mini|Gedenkstein für den Ort in Lichtenau mini|Tornow auf dem Messtischblatt Lübbenau aus dem Jahr 1903 Tornow, , war ein Dorf im heutigen Stadtgebiet von Calau im Landkreis Oberspreewald-Lausitz in Brandenburg. Der Ort wurde 1968 zugunsten des Braunkohletagebaus Schlabendorf-Nord vollständig devastiert, 364 Einwohner wurden umgesiedelt. Tornow gehörte zuletzt zur Gemeinde Kittlitz.

Lage Tornow lag in der Niederlausitz, etwa neun Kilometer südlich der Stadt Lübbenau zwischen Hindenberg im Norden, Lichtenau im Osten, Zinnitz im Süden und Schlabendorf am See im Westen. Die ehemaligen Gemarkung Tornows liegt heute teilweise im Lichtenauer See und in der nach dem Ort benannten Tornower Niederung in der Bergbaufolgelandschaft Schlabendorf-Seese.

Geschichte Tornow wurde im 14. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Für das genaue Jahr gibt es abweichende Quellen. Entweder erfolgte die Ersterwähnung in den Meißner Bistumsartikeln aus dem Jahr 1346 oder gemäß abweichenden Quellen im Jahr 1377. Der Ortsname stammt aus der sorbischen Sprache und bedeutet „Ort, wo Dornensträucher stehen“. Die Region war jedoch bereits früher besiedelt. Bei archäologischen Ausgrabungen konnten Häuser in Blockbauweise aus dem 11./12. Jahrhundert gesichert werden. Außerdem konnte ein Schwellenbau aus dem 13./14. Jahrhundert mit einer Grundfläche von 10,64 Quadratmetern sowie einen teilweise unter dem Haus liegender Keller an der Südwestecke gesichert werden. Die Schwellen, die vermutlich aus Holz bestanden, waren zwar nicht mehr vorhanden, jedoch konnten die in den anstehenden Lehm eingetieften Schwellgräben nachgewiesen werden.Günter Mangelsdorf: Haus, Hof und Siedlung während des 12. bis 12. Jahrhunderts in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern: Zum Stand der archäologischen Forschung. In: Friedrich Beck, Klaus Neitmann (Hrsg.): Brandenburgische Landesgeschichte und Archivwissenschaft. Festschrift für Lieselott Enders zum 70. Geburtstag, 1997, S. 4 und 6.

Nach den Vereinbarungen des Wiener Kongress und der daraus resultierenden Änderung der Grenzverläufe kam die Niederlausitz und somit auch Tornow an das Königreich Preußen. Dort lag der Ort im Landkreis Senftenberg im Regierungsbezirk Frankfurt. Am 1. Januar 1926 wurde das benachbarte Lichtenau nach Tornow eingemeindet. Am 25. Juli 1952 wurde die Gemeinde Tornow dem damals neu gebildeten Kreis Calau zugeordnet. Am 25. Januar 1968 wurde Tornow nach Kittlitz eingemeindet. Zu diesem Zeitpunkt hatten bereits die meisten Bewohner den Ort verlassen.

Noch im selben Jahr wurde Tornow zugunsten der Braunkohlegewinnung in der Lausitz devastiert. 364 Einwohner mussten umgesiedelt werden, 106 Familien zogen in die Neustadt von Lübbenau, die verbliebenen 22 Familien siedelten in andere Dörfer über.Gabriela Müller: Sieben mal sieben gleich 50 Jahre Lübbenau-Neustadt. Stadt Lübbenau (Hrsg.), Lübbenau 2009, S. 78. Im April 1968 verließ die letzte Einwohnerin den Ort.

Ende der 1990er-Jahre wurde auf dem Gebiet der ehemaligen Dorflage ein Gedenkstein für den Ort aufgestellt. Der Bereich, auf dem sich dieser Stein befindet, ist heute aus Sicherheitsgründen gesperrt, im September 2014 wurde am Ufer des Lichtenauer Sees in Lichtenau ein neuer Gedenkstein aufgestellt. An derselben Stelle befand sich zeitweise auch das ehemalige Ortsschild Tornows. Nach einer weiteren Gebietsänderung gehört das ehemalige Gemeindegebiet Tornows heute zum Ortsteil Zinnitz der Stadt Calau.

Bevölkerungsentwicklung Einwohnerentwicklung in Tornow von 1875 bis 1964Jahr EinwohnerJahr EinwohnerJahr Einwohner187531619253121946517189028619333491950485191032219393401964387

Siehe auch Liste der abgebrochenen Orte im Lausitzer Kohlerevier Archiv verschwundener Orte

Literatur Frank Förster: Verschwundene Dörfer im Lausitzer Braunkohlenrevier. 3., bearbeitete und erweiterte Auflage, Domowina-Verlag, Bautzen 2014, S. 315–322. Dokumentation bergbaubedingter Umsiedlungen, Archiv verschwundener Orte, Forst/Horno, 2010

Weblinks Archiv verschwundener Orte Tornow im Archiv verschwundener Orte

Nachweise

Kategorie:Geographie (Calau) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Oberspreewald-Lausitz) Kategorie:Wüstung im Landkreis Oberspreewald-Lausitz Kategorie:Ersterwähnung im 14. Jahrhundert Kategorie:Gemeindeauflösung 1968 Kategorie:Wüstung in der Lausitz Kategorie:Abgebaggerter Ort Kategorie:Zerstört in den 1960er Jahren