300px|mini|Klingenberg am Main

Klingenberg am Main (amtlich: Klingenberg a.Main) ist eine Kleinstadt im unterfränkischen Landkreis Miltenberg in Bayern. Klingenberg gehört zur Region Bayerischer Untermain.

Geografie Lage Die Stadt liegt am Untermain unmittelbar an der Grenze zu Hessen und besteht aus dem alten Ort Klingenberg sowie den beiden 1976 eingemeindeten Stadtteilen Trennfurt und Röllfeld. Röllfeld und Klingenberg liegen rechtsmainisch am Fuße des Spessarts, während auf der westlichen Mainseite und genau Klingenberg gegenüber Trennfurt geografisch zum Odenwald gehört.

Auffällig sind der Hohberg (Richtung Erlenbach) und der Schlossberg (Richtung Großheubach), zwei Weinberge oberhalb des Stadtteils Klingenberg mit terrassenförmigen Steillagen, an denen unter anderem Klingenberger Rotwein angebaut wird, vorwiegend Spätburgunder und Portugieser.

Klingenberg liegt 12 km von der Kreisstadt Miltenberg, 28 km vom Oberzentrum Aschaffenburg und 67 km von Frankfurt am Main entfernt und gehört – wie der gesamte bayerische Untermain – zum Rhein-Main-Gebiet.

Der topographisch höchste Punkt der Stadt befindet sich mit am Lausberg südwestlich von Trennfurt, der niedrigste liegt im Main auf .

Stadtgliederung Klingenberg hat drei Stadtteile: Klingenberg am Main Röllfeld Trennfurt

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Klingenberg a.Main, Röllfeld und Trennfurt. Die Gemarkung Klingenberg a.Main hat eine Fläche von 3,356 km². Sie ist in 4247 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 790,31 m² haben.

Nachbargemeinden

Nachbargemeinden sind im Norden die Städte Erlenbach (auf der Klingenberger Mainseite) und Wörth (auf der Trennfurter Mainseite), im Osten die Spessartgemeinden Mönchberg und Röllbach, im Süden Großheubach (auf der Klingenberger Mainseite) und Laudenbach (auf der Trennfurter Mainseite) sowie im Westen die hessische Odenwaldgemeinde Lützelbach, die jedoch nur über Wörth zu erreichen ist, und die Stadt Michelstadt (Stadtteil Vielbrunn, Weiler Brunnthal).

Geologie Die Stadt liegt im Naturpark Spessart und ist vom roten Mittleren Buntsandstein geprägt. Dieses Gestein ist besonders gut in den Weinbergen und der östlich von Klingenberg befindlichen Seltenbachschlucht zu erkennen. Die verschiedenfarbigen Sandsteine sind dort teilweise schräg geschichtet, je nach Fließrichtung des Wassers zur Ablagerungszeit des Gesteins.

Die Seltenbachschlucht ist in die Liste der 100 schönsten Geotope Bayerns aufgenommen worden. Sie entstand im Pleistozän, als sich die Nebenbäche des Mains stark in die Landschaft einschnitten. Die durch Verwitterung freigelegten Schichten zeigen 250 Millionen Jahre Erdgeschichte. Oberhalb der Schlucht lagert besonders reiner und begehrter Ton, der bis vor wenigen Jahren bergmännisch abgebaut wurde.

Name Etymologie Ihren ursprünglichen Namen Clingenburg hat die Stadt Klingenberg am Main von der oberhalb des Ortes liegenden Clingenburg. Der Zusatz am Main unterscheidet sie von weiteren gleichnamigen Orten.

Frühere Schreibweisen Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden: 1100 Clingenburg 1108 Clingenburch 1241 Clingenberg 1594 Klingenberg 1675 Klingenberg am Meyn 1888 Klingenberg a. Main

Ortsneckname Die Einwohner Klingenbergs werden auch „Klingenberger Spatzen“ genannt. Diese Bezeichnung wird von den Einheimischen selbst auch verwendet, so z. B. in dem noch in den 1970er Jahren von Schulkindern erlernten Lied „Wir Klingenberger Spatzen, wir sind vergnügt und froh!“ Der Neckname soll darauf zurückgehen, dass es in der ganzen Stadt keine Spatzen gebe, weil sie sich wegen des ausgedehnten Weinbaues und spärlichen Feldbaues dort nicht ernähren könnten.Max Beilhack: Durch und um Aschaffenburg. Aschaffenburg 1878, S. 55 (reader.digitale-sammlungen.de).

Geschichte mini|Klingenberg, Röllfeld und Trennfurt in der Spessartkarte von Paul Pfinzing von 1594 (Norden ist rechts) mini|Gedenkstein in der Westmauer des Grubinger Friedhofes (Kirchhof)

Urgeschichte Im 2. Jahrhundert nach Christus errichteten die Römer den Limes. Im gegenüber liegenden Trennfurt bestand damals ein Kastell. Ein römischer Weihestein in der Trennfurter Kirche gehört zu den ältesten Zeugnisse der Klingenberger Geschichte.

Mittelalter Ein frühmittelalterlicher Ringwall und der wahrscheinlich auf die alemannische Zeit zurückgehende Kirchhof der ehemaligen romanischen Kirche St. Michaelis in Grubingen an der Straße nach Großheubach sind weitere frühe Zeugnisse Klingenberger Geschichte.

Während der Zeit der Stammesherzogtümer gehörte der Ort zum Herzogtum Franken.

1100 nennt sich ein Edler namens Heinrich nach der alten Clingenburg. Er gehörte dem Adelsgeschlecht der Reginbodonen an. Die staufische Clingenburg wurde 1177 von Conradus Colbo erbaut, der als kaiserlicher Mundschenk zum engen Vertrautenkreis Barbarossas gehörte. Um 1250 zog die Familie derer von Bickenbach auf die Burg. In der Folgezeit hielten Mitglieder der Familie im Heiligen Römischen Reich zahlreiche einflussreiche Ämter und traten in der Reichspolitik auf. Die älteste erhaltene Erwähnung der Stadt Klingenberg, 1276, stammt aus dieser Zeit.

1387 erhielt Konrad der Ältere, Herr zu Bickenbach, vom Deutschordensmeister Siegfried von Venningen ein Höflein mit Wohnung, das der Deutsche Orden in Klingenberg besaß.Staatsarchiv Würzburg, Mainzer Urkunden Weltlicher Schrank 44/38 1/2. 1388 verkauften die von Bickenbach ihr Viertel an der Burg und Stadt an den Burggrafen zu Miltenberg. In der Zeit des Aussterbens der Bickenbacher, am Ende des 15. Jahrhunderts, kamen Burg und Stadt Klingenberg als Pfand an die Grafen von Hanau-Lichtenberg, die damals im nicht weit entfernten Babenhausen residierten.

Frühe Neuzeit mini|Klingenberg in der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655 1504 kam es zu einem größer angelegten Gebietstausch zwischen den Grafen von Hanau-Lichtenberg und Kurmainz, bei dem Klingenberg an Mainz fiel.Uta Löwenstein: Grafschaft Hanau. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900-1806. = Handbuch der hessischen Geschichte. 3 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. 63. Marburg 2014, ISBN 978-3-942225-17-5, S. 210. Das heutige Oberzentrum Aschaffenburg war bereits seit dem 10. Jahrhundert mainzisch und Zweitresidenz des Mainzer Kurfürsten. 1552 wurde die Klingenberger Altstadt wie zahlreiche andere Städte vom Ansbacher Markgrafen Albrecht Alcibiades im Markgräflerkrieg fast vollständig zerstört. In den darauf folgenden Jahrzehnten fand ein Wiederaufbau statt.

Neueste Geschichte mini|Luftbild von Klingenberg, Mai 1918 Nach dem Reichsdeputationshauptschlusses 1803 gehörte Klingenberg zunächst zum neugegründeten Fürstentum Aschaffenburg des Reichserzkanzlers Karl Theodor von Dalberg, das 1810 in dessen Großherzogtum Frankfurt eingegliedert wurde. Nach dem Wiener Kongress 1814 kam Klingenberg zusammen mit der gesamten Region Aschaffenburg/Miltenberg und dem Großherzogtum Würzburg (dem politischen Nachfolgestaat des Hochstifts Würzburg) an das Königreich Bayern.

Im 19. und Anfang 20. Jahrhundert brachte der Stadt Klingenberg das 1567 erstmals erwähnte Tonbergwerk großen Wohlstand. So wurden den Bürgern Ende des 19. Jahrhunderts die Steuern erlassen und ein Bürgergeld ausgezahlt, außerdem wurden unter anderem ein Aussichtsturm, eine Mainbrücke, eine Schule, ein neues Rathaus sowie zahlreiche elegante Bürgerhäuser gebaut (Wilhelmstraße, Ludwigstraße). Zudem erhielt Klingenberg als eine der ersten Gemeinden der Region schon 1897 ein unterirdisch verlegtes Stromnetz mit eigenem Elektrizitätswerk. Die Einwohnerzahl stieg schnell an.

1862 wurde das Bezirksamt Obernburg gebildet, zu dem auch Klingenberg gehörte. Wie überall im Deutschen Reich wurde 1939 die Bezeichnung „Landkreis“ eingeführt. Klingenberg war nun eine Gemeinde im Landkreis Obernburg am Main. Am Ende des Zweiten Weltkriegs fanden 1945 an der Wetterau-Main-Tauber-Stellung in Klingenberg Kämpfe zwischen deutschen Truppen und den vorrückenden Amerikanern statt. Die historische Bausubstanz der Stadt wurde davon aber kaum beeinträchtigt. Die Deutschen zogen sich schließlich zurück, sprengten jedoch zuvor die Mainbrücke zwischen Klingenberg und Trennfurt. Die Brücke konnte erst 1950 ersetzt werden.

Weltweit bekannt wurde Klingenberg 1976 durch den Tod von Anneliese Michel, die im Haus ihrer Eltern an extremer Unterernährung starb, nachdem in den Monaten vor ihrem Tod zwei katholische Priester insgesamt 67 Mal den großen Exorzismus an ihr vollzogen hatten.

Eingemeindungen Mit der Auflösung des Landkreises Obernburg kam Klingenberg am 1. Juli 1972 in den neu gebildeten Landkreis Miltenberg. Im Rahmen der Gebietsreform in Bayern wurde Klingenberg am 1. Januar 1976 mit den bis dahin selbständigen Gemeinden Röllfeld und Trennfurt zur neuen Stadt Klingenberg vereinigt.

Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 5987 auf 6160 um 173 Einwohner bzw. um 2,9 %. 2000 zählte die Stadt 6361 Einwohner. Quelle: BayLfStat

Religionen Christentum Die Stadt ist mehrheitlich römisch-katholisch, die drei Pfarrgemeinden St. Pankratius in Klingenberg, Mariä Himmelfahrt in Röllfeld und St. Maria Magdalena in Trennfurt gehören zum Dekanat Obernburg innerhalb des Bistums Würzburg.

Älteste der drei Kirchen ist St. Pankratius im Stadtteil Klingenberg, das markant oberhalb der Altstadt steht. Der gotische Chorraum und die Sakristei stammen aus dem 15. Jahrhundert, der Kirchturm und das Langschiff wurden 1617 mit Geld aus dem Vermögen der Mutterkirche St. Michaelis in Grubingen errichtet. Ihren heutigen Grundriss und die spätgotische Ausstattung erhielt die Kirche Ende des 19. Jahrhunderts. Die beiden Kirchen in Röllfeld und Trennfurt stammen aus der Barockzeit (17. beziehungsweise 18. Jahrhundert); die Trennfurter Kirche wurde nach einem Brand 1975 infolge eines Blitzschlages teilweise neu gestaltet.

mini|hochkant|Evangelische Trinitatis-Kirche Im Jahr 1927 errichteten die evangelischen Christen einen Betsaal für ihre Gottesdienste. Aus Platzgründen wurde durch den Architekten Franz Gürtner eine neue Kirche errichtet, welche am 5. Juni 1966 geweiht wurde. Wertvollster Ausstattungsgegenstand ist neben einer reinen Holz-Orgel mit 11 Registern von Henk Klop ein Buntglasfenster von Josef Reißl.Website der evangelischen Kirchengemeinde, abgerufen am 27. Juli 2017

Jüdische Gemeinde Juden lebten nachweislich bereits im Mittelalter hier. Die Stadt wird 1298 in einer Liste der Orte aufgeführt, in denen sie beim sogenannten „Rintfleisch-Pogrom“ verfolgt wurden. Auch im 15. Jahrhundert werden Juden genannt, 1429 im Zusammenhang mit der Eintreibung der königlichen Judensteuer. 1461 war ein Jude aus Klingenberg eines Mordes beschuldigt worden. 1671 und 1700 wurden in Klingenberg sogenannte Judenlandtage abgehalten. Im Jahr 1900 zählte die jüdische Gemeinde 26 Personen, was etwa 2,0 % der Gesamteinwohnerzahl entsprach. Die jüdische Gemeinde besaß eine Synagoge in Form eines kleinen Betsaals und eine Religionsschule. Verstorbene wurden auf dem jüdischen Verbandsfriedhof in Reistenhausen begraben, der auch für Verstorbene aus Eschau, Fechenbach, Freudenberg, Mönchberg, Röllbach und Sommerau als Guter Ort diente. Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Berthold Fried (* 18. Oktober 1890 in Klingenberg, gefallen am 11. August 1914); sein Name steht auf dem Kriegerdenkmal für die Gefallenen beider Weltkriege auf dem Friedhof der Stadt in der Wilhelmstraße.Walter Hermann: Juden in Klingenberg. In: 700 Jahre Stadt Klingenberg. Klingenberg 1976, S. 177–179.