Bomarzo ist eine Oper in zwei Akten und fünfzehn Bildern (Op. 34) von Alberto Ginastera (Musik) mit einem Libretto von Manuel Mujica Láinez nach dessen eigenem gleichnamigen Roman von 1962. Sie wurde am 19. Mai 1967 im Lisner Auditorium in Washington, D.C. uraufgeführt.
Handlung
Pier Francesco Orsini, dem körperlich beeinträchtigten Herzog von Bomarzo, wurde die Unsterblichkeit prophezeit. Zu diesem Zweck bereitet ihm sein Astrologe Silvio de Narni einen Zaubertrank, den Pier Francesco zu Beginn der Oper trinkt. Doch sein Neffe Nicolás hat den Trank aus Rache vergiftet. Während Pier Francesco im Sterben liegt, durchlebt er in Form von Rückblenden und Halluzinationen die Demütigungen und Träume seines Lebens erneut. Bereits als Kind wurde er von seinen Brüdern und seinem Vater Gian Corrado Orsini als Krüppel verachtet und verhöhnt. Als er ein junger Mann ist, schickt ihm sein Vater die Kurtisane Pantasilea – wohl wissend, dass er sexuell versagen wird. Gian Corrado wird im Krieg verwundet und stirbt wenig später. Sein ältester Sohn Girolamo stürzt von einer Klippe, so dass Pier Francesco die Herzogswürde erbt. Er heiratet die schöne Julia Farnese, auf die ihn seine Großmutter Diana hingewiesen hatte. Doch auch diese Beziehung bleibt unbefriedigt, und Julia betrügt ihn mit seinem jüngeren Bruder Maerbale. Pier Francesco lässt Maerbale daraufhin von seinem treuen Sklaven Abul ermorden – der Grund für die Rache von Maerbales Sohn Nicolás.
Erster Akt
1. Bild. „Der Trank“
Bei geschlossenem Vorhang singt ein Hirtenjunge zur Melodie Lamento di Tristano aus dem 14. Jahrhundert, nur begleitet von der Harfe, dass er niemals mit dem von seinen Sünden geplagten Herzog tauschen wolle.
Ein Teil des in Nebel gehüllten Schlossparks von Bomarzo mit Gittern, Bäumen und Felsen; im Hintergrund der Eingang zum „Höllenrachen“
Auf der rechten Seite steigt der Herzog von Bomarzo, Pier Francesco Orsini, mit seinem Neffen Nicolás Orsini und dem Astrologen Silvio de Narni eine gewundene Treppe herab. Letzterer hält einen leuchtenden Kelch in der Hand. Pier Francesco wird vom Lied des Hirtenknaben an seine Kindheit erinnert. Er fühlt sich von seinem bisherigen Leben enttäuscht. Silvio weist ihn darauf hin, dass das Horoskop ihm ein einzigartiges Schicksal und ewiges Leben vorausgesagt habe. Doch dazu müsse er den mitgebrachten Trank zu sich nehmen. Pier Francesco trinkt, bricht dann aber vor Krämpfen zusammen. Die Stimme seiner Großmutter Diana Orsini ruft, dass der Trank vergiftet war: Pier Francesco wurde verraten und muss sterben. Als der Hirtenjunge im Nebel sichtbar wird, versucht Pier Francesco vergeblich, sich ihm zu nähern. Das Kind läuft davon. Der Vorhang senkt sich teilweise und hebt den Eingang zur Höhle hervor, der eine Inschrift trägt: „Lasst alle Gedanken zurück, die ihr eintretet“. Pier Francesco beginnt zu halluzinieren.
2. Bild. „Pier Francescos Kindheit“
Raum im Schloss von Bomarzo mit Zugang zu einer Geheimkammer im zweiten Stock rechts
Im von vier Kandelabern beleuchteten Raum befinden sich ein Sofa und mehrere offene Truhen. Kleidung und Schmuckstücke liegen durcheinander auf dem Boden und auf den Möbeln. Pier Francescos Brüder Girolamo und Maerbale, im Kindesalter, spielen mit den Kostümen. Der kleine Pier Francesco betrachtet sie aus einer Ecke. Die beiden Brüder wollen ihm die Schuld in die Schuhe schieben, falls sich jemand über die Unordnung beschweren sollte. Sie piesacken ihn, machen sich über seinen Buckel lustig und verkleiden ihn erst als Narren, dann als Frau. Im Spiel vermählt Maerbale als Kardinal den zukünftigen Herzog Girolamo mit Pier Francesco. Girolamo stolpert und ergreift dabei einen zwischen dem Geschmeide liegenden Anhänger, den er brutal an Pier Francescos Ohr befestigt. Ihr Vater Gian Corrado erscheint, beschimpft Pier Francesco als Schande für die Familie und steckt ihn zur Strafe in die Geheimkammer, wo er zu seinem Schrecken ein Skelett erblickt. In seiner Phantasie fängt dieses an zu tanzen und ihn zu jagen.
3. Bild. „Das Horoskop“
Privatgemächer des jungen Pier Francesco; im Hintergrund eine Terrasse
Pier Francesco und Silvio stehen als junge Männer an einem Tisch voller Bücher. Silvio erklärt Pier Francesco das Horoskop, in dem seine Unsterblichkeit vorausgesagt wird. Pier Francesco glaubt, dass sein Vater seinen Untergang wünsche und ihn nicht leben lassen werde. Daraufhin beschwört Silvio Dämonen, die seine Wünsche erfüllen sollen. Pier Francesco schreit entsetzt auf. Gleichzeitig sind aus dem Garten klagende Rufe von Pfauen zu hören – für Pier Francesco ein böses Omen. Diana erscheint auf der Terrasse und berichtet, dass ein Bote aus dem von seinem Vater belagerten Florenz gekommen sei: Der Herzog wurde schwer verwundet. Pier Francesco glaubt, dass nach dessen Tod sein Bruder Girolamo die Herzogswürde erben wird. Silvio bezweifelt das. Die beiden gehen auf die Terrasse, um nach dem Herzog Ausschau zu halten.
4. Bild. „Pantasilea“
Schlafzimmer der Kurtisane Pantasilea in Florenz mit prächtigem Bett, großem Schrank und vielen Spiegeln
Gian Corrado hat seinem Sohn eine Kurtisane geschickt, um ihn zu demütigen. Während sie auf Pier Francesco wartet, singt sie ein Loblied auf Florenz, zu dem sie sich selbst auf der Laute begleitet. Dabei wird sie immer wieder von den Schreien der Pfauen gestört. Als der mit einem wertvollen Halsband geschmückte Pier Francesco mit seinem schwarzen Sklaven Abul eintrifft, ist sie insgeheim schockiert über seinen Buckel. Pier Francesco schickt Abul zögernd hinaus. Die Schönheit der Kurtisane bildet einen starken Kontrast zu der deformierten Gestalt Pier Francescos, die er selbst zu seinem Entsetzen in den Spiegeln wahrnimmt. Pantasilea fordert ihn auf, diese zu vergessen: „Zerbrich den Spiegel, den du in dir trägst.“ Als Gegengabe für das Halsband solle er sich etwas von ihren eigenen Schätzen aussuchen. Er öffnet den Schrank, in dem sich verschiedene Aphrodisiaka befinden, darunter Schädel, Knochen, einbalsamierte Kröten und undefinierbare Tinkturen. Entsetzt ruft er nach seinem Diener, der ihn aus dem Raum zieht. Pantasilea lacht auf.
5. Bild. „Am Tiber“ / „Der Tod Girolamos“
Morgens; ländliche Gegend in Bomarzo; links der teilweise hinter einem Felsen verborgene Tiber
Diana Orsini unterhält sich mit ihrem Enkel über die schwere Verletzung des Herzogs, von der er sich wohl nicht mehr erholen werde. Pier Francesco geht weiterhin davon aus, dass sein Bruder Girolamo die Nachfolge antreten und ihn selbst aus dem Weg räumen werde. Diana erinnert ihn in die Prophezeiung: Der „große Bär der Orsini“ werde ihn beschützen. Girolamo erscheint halbnackt auf dem Felsen und belauscht die beiden. Sie bemerken ihn erst, als er grob in Lachen ausbricht. Diana schickt ihre Hofdamen fort. Girolamo behauptet, der Schutz des Bären gelte ihm selbst, dem starken Krieger. Doch dann rutscht er aus, fällt vom Felsen und bricht sich den Hals. Als Pier Francesco ihm helfen will, hält ihn seine Großmutter zurück: „Komm mit mir, Herzog. Komm, Herzog von Bomarzo für immer.“
6. Bild. „Pier Francesco Orsini, Herzog von Bomarzo“
Hauptsaal des Schlosses mit Trophäen und Ahnengemälden; links eine große Tür
Vor den versammelten Höflingen wird Pier Francesco zeremoniell zum Herzog von Bomarzo erklärt. Glocken läuten, und Kardinal Orsini segnet den vor ihm knienden Herzog. Anschließend führt Diana ihren Enkel zur jungen schönen Julia Farnese. Zu Pier Francescos Missfallen nimmt sein Bruder Maerbale sie an der Hand und führt sie an der Spitze der Parade hinaus auf die Terrasse. Pier Francesco bleibt nur die Begleitung seines Sklaven Abul. Eine vermummte Person nähert sich, scheinbar um ihm zu huldigen. Doch unter seinem Umhang zeigt sich eine gesichtslose Gestalt in der Kleidung seines verstorbenen Vaters. Erschrocken erzählt er seiner Großmutter von der Erscheinung. Diese versichert ihm, dass es in Bomarzo keine Geister gebe. Er solle sich lieber um Julia Farnese bemühen, deren Onkel bald zum Papst gewählt werde. Doch Pier Francesco glaubt nicht, dass sie ihn jemals lieben könne.
7. Bild. „Das Fest in Bomarzo“
Terrasse neben dem Saal; an der Seite die groben Mauern des alten Schlosses; Brunnen im Hintergrund; Lampen zwischen den Bäumen
Neben dem mit dem Orsini-Wappen gekrönten Eingangstor grübelt Pier Francesco über sein Schicksal. Unterdessen zieht sich Maerbale mit Julia zurück. Die Höflinge tanzen einen „Passamezzo“. Pier Francescos Traum, Herr über Bomarzo zu werden, hat sich nun erfüllt. Er vergleicht sein rätselhaftes Leben mit den Geheimnissen der noch unbehauenen Steine (die späteren „Grotteschi“) im Garten. Die Szene verdunkelt sich, und wie in einem Traum sieht er sich selbst mit Julia, Pantasilea und Abul eine „Gagliarda“ tanzen. Anschließend versuchen die drei abwechselnd, von ihm Besitz zu ergreifen. Es wird wieder heller. Verschiedene Paare maskierter Tänzer erscheinen. Die Frauen ziehen sich nach einer Weile zurück, doch die Männer nehmen ihre Kostüme ab und geben sich als idealisierte Ebenbilder Pier Francescos zu erkennen, die ihn umringen und auf die Terrasse drängen.
8. Bild. „Das Bildnis des Lorenzo Lotto“
Arbeitszimmer Pier Francescos wie im dritten Bild; an einer Seite sein von Lorenzo Lotto gemaltes Portrait, auf der anderen ein großer mit einer Leinwand verhängter Spiegel
Nach der Heimkehr von der Schlacht gegen Karl V. in der Picardie betritt der Herzog in Lederkleidung den Raum, gefolgt von Abul. Pier Francesco bewundert sein idealisiertes Porträt Lorenzo Lottos mit den perfekten Zügen. Er ist mit sich zufrieden, gesteht Abul seine Zuneigung und denkt über das Mysterium der Liebe nach. Da ihm Ruhm auf dem Schlachtfeld versagt bleibt, glaubt er, sein eigener Ruhm liege anderswo – versteckt zwischen den Felsen in Bomarzo. Er zieht die Leinwand vom Spiegel und erschreckt über die Monstrosität seines wahren Äußeren. Ein Chor erinnert ihn an die Vorhersage seiner Unsterblichkeit. Sein Abbild im Spiegel verwandelt sich in eine Teufelsgestalt mit den Zügen des späteren Höllenrachens. Pier Francesco zerschmettert den Spiegel mit seinem Helm.
Zweiter Akt
9. Bild. „Julia Farnese“
Saal im Palast von Galeazzo Farnese in Rom; auf der rechten Seite eine Treppe zu einem Balkon
Vom Balkon aus beobachtet Pier Francesco eifersüchtig Julia und Maerbale, die begleitet von einer Drehleier ein Madrigal über die höfische Liebe singen. Er steigt unbemerkt die Treppe herunter. Eines der Kammermädchen reicht Maerbale ein Glas Rotwein, das dieser Julia anbietet. Pier Francesco entreißt es ihm, um es ihr selbst zu geben. Dabei verschüttet er den Wein über Julias Kleid. Erschrocken über dieses weitere böse Omen schreit er auf.
10. Bild. „Das Brautgemach“
Gemach im Schloss von Bomarzo
Julia und Pier Francesco haben geheiratet. Der von Kardinal Orsini angeführte Brautzug, in dem sich auch Diana, Silvio und Maerbale befinden, führt das Paar ins Brautgemach. Nachdem sich die Gäste zurückgezogen haben, wird Julia von ihren Kammermädchen entkleidet. Sie singt erneut das Madrigal der vorhergehenden Szene. Pier Francesco fordert sie auf, das unglückselige Lied zu vergessen. Stattdessen solle sie sich die römischen Wandteppiche ansehen, in denen sich die Lilien und Rosen ihrer beider Wappen vereinigen. Plötzlich vermeint er darin einen Dämon mit Totenmaske zu erblicken, schlägt mit den Fäusten auf den Teppich und scheucht die Dienerinnen aus dem Zimmer. Julia fällt erschüttert auf die Knie.
11. Bild. „Der Traum“
Derselbe Schlafraum, aber etwas weiter in der Ferne; in surreales Licht gehüllt