Die Deutschen Jungdemokraten waren ein politischer Jugendverband, der 1919 als eine der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) nahestehende Jugendorganisation gegründet wurde. In der Bundesrepublik Deutschland bildeten die Jungdemokraten den Jugendverband der FDP, bis sie seit 1982 parteiunabhängig arbeiteten. Im Jahr 1992 schloss sich der Verband mit der Marxistischen Jugendvereinigung Junge Linke unter dem Namen Jungdemokraten/Junge Linke zusammen.

Weimarer Republik mini|hochkant|Lilo Linke bei einem Ausflug der Berliner Jungdemokraten zum Wannsee, Sommer 1928

Vom 25. bis 27. April 1919 kamen in Berlin zahlreiche der Deutschen Demokratischen Partei nahestehende Jugendvereine zusammen. Diese fassten den Beschluss, die Jugendvereine zu einem Bund zusammenzuschließen. Im Vorfeld des Parteitags der DDP im darauffolgenden Juli wurde dann der Reichsbund demokratischer Jugendvereine gegründet. Die Mitgliedsvereine des Reichsbundes entsandten je einen bis drei Delegierte zum jährlichen Reichsjugendtag.

Bald kam der Name Jungdemokraten auf. Nachdem sich bereits 1922 der bayerische Verband in Jungdemokratischer Verband Bayern umbenannt hatte, änderte der Reichsbund im Jahr 1928 seinen Namen in Reichsbund der Deutschen Jungdemokraten. In den Jahren bis 1923 gab es neben Jugendlichen, die sich politisch engagieren wollten, auch eine beträchtliche „freideutsche“ Strömung im Reichsbund.

Die Freideutsche Jugend war vor dem Ersten Weltkrieg aus dem Wandervogel entstanden, als Gründungstag kann der Erste Freideutsche Jugendtag im Oktober 1913 auf dem Hohen Meißner gelten. Zu Beginn eher unpolitisch, wandten sich unter dem Eindruck des Krieges die „Freideutschen“ in der frühen Weimarer Republik verschiedenen politischen Richtungen zu. Innerhalb der demokratischen Jugendvereine legten die sich als freideutsch verstehenden Jugendlichen den Fokus auf Erziehung und Bildung im Sinne der Demokratie und lehnten es ab, sich mit tagespolitischen Fragen zu beschäftigen. Auf den Reichsjugendtagen 1922 und 1923 wurde eine Dominanz der „Politischen“ deutlich, worauf sich 1923 die „Freideutschen“ aus dem Verband zurückzogen. Um diese Zeit zerfiel auch die Freideutsche Jugend.

Die DDP verlor zum Ende der Weimarer Republik zunehmend Wähler und rückte immer weiter nach rechts. Zur Reichstagswahl 1930 bildete sie eine gemeinsame Liste mit der Volksnationalen Reichsvereinigung, die aus dem Jungdeutschen Orden (JungDO) heraus gegründet worden war, unter dem Namen Deutsche Staatspartei. Der Jungdeutsche Orden war nationalliberal orientiert, hierarchisch organisiert und teilweise antisemitisch. Die Vereinigung war unter anderem von Ernst Lemmer vorangetrieben worden, der gerade zuvor als Vorsitzender der Jungdemokraten zurückgetreten war. Auch wenn die angestrebte Fusion letztlich scheiterte, benannte sich die DDP in Deutsche Staatspartei um.

Linke und pazifistische Mitglieder der DDP, darunter viele Jungdemokraten, widersetzten sich erbittert der angestrebten Vereinigung und gründeten im selben Jahr die Radikaldemokratische Partei, in der auch der Friedensnobelpreisträger Ludwig Quidde Mitglied wurde. Zu den jungdemokratischen Gründungsmitgliedern der Radikaldemokratischen Partei gehörten Erich Lüth, der zuvor als Pazifist aus den Jungdemokraten ausgeschlossen worden war, die Soziologin Julie Meyer, die Schriftstellerin Lilo Linke sowie Irma Dehler, die Ehefrau von Thomas Dehler. Hierdurch wurden die Jungdemokraten effektiv gespalten. Die Spaltung wurde im darauffolgenden Jahr abgeschlossen durch Umbenennung des Reichsbundes in Reichsbund der staatsbürgerlichen Jugend durch den Vorstand. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 verliert sich die Spur des Reichsbundes.

Mitglieder der Jungdemokraten in der Weimarer Republik, die Bedeutung erlangten, waren – neben den genannten Personen – der spätere Reichstagsabgeordnete Heinrich Landahl, die späteren Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus Ernst Strassmann und Hans Robinsohn, der spätere Vorsitzende der FDP Thomas Dehler, der spätere deutsche Bundespräsident Gustav Heinemann sowie die Schauspielerin Inge Meysel.

Zeit nach 1945 mini|links|hochkant|Wahlaufruf der Jungen Union und der Jungdemokraten für CDU und FDP im Jahr 1949

1947 gründeten sich die Jungdemokraten unter dem Namen Deutsche Jungdemokraten (DJD) unter dem Wahlspruch „National im Fühlen, liberal im Denken, sozial im Handeln“ als Jugendverband der FDP neu. Es war damals die Idee Thomas Dehlers, wieder den Namen Jungdemokraten zu verwenden. Es sollte so direkt an die Geschichte der Jungdemokraten in der Weimarer Republik angeknüpft werden. Auf dem ersten FDP-Bundesparteitag 1949 wurden die Deutschen Jungdemokraten von der FDP als Jugendorganisation satzungsmäßig anerkannt.

Wie auch in der FDP gab es in den Anfangsjahren bei den Deutschen Jungdemokraten einen Streit über die Frage, ob eine „Wiederherstellung des Deutschen Reiches“zitiert nach der Satzung des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen von 1953, abgedruckt in Michael Kleff: Die Geschichte der Deutschen Jungdemokraten von 1945 bis 1975 anzustreben sei.

Im Jahr 1950 gründeten Studenten, die einer nostalgisch-nationalen Ausrichtung kritisch gegenüberstanden, darunter besonders Studenten, die aus der sowjetischen Zone oder der DDR kamen, den Liberalen Studentenbund Deutschlands (LSD). Während die Landesverbände der Jungdemokraten dann im eskalierenden FDP-„Flügelstreit“ zwischen einem nostalgisch-nationalen und einem dezidiert liberalen Flügel im Vorfeld des Bundesparteitags 1952 unterschiedliche Position bezogen, stellte sich der LSD klar auf Seite des liberalen Flügels. Der LSD bezog auch später immer wieder Positionen, die als links der zeitgleichen Positionen der Jungdemokraten wahrgenommen werden, und nahm dabei auch Entwicklungen bei den Jungdemokraten vorweg.

Unter dem Vorsitz von Wolfgang Mischnick von 1954 bis 1957 wurde schließlich der nostalgisch-nationale Flügel weitgehend aus dem Verband gedrängt. Teilweise lebte aber noch entsprechendes Pathos fort. So führte der Bundesvorstand im Jahr 1961 eine pathetische und national aufgeladene Sonnwendfeier am Hermannsdenkmal durch.

Bis Ende der 1960er Jahre hatten die Jungdemokraten dann wie auch die FDP eine klassisch-liberale Ausrichtung. In gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fragen wurde dabei das Unternehmertum und die Eigenverantwortung betont, die Sozialpolitik sollte sich auf eine Sicherung des Existenzminimums beschränken.vgl. hierzu das Programm der Deutschen Jungdemokraten von 1963, abgedruckt in Appel, Kleff: Grundrechte verwirklichen, Freiheit erkämpfen – 100 Jahre Jungdemokrat*innen, S. 92 und 108 oder das Programm 68, zusammengefasst in Jürgen Kunze: Die Jungdemokraten zwischen Liberalismus und Sozialismus

Ein wesentliches Interesse der Jungdemokraten galt der Deutschen Frage. So benannten sie in ihrem 1963 beschlossenen Programm der Deutschen JungdemokratenDas Programm der Deutschen Jungdemokraten von 1963 ist abgedruckt in: Appel, Kleff: Grundrechte verwirklichen, Freiheit erkämpfen – 100 Jahre Jungdemokrat*innen, S. 92 und 108 die „friedliche Wiedervereinigung Deutschlands in einer freiheitlichen Ordnung“ als die „wichtigste Aufgabe deutscher Politik“. Mit diesem Ziel entwickelten sie von 1962 bis 1968 eine auf Entspannung und Dialog setzende Ostpolitik. Die Jungdemokraten vertraten und handelten hier nach Prinzipien, die dann grundlegend für die von der sozialliberalen Koalition unter Kanzler Willy Brandt und Außenminister Walter Scheel durchgeführten Neuen Ostpolitik wurden.

Abgesehen von sporadischen Kontakten in die DDR beginnend mit einem Besuch Wolfgang Mischnicks beim Deutschlandtreffen der FDJ 1954 war hierfür der Liberale Studentenbund Vorreiter. Als dieser 1959 an den von Verbänden des Ostblocks dominierten Weltjugendfestspielen in Wien teilnahm, wurde er allseitig und auch vom Vorstand der Jungdemokraten scharf angegriffen. Ausgehend von Führungspersonen des LSD entwickelten die Jungdemokraten dann ab 1962, die im Jahr zuvor durch den Mauerbau geschaffenen Realitäten anerkennend, ihre Konzeption einer Ostpolitik. Sie forderten zunächst die Aufgabe der Hallstein-Doktrin, nach der die Bundesrepublik jedem Staat die diplomatischen Beziehungen aufkündigte, der solche zur DDR aufnahm, 1963 dann normale politische Beziehungen zu allen Ostblockstaaten und die Wiederzulassung des Vertriebs von Zeitschriften aus der DDR. Im Jahr 1965 nahmen die Jungdemokraten – im Gegensatz auch zu den Jusos – an den Weltjugendfestspielen teil, 1966 nahmen sie offizielle Kontakte mit dem sowjetischen Jugendverband Komsomol auf.

Auch gerade aufgrund der geforderten Ostpolitik wünschten sich die Jungdemokraten schon nach der Bundestagswahl 1965 und dann verstärkt beim Bruch der CDU-FDP-Koalition 1966 eine sozialliberale Koalition; stattdessen kam es zur ersten Großen Koalition.

mini|hochkant|Plakate der Jungdemokraten zum Hungerstreik gegen die Notstandsgesetze vor dem Bremer Dom im Mai 1968

Studentenbewegung und Sozialliberale Koalition Die Studentenbewegung nahm die Jungdemokraten nicht direkt auf. Im Jahr 1968 beschloss man ein Programm 68 mit stark liberaler Handschrift, Betonung des Rechtsstaats und von Grund- und Bürgerrechten. Im Gegensatz zu den damaligen Jungsozialisten gab es in der DJD-Satzung keine Koppelung an Parteimitgliedschaft; die FDP wurde lediglich als „parlamentarischer Ansprechpartner“ betrachtet und nur die Mitglieder im FDP-Bundesvorstand mussten Parteimitglied sein. Unter dem Einfluss der Studentenbewegung kamen ab 1968 viele Personen zu den Jungdemokraten, die keine FDP-Mitglieder waren. Die Jungdemokraten orientierten sich nunmehr dezidiert nach links und wandten sich sozialliberalen, antiautoritären, radikaldemokratischen und – wie man selbst formulierte – „systemüberwindenden“ Ideen zu. Parallel dazu orientierte sich der FDP-nahe Liberale Studentenbund Deutschlands (LSD) während der Studentenbewegung nach links, trennte sich 1969 von der FDP, und zerfiel bis 1971.

Nach etwa zweijährigen Diskussionen über verschiedene Konzepte wurde 1971 ein neues Grundsatzprogramm verabschiedet, die Leverkusener Beschlüsse. Hierin hielten die Jungdemokraten fest, dass Macht und Herrschaft gebrochen bzw. kontrolliert werden müssten, der „Prozess der Emanzipation“ müsse vorwärtstreiben, eine „demokratische Gesellschaft“ erreicht werden. Wenngleich ein historischer und gesellschaftsanalytischer Teil der Beschlüsse marxistisch geprägt war, so wurde in der Strategie ein reformistischer Ansatz verfolgt. In den im selben Jahr verabschiedeten Freiburger Thesen bekannte sich die FDP dann zu einem „Sozialen Liberalismus“ und zu einer „Demokratisierung des Staates und der Gesellschaft“. Hiermit veränderte sich die Programmatik der FDP einerseits dezidiert in die von den Jungdemokraten gewünschte Richtung, wenn sie andererseits auch weit hinter den radikaldemokratischen Forderungen der Jungdemokraten zurückblieb.