Das Tilman-Riemenschneider-Gymnasium in Osterode am Harz ist eine englisch-bilingual fördernde Schule, die nach dem Künstler, Bürgermeister und Freiheitskämpfer Tilman Riemenschneider (1460–1531) benannt wurde. Das Gymnasium wurde im Jahr 1420 gegründet. Seit 2017 hat es den Status einer mitwirkenden UNESCO-Projektschule. mini|hochkant=0.6|Tilman RiemenschneiderMutmaßliches Selbstporträt, Detail vom Creglinger Marien-Retabel

Schulname Die ersten Jahrhunderte seit ihrem Bestehen führte die Schule keinen individuellen Namen. Erst am 25. August 2005 wurde dem Gymnasium vom Schulträger, dem Landkreis Osterode am Harz, der Name Tilman-Riemenschneider-Gymnasium gegeben,Albrecht Schütze: Das Tilman-Riemenschneider-Gymnasium Osterode am Harz. Ein Beitrag zur Geschichte des höheren Schulwesens der Stadt Osterode am Harz, Paul Krösing, Osterode am Harz 2006, S. 7. nachdem sich die Schulgremien auf einen gemeinsamen Vorschlag geeinigt hatten.

Der Namensgeber Tilman Riemenschneider war ein deutscher Bildschnitzer und Bildhauer sowie Bürgermeister und Freiheitskämpfer. Er zählt zu den bedeutendsten Künstlern am Übergang von der Spätgotik zur Renaissance um 1500. Er verbrachte einen Teil seiner Jugend und damit auch seine Schulzeit in Osterode. Ein Besuch der Lateinschule ist hingegen nicht belegt.Albrecht Schütze: Das Tilman-Riemenschneider-Gymnasium Osterode am Harz. Ein Beitrag zur Geschichte des höheren Schulwesens der Stadt Osterode am Harz, Paul Krösing, Osterode am Harz 2006, S. 9.

Die Vorlage für das Schullogo ist eine Federzeichnung Tilman Riemenschneiders, die vom Studienrat Karl Grönig angefertigt wurde. Grönig hatte sich bereits 1931 für eine Umbenennung der Schule in Tilman-Riemenschneider-Gymnasium engagiert.

Schulgeschichte

Erste Erwähnungen einer Schule Am 2. November 1287 wurde in einer Urkunde des Klosters Wiebrechtshausen bei Northeim das erste Mal das Bestehen einer Schule in Osterode erwähnt.Johann Michael Reu: Quellen zur Geschichte des kirchlichen Unterrichts in der evangelischen Kirche Deutschlands zwischen 1530 und 1600. 1. Teil: Quellen zur Geschichte des Katechismus-Unterrichts, Georg Olms Verlag, 1904, S. 953. Ein Jahrhundert später wurde die Schule wieder erwähnt.

Städtische Patronatsschule Am 6. Februar 1420 übertrugen die Herzöge Friedrich von Grubenhagen (1350–1421), dessen Sohn Otto von Grubenhagen (1396–1452) sowie Friedrichs Neffe Erich I., Herzog von Braunschweig-Grubenhagen (1383–1427) in einem Privileg das Patronat über die Schule an den Rat der Stadt Osterode. Zu diesem Zeitpunkt waren nur zwei Lehrer an der Schule tätig: ein Rektor und ein Kantor.Johann Georg Friedrich Renner: Historisch-topographisch-statistische Nachrichten und Notizen von der Stadt Osterode am Harze. August Sorge, Osterode am Harz 1833, S. 290; zur Übertragung der Patronatsrechte 1420 siehe auch Niedersächsische Lebensbilder, Band 4, hrsg. von der Historischen Kommission für Niedersachsen 1939, S. 222 sowie Jörg Leuschner: Osterode: Welfensitz und Bürgerstadt im Wandel der Jahrhunderte, G. Olms, Hildesheim 1993, ISBN 3-487-09808-3, S. 33. Das zugehörige Pergament mit den Siegeln der drei Herzöge befindet sich im Stadtarchiv Osterode am Harz.Hanse, Städte, Bünde: Katalog, Band 2: Die sächsischen Städte zwischen Elbe und Weser um 1500, Matthias Puhle (Hrsg.), S. 286. Der Wortlaut der Urkunde ist abgedruckt in Georg Max: Geschichte des Fürstentums Grubenhagen, Teil 2, Hannover 1863, S. 51f.; zitiert nach Das Gymnasium Osterode. 550 Jahre in der Obhut der Stadt. 1420–1970, Giebel und Oehlschlägel; Paul Krösing; Stürmann, Osterode am Harz 1970, S. 10.

Nach der Reformation Mit Johannes Sindram bekam die Schule den ersten Rektor nach der Reformation, 1578 erhielt die Lateinschule ihre erste Schulordnung, in der die Einsetzung von zwei Ratsherren als Schulaufsichtsherren sowie eines Geistlichen dokumentiert ist,Gymnasium Osterode am Harz (Hrsg.): Das Gymnasium Osterode. 550 Jahre in der Obhut der Stadt. 1420–1970. Giebel & Oehlschlägel; Paul Krösing; Stürmann, Osterode am Harz 1970, S. 9. und im Jahr 1596 einen ersten „Infimus“ (lat. unterster Lehrer im Rang), der den Küsterdienst übernahm. Im Jahr 1634 wurden jeweils der erste Schreib- und Rechenlehrer eingestellt. Johann Georg Friedrich Renner führte 1833 in seinen Historisch-topographisch-statistische Nachrichten und Notizen von der Stadt Osterode am Harze aus, dass die Schaffung von insgesamt drei Lehrstellen während des Dreißigjährigen Krieges „ein Beweis [sei,] daß das Schulwesen damals hier für eine hochwichtige Angelegenheit gehalten wurde“.Johann Georg Friedrich Renner: Historisch-topographisch-statistische Nachrichten und Notizen von der Stadt Osterode am Harze, August Sorge, Osterode 1833, S. 291.

Auch der Historiker Johann Christoph Gatterer betonte den guten Ruf, den die Schule im 17. Jahrhundert genoss und nannte sie „eine der besten Schulen des Landes“.Johann Georg Friedrich Renner: Historisch-topographisch-statistische Nachrichten und Notizen von der Stadt Osterode am Harze. August Sorge, Osterode 1833, S. 282. Renner bezieht sich dabei konkret auf Gatterers Beschreibung des Harzes, Nürnberg 1792, S. 23. Im Vergleich zu Schulen in Göttingen unterhielt die Lateinschule weitreichende Beziehungen. So wurde sie von Schülern aus Sachsen, Pommern und dem Braunschweiger Land besucht.Cord Meckseper (Hrsg.): Stadt im Wandel. Kunst und Kultur des Bürgertums in Norddeutschland 1150–1650: Landesausstellung Niedersachsen 1985, Bd. 3, Cantz 1985, S. 199. Für Schüler aus Osterode war der Schulbesuch abgesehen von Prüfungsgebühren, Mieten und Lebensunterhalt kostenfrei, auswärtige Schüler mussten hingegen Schulgeld zahlen.Jörg Leuschner: Osterode: Welfensitz und Bürgerstadt im Wandel der Jahrhunderte, G. Olms, Hildesheim 1993, ISBN 3-487-09808-3, S. 318.

Progymnasium und Realgymnasium Infolge der königlichen Verordnung zur Einführung der Maturitätsprüfung vom 11. September 1829 verlor die Lateinschule den Status der „gelehrten Schule“, also des Gymnasiums.Johann Georg Friedrich Renner: Historisch-topographisch-statistische Nachrichten und Notizen von der Stadt Osterode am Harze. August Sorge, Osterode 1833, S. 293. Am 29. März 1870 wurde die Schule, nunmehr ein Progymnasium, als Realgymnasium anerkannt.Deutscher Universitäts- und Schulkalender: auf die Zeit vom 1. Oktober 1870 bis 31. Dezember 1871, Band 20, 1871, S. 122. mini|Ehemalige Luisenschule in der Scheffelstraße mini|Ehemalige Lateinschule, Kommandantenhaus Aegidienstraße 1 Lyzeum 1832 wurde die Private Höhere Töchterschule, aus der später das Luisen-Lyzeum wurde, begründet und in einem Haus in der Waagestraße untergebracht. 1864 wurde diese Einrichtung in einem erweiterten Umfang im „Schul-Local“ im Haus des Kornhändlers Karstedt jun. an der Scheffelstraße fortgeführt. 1920 wurde die Private Höhere Töchterschule, Luisen-Schule, als Städtische Höhere Töchterschule in städtischen Besitz übernommen. 1930 konnten Mädchen dort erstmals ihre Reifeprüfung ablegen.Rudolf Kellermann (Hrsg.): Städtische Oberschule Osterode/Harz, Stürmann, Osterode am Harz 1953, S. 11.

Zusammenschluss der beiden Schulen 1923 wurde das Realgymnasium in ein Reform-Realgymnasium umgewandelt und 1931 erfolgte eine erste Vereinigung des Reform-Realgymnasiums mit dem ortsansässigen Luisen-Lyzeum. Sieben Jahre später wurden beide Einrichtungen wieder getrennt, behielten jedoch eine einheitliche Leitung.

Schließlich wurden beide Schulen 1951 zusammengefasst – diesmal unter der Bezeichnung Städtische Oberschule Osterode/Harz. Die Eröffnung der neuen Oberschule in Herzberg am Harz 1955 wirkte sich stark auf die Schülerzahl aus: Waren 1954 noch 991 Schüler an der Osteroder Oberschule, besuchten 1958 nur noch 617 Schüler die Schule, die nun den Namen Gymnasium Osterode trug.Gymnasium Osterode. Festschrift zur Einweihung des neuen Schulgebäudes im September 1964, Stürmann und Niehus, Osterode 1964, S. 5. mini|Alter Schulhof, wo sich der „Heistermannsche Hof“ befand mini|Schachtrupp-Villa, das fünfte Gebäude der Schulgeschichte

Schulgebäude Die Schule befand sich im 16. Jahrhundert in einem der Pfarrhäuser hinter der Aegidien-Kirche, das daher das zweite Schulgebäude sein dürfte. Das Pfarrhaus brannte am 1. September 1545 ab und wurde erst 1552 wieder neu errichtet.Rudolf Kellermann (Hrsg.): Städtische Oberschule Osterode/Harz, Stürmann, Osterode am Harz 1953, S. 9. Im Jahr 1619 wurde die Schule in das Kommandantenhaus (Aegidienstraße 1) verlegt, das damit das dritte Schulhaus in der Geschichte der Schule wurde. 72 Jahre später wechselte sie wieder ihren Platz und zog in ihre vierte Unterkunft, den „Heistermannschen Hof“ am Alten Schulhof nahe der Marktkirche,H. Wilhelm Mithoff: Kunstdenkmale und Alterthümer im Hannoverschen. Band 2: Fürstenthümer Göttingen und Grubenhagen nebst dem hannoverschen Theile des Harzes und der Grafschaft Hohnstein, Helwig’sche Hofbuchhandlung, Hannover 1873, S. 173. welcher 1887 abgebrannt ist.Alter Schulhof 4 – DKKD Osterode. In: denkmalkunst-kunstdenkmal.de, abgerufen am 5. April 2022.

Bereits 1867 war das damalige Progymnasium nach 176 Jahren, die es im „Heistermannschen Hof“ untergebracht war, in die Villa Schachtrupp auf dem Lindenberg verlegt worden. Die klassizistische Villa war 1819 vom Fabrikanten Johann Friedrich Schachtrupp begonnen und nach dessen Tod von seinem Sohn Johann Georg Wilhelm Schachtrupp fertiggestellt worden.Ingrid Weibezahn: Die Villa Schachtrupp in Osterode am Harz, 4. Sonderheft der Heimatblätter des Heimat- und Geschichtsvereins Osterode am Harz und Umgebung e. V., Giebel und Oehlschlägel, Osterode am Harz 1982, S. 24 f. Das nach dem Zweiten Weltkrieg stark sanierungsbedürftige Schulgebäude konnte erst 1948 wieder voll genutzt werden. 1956 wurden Pläne für einen Schulneubau vorgelegt, ein Jahr später begann bereits der Unterricht im fertigen ersten Bauabschnitt des Neubaus der naturwissenschaftlichen Abteilung. Am 7. Februar 1958 wurde schließlich der fertige Bauabschnitt eingeweiht. Der zweite Bauabschnitt wurde im November 1960 eingeweiht und bezogen. Seit 1964 ist der gesamte Neubau fertiggestellt. Das Gymnasium erhielt dadurch sein sechstes Schulgebäude. Dies ist das erste Gebäude in Osterode, das eigens für den Schulzweck als Gymnasium errichtet wurde.

Allgemeines Ab dem 6. Jahrgang stehen als zweite Fremdsprache die Fächer Französisch, Spanisch und Latein zur Auswahl. Die Schule bietet neben den obligatorischen Unterrichtsfächern eine Hausaufgabenbetreuung unter dem Motto Fördern und Fordern, das Nachhilfeprogramm Schüler helfen Schülern, ein Orchester, einen Jugendchor und eine Schulband an. Es gibt Einrichtungen von Busscouts, Schulsanitätsdienst, Streitschlichtern sowie eine Schülerzeitung. Seit 2005 verfügt die Schule über eine Mensa.Albrecht Schütze: Das Tilman-Riemenschneider-Gymnasium Osterode am Harz. Ein Beitrag zur Geschichte des höheren Schulwesens der Stadt Osterode am Harz, Paul Krösing, Osterode am Harz 2006, S. 56.

Unter dem Namen (Die) Kaffeemühle erschien von Ende der 1950er Jahre bis mindestens 1967 ebenfalls eine Schülerzeitung, die namentlich an den Spitznamen der Schachtrupp-Villa angelehnt war.Schülerzeitung Kaffeemühle c/o Gymnasium Osterode, ,

Bei der Internationalen Mathematik-Olympiade in Japan im Jahr 2023 erreichte der Schüler Paul Jakob Schmidt mit 29 Punkten eine Silbermedaille.

Besondere Angebote Lions-Quest wird als Unterrichtsfach angeboten.

Die Schüler haben die Möglichkeit, eine Chorklasse zu besuchen. In der Woche wird zusätzlich vier Stunden Chorgesang trainiert, während der Musikunterricht daneben wie in den anderen Klassen des Jahrgangs stattfindet.

Die Schule bietet eine englisch-bilinguale Klasse ab Jahrgang 8 an, in der die Fächer Biologie, Sport, Erdkunde und Geschichte auf Englisch unterrichtet werden.