin nur noch Maserati Spyder.
Insgesamt wurden 3076 Spyder gebaut.
Modellbeschreibung Karosserie und Plattform mini|Manuell betätigtes Stoffverdeck mit verbundenem Seitenfenster hinten
Der Biturbo-Spyder basierte auf der Plattform des Biturbo-Coupés. Die Karosserie war selbsttragend. Sie entsprach stilistisch und in der Struktur der des 1981 vorgestellten Biturbo-Coupés, die Pierangelo Andreani unter Bezugnahme auf ein Medici genanntes Konzeptfahrzeug von Giorgio Giugiaro entworfen hatte.Gianni Cancellieri: Maserati. All the Cars. Giorgio Nada Editore, Vimodrone 2015, ISBN 978-88-7911-609-1, S. 240 f. Allerdings verkürzte Zagato den Radstand auf 2400 mm. Damit war der Spyder faktisch ein reiner Zweisitzer; die hinteren Notsitze waren nicht wirklich nutzbar. Frontpartie, Windschutzscheibe und Türen waren mit dem Coupé gleich, allerdings hatte der Spyder feststehende Dreiecksfenster hinter den Türen. Das Design der Front- und der Heckpartie entsprach der der zeitgleich produzierten Coupés. Der Spyder machte alle stilistischen Änderungen mit, allerdings kam es teilweise zu zeitlichen Verzögerungen in der Anpassung.
Das Verdeck bestand aus Stoff und war innen mit Alcantara verkleidet. Es war von Hand zu betätigen; einen elektrischen Verdeckmechanismus gab es nicht. Das Verdeck verschwand in herabgeklapptem Zustand vollständig in der Karosserie. Die dreieckigen hinteren Seitenfenster, die mit dem Verdeck fest verbunden waren, drehten sich in die hinteren Kotflügel.
Motorisierung mini|Maserati-Sechszylinder Tipo AM 453: 2,5 Liter Hubraum, Doppelturboaufladung, Vergaser (1985)
Als Antrieb kamen im Biturbo Spyder fast alle Motoren zum Einsatz, die auch für die Coupés und die Limousinen erhältlich waren. In jedem Falle waren es Sechszylinder-V-Motoren mit einem Zylinderbankwinkel von 90 Grad.
Für den italienischen Markt waren das der Zweilitermotor mit drei Ventilen pro Zylinder und Vergaser (Tipo AM 452) mit drei Ventilen pro Zylinder und Benzineinspritzung in zwei Leistungsstufen (Tipo AM 470 und 471) mit vier Ventilen pro Zylinder und Benzineinspritzung (Tipo AM 475).
Die Exportmodelle hatten ausschließlich Motoren mit drei Ventilen pro Zylinder, und zwar die Vergaserversion des 2,5-Liter-Motors (Tipo AM 453) die Einspritzversion des 2,5-Liter-Motors (Tipo AM 472) und den 2,8 Liter großen Sechszylinder (Tipo AM 473).
Nicht erhältlich waren im Spyder die leistungsgesteigerten S-Versionen, die in den ersten Jahren in den Coupés und einigen Limousinen auf Wunsch geliefert wurden, und auch den Vierventilmotor mit 2,8 Liter Hubraum (Tipo AM 477) sowie den besonders leistungsstarken Zweilitermotor des Maserati Racing gab es nicht im Spyder.
Die einzelnen Modelle Wie bei allen Mitgliedern der Biturbo-Familie ist auch beim Spyder zwischen den Modellen für den italienischen Markt und den Exportfahrzeugen zu unterscheiden. Die italienischen Modelle waren mit unterschiedlichen Varianten des 2,0 Liter großen Sechszylinder-Doppelturbomotors ausgestattet. Anders als bei der Limousine, die zunächst nur in der größeren Exportversion verkauft wurde, erschien der Spyder für den italienischen Markt vor den international verkauften Varianten. Allerdings schlug sich die Differenzierung zwischen den heimischen und den exportierten Modellen in der Nomenklatur nicht so deutlich nieder wie bei den Coupés und den Limousinen.
Modelle für den italienischen Markt Biturbo Spyder mini|Ein früher Maserati Biturbo Spyder
Das erste offene Modell war der Biturbo Spyder. Er stand von 1984 bis 1986 im Angebot. Als der Biturbo Spyder 1984 übernahm er bereits alle stilistischen Änderungen, die Maserati zwischenzeitlich beim Biturbo Coupé und den Limousinen eingeführt hatte. Dazu gehörten unter anderem der halbrund geformte Instrumententräger und der Alcantarabezug des Armaturenbretts. Klimaautomatik und Vollleder, beziehungsweise Alcantara gehörten bei allen Spydern zur Serienausstattung.
Die erste Version des Biturbo Spyder hatte den 2,0 Liter großen Sechszylinder-V-Motor mit Registervergasern (Tipo AM 452), der hier wie im Coupé leistete. Das Fahrzeug erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 215 km/h. Die höher verdichtete S-Version mit wurde im Spyder nicht angeboten. Wie schon im Coupé wurde das Vergasersystem als veraltet kritisiert.Hans-Karl Lange: Maserati. Der andere italienische Sportwagen. Zsolnay, Wien 1993, ISBN 3-552-05102-3, S. 62. Insbesondere die Fahrbarkeit der Vergaserversionen galt als schwierig.Hans-Karl Lange: Maserati. Der andere italienische Sportwagen. Zsolnay, Wien 1993, ISBN 3-552-05102-3, S. 63. Von 1984 bis 1986 entstanden 276 Biturbo Spyder.
Biturbo Spyder i mini|Spyder i
1986 stattete Maserati den offenen Biturbo mit dem weiterentwickelten Motor Tipo AM 470 aus, der eine elektronisch gesteuerte Benzineinspritzung aufwies. Der Motor leistete wie im geschlossenen Biturbo i ; das Cabriolet erreichte damit eine Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h. Der Spyder i verlor 1988 die Zusatzbezeichnung Biturbo. Der Spyder i blieb bis 1990 im Programm. Ab 1988 war er der einzige Maserati, der noch von der 185 PS starken Version des 2,0-Liter-Motors angetrieben wurde. Zu dieser Zeit war das Basiscoupé für den italienischen Markt, das die Bezeichnung 222 trug, bereits mit dem leistungsstärkeren Motor Tipo AM 471 ausgestattet, der abgab. Vom Spyder i entstanden 297 Fahrzeuge.
Spyder i 90 mini|Voluminöse Stoßfänger: Maserati Spyder i 90
Im Herbst 1989 erschien eine überarbeitete Version des Cabrios mit der Bezeichnung Spyder i 90. Sie glich den Spyder mit mehr als einjähriger Verzögerung optisch und technisch dem Coupé 222 an, der bereits 1988 an die Stelle des geschlossenen Zweitürers Biturbo i getreten war. Optisch übernahm der Spyder i 90 die stilistischen Änderungen, die Maserati bereits beim 222 eingeführt hatte. Dazu gehörten voluminösere Stoßstangen und eine anders geformte Kühlermaske. Technisch erhielt der Spyder i den auf erstarkten Motor des geschlossen 222. Zagato fertigte bis 1991 insgesamt 309 italienische Spyder 90 i. Der Abverkauf der Modelle zog sich bis ins Jahr 1992 hin.
Spyder Nuova mini|Mit Shamal-Optik: Maserati Spyder Nuova