HMS Milne (G14) war der Flottillenführer der am 7. Juli 1939 bestellten Zerstörer der M-Klasse der Royal Navy. Der im Januar 1940 bei Scotts Shipbuilding and Engineering Company begonnene Neubau lief am 30. Dezember 1941 vom Stapel. Nach schweren deutschen Luftangriffen auf Greenock im Mai 1941 war die zum Teil erheblich beschädigte Werft nicht in der Lage, den Endausbau durchzuführen. Daher wurde die vom Stapel gelaufene Milne nach Clydebank geschleppt, wo sie bis zum 6. August 1942 bei John Brown & Company fertiggestellt wurde.Service history HMS Milne (G 14) - M-class Flotilla Leader
Die Milne wurde im Zweiten Weltkrieg mit den Battle Honours Arctic 1942–44 und North Africa 1942–43 ausgezeichnet.
Die Milne überstand den Weltkrieg und wurde nach Jahren in der Reserve 1957 mit drei weiteren Schiffen der Klasse an die Türkei verkauft, wo sie als Alp Arslan von 1959 bis 1971 in Dienst war.
Geschichte des Schiffs Am 7. Juli 1939 erteilte die Royal Navy Bauaufträge für acht Zerstörer einer neuen M-Klasse. Bei der Klasse handelte es sich um Nachbauten der 1938 bestellten L-Klasse, von der noch kein Schiff vom Stapel gelaufen war. Die neuen Aufträge gingen paarweise an die ausgewählten Bauwerften, von denen nur Scotts Shipbuilding and Engineering in Greenock auch Schiffe des ersten Auftrags baute. Die Werft sollte das Typschiff der neuen M-Gruppe sowie den dazugehörigen Flottillenführer bauen. Die Kiellegung der Neubauten mit den Baunummern 583 und 584 erfolgte Ende Januar 1940 drei Monate nach den Kiellegungen der beiden von Vickers-Armstrong-Tyne zu liefernden Schiffe und fast zwei Monate nach den beiden Fairfields-Neubauten. Neubau 583 erhielt den Namen Milne und wurde als Flottillenführer der M-Klasse fertiggestellt, wobei sich die Führerboote ab der Tribal-Klasse nur geringfügig von den anderen Zerstörern unterschieden. Meist war nur das hintere Deckshaus größer, um Platz für das zusätzliche Personal zu schaffen. Sie war das zweite Schiff der Navy mit diesem Namen, den zuvor von 1914 bis 1921 ein bei John Brown & Company in Clydebank gebauter Zerstörer der Admiralty M-Klasse getragen hatte. Namensgeber war der britische Admiral Sir David Milne of Milne Graden (1763–1845).
Der Neubau 584 sollte den Namen Marksman erhalten und von der Bauwerft als Typschiff der neuen M-Gruppe fertiggestellt werden. Der in Mahratta umbenannte Neubau kam nach schwerer Beschädigung durch deutschen Luftangriff und erneuter Kiellegung erst im April 1943 als letztes Schiff der Klasse in Dienst. siehe Mahratta.
Die Schäden und Personenverluste in Greenock durch die Angriffe der Luftwaffe verzögerten die an Scotts vergebenen Aufträge erheblich. Auch Aufträge in anderen Zerstörer-Klassen konnten von der Werft nur erheblich verzögert abgewickelt werden.
Einsätze Nach Durchführung aller Tests und Übernahme aller Ausrüstungen und Vorräte verlegte der neue Zerstörer für das „work-up“ zur Home Fleet. Das neue Schiff wurde Flottillenführer der „3rd Destroyer Flotilla“.
Der erste Kampfeinsatz der Milne war im September 1942 die Verteidigung des Nordmeergeleits PQ 18, von dessen 40 Transportern bei Angriffen deutscher U-Boote und Flugzeuge zwölf verloren gingen. siehe HMS Marne Mit dem Geleitzug QP 14 kehrte Milne zurück und verlegte anschließend mit anderen Einheiten der Home Fleet ans Mittelmeer, um die alliierte Landung in Nordafrika zu unterstützen (Operation Torch). Nach anfänglicher Sicherung der dort eingesetzten schweren Einheiten sicherte die Milne dann von Gibraltar aus Geleitzüge. Ende Dezember wurde sie mit der Meteor dem Geleitzug ON 154 zur Verstärkung geschickt, der nordwestlich der Azoren von zwei U-Boots-Rudeln angegriffen wurde. Der von der kanadischen „Escort Group C-1“ (Zerstörer St. Laurent, fünf Korvetten der Flower-Klasse) und einer U-Boot-Falle verteidigte Konvoi verlor dreizehn seiner 50 Frachter. Am 29. Dezember 1942 konnte die Milne die Besatzungen der drei am Vortag versenkten Handelsschiffe Baron Cochrane, Lynton Grange und Zarian fast vollzählig aufnehmen.HMS Milne (G23) uboat.net Die 143 Schiffbrüchigen brachte sie nach Ponta Delgada und kehrte dann zu einer Überholung nach Großbritannien zurück.
Von Mitte Februar bis Mitte März 1943 erfolgten weitere Einsätze bei den Nordmeergeleitzügen JW 53 und dem Rückgeleit RA 53. Anschließend folgten Sicherungsaufgaben unter dem „Plymouth Command“ und im Sommer 1943 war der Zerstörer meist als Sicherung bei Bewegung der schweren Einheiten der Home Fleet im Einsatz, die zum Teil als Ablenkungsmanöver für die alliierte Offensive im Mittelmeerraum dienten und deutsche Kräfte im Nordmeer binden sollten. Dazu kamen etliche Sonderaufgaben, wie Versorgungsfahrten für die Stützpunkte der Alliierten auf Spitzbergen oder Transporte von Personal und Material der Royal Air Force nach Nordrussland, um von dort die Überwachung der Einheiten der deutschen Kriegsmarine in Nordnorwegen zu verbessern.
Am 20. Oktober begann dann der Einsatz im Rahmen der beginnenden Saison der Nordmeergeleitzüge. Zur Rückführung dringend benötigter Handelsschiffe aus Murmansk traf am 28. im Kolafjord eine Escort Group mit den Zerstörern Milne (F), Mahratta, Matchless und Musketeer der „3rd Destroyer Flotilla“, Saumarez, Savage, Scorpion und Scourge der „23th Destroyer Flotilla“ sowie der zu einer Long Range Escort umgebauten Westcott, der norwegischen Korvette Eglantine aus der Flower-Klasse und den Minensuchern Harrier und Seagull der Halcyon-Klasse ein. Im Schutz dieses Verbandes überführten sowjetische Besatzungen fünf kleine Minensucher und sechs U-Jagd-Boote im Rahmen einer »Lend-Lease«-Vereinbarung zur sowjetischen Nordflotte. Von den Deutschen wurde die Überführung nicht erkannt.Rohwer: Seekrieg, 1.11. – 9.12.1943 Nordmeer, Wiederaufnahme der Murmansk-Konvois. Am 1. November lief das Rückgeleit RA 54A mit dreizehn Handelsschiffen von Archangelsk aus, der anfangs durch drei sowjetische Zerstörer und vier Minensucher der Halcyon-Klasse gesichert wurde, von denen Jason und Britomart beim Konvoi blieben, um nach einer Stationierungszeit im Weißen Meer wieder zur Home Fleet zurückzukehren. Ab dem 5. übernahmen die vorgenannten sieben Zerstörer, das Geleitboot Westcott und die Eglantine die Sicherung des Konvois, während Harrier und Seagull als Ablösung von Jason und Britomart zurückblieben. Der Konvoi traf am 14. in Loch Ewe ein, wieder ohne von der deutschen Aufklärung erfasst worden zu sein.Es folgten Einsätze der Milne Ende November/Anfang Dezember 1943 bei den Geleitzügen JW 54A und RA 54B, die von den Deutschen nicht angegriffen wurden, sowie im Januar/Februar 1944 bei den Geleitzügen JW 56B und RA 56. Ab dem 29. Januar wurde von JW 56B zehn deutschen U-Booten angegriffen, von denen nur U 278 den Flottillenführer Hardy traf, die von der Venus mit Fangschuss versenkt werden musste. Kein Boot kam an die 16 Handelsschiffe heran. Den Zerstörern Whitehall und Meteor gelang es, U 314 zu versenken.Rohwer: Seekrieg, 12.1. – 1.2.1944 Nordmeer. Das Rückgeleit lief am 3. Februar von Murmansk aus, gesichert von 23 Zerstörern und Korvetten, darunter Milne, und erreichte am 6. Island mit 37 Handelsschiffen ohne Verluste. Man hatte die Aufstellung von acht deutschen U-Booten umgangen, die durch Meldung eines falschen Kurses durch die deutsche Luftaufklärung die U-Boote in falscher Richtung suchen ließ.Rohwer: Seekrieg, 3.–11.2.1944 Nordmeer, Konvoi-Operation RA.56. mini|Der zur Sicherung von JW und RA 57 eingesetzte Geleitträger Chaser Am 22. Februar 1944 stieß die Milne mit einer von ihr geführten Zerstörergruppe, der noch Mahratta, Matchless, Meteor, Offa, Obedient, Onslaught, Oribi, Savage, Serapis, Swift, Verulam und Vigilant zur „Ocean Escort Group“ des Geleitzugs JW 57. Der bislang größte Konvoi auf der Nordmeerroute erreichte mit allen 42 Handelsschiffen sowjetische Häfen. Verloren ging der Zerstörer Mahratta am 25. Februar 1944, von dem nur 16 Mann gerettet werden konnten.Rohwer: Seekrieg, 20.–28.2.1944 Nordmeer, Konvoi-Operation JW 57. siehe Verlust der Mahratta Mit weitgehend den gleichen Einheiten sicherte die Milne dann den über Island zum Vereinigten Königreich zurücklaufenden Geleitzug RA 57. Der von der deutschen Luftaufklärung früh erfasste Konvoi wurde von sieben deutschen U-Booten angegriffen, die nur einen Transporter versenken konnten. Angriffe auf die Sicherungseinheiten schlugen fehl, auch Milne wurde von einem Zaunkönig-Torpedo des U 703 knapp verfehlt. Den Flugzeugen der Chaser gelang die Beschädigung oder Versenkung von vier der angreifenden U-Boote.Rohwer: Seekrieg, 2.–10.3.1944 Nordmeer, Konvoi-Operation RA.57. An diesen Einsatz schloss sich ein weiterer in der Ferndeckungsgruppe für das folgende Russland-Geleit JW 58 zusammen mit Meteor an, womit das Schiff als Teil der sogenannten Force 1 an der Operation Tungsten partizipierte. Zu dieser Gruppe um die Schlachtschiffe Duke of York und Anson sowie die Träger Victorious und Furious gehörten noch vier Geleitträger, vier Kreuzer und neun weitere Zerstörer, die nicht in die Verteidigung des Konvois eingreifen brauchten.Rohwer: Seekrieg, 27.3. – 5.4.1944 Nordmeer, Konvoi-Operation JW.58. Ende des Monats marschierte die Milne mit der „3rd Destroyer Flotilla“ (Meteor, Marne, Matchless, Musketeer, Ulysses, Verulam, Virago) in einer von dem Kreuzer Diadem geführten Task Force zum Kola Fjord der auch noch die Geleitträger Activity und Fencer, die „6th Support Group“ mit vier kanadischen Fregatten und die 8th Support Group mit acht älteren Zerstörern und die Korvette Lotus angehörten. Der Verband sollte das Rückgeleit RA 59 und 1336 Mann Besatzung des an die Sowjetunion übergebenen US-Kreuzers Milwaukee abholen. Die geplante Mitnahme eines großen Truppentransporters für 1430 sowjetische Marineangehörige, die in Großbritannien Schiffe übernehmen sollten, scheiterte an technischen Problemen der vorgesehenen griechischen Nea Hellas.Rohwer: Seekrieg, 21.–26.4.1944 Nordmeer. Der Konvoi RA 59 lief am 28. April mit 43 Schiffen aus, von denen 17 erst am Vortag von den Eisbrechern Iosif Stalin und Lenin aus dem Weißen Meer herangeführt worden waren. Auf den Schiffen waren die Besatzung der Milwaukee sowie jetzt 2940 sowjetische Seeleute verteilt, die den sowjetischen Anteil an der italienischen Kriegsbeute (1 Schlachtschiff, 9 Zerstörer, 4 U-Boote) in England übernehmen und bemannen sollten. Die deutsche Luftaufklärung erfasste den Konvoi noch am Tag des Auslaufens und zwölf deutsche U-Boote, die in zwei Gruppen ein Geleit nach Russland erwarteten, wurden auf RA 59 angesetzt. Obwohl die U-Boote etliche Angriffe fuhren, konnte sie nur einen Frachter versenken, während die Swordfish der Geleitträger drei U-Boote versenkten.Rohwer: Seekrieg, 28.4. – 6.5.1944 Nordmeer, Konvoi RA.59.
In der folgenden Pause des Geleitverkehrs nach Russland begleitete die Milne wie im Vorjahr Einheiten der Home Fleet bei Vorstößen gegen die norwegische Küste, die wieder die Deutschen beschäftigen sollten und von der Landungsabsicht in der Normandie ablenken sollten. Bei einem dieser Vorstöße versenkte sie am 31. Mai südwestlich der Bäreninsel U 289 mit Wasserbomben. Das deutsche U-Boot hatte zuvor das Anlaufen eines britischen Verbandes gemeldet. mini|HMS Vindex, das Flaggschiff von JW 59