mini|Vorberg auf dem Urmesstischblatt Nr. 4149 Lübbenau von 1846. mini|Vorberg mit den umliegenden Ortschaften auf dem Messtischblatt Lübbenau (1916).

Vorberg, , war ein Dorf in der Niederlausitz auf dem heutigen Gebiet der Stadt Lübbenau/Spreewald im Landkreis Oberspreewald-Lausitz. Der Ort wurde 1964 zugunsten des Braunkohletagebaus Seese-West devastiert, die 99 Einwohner des Dorfes mussten umgesiedelt werden.

Lage Der Ort Vorberg lag in der Niederlausitz an der Grenze zum Spreewald zwischen den Städten Calau im Süden und Lübbenau/Spreewald im Norden. Die Gemarkung von Vorberg grenzte im Norden an Kittlitz, im Osten an Kückebusch, im Süden an Seese, und im Westen an Schönfeld und Hänchen. Westlich des Ortes lag das Waldgebiet Galgenheidchen, das jedoch zum größten Teil zur Gemarkung von Hänchen gehörte. Die Klepna floss durch den Ort. Er lag auf .

Geschichte Vorberg wurde im Jahr 1355 erstmals urkundlich erwähnt. Der Name lautete damals Vorwerge. Der Ortsname wurde nach einem Gutshof benannt, der zu einem Ort gehörte, eben ein Vorwerk war. Zu welchem Ort dieses Vorwerk ursprünglich gehörte, ist mangels Urkunden nicht bekannt. Aus diesem Gutshof entwickelte sich später das Dorf. Der sorbische Ortsname Barak bedeutet übersetzt „Baracke“, das Benennungsmotiv ist hier das gleiche wie auch beim deutschen Ortsnamen. Nach der Dorfstruktur war Vorberg ein kleines Straßendorf.

Frühgeschichte Die Gemarkung Vorberg war schon früh besiedelt, wie bronzezeitliche, eisenzeitliche und slawische Funde belegen. Aus der Bronzezeit stammt der Fund eines Lappenbeils. Am Weinberg südwestlich des Ortskerns wurde ein Gräberfeld der späten Bronzezeit/frühen Eisenzeit gefunden. In den Urnengräbern wurden Keramik der Billendorfer Kultur, Bronzenadeln, ein Steinmeißel und ein Doppelgefäß gefunden. Ein slawischer Burgwall mit 40 Meter Durchmesser wurde schon in früherer Zeit teilweise abgetragen. Die ältere Phase der Burg wird durch Funde frühslawischer Keramik und eines awarischen Trensenknebels in das 7./8. Jahrhundert datiert. Die jüngere Phase wird in das 10. Jahrhundert gestellt, in der die Burg aufgegeben wurde und verfiel. Es gibt keine Zerstörungs- oder Brandspuren. Im Burggraben wurden kulturanzeigende Pollen von Getreide, Wegerich und Beifuß gefunden, die auf eine große waldfreie Umgebung schließen lassen.

Besitzgeschichte 1355 wurde Vorberg erstmals urkundlich genannt, als der Gottesdienst in der Vorberger Kirche durch den Pfarrer von Schönfeld neu geregelt wurde. Vorberg war nach Schönfeld eingepfarrt. Das Dorf gehörte damals den von Zieckau. Vorberg muss damals schon zur Herrschaft Reichwalde gehört haben, die 1345 im Besitz des Johann von Strehle war, und dem auch die Herrschaft Beeskow gehörte. 1377 kamen Johann und Ulrich von Biberstein zunächst in den Mitbesitz, 1382 in den Vollbesitz der Herrschaft Reichwalde. Die Herrschaft Reichwalde war allerdings z. T. an Aftervasallen vergeben, wie z. B. Vorberg an die von Zieckau. 1384 erhielten Johann und Ulrich von Biberstein die Belehnung mit den Herrschaften Beeskow, Storkow, Reichwalde und Märkisch Buchholz durch den böhmischen König Wenzel. 1414 mussten sie aber einen großen Teil der Herrschaft, die ihnen noch direkt unterstand, an die Stadt Luckau verkaufen. Dadurch endete die selbstständige Geschichte dieser Herrschaft. Die Reste der Herrschaft in der Niederlausitz wurden an die Herrschaft Storkow bzw. das Amt Storkow angeschlossen.

Am 20. März 1443 belehnte Friedrich von Bieberstein zu Beeskow und Storkow die Gebrüder Bernhard und Nickel von Drauschwitz zu Schönfeld mit dem Dorf Vorberg. 1445 folgte die Belehnung der Frau von Nickel von Drauschwitz auf Schönfeld mit dem Dorf Vorberg als ihr Leibgedinge durch Friedrich von Biberstein.

1518 saß dann Caspar von Rochlitz auf Vorberg. Nach dem Erbregister der Herrschaft Storkow von 1518 hatte das Rittergut Vorberg ein halbes Ritterpferd zu stellen bzw. zu unterhalten und auszustatten. Dies wird auch im Verzeichnis der für die Herrschaft Storkow zu leistenden Rossdienste von 1565 wiederholt. 1538 erhielt Hans von Rochlitz auf Vorberg die Belehnung mit dem benachbarten Dorf Redlitz, das er von seinem Vater Caspar geerbt hatte. Es ist also wahrscheinlich, dass Caspar von Rochlitz auch schon der Vorbesitzer von Vorberg war. Vorberg und Redlitz blieben bis ins 19. Jahrhundert immer in einer Hand verbunden. 1535 erhielt Hans von Rochlitz vom Stift Dobrilugk das Dorf Drochow als Lehen. 1548 setzte er seiner Frau Margarethe von Peschen das Dorf Redlitz zum Leibgedinge. 1555 erhielt er einen neuen Lehenbrief von Bischof Johann von Lebus, dem neuen Lehnsherrn der Herrschaften Beeskow und Storkow über das Dorf Vorberg. 1559 war Margarethe Witwe geworden; sie bat um einen Vormund für ihre vier minderjährigen Söhne. Nachdem die vier Brüder von Rochlitz volljährig geworden waren, wurden 1576 Heinrich, Wolf, Georg und Hans von Rochlitz mit dem Dorf Redlitz (und mutmaßlich auch mit Vorberg) belehnt. Die Feldmark des Dorfes Vorberg war 1570 in 11½ Hufen eingeteilt; die Erträge für den Grundherrn waren entsprechend eher gering. Nach dem Tod von Kaiser Maximilian II. und dem Regierungsantritt seines Nachfolgers Rudolf II. wurde für Georg und seinen im Ausland befindlichen Bruder Hans 1577 erneut ein Lehnbrief für das Dorf Redlitz ausgestellt. Vermutlich waren Heinrich und Wolf in der Zwischenzeit verstorben oder anderweitig abgefunden. 1587 verkauften Georg und Hans von Rochlitz Vorberg für 5.929 Taler und 18 Silbergroschen an Dietrich von Raschkau. Merkwürdigerweise ist noch eine Ehestiftung eines Albrecht von Raschkau auf Vorwerk mit einer Elisabeth von Thümen von 1578 bekannt. Es ist denkbar, dass dieser Albrecht von Raschkau das Gut gepachtet hatte. Auch Redlitz wurde kurz nach dem Verkauf von Vorberg 1588 an Dietrich von Raschkau verkauft. Hans von Rochlitz kaufte 1592 von Albrecht von Wehlen das Dorf Stoßdorf (devastiert bei Luckau) und einen Bauern in Egsdorf.

Mit Dietrich von Raschkau beginnt die 350-jährige Besitzzeit der Familie von Raschkau, zeitweilige Schreibweise von Raschkauw, in Vorberg (und im benachbarten Dorf Redlitz). Dietrich von Raschkau(w) hatte 1573 das Rittergut Selchow in der Herrschaft Storkow von Dietrich von Flanß gekauft, das er aber bereits 1585 weiter an Andreas von Selchow verkauft hatte. Während seiner Selchower Zeit war er auch einige Zeit Amtshauptmann in Beeskow. 1587 hatte Dietrich von Raschkau die Belehnung mit Vorberg erhalten. Am 4. April 1588 folgte dann die Belehnung mit Redlitz durch den Landvogt der Niederlausitz Jaroslav von Kolowrat. Dietrich von Raschkau stammte aus Hillmersdorf bei Schlieben. Sein Bruder Matz (Matthias) erbte Hillmersdorf und wurde später zur gesamten Hand auch mit Vorberg und Redlitz belehnt. Dietrich von Raschkau muss vor 1598 gestorben sein. Ihm folgte sein Sohn (Hans) Albrecht nach, der beim Tod des Vaters noch minderjährig war.

Auf Bitten seiner Vormünder wurde (Hans) Albrecht von Raschkau(w) 1598 ein Lehnbrief über das Dorf Vorberg ausgestellt. 1602 leistete er nach Erreichen der Lehnsfähigkeit den Lehnseid. 1609 wurde er erneut mit dem Dorf Vorberg belehnt. Besonders hervorgehoben sind die Brau- und Schankgerechtigkeit des Krügers und die Gerechtigkeit zur Niederlassung von Schustern, Schneidern, Schmieden und anderen Handwerkern. 1604 war (Hans) Albrecht von Raschkau auf Vorberg auch mit dem Dorf Redlitz belehnt worden. Vom 18. März 1609 datiert eine erste Ehestiftung des Albrecht von Raschkau (auch Raschke genannt) auf Vorberg und Malsdorf (recte Mehlsdorf) mit Elisabeth von Wuthenow, Witwe des Christoph von Leipziger. Es wurde ein Ehegeld von 1.500 Talern festgesetzt. Die Ehestiftung wurde in Malsdorf geschlossen. Einen weiteren Lehnbrief für Redlitz erhielt Albrecht von Raschkau 1615. In die gesamte Hand war sein Onkel Matthias (Matz) von Raschkau zu Hillmersdorf aufgenommen, d. h., sollte er, Albrecht, keinen männlichen Lehnsfolger haben, würden sein Onkel und dessen männliche Nachkommen in die Lehnsnachfolge von Redlitz treten. Umgekehrt waren Hans Albrecht und seine männliche Nachkommenschaft in die gesamte Hand (oder Lehnsnachfolge) für die Dörfer Hillmersdorf und Proßmarke aufgenommen, falls sein Onkel oder sein Sohn keine männlichen Lehensnachfolger haben sollte, was später tatsächlich passierte. Die Belehnung über Redlitz wurde 1623 erneuert. Matthias von Raschkau(w) auf Hillmersdorf war aber inzwischen gestorben. An dessen Stelle trat nun sein Sohn Johann Georg, also der Vetter von Albrecht.

Die Belehnung des (Hans) Albrecht von Raschkau(w) mit dem Dorf Redlitz wurde 1639 durch den Landvogt der Niederlausitz Sigismund Seyfried Freiherr von Promnitz wiederum erneuert. Albrecht war in zweiter Ehe mit Anna Elisabeth von Schilling verheiratet. Mit ihr hatte er den Sohn Georg Dietrich (* 8. September 1639), der bei seinem Tod 1640 erst ein Jahr alt war. Georg Dietrich erbte nun Redlitz und Vorberg.

Die Witwe und der Vormund Melchior von Schilling beantragten Indult für Georg Dietrich, der ihm 1641 auch erteilt wurde. Die Witwe Anna Elisabeth von Schilling heiratete in 2. Ehe Heinrich von Birckholtz auf Kümmritz; aus der Ehe gingen drei weitere Söhne hervor. Heinrich von Birckholtz beantragte für seinen Stiefsohn 1644 und 1658 erneut Indult. Am 7. Oktober 1659 leistete Georg Dietrich nach Erreichen der Lehnsfähigkeit den Lehnseid. Zwei Jahre zuvor 1657 hatte er sich an der Universität Wittenberg immatrikuliert. 1659 belehnte Kurfürst Friedrich Wilhelm, Markgraf von Brandenburg Georg Dietrich von Raschkau mit dem Dorf Vorberg in der Herrschaft Reichwalde samt allen Zubehörungen, Ober- und Niedergerichtsbarkeit, je einer Wasser- und Windmühle, dem Pfarr- und Kirchlehen, der Brau- und Schankgerechtigkeit des Krügers und der Gerechtigkeit zur Niederlassung von Schustern, Schneidern, Schmieden und anderen Handwerkern – so wie es vormals die von Rochlitz innehatten. 1660 bat Georg Dietrich die sächsische Lehenskanzlei in Moritzburg, seine drei Stiefbrüder Cuno Christoph, Hans Heinrich und Georg Friedrich von Birckholtz in die Mitbelehnschaft an seinem Gut Redlitz aufzunehmen. Das Gut war damals noch durch den Dreißigjährigen Krieg stark in Mitleidenschaft gezogen und nur etwa 1.000 Taler wert. Die Schatzung für das Dorf, auf der die Steuerzahlungen beruhten, betrug nur 600 Taler. Sein Wunsch wurde ihm genehmigt. Ob dies auch für Vorberg geschah, ist leider nicht bekannt.

Um 1660 starb sein Vetter Hans Georg von Raschkau(w), der Sohn seines Großonkels Matthias von Raschkau(w) auf Hillmersdorf und Proßmarke, und vererbte ihm die beiden Güter. Um 1660 hatte Georg Dietrich Elisabeth von Polenz, Tochter des Hans Christoph von Polenz auf Beesdau und seiner Frau Anna Christine von Löben geheiratet. Georg Dietrich scheint nun vor allem in Hillmersdorf gelebt zu haben, denn sein einziger Sohn Hans Albrecht (* 14. Oktober 1663) wurde in Hillmersdorf geboren. Außerdem hatte er noch eine Tochter Anna Christina (* 17. Juni 1665), die in erster Ehe mit Wolf Christoph von Löben auf Görsdorf und Schenkendorf, und in zweiter Ehe mit Oberst Caspar Siegmund von Rodewitz verheiratet war. Auch die Ehestiftung der Anna Christina von Raschkau wurde am 25. April 1691 in Hillmersdorf geschlossen. Am 15. Juni 1675 starb Georg Dietrich in Grochwitz an einem Schlaganfall. Seine Witwe heiratete 1677 den Georg Heinrich von Seydewitz auf Rammenau in der Oberlausitz.