Von Langen ist u. a. der Name zweier westfälischer Uradelsgeschlechter, die wohl nicht stammesgleich sind, jedoch beide im Hochstift Münster ansässig waren.
Die erste Familie („mit der Schafschere im Wappen“) war im Emsland (historisch ein Teil des Niederstifts Münster) beheimatet, die andere („mit den Rauten“) im Münsterland (im historischen Oberstift Münster) sowie ebenfalls im Emsland. Beide Familien teilten sich im Laufe der Jahrhunderte in mehrere Linien. Einige Besitze wechselten zwischen den beiden Familien. Die „Schafscheren-Langen“ erloschen 1838 mit der freiherrlichen Linie zu Spyck; eine 1902 geadelte Linie außerehelicher Nachfahren existiert noch. Die „Langen mit den Rauten“ sind ebenfalls erloschen. Darüber hinaus existierte ein Dortmunder Patrizier- und Adelsgeschlecht Langen (lat. Longus), das auch in Lübeck ansässig war.
Von den westfälischen Familien zu unterscheiden sind andere gleichnamige Adelsgeschlechter: die Herren von Langen(n) aus Brandenburg und Schlesien sowie die Freiherren von Langen aus Mecklenburg und Vorpommern.
Langen („mit der Schafschere“) mini|hochkant|Wappen derer von Langen mini|hochkant|Historische Wappendarstellung
Geschichte Bis zur Teilung 1475 Der Stammsitz befand sich in Oberlangen an der Ems, das bereits um das Jahr 1000 unter dem Namen Langun urkundlich erwähnt wirdGeschichte von Oberlangen. In: Gemeinde Oberlangen. Abgerufen am 8. März 2019. und das heute die Schafschere in sein Wappen aufgenommen hat. Im 13. und 14. Jahrhundert stellten die von Langen Burgmänner, die im Emsland um 1250 auf der Burg Landegge und ab 1392 zu Meppen als Ministerialen wirkten und dort Grundbesitz erwarben.
1276 wird als Erster der Familie Jakob von Langen (* um 1240; † nach 1306), Burgmann auf der niederstiftischen Burg Landegge und Drost des Amtes LandeggeRudolf vom Bruch: Die Rittersitze des Emslandes, Münster, Aschendorff-Verlag 1988, 5. Auflage, ISBN 3-402-05131-1. im Niederstift Münster, erwähnt. Sein Lehngut Oberlangen ist nur etwa vier Kilometer von der Burg Landegge entfernt.
Im Jahre 1377 finden sich im Meppener Urkundenbuch Jakobs Enkel Nikolaus von Langen (* um 1306; † 1382) als Burgmann und Herr auf der Burg Vredevoort an der Ems (bei Geeste)Max-Planck-Institut für Geschichte (Hrsg.), Wilhelm Kohl: Germania Sacra (= Die Kirche des Alten Reiches und ihre Institutionen. Neue Folge 37,1). Bistum Münster, 7. Die Diözese, 1. De Gruyter, Berlin/New York 1999, ISBN 3-11-016470-1, S. 564., mit seiner Frau Ode. Der Bischof Potho von Münster hatte Nikolaus die Erlaubnis gegeben, nahe der Lingen-Tecklenburger Grenze diese Burg zu errichten, um den Übergang über die Ems zu sichern.
Der Sohn Herbord III. von Langen (* um 1347; † zwischen 1417 und 1425), Knappe, verehelicht mit Gertrud von der Hege, wurde Herr auf Meppen, als er das Gut 1392 erwarb, nachdem das Ministerialgeschlecht derer von Meppen abgestorben war. Meppen gehörte schon seit 834 dem Kloster Corvey, dessen Lehnsleute die Langen damit wurden. Die Burg Vredevorth wurde vor 1400 in der Tecklenburger Fehde zerstört und nicht wieder aufgebaut. Als Ausgleich erhielten die von Langen Güter an der Hase bei Haselünne, das ebenfalls zum Corvey’schen Territorium zählte. Sein Sohn Engelbert I. († zwischen 1442 und 1446) erwarb 1427 die neben seinen Ländereien bei Haselünne gelegene KreyenborgAloys Hake, Die Kreyenborg, Herren und Hörige an Hase und Ems, Paperback 148 Seiten, Meppen 2001, S. 34. von Johann von Langen genannt Kreyenribbe aus dem Geschlecht mit den Rauten (siehe unten). Er war verehelicht mit Gertrud von Schatte († nach 1440), welche die Schwakenburg bei Andrup sowie den Burgmannshof in Haselünne mit in die Ehe brachte. Letzterer zählt heute zu den bedeutendsten mittelalterlichen Profanbauten des Emslandes.
Am 20. September 1481 schenkten ihre Söhne, die Knappen Roloff und Engelbert II. von Langen (* 1422; † 23. Oktober 1507) zum Turmbau der Pfarrkirche St. VincentiusDie Pfarrkirche St. Vincentius jeder 5 Fuß „grawes Benthemer steyns in de wyde unde hoge“Dr. della Valle, Meppen: Die Pfarrkirche in Haselünne.. Roloff überfiel 1469 u. a. die Papenburg. Engelbert II. erhielt durch seine Ehe mit Adelheid von Düvel das Gut Gut Stockum. 1470 errichtete das Ehepaar dort die heute noch erhaltene Hauskapelle. Im Jahr 1475 teilten Engelbert II. und sein streitbarer Bruder Roloff die Kreyenborg in Ost- und Westkreyenborg.Aloys Hake, Die Kreyenborg, Herren und Hörige an Hase und Ems, Paperback 148 Seiten, Meppen 2001, S. 39. Mitten über den Burgplatz wurde ein Graben gezogen.
Linie Ostkreyenborg Zum Erbe des Roloff (Rolf/Rudolf) von Langen († 1479), Herr auf Ost-Kreyenborg, gehörten auch die Schatte’schen Besitzungen in Haselünne, darunter der noch heute erhaltene Langen’sche, später Westerholt’sche Burgmannshof,. In: Stadt Haselünne. Abgerufen am 8. März 2019. der im Rittersaal noch einen spätgotischen Sandsteinkamin vom Ende des 15. Jahrhunderts mit den Wappen des Roloff von Langen und seiner Frau aufweist. Der Enkel Adam von Langen († 1610), Herr auf Ost-Kreyenborg, vermählt mit Sidonia, vererbte den Besitz an seinen Sohn Anton von Langen, Herr auf Ost-Kreyenborg († 1622), den letzten Nachfahren seiner Linie. Die unmündige Tochter verlor ihr Erbe, da der Vater im Dreißigjährigen Krieg auf der holländischen Seite gegen seinen Landesherrn, den Fürstbischof von Münster, kämpfte und so das Lehensgut verwirkte.
Linie Westkreyenborg-Haselünne Nach dem Tod Engelberts II. erhielt sein Sohn Nicolaus (1457 – um 1546) die Westkreyenborg und den alten Familienhof zu Meppen.Zu Engelbert II. von Langen und seinen Nachfahren. Dessen Bruder Andreas erbte die Schwakenburg und begründete damit 1525 die Linie Schwakenburg (siehe unten), der Bruder Heinrich erhielt Stockum. Nicolaus hinterließ die Söhne Engelbert III., auf Westkreyenburg und Meppen, Asche auf Stockum, Claus auf Haselünne sowie den Drost Johann auf Hausberge, später auch Haselünne. Engelbert III. hatte die Söhne Engelbert IV. (um 1500–1590) auf Westkreyenburg und Meppen, Nicolaus auf Haselünne und Heinrich auf Sögeln bei Bramsche.
Engelbert von Langen zu Kreyenborg, Richter in Haselünne, erbaute aus zwei 1580 erworbenen Bürgerhäusern am Steintor in Haselünne ein „adliges Freihaus“. Seine Nachkommen veräußerten bereits 1631 das Anwesen, auf dem sich heute ein um 1800 erbautes Herrenhaus befindet, in dem das „Restaurant Jagdhaus Wiedehage“ betrieben wird, welches das Langen’sche Schafscheren-Wappen als Markenzeichen führt.Jagdhaus Wiedehage, Chronik. Claus von Langen auf Westkreyenborg hatte im Jahr 1590 den Hüntelhof in Haselünne (Ritterstraße 5) im Besitz, der auf das 14. Jahrhundert zurückgeht; 1664 wurde der Hof mit Bergfried veräußert.
Engelbert V. († 5. Oktober 1652) litt unter Einquartierungen und Verwüstungen im Dreißigjährigen Krieg. Als er kinderlos starb, fiel der Besitz an seinen Neffen Adam von Langen († 1709) aus Sögeln (siehe unten). Dessen Sohn Heinrich Engelbert Hermann Ignatz Anton von Langen (* 29. Dezember 1684; † 10. Dezember 1741 in Corvey), Herr zu West-Kreyenburg, Fresenburg, Arkenstede (heute Ortsteil von Essen (Oldenburg)), Holte, Kamphaus und Wippingen, Corveyischer Geheimrat, war der letzte männliche Spross der Kreyenborger Linie. Spätere Erbstreitigkeiten mit den Familienzweigen Langen-Schwakenburg, Langen-Spieck und Langen-Sögelen sowie Überschuldung sorgten dafür, dass die Erbin (Sophie Ludowika) des Heinrich Engelbert das Erbe ausschlug.
Der Straßenname „Kreyenborg“ und die Bezeichnung eines Bootsanlegers an der Hase bei Haselünne-Lehrte sind alles, was heute noch an die Wasserburg erinnert, deren Burgstelle in der Ackerflur liegt. Nach 1816 wurde der Grundbesitz nach und nach verkauft, die Herrenhäuser bis 1840 abgebrochen und der Platz eingeebnet.
Zweig Schwakenburg-Haselünne mini|hochkant=0.7|Epitaph des Rudolf von Langen († 1610) und der Margarethe von Hake in der St. Vincentius-Kirche in Haselünne
Unter Andreas von Langen (* um 1468; † um 1555), Herr auf Schwakenburg, wurde diese 1538 bei einem Einfall der Grafen von Oldenburg niedergebrannt. Der Sohn und Erbe, Rudolf von Langen zu Schwakenburg und Haselünne († 26. April 1610), bat den Bischof von Münster um Entschädigung für die Brandschatzung, wurde aber zurückgewiesen. Das Gut war bereits schwer verschuldet. Da die Ehe Rudolfs mit Margarethe von Hake (Epitaph in St. Vincentius zu Haselünne) kinderlos blieb (er hatte jedoch einen unehelichen Sohn, siehe unten: Briefadelsgeschlecht), bestimmte dieser die Nichte seiner Frau zur Erbin. Johanna Elisabeth von Hake brachte Schwakenburg sowie den Langen’schen Burgmannshof in Haselünne dann an ihren Ehemann Michael Wilhelm Kobolt von Tambach († 1667). Die Schwakenburg wurde nicht wieder aufgebaut; der Burgmannshof in Haselünne kam später an die Grafen von Westerholt.
Zweige Hausberge, Sögeln, Oberstadt und Spyck Der Drost Johann von Langen (um 1510 – nach 1578) wurde 1564–1578 Kanzler der Grafschaft Schaumburg und erhielt als schaumburgische Lehen ab 1567 Güter in Hausberge und Eininghausen (bei Minden).Ahnentafel von Hans Scharpenborg. In Hausberge besaßen die Langen mehrere Gebäude, darunter ab etwa 1700 bis 1765 den (noch erhaltenen) von Langen’schen Hof.Der v. Langensche Hof. In: Karl Adolf Freiherr von der Horst: Die Rittersitze der Grafschaft Ravensberg und des Fürstentums Minden. S. 180.
Heinrich von Langen, Drost von Fürstenau und Vörden, erwarb 1590 in einer zwangsweisen Veräußerung das Gut Sögeln bei Bramsche. Die Langen waren im Osnabrückschen neben Sögeln um 1747 auch noch zu Rothenburg ansässig. 1750 fiel Sögeln durch die Heirat der Erbin Isabella Judith Sophie von Langen an ihren Ehemann, den preußischen Minister Julius August von der Horst.Zur Geschichte von Sögeln.
Humpert von Langen († 1614) wurde kursächsischer Oberaufseher der Grafschaft Henneberg und 1606 mit dem Wasserschloss Oberstadt in Thüringen belehnt. Er besaß auch das Freigut in Breitenbach, das 1619 von seinen Erben verkauft wurde. Sein Nachfahre, der Landforstmeister Johann Georg von Langen, der sich um Aufforstung, Papierherstellung und den Kartoffelanbau verdient gemacht hat und 1747 die Porzellanmanufaktur Fürstenberg gründete, wurde 1699 in Oberstadt geboren, das noch bis 1712 im Besitz der Familie blieb.
Claus Jobst von Langen zu Haselünne und Lehrte heiratete Gertrud von Münster, Tochter des Johann von Münster zu Havighorst und Drenthe und seiner Gemahlin aus der Familie von Grothaus. Deren Bruder Karl von Grothaus setzte um 1650 seine Nichte als Erbin für das Gut Spyck bei Bramsche ein (das im Mittelalter schon den Langen „mit den Rauten“ gehört hatte). 1838, mit dem Tod des Nicolaus Friedrich Joseph Freiherr von Langen, erlosch das Geschlecht der Langen zu Spyck und damit wohl das Gesamtgeschlecht der „Schafscheren“-Langen. Er vermachte seiner Nichte Marie Sophie alle Güter und auch das Gut Spyck. 1824 heiratete sie den wohlhabenden Lingener Kaufmann Bernhard Alexander Moritz Oosthuys. 1938 übertrugen die Geschwister Paula und Maria Oosthuys das Gut ihrer Nichte Paula Suurmann.
Wappen In Silber eine aufgerichtete, rote Schafschere (oder Tuchmacherschere).Wappenbuch des westfälischen Adels, Max von SpiessenOtto Gruber: Die Wappen des südoldenburgischen Adels. In: Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland 1971. Vechta 1970, S. 24. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein rot-silberner Adlerflug.
Namensträger Herbert von Langen († 1578) aus Stockum, Domherr in Bremen, Korrespondenz mit Philipp Melanchthon, Albert Hardenberg und Johannes Molanus, gestorben in Emden Humpert von Langen († 1614) auf Oberstadt, fürstlich-hennebergischer und kursächsischer Hofbeamter Johann Georg von Langen (* 22. März 1699; † 25. Mai 1776), Herzoglich-Braunschweigischer Hof- und Oberjägermeister sowie Norwegischer Generalforstmeister